Diensteinheiten des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik

Die Diensteinheiten (DE) der Stasi, des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) arbeiteten konspirativ streng abgeschirmt, deren Aktivitäten gegenüber der Öffentlichkeit verdeckt blieben. Die Macht des Ministeriums für Staatssicherheit und ihrer eingesetzten Diensteinheiten in der DDR wirkte anonym, was ihrem furchteinflößenden Nimbus zugute kam. Strukturen und Personalbestand der Stasi waren dementsprechend ein streng gehütetes Staatsgeheimnis. Erstmals ist offiziell eine realistische Vorstellung vom Ministerium für Staatssicherheit am Runden Tisch in Berlin am 15.1.1990 vermittelt worden, als Manfred Sauer, der damals stellvertretende Leiter des Sekretariats des Ministerrates, für die Regierung Hans Modrow einen Überblick gab, der sachlich durchaus fundiert war. Zum ersten Mal wurde klar ausgesprochen, welche Ausmaße der Apparat des MfS im 40. Jahr der DDR erreicht hatte. Es wurde die Zahl von 85.000 hauptamtlichen Mitarbeitern genannt. Wenige Tage zuvor hatte Peter Koch, zeitweilig Regierungsbeauftragter für die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit, bereits von über 85.000 Mitarbeitern der Stasi gesprochen, und später hat das Komitee zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit unter der Regierung Lothar de Maiziere erneut ca. 85.500 Mitarbeiter festgestellt. In dieser Größenordnung dürfte sich der Personalbestand in den Diensteinheiten der Staatssicherheit in der Tat bewegt haben. Zahlen über mehr als hunderttausend hauptamtliche Mitarbeiter müssen als übertrieben angesehen werden. Zum Teil beruhen sie auf Doppelzählungen. Es ist richtig, daß die Stasi seine Hypertrophierung unter der Ägide Erich Honeckers erfahren hat, aber es ist nicht richtig, daß sie erst mit seiner Zeit an der Spitze der SED anfing. Für das Jahr 1952 ist ein Personalbestand von etwa 4.000 verbürgt. Drei Jahre später war die Personalstärke auf über 9.000 zu beziffert, zweifellos eine Konsequenz aus dem für die Führung der SED und das MfS traumatischen Erlebnis des Aufstands vom 17.6.1953. Im Jahre 1973, also bald nach Walter Ulbrichts Sturz, war der Kaderbestand des MfS bereits auf rund 52.700 angewachsen, das heißt, schon in den fünfziger und sechziger Jahren hatte sich der Bestand an hauptamtlichen Mitarbeitern der Staatssicherheit vervielfacht, eine Tendenz, die sich in den siebziger und achtziger Jahren kontinuierlich fortsetzte, bis sie die im Grunde absurde Zahl von 85.500 erreicht hatte. In Qualität ist die Quantität allerdings nicht umgeschlagen, im Gegenteil, je mehr die Machthaber der DDR die Staatssicherheit stärken wollten, desto stärker müssen sie um die Sicherheit des Staates gefürchtet haben.

Am 1.10.1989 bildeten der Minister für Staatssicherheit und vier Stellvertreter die Führungsspitze des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Armeegeneral Erich Mielke , Generaloberst Rudi Mittig, Generalleutnant Dr. Wolfgang Schwanitz, Generalleutnant Dr. Gerhard Neiber und Generaloberst Werner Großmann. Unter ihrer Leitung gliederte sich die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in 13 Hauptabteilungen und 20 selbständige Abteilungen, ferner in mehrere zentrale Arbeitsgruppen, Stäbe und Verwaltungen sowie nicht zuletzt in die Hauptverwaltung Aufklärung. Ein Kollegium des Ministeriums für Staatssicherheit, in dem Grundsatzentscheidungen beraten wurden, trat mehrmals im Jahr zusammen. Außer dem Minister und seinen Stellvertretern gehörten ihm der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED im MfS an, eine Reihe von Hauptabteilungsleitem und die Leiter wichtiger Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit des MfS. Die Zentrale der Staatssicherheit verteilte sich räumlich auf mehrere große Gebäudekomplexe im Osten Berlins und eine Reihe von Außenobjekten. Die ursprüngliche, bis zuletzt gebräuchliche Dienstanschrift Normannenstraße 22 in Berlin-Lichtenberg war schon in den frühen sechziger Jahren mit dem Sitz des MfS nicht mehr identisch gewesen. Im 40. Jahr seiner Existenz okkupierte das Ministerium für Staatssicherheit mit seinen Bürohochhäusern und umfunktionierten Wohnblocks einen Dienstkomplex in Berlin-Lichtenberg, der sich über mehrere Quadratkilometer von der Frankfurter Allee bis zur Gotlindestraße erstreckte, flankiert von der Magdalenenstraße und der Ruschestraße. Etwa zwei Dutzend, zum Teil in Großbauplattenweise errichtete Verwaltungsgebäude bildeten nun den zentralen Dienstsitz des MfS. Der Minister und seine Stellvertreter hatten hier ihre Büros. Insgesamt umfaßte allein dieser Dienstkomplex in Berlin-Lichtenberg rund 3.000 Verwaltungsräume und Versorgungseinrichtungen. Weitere Gebäudekomplexe unterhielt das MfS im Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen (Dienstobjekt Freienwalder Straße), wo sich die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS befand, ferner in Berlin-Niederschöneweide und in Berlin-Johannistal. Großobjekte existierten ferner in Gosen, in Potsdam-Eiche und der Wuhlheide. Alles in allem verfügte die Staatssicherheit im Raum Berlin über etwa 650 Dienstobjekte unterschiedlicher Zweckbestimmung, in denen rund 33.000 hauptamtliche Mitarbeiter zentraler Diensteinheiten des MfS arbeiteten. Von der Zuständigkeit her waren in der Struktur des MfS dem Minister und seinen vier Stellvertretern jeweils bestimmte Hauptabteilungen, selbständige Abteilungen, Arbeitsgruppen, Stäbe und Verwaltungen verantwortlich zugeordnet.