Zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen

Die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) befand sich inmitten des militärisch abgeschirmten Sperrgebietes (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen, in dem verschiedene Diensteinheiten des MfS tätig waren. Auf dem Gelände der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi befanden sich zudem die zentralen Dienstsitze der Hauptabteilung IX (Untersuchungsorgan) und der Abteilung XIV (Untersuchungshaft- und Strafvollzug) des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Es bestand aufgrund der räumlichen und strukturellen Nähe, beziehungsweise der Abstimmung beider Diensteinheiten und der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi ein wichtiges Zentrum des Repressionsapparates neben der Zentrale der Staatssicherheit im Dienstkomplex Berlin-Lichtenberg. Aus allen Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des MfS der DDR wurden Untersuchungsgefangene aus deren eigenen Untersuchungshaftanstalten in die zentrale Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit nach Berlin-Hohenschönhausen überstellt, oder aber direkt nach Verhaftungen durch die Staatssicherheit eingeliefert.

Aufnahmen vom 26.12.2013 des Raums 128 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 830
Aufnahmen vom 26.2.2012 des Raums 105 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 686
Aufnahmen vom 26.2.2012 des Raums 121 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 358
Aufnahmen vom 7.10.2012 des Raums 109 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 104
Aufnahmen vom 28.4.2012 des Raums 118 im Erdgeschoss des Ostflügels der Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 29
Aufnahmen vom 7.10.2012 des Raums 107 im Erdgeschoss des Ostflügels der Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 49
Zelle 115 Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen
Aufnahmen vom 28.4.2012 des Raums 127 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 1
Aufnahmen vom 3.8.2011 des Raums 162 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 58
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 231
Aufnahmen vom 20.7.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 69
Aufnahmen vom 30.3.2013 des Raums 13 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 14
Aufnahmen vom 25.12.2012 des Raums 119 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 859
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 153
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 39
Aufnahmen vom 7.10.2012 des Raums 114 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 69
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 1291
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 23
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 12a im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 533
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 87
Aufnahmen vom 24.12.2013 des Raums 125 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 25
Aufnahmen vom 26.12.2013 des Raums 128 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 26
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 173
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 174
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 28
Aufnahmen vom 1.8.2011 des Raums 180 im Erdgeschoss des Südflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 259
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 263
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 69
Aufnahmen vom 26.12.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 8
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 45
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 149
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 288
Aufnahmen vom 11.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 56
Aufnahmen vom 12.10.2011 des Raums 161 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 293
Aufnahmen vom 3.8.2011 des Raums 162 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 50
Aufnahmen vom 24.12.2013 des Raums 125 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 32
Aufnahmen vom 20.7.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 57
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 2
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 239
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 290
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 30
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 205
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 34
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 102
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 101 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 104
Aufnahmen vom 18.7.2013 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 6
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 22
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 12a im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 593
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 1

Das Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen bestand seit 1951, welches zu diesem Zeitpunkt bei laufendem Betrieb vom sowjetischen Ministerium für Staatssicherheit (MGB) übernommen wurde. Es handelte sich hierbei um das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis des MGB für Deutschland. Häftlinge eines nahe gelegenen Haftarbeitslagers mussten Ende 1946 bis Anfang 1947 im früheren Gemüse- und Kartoffelkeller einer ehemalgen Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) in die einstigen Kühl- und Lagerräume zu einem Zellentrakt umbauen. Der sowjetische Staatssicherheitsdienst nutzte das behelfsmäßig entstandene Kellergefängnis mit insgesamt 68 Zellen ab dem Früjahr 1947, das von seiner ursprünglichen Architektur her nicht als Haftanlage geeignet war. Bunkerhaft dunkle, nur mangelhaft belüftete Haftzellen, in denen Tag und Nacht eine elektrische Gühlampe brannte, prägten den Alltag der Untersuchungsgefangenen bis 1960. In den fensterlosen, schlecht beheitzten und ventilierten Einzel-, Zwei- bis Vier-Mann-Zellen befanden sich lediglich Holzpritschen und ein Kübel für Fäkalien. Die Räumlichkeiten über dem Kellergefängnis beherbergten ein Archi, ein Wachlokal, Waffenkammern, weitere Büroräume der Ermittlungsabteilung sowie Umzugsmöglichkeiten und Duschen. Im 2. Stock des Gebäudes befanden sich ca. 25-30 Vernehmerzimmer. Die Verhöre vor allem in der Nacht statt und waren entsprechend der Praxis der Untersuchungshaft in der UDSSR von Drohungen und körperlicher Gealt begleitet. Dem sowjetischen Geheimdienst war bereits 1937 durch das ZK der KPDSU die Anwendung der Folter offiziell erlaubt worden. Die an diesem Ort inhaftierte Menschen nannten das Gefängnis wegen der Kellerzellen und der dort praktizierten Vernehmungspraktiken auch U-Boot oder Deutsche Lujanka. Der sowjetische Geheimdienst verhaftete neben Nationalsozialisten, NS-Verdächtigen vor allem politisch Andersdenkende wie Sozialdemokraten, Liberale, Christdemokraten, aber auch als nicht linientreu geltende Kommunisten und sowjetische Offiziere. Sowjetische Militärtribunale verurteilten einen Großteil von ihnen später zu langjähriger Zwangsarbeit.

Bevor im Mai oder Juni 1951 die Untersuchungshaftanstalt bei laufendem Betrieb vom sowjetischen Geheimdienst MGB an die Stasi übergeben wurde, sind bereits von März bis Mai ein Teil der Untersuchungsgefangenen vom MGB in das sowjetische Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Karlshorst verlegt worden. Zu diesem Zeitpunkt trafen bereits die ersten Untersuchungsgefangenen des MfS aus der bis dahin im Berliner Stadtbezirk Mitte in der Albrechtstraße 22 gelegenen Gefängnis der Stasi ein. Zunächst erfolgte die Anleitung und Kontrolle des sich noch im Aufbau des in Februar 1951 neu gegründeten Ministerums für Staatssicherheit noch von sowjetischen Instrukteuren und an Mitte 1952 von so genannten Beratern. Bis Mitte der 1950er-Jahre waren die die Untersuchungsorgane des MfS nicht nur verpflichtet, die Untersuchungsorgane des MGB/KGB in Berlin über laufende Verfahren zu informieren, sondern sie wurden von den sowjetischen Geheimdienstmitarbeitern, die den Angehörigen der Stasi gegenüber weisungsbefugt waren, auch kontrolliert. Die sowjetischen Instrukteure, Berater führten bis 1953 auch Verhöre durch. Neu eintreffende Gefangene gelangten an der östlichen Querseite über eine flach ansteigende Rampe in die Haftanstalt, die zur Zeit des Großküchenbetriebes für Warenlieferungen genutzt worden war. Sobald die Verhafteten aufgenommen waren, also registriert, und ihre persönlichen Gegenstände verzeichnet waren, führte sie das Wachpersonal des MfS nach einer gründlichen Leibesvisitation in ihre Zellen im Kellergefängnis. Die Verhöre fanden in den oberirdischen Stockwerken des Backsteingebäudes statt, wo sich ein langer Gang mit Vernehmerzimmern befand. Schon vor der Übernahme des Gefängnisses durch die Stasi wurden Heizkörper und eine Ventilationsanlage eingebaut, deren Funktionstüchtigkeit allerdings in den Verwahrrümen sehr unterschiedlich ausgeprägt war.

Das zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi und seine eher improvisierten Räumlichkeiten genügten schon bald nicht mehr den Ansprüchen der Staatssicherheit. Aus ihren Erfahrungen während des Volksaufstands vom 17.6.1953 schlussfolgerten die Sicherheitsorgane der DDR, dass die Kapazitäten zu knapp kalkuliert sind, um politische Gegner des Systems im notwendigen Ausmaß inhaftieren oder gar internieren zu können. Das Aufnahmevermögen des Kellergefängnisses in Hohenschönhausen entsprach nicht mehr den Anforderungen des MfS im Ernstfall. Trotz einzelner baulicher Veränderungen entschied das MfS bereits Mitte der fünfziger Jahre, einen größeren Zellen- und Bürokomplex für die Unterbringung und Vernehmung von Untersuchungsgefangenen errichten zu lassen. Mitte 1955 begannen die Planungen für einen neuen, moderner ausgestatteten Gefängnisbau östlich des bisher genutzten Kellergefängnisses. Nach ersten Zeichnungen war zunächst ein zweistöckiger U-förmiger Gefängnisbau vorgesehen, der ausschließlich für die Unterbringung der Untersuchungshäftlinge Verwendung finden sollte. Im Innenhof sollten sternförmig konstruierte Freigangshöfe mit einer mittig angelegten Plattform zur Bewachung der Gefangenen erbaut werden. Ursprünglich war es auch angedacht, die erst kurz zuvor instand gesetzten und ausgebauten Vernehmerbüros oberhalb des U-Boots weiterhin zu nutzen und für den reibungslosen Transport der Insassen einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen Alt- und Neubau der Untersuchungshaftanstalt zu bauen. Dieser Gang hielt sich auch in nachfolgenden Entwürfen einer neuen UHA und wurde tatsächlich umgesetzt. Die räumliche Trennung von Zellen- und Vernehmertrakt allerdings sollte sich noch in der Planungsphase als wenig funktional herausstellen. Für die Verhöre sollte nun der Südflügel des Neubaus genutzt werden. Um bei der Aufnahmekapazität des Zellenbereiches jedoch keine Abstriche machen zu müssen, wurde das neue Gebäude schließlich um eine Etage auf drei Stockwerke erhöht. Die Entwürfe einer kreisförmigen Freiganganlage wurden ebenfalls noch vor Baubeginn zu den Akten gelegt. Stattdessen errichtete man eine rechteckige Konstruktion östlich des Zellentraktes, von dem aus ein Treppengang direkt in die Hofgangseinrichtung führen sollte. Bewacht wurden die Freigangshöfe schließlich von bewaffneten Wachposten, die entlang schmaler Gänge oberhalb der umlaufenden Mauern patrouillierten. Um zu verhindern, dass deren Schusswaffen versehentlich in die Hofzellen fallen konnten, wurden die Freigangsbereiche mit einem Schutzgitter abgedeckt. Auf der Fläche, die durch den Wegfall der kreisrunden Freistundenanlage zur Verfügung stand, entstand der so genannte Rosenhof, den ausschließlich Mitarbeiter der Untersuchungshaftanstalt betreten und nutzen durften. Die Baumaßnahmen am Neubaukomplex begannen in der ersten Jahreshälfte 1959 und waren im Sommer 1960 abgeschlossen. Am 16. November wurden die Häftlinge des MfS in Berlin-Hohenschönhauen in den Neubau der Untersuchungshaftanstalt verlegt.

Die Abteilung XIV nutzte den oberirdischen Teil des Altbaus als Hauptgebäude, das 1966/67 um zwei weitere Etagen erhöht wurde und bis zur Auflösung der zentralen Untersuchungshaftanstalt als Dienstsitz der Abteilung XIV des MfS genutzt wurde. Das bis dahin vom MfS betriebene Kellergefängnis im Hauptgebäude mit den ehemaligen Vollzugsräumen fand folgend überwiegend als Materiallager Verwendung. Der Neubau der Untersuchungshaftanstalt war an die spezifischen Anforderungen des MfS angepasst und rationalisierte die Tätigkeitsabläufe in der für die Untersuchungshaft und Strafvollzug des MfS verantwortlichen Abteilung XIV. Lange, hell ausgeleuchtete Flure und von außen gut einsehbare Zelleninnenräume erleichterten den Wachmannschaften die Kontrollgänge durch die Untersuchungshaftanstalt. Aus Sicht des Staatssicherheitsdienstes wurden nach der Inbetriebnahme des neuen Gebäudes die Arbeitsprozesse in der U-Haftanstalt vielerorts vereinfacht. Die Einlieferung und Unterbringung der Inhaftierten, ihre Versorgung bis hin zur Zuführung zu den Vernehmungen, zur Gerichtsverhandlung oder in andere Vollzugseinrichtungen konnten nun reibungsloser vonstatten gehen. In einem Überwachungsraum der Wache der Abt. XIV im Erdgeschoss des Zellentraktes der UHA (R. 1024) liefen alle Meldungen über Störungen und Sicherheitsverstöße im Haftbetrieb zusammen, sobald ein Mitarbeiter die in den Fluren der Haftanstalt installierte Alarmanlage auslöste. Äußerlich betrachtet entsprach dieser Gebäudekomplex, der bis zur Räumung im Oktober 1990 genutzt wurde, durchaus zeitgemäßer Gefängnisarchitektur. Die neue Untersuchungshaftanstalt war nach wie vor darauf ausgelegt, die Insassen während eines Ermittlungsverfahrens völlig zu isolieren. Das Gefängnis lag zudem in dem weitläufigen Sperrbezirk, deren Existenz dem Ostberliner Normalbürger weitestgehend unbekannt war. Die Wohnungen im näheren Umfeld des Sperrgebietes erhielten überwiegend Mitarbeiter des MfS oder loyale Kader der SED, wodurch die Untersuchungshaftanstalt und die angrenzenden Dienstgebäude des Staatssicherheitsdienstes zusätzlich vom restlichen Stadtgebiet abgeschirmt wurden. Zudem teilte man den Inhaftierten aus Geheimnisschutzgründen den Ort ihrer Untersuchungshaft nicht mit. Die Einlieferung in die Untersuchungshaftanstalt erfolgte in verschiedenartigen Fahrzeugen, die weder von außen einsehbar waren noch von innen einen Blick nach draußen ermöglichten.

Aber nicht nur nach außen, auch innerhalb der Haftanstalt waren die Untersuchungsgefangenen voneinander abgeschottet. Der neu gebaute Untersuchungshaftanstalt war hierfür weit besser ausgelegt als das bisherig genutzte Kellergefängnis. Ein MfS-typisches Ampelsystem auf den Gängen des Zellentraktes signalisierte den Wachmannschaften, ob gerade Insassen durch die Haftanstalt geführt werden. So konnte die Abteilung XIV gewährleisten, dass die Häftlinge auf ihrem Weg zum Verhör, zu den Duschräumen oder zum Haftrichter einander nicht begegneten, und jedlicher Kontakt zu Mitgefangenen verhindert wurde. Die Freistunden verbrachten die Untersuchungsgefangenen entsprechend der Belegung ihres Verwahrraumes. Außer Gefangenen in der gleichen Zelle bekamen sie keine anderen Insassen zu Gesicht.  Im Falle angeordneter Einzelhaft gingen die Betroffenen ausschließlich allein in die Freiganghöfe oder zu den Duschen und wurden so vollkommen isoliert. Für die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen sind aus Sicht des MfS in dieser Frage keine nennenswerten Zwischenfälle bekannt. Die vergleichsweise weitläufige Bauart des Neubaus entsprach den Anforderungen des Staatssicherheitsdienstes offenbar bestens. Die Ausstattung des neuen Hafttraktes im Nordflügel und Ostflügel der UHA verbesserte die alltäglichen Lebensbedingungen für die Untersuchungsgefangenen, verglichen mit dem baulichen Zustand des Kellergefängnisses erheblich. Statt wie bisher in teilweise winzigen fensterlosen, unterirdisch gelegenen Hafträumen waren die Insassen nun in Verwahrräumen mit Tageslichteinstrahlung untergebracht. In jeder jeder Zelle waren immerhin Fenster mit halbtransparenten Glasbausteinen vorhanden, durch die die Häftlinge allerdings nicht hindurchsehen konnten.Über den Fensterersatz eingelassene Lüftungsklappen konnte der Insasse einigermaßen die Luftzufuhr regulieren. Neben der Holzpritsche befand sich jetzt zusätzlich ein am Boden verschraubter Hocker in den Räumen, den die Gefangenen tagsüber als Sitzgelegenheit nutzen durften. An die Stelle des Notdurftkübels trat eine fest installierte Toilette mit Wasserspülung. Waschbecken wurden allerdings erst nachträglich eingebaut, nachdem anfänglich die Wachmannschaften den Insassen zur morgendlichen Reinigung eine Schüssel mit Wasser in die Zellen gereicht hatten. Etwa zeitgleich zum Neubau der UHA in Berlin-Hohenschönhausen wurde auch in der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Rostock eine neue Untersuchungshaftanstalt errichtet, später kamen Gefängnisneubauten der Bezirksverwaltungen des MfS 1969 in Frankfurt (Oder) und 1987 in Neubrandenburg hinzu. In den restlichen Bezirkshauptstädten nutzte der Staatssicherheitsdienst bereits ältere bestehende Gefängnisbauten, deren Modernität weitestgehend zu wünschen übrig ließ.

Video 1 der Aufnahmen vom 11.7.2013 des Raums 102 (Haftraum, Verwahrraum, Zelle) im Erdgeschoss des Nordflügels (Zellentrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen (MfS DDR Bln.-Hsh. UHA N ZT EG R. 102 Aufn. 11.7.2013 V. 1).