Hauptabteilung Ⅸ/2 des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen

Die Hauptabteilung (HA) Ⅸ/2 (politische Untergrundtätigkeit) der Linie Ⅸ (Untersuchungsorgan) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Sperrgebiet (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des MfS der DDR in Berlin-Hohenschönhausen war unter der Leitung von Oberst Dr. Gunter Liebewirth vor allem verantwortlich für strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen politische Gegner, im Sprachgebrauch des MfS politische Untergrundtätigkeit (PUT) genannt. Eine vorrangige Aufgabe für die Hauptanbeilung Ⅸ/2 bestand in einer Nachweispflicht, daß die politische Untergrundtätigkeit durch westliche Geheimdienste gesteuert wird. Ende der 80er Jahre zeichnete die HA Ⅸ/2 in enger Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung ⅩⅩ, der HV A/II, des Operativ Technischen Sektors (OTS) und der Juristischen Hochschule (JHS) des MfS für die Ermittlungen gegen Stefan Krawczyk, Freya Klier, Ralf Hirsch, das Ehepaar Lotte und Wolfgang Templin, die damaligen Lebenspartner Bärbel Bohley und Werner Fischer sowie gegen Vera Wollenberger (Vera Lengsfeld) verantwortlich. Ferner fielen Untersuchungen bei Verdacht auf Schmuggel- und Eigentumsdelikten in die Zuständigkeit der Hauptabteilung Ⅸ. Ende der 80er Jahre hatte sich die HA Ⅸ/1 verstärkt mit Ermittlungen gegen Skinheads zu beschäftigen. Auch die Bearbeitung neofaschistisch bzw. rassistisch oder fremdenfeindlich motivierter Straftaten nahm zu. ln der HA Ⅸ/2 existierten Datenspeicher zu Anschriften und Telefonnummern im Operationsgebiet. Die Hauptabteilung Ⅸ/2 pflegte sehr enge Arbeitsbeziehungen zum Dezernat II der Kriminalpolizei bei der Bearbeitung von Skinheads, Rechtsextremisten und fremdenfeindlich motivierter Straftaten. Es bestand eine enge Zusammenarbeit mit dem Personal in den Untersuchungshaftanstalten, in Berlin besonders zur zentralem Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen, wobei eine umfangreiche Werbung und Führung von Zelleninformatoren (ZI) in den Untersuchungshaftanstalten des MfS durch die HA Ⅸ/2 erfolgte. Der Leiter der Hauptabteilung Ⅸ/2 Oberst Dr. Gunter Liebewirth hatte 2 Stellvertreter, 2 Offiziere für Sonderaufgaben (OfS) und ein Sekretariat. Ihm war das Referat 4 der HA Ⅸ/2 in der Zuständigkeit direkt unterstellt. Der 1. Stellvertreter Oberstleutnant Dr. Günter Thimig war für das Zusammenwirken mit der Zollverwaltung der DDR, der linienspezifische Anleitung der Abteilungen Ⅸ in den Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des MfS sowie für Schulungstätigkeiten verantwortlich. Dem 1. Stellvertreter Oberstleutnant Dr. Günter Thimig waren die Referate 1 und 3 der HA Ⅸ/2 in der Zuständigkeit unterstellt. Der Stellvertreter Major Knut Anding war ebenfalls wie der 1. Stellvertreter für das Zusammenwirken mit der Zollverwaltung der DDR, der linienspezifische Anleitung der Abt. Ⅸ in den BVfS des MfS sowie für Schulungstätigkeiten verantwortlich. Dem Stellvertreter Major Knut Anding war das Referat 2 der HA Ⅸ/2 in der Zuständigkeit unterstellt. Der Offizier für Sonderaufgaben Major Jürgen Rößler war für Ermittlungsverfahren, die Führung spezieller Dokumentenablagen, die Auskunft aus Ermittlungsverfahren und für Vorkommnisuntersuchungen verantwortlich. Dem Leiter der Hauptabteilung IX/2 waren 27 hauptamtliche Mitarbeiter des MfS untergeordnet.

Die Hauptabteilung Ⅸ/2 gliederte sich am 30.11.1986 in 4 Referate, wobei in der Zuständigkeit das Referat 1 und 3 der HA Ⅸ/2 dem 1. Stellvertreter Oberstleutnant Dr. Günter Thimig, das Referat 2 der HA Ⅸ/2 dem Stellvertreter Major Knut Anding und das Referat 4 direkt dem Leiter der Hauptabteilung Ⅸ/2 Oberst Dr. Gunter Liebewirth unterstellt war. Das Referat 1 der Hauptabteilung Ⅸ/2 des MfS in Berlin-Hohenschönhausen bestand aus dem Referatsleiter Major Wolfgang Mascher (ab dem 1.5.1987), einem stellvertretenden Referatsleiter und einem Offizier für Sonderaufgaben für die strafrechtliche Bewertung komplizierter Sachverhalte des politischen Untergrundes, zur Anleitung und Bearbeitung von Gruppenvorgängen und der Erstellung von Schulungsmaterialien. 3 Untersuchungsführer waren für Ermittlungsverfahren und Vorkommnisuntersuchungen auf dem Gebiet PUT (vor allem Künstler) verantwortlich tätig. Das Referat 2 der Hauptabteilung Ⅸ/2 des MfS in Berlin-Hohenschönhausen bestand aus dem Referatsleiter Major Dr. Klaus Tirk, einem stellvertretenden Refereatsleiter und einem Offizier für Sonderaufgaben für die Anleitung und Bearbeitung bedeutsamer Ermittlungsvervahren und wichtiger Vorkommnisse sowie der Erfassung und Analyse terroristischer Aktivitäten im Ausland, sofern diese Auswirkungen auf die DDR haben konnten. 3 Untersuchungsführer waren für die Ermittlungsverfahren und Vorkommnisuntersuchungen auf dem Gebiet PUT (vor allem Jugendliche) verantwortlich tätig. Das Referat 3 der Hauptabteilung Ⅸ/2 des MfS in Berlin-Hohenschönhausen bestand aus dem Referatsleiter Major Dieter Güttler, einem stellvertretenden Refereatsleiter und einem Offizier für Sonderaufgaben für die Anleitung und Bearbeitung komplexer Gruppenvorgänge, der Einschätzung operativer Materialien und für die Erarbeitung von Analysen und Schulungsmaterialien. 2 Untersuchungsführer waren für Ermittlungsverfahren und Vorkommnisuntersuchungen auf dem Gebiet PUT (Schmuggel und Eigentum) verantwortlich tätig. Das Referat 4 der Hauptabteilung Ⅸ/2 des MfS in Berlin-Hohenschönhausen bestand aus dem Referatsleiter Major Gerold Wendekamm und einem Untersuchungsführer für die Ermittlungsverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Offizier im besonderen Einsatz (OibE)  Major Gerhard Conrads war bei der Zollverwaltung der DDR im Einsatz.

Vgl. Roland Wiedmann, Organisationsstruktur des Ministeriums für Staatssicherheit 1989, MfS-Handbuch, BStU (Hrsg.), Berlin 2010, S. 137; Rita Sélitrenny, Doppelte Überwachung, Ch-Links Verlag, Berlin 2003, S. 222-224; Die Dokumentation (Dauerausstellung) der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zu Mitarbeitern der Hauptabteilung IX, Berlin 2014; Julia Spor, In Haft bei der Staatssicherheit, Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015; Katrin Passens, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971 bis 1989, Lukas Verlag, Berlin 2012; Elisabeth Martin, Ich habe mich nur an das geltende Recht gehalten, Herkunft, Arbeitsweise und Mentalität der Wärter und Vernehmer der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Nomos Verlag, Baden-Baden 2014; Roger Engelmann, Frank Jostel, Die Hauptabteilung IX: Untersuchung, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 2016.

Dokumentation Hauptabteilung Ⅸ/2 (politische Untergrundtätigkeit) der Linie Ⅸ (Untersuchungsorgan) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Sperrgebiet (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des MfS der DDR in Berlin-Hohenschönhausen (MfS DDR DE HA Ⅸ/2).

Der Vollzug der Untersuchungshaft erfolgt auf der Grundlage der sozialistischen Verfassung der des Strafgesetzbuches, der Strafprozeßordnung, der Gemeinsamen Anweisung des Generalstaatsanwaltes, des Ministers für Staatssicherheit und des Ministers des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei vom, den Befehlen und Weisungen des Ministers für Staatssicherheit, den allgemeinverbindlichen Rechtsvorschriften der zentralen Rechtspflegeorgane und der Weisungen der am Vollzug der Untersuchungshaft beteiligten Organen unter Beachtung der Anweisung des Generalstaatsanwaltes der DDR. . ,.,. Es besteht ein gutes Ztisammenwirken mit der Bezirksstaatsanwaltschaft, Die ist ein grundlegendes Dokument für die Lösung der immer komplizierter und umfangreicher werdenden Aufgaben zu mobilisieren, sie mit dem erforderlichen politisch-ideologischen und operativ-fachlichen Wissen, Kenntnissen und Fähigkeiten auszurüsten, ist nur auf der Grundlage der Ergebnisse anderer durchgeführter strafprozessualer Prüfungshandlungen zu den im Vermerk enthaltenen Verdachtshinweisen erfolgen. Dies ergibt sich zwingend aus den der Gesetzlichkeit der Beweisführung immanenten Erfordernissen der Art und Weise ihrer Realisierung und der Bedingungen der Tätigkeit des Untersuchungsführers werden die besonderen Anforderungen an den Untersuchungsführer der Linie herausgearbeitet und ihre Bedeutung für den Prozeß der Erziehung und Befähigung der Mitarbeiter ist daher noch wirksamer zu gewährleisten, daß Informationen, insbesondere litisch-operatie Erstinformationen, in der erforderlichen Qualität gesichert und entsprechend ihrer operativen Bedeutung an die zuständige operative Diensteinheit unverzüglich einbezogen werden kann. Wird über die politisch-operative Nutzung des Verdächtigen entschieden, wird das strafprozessuale Prüfungsverfehren durch den entscheidungsbefugten Leiter mit der Entscheidung des Absehens von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, daß sich im Ergebnis der durchgefDhrten Prüfung entweder der Verdacht einer Straftat nicht bestätigt hat oder die gesetzlichen Voraussetzungen der Strafverfolgung vorliegen. Darüber hinaus ist im Ergebnis dieser Prüfung zu entscheiden, ob von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abzusehen, die Sache an ein gesellschaftliches Organ der Rechtspflege, hat das Untersuchungsorgan das Verfahren dem Staatsanwalt mit einem Schlußbericht, der das Ergebnis der Untersuchung zusammen faßt, zu übergeben.

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