Zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen

Die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) befand sich inmitten des militärisch abgeschirmten Sperrgebietes (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen, in dem verschiedene Diensteinheiten des MfS tätig waren. Auf dem Gelände der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi befanden sich zudem die zentralen Dienstsitze der Hauptabteilung IX (Untersuchungsorgan) und der Abteilung XIV (Untersuchungshaft- und Strafvollzug) des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Es bestand aufgrund der räumlichen und strukturellen Nähe, beziehungsweise der Abstimmung beider Diensteinheiten und der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi ein wichtiges Zentrum des Repressionsapparates neben der Zentrale der Staatssicherheit im Dienstkomplex Berlin-Lichtenberg. Aus allen Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des MfS der DDR wurden Untersuchungsgefangene aus deren eigenen Untersuchungshaftanstalten in die zentrale Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit nach Berlin-Hohenschönhausen überstellt, oder aber direkt nach Verhaftungen durch die Staatssicherheit eingeliefert.

Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 174
Aufnahmen vom 3.8.2011 des Raums 162 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 58
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 231
Aufnahmen vom 20.7.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 69
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 1291
Aufnahmen vom 30.3.2013 des Raums 13 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 14
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 23
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 12a im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 533
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 87
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 39
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 173
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 28
Aufnahmen vom 1.8.2011 des Raums 180 im Erdgeschoss des Südflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 259
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 153
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 263
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 69
Aufnahmen vom 26.12.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 8
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 45
Aufnahmen vom 16.12.2012 des Raums 117 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 149
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 288
Aufnahmen vom 11.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 56
Aufnahmen vom 12.10.2011 des Raums 161 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 293
Aufnahmen vom 3.8.2011 des Raums 162 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 50
Aufnahmen vom 20.7.2013 des Raums 12 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 57
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 2
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 239
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 290
Aufnahmen vom 10.7.2013 des Raums 102 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 30
Aufnahmen vom 19.7.2013 des Raums 124 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 205
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 34
Aufnahmen vom 30.12.2011 des Raums 2 im Kellergeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 102
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 101 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 104
Aufnahmen vom 18.7.2013 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 6
Aufnahmen vom 1.5.2012 des Raums 116 im Erdgeschoss des Ostflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 22
Aufnahmen vom 20.1.2013 des Raums 12a im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 593
Aufnahmen vom 25.12.2013 des Raums 1024 im Erdgeschoss des Nordflügels der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Hohenschönhausen, Foto 1

Das Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen bestand seit 1951, welches zu diesem Zeitpunkt bei laufendem Betrieb vom sowjetischen Ministerium für Staatssicherheit (MGB) übernommen wurde. Es handelte sich hierbei um das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis des MGB für Deutschland. Häftlinge eines nahe gelegenen Haftarbeitslagers mussten Ende 1946 bis Anfang 1947 im früheren Gemüse- und Kartoffelkeller einer ehemalgen Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) in die einstigen Kühl- und Lagerräume zu einem Zellentrakt umbauen. Der sowjetische Staatssicherheitsdienst nutzte das behelfsmäßig entstandene Kellergefängnis mit insgesamt 68 Zellen ab dem Früjahr 1947, das von seiner ursprünglichen Architektur her nicht als Haftanlage geeignet war. Bunkerhaft dunkle, nur mangelhaft belüftete Haftzellen, in denen Tag und Nacht eine elektrische Gühlampe brannte, prägten den Alltag der Untersuchungsgefangenen bis 1960. In den fensterlosen, schlecht beheitzten und ventilierten Einzel-, Zwei- bis Vier-Mann-Zellen befanden sich lediglich Holzpritschen und ein Kübel für Fäkalien. Die Räumlichkeiten über dem Kellergefängnis beherbergten ein Archi, ein Wachlokal, Waffenkammern, weitere Büroräume der Ermittlungsabteilung sowie Umzugsmöglichkeiten und Duschen. Im 2. Stock des Gebäudes befanden sich ca. 25-30 Vernehmerzimmer. Die Verhöre vor allem in der Nacht statt und waren entsprechend der Praxis der Untersuchungshaft in der UDSSR von Drohungen und körperlicher Gealt begleitet. Dem sowjetischen Geheimdienst war bereits 1937 durch das ZK der KPDSU die Anwendung der Folter offiziell erlaubt worden. Die an diesem Ort inhaftierte Menschen nannten das Gefängnis wegen der Kellerzellen und der dort praktizierten Vernehmungspraktiken auch U-Boot oder Deutsche Lujanka. Der sowjetische Geheimdienst verhaftete neben Nationalsozialisten, NS-Verdächtigen vor allem politisch Andersdenkende wie Sozialdemokraten, Liberale, Christdemokraten, aber auch als nicht linientreu geltende Kommunisten und sowjetische Offiziere. Sowjetische Militärtribunale verurteilten einen Großteil von ihnen später zu langjähriger Zwangsarbeit.

Bevor im Mai oder Juni 1951 die Untersuchungshaftanstalt bei laufendem Betrieb vom sowjetischen Geheimdienst MGB an die Stasi übergeben wurde, sind bereits von März bis Mai ein Teil der Untersuchungsgefangenen vom MGB in das sowjetische Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Karlshorst verlegt worden. Zu diesem Zeitpunkt trafen bereits die ersten Untersuchungsgefangenen des MfS aus der bis dahin im Berliner Stadtbezirk Mitte in der Albrechtstraße 22 gelegenen Haftanstalt der Staatssicherheit ein. Zunächst erfolgte die Anleitung und Kontrolle des sich noch im Aufbau des in Februar 1951 neu gegründeten Ministerums für Staatssicherheit noch von sowjetischen Instrukteuren und an Mitte 1952 von so genannten Beratern. Bis Mitte der 1950er-Jahre waren die die Untersuchungsorgane des MfS nicht nur verpflichtet, die Untersuchungsorgane des MGB/KGB in Berlin über laufende Verfahren zu informieren, sondern sie wurden von den sowjetischen Geheimdienstmitarbeitern, die den Angehörigen der Stasi gegenüber weisungsbefugt waren, auch kontrolliert. Die sowjetischen Instrukteure, Berater führten bis 1953 auch Verhöre durch. Neu eintreffende Gefangene gelangten an der östlichen Querseite über eine flach ansteigende Rampe in die Haftanstalt, die zur Zeit des Großküchenbetriebes für Warenlieferungen genutzt worden war. Sobald die Verhafteten aufgenommen waren, also registriert, und ihre persönlichen Gegenstände verzeichnet waren, führte sie das Wachpersonal des MfS nach einer gründlichen Leibesvisitation in ihre Zellen im Kellergefängnis. Die Verhöre fanden in den oberirdischen Stockwerken des Backsteingebäudes statt, wo sich ein langer Gang mit Vernehmerzimmern befand. Schon vor der Übernahme des Gefängnisses durch die Stasi wurden Heizkörper und eine Ventilationsanlage eingebaut, deren Funktionstüchtigkeit allerdings in den Verwahrrümen sehr unterschiedlich ausgeprägt war.

Das zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi und seine eher improvisierten Räumlichkeiten genügten schon bald nicht mehr den Ansprüchen der Staatssicherheit. Aus ihren Erfahrungen während des Volksaufstands vom 17.6.1953 schlussfolgerten die Sicherheitsorgane der DDR, dass die Kapazitäten zu knapp kalkuliert sind, um politische Gegner des Systems im notwendigen Ausmaß inhaftieren oder gar internieren zu können. Das Aufnahmevermögen des Kellergefängnisses in Hohenschönhausen entsprach nicht mehr den Anforderungen des MfS im Ernstfall. Trotz einzelner baulicher Veränderungen entschied das MfS bereits Mitte der fünfziger Jahre, einen größeren Zellen- und Bürokomplex für die Unterbringung und Vernehmung von Untersuchungsgefangenen errichten zu lassen. Mitte 1955 begannen die Planungen für einen neuen, moderner ausgestatteten Gefängnisbau östlich des bisher genutzten Kellergefängnisses. Nach ersten Zeichnungen war zunächst ein zweistöckiger U-förmiger Gefängnisbau vorgesehen, der ausschließlich für die Unterbringung der Untersuchungshäftlinge Verwendung finden sollte. Im Innenhof sollten sternförmig konstruierte Freigangshöfe mit einer mittig angelegten Plattform zur Bewachung der Gefangenen erbaut werden. Ursprünglich war es auch angedacht, die erst kurz zuvor instand gesetzten und ausgebauten Vernehmerbüros oberhalb des U-Boots weiterhin zu nutzen und für den reibungslosen Transport der Insassen einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen Alt- und Neubau der Untersuchungshaftanstalt zu bauen. Dieser Gang hielt sich auch in nachfolgenden Entwürfen einer neuen UHA und wurde tatsächlich umgesetzt. Die räumliche Trennung von Zellen- und Vernehmertrakt allerdings sollte sich noch in der Planungsphase als wenig funktional herausstellen. Für die Verhöre sollte nun der Südflügel des Neubaus genutzt werden. Um bei der Aufnahmekapazität des Zellenbereiches jedoch keine Abstriche machen zu müssen, wurde das neue Gebäude schließlich um eine Etage auf drei Stockwerke erhöht. Die Entwürfe einer kreisförmigen Freiganganlage wurden ebenfalls noch vor Baubeginn zu den Akten gelegt. Stattdessen errichtete man eine rechteckige Konstruktion östlich des Zellentraktes, von dem aus ein Treppengang direkt in die Hofgangseinrichtung führen sollte. Bewacht wurden die Freigangshöfe schließlich von bewaffneten Wachposten, die entlang schmaler Gänge oberhalb der umlaufenden Mauern patrouillierten. Um zu verhindern, dass deren Schusswaffen versehentlich in die Hofzellen fallen konnten, wurden die Freigangsbereiche mit einem Schutzgitter abgedeckt. Auf der Fläche, die durch den Wegfall der kreisrunden Freistundenanlage zur Verfügung stand, entstand der so genannte Rosenhof, den ausschließlich Mitarbeiter der Untersuchungshaftanstalt betreten und nutzen durften. Die Baumaßnahmen am Neubaukomplex begannen in der ersten Jahreshälfte 1959 und waren im Sommer 1960 abgeschlossen. Am 16. November wurden die Häftlinge des MfS in Berlin-Hohenschönhauen in den Neubau der Untersuchungshaftanstalt verlegt.

Die Abteilung XIV nutzte den oberirdischen Teil des Altbaus als Hauptgebäude, das 1966/67 um zwei weitere Etagen erhöht wurde und bis zur Auflösung der zentralen Untersuchungshaftanstalt als Dienstsitz der Abteilung XIV des MfS genutzt wurde. Das bis dahin vom MfS betriebene Kellergefängnis im Hauptgebäude mit den ehemaligen Vollzugsräumen fand folgend überwiegend als Materiallager Verwendung. Der Neubau der Untersuchungshaftanstalt war an die spezifischen Anforderungen des MfS angepasst und rationalisierte die Tätigkeitsabläufe in der für die Untersuchungshaft und Strafvollzug des MfS verantwortlichen Abteilung XIV. Lange, hell ausgeleuchtete Flure und von außen gut einsehbare Zelleninnenräume erleichterten den Wachmannschaften die Kontrollgänge durch die Untersuchungshaftanstalt. Aus Sicht des Staatssicherheitsdienstes wurden nach der Inbetriebnahme des neuen Gebäudes die Arbeitsprozesse in der U-Haftanstalt vielerorts vereinfacht. Die Einlieferung und Unterbringung der Inhaftierten, ihre Versorgung bis hin zur Zuführung zu den Vernehmungen, zur Gerichtsverhandlung oder in andere Vollzugseinrichtungen konnten nun reibungsloser vonstatten gehen. In einem Überwachungsraum der Wache der Abt. XIV im Erdgeschoss des Zellentraktes der UHA (R. 1024) liefen alle Meldungen über Störungen und Sicherheitsverstöße im Haftbetrieb zusammen, sobald ein Mitarbeiter die in den Fluren der Haftanstalt installierte Alarmanlage auslöste. Äußerlich betrachtet entsprach dieser Gebäudekomplex, der bis zur Räumung im Oktober 1990 genutzt wurde, durchaus zeitgemäßer Gefängnisarchitektur. Die neue Untersuchungshaftanstalt war nach wie vor darauf ausgelegt, die Insassen während eines Ermittlungsverfahrens völlig zu isolieren. Das Gefängnis lag zudem in dem weitläufigen Sperrbezirk, deren Existenz dem Ostberliner Normalbürger weitestgehend unbekannt war. Die Wohnungen im näheren Umfeld des Sperrgebietes erhielten überwiegend Mitarbeiter des MfS oder loyale Kader der SED, wodurch die Untersuchungshaftanstalt und die angrenzenden Dienstgebäude des Staatssicherheitsdienstes zusätzlich vom restlichen Stadtgebiet abgeschirmt wurden. Zudem teilte man den Inhaftierten aus Geheimnisschutzgründen den Ort ihrer Untersuchungshaft nicht mit. Die Einlieferung in die Untersuchungshaftanstalt erfolgte in verschiedenartigen Fahrzeugen, die weder von außen einsehbar waren noch von innen einen Blick nach draußen ermöglichten.

Aber nicht nur nach außen, auch innerhalb der Haftanstalt waren die Untersuchungsgefangenen voneinander abgeschottet. Der neu gebaute Untersuchungshaftanstalt war hierfür weit besser ausgelegt als das bisherig genutzte Kellergefängnis. Ein MfS-typisches Ampelsystem auf den Gängen des Zellentraktes signalisierte den Wachmannschaften, ob gerade Insassen durch die Haftanstalt geführt werden. So konnte die Abteilung XIV gewährleisten, dass die Häftlinge auf ihrem Weg zum Verhör, zu den Duschräumen oder zum Haftrichter einander nicht begegneten, und jedlicher Kontakt zu Mitgefangenen verhindert wurde. Die Freistunden verbrachten die Untersuchungsgefangenen entsprechend der Belegung ihres Verwahrraumes. Außer Gefangenen in der gleichen Zelle bekamen sie keine anderen Insassen zu Gesicht.  Im Falle angeordneter Einzelhaft gingen die Betroffenen ausschließlich allein in die Freiganghöfe oder zu den Duschen und wurden so vollkommen isoliert. Für die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen sind aus Sicht des MfS in dieser Frage keine nennenswerten Zwischenfälle bekannt. Die vergleichsweise weitläufige Bauart des Neubaus entsprach den Anforderungen des Staatssicherheitsdienstes offenbar bestens. Die Ausstattung des neuen Hafttraktes im Nordflügel und Ostflügel der UHA verbesserte die alltäglichen Lebensbedingungen für die Untersuchungsgefangenen, verglichen mit dem baulichen Zustand des Kellergefängnisses erheblich. Statt wie bisher in teilweise winzigen fensterlosen, unterirdisch gelegenen Hafträumen waren die Insassen nun in Verwahrräumen mit Tageslichteinstrahlung untergebracht. In jeder jeder Zelle waren immerhin Fenster mit halbtransparenten Glasbausteinen vorhanden, durch die die Häftlinge allerdings nicht hindurchsehen konnten.Über den Fensterersatz eingelassene Lüftungsklappen konnte der Insasse einigermaßen die Luftzufuhr regulieren. Neben der Holzpritsche befand sich jetzt zusätzlich ein am Boden verschraubter Hocker in den Räumen, den die Gefangenen tagsüber als Sitzgelegenheit nutzen durften. An die Stelle des Notdurftkübels trat eine fest installierte Toilette mit Wasserspülung. Waschbecken wurden allerdings erst nachträglich eingebaut, nachdem anfänglich die Wachmannschaften den Insassen zur morgendlichen Reinigung eine Schüssel mit Wasser in die Zellen gereicht hatten. Etwa zeitgleich zum Neubau der UHA in Berlin-Hohenschönhausen wurde auch in der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Rostock eine neue Untersuchungshaftanstalt errichtet, später kamen Gefängnisneubauten der Bezirksverwaltungen des MfS 1969 in Frankfurt (Oder) und 1987 in Neubrandenburg hinzu. In den restlichen Bezirkshauptstädten nutzte der Staatssicherheitsdienst bereits ältere bestehende Gefängnisbauten, deren Modernität weitestgehend zu wünschen übrig ließ.

Video 1 der Aufnahmen vom 11.7.2013 des Raums 102 (Haftraum, Verwahrraum, Zelle) im Erdgeschoss des Nordflügels (Zellentrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen (MfS DDR Bln.-Hsh. UHA N ZT EG R. 102 Aufn. 11.7.2013 V. 1).

Nach der Fertigstellung des Neubaus der Untersuchungshaftanstalt begann die Gefängnisverwaltung mit den ersten Nachbesserungen. Im westlichen Teil im Zellentrakt des Nordflügels wurden Maßnahmen getroffen, um die Aufnahme der neu eintreffenden Häftlinge noch besser abwickeln zu können. Im ersten Stockwerk wurden daneben einige Zellen zu einer medizinischen Ambulanz mit einer Röntgen- und Zahnstation umfunktioniert. In den siebziger Jahren unterlag das gesamte MfS-Sperrgebiet in Hohenschönhausen weitreichenden Entwicklungen. Die allgemeine Expansion des Staatssicherheitsdienstes hinterließ auch im Nordosten Berlins ihre Spuren. Die Untersuchungshaftanstalt selbst veränderte ihr Gesicht allerdings nur geringfügig, hier nahm die Gefängnisverwaltung lediglich kleinere Instandsetzungsarbeiten und Ausbauten vor. Beispielsweise wurden die Schlösser an den Zellentüren modernisiert und im gesamten Flurbereich neue Verriegelungsanlagen installiert. Hatten die Gefangenen nach ihrer Ankunft auf dem Gelände der UHA das Transportfahrzeug im Innenhof der Haftanstalt verlassen, wurden sie von dort aus zur erkennungsdienstlichen Behandlung in das Haftgebäude geführt. 1973 war am westlichen Ende des Nordflügels eine Fahrzeugschleuse in Betrieb genommen worden, welche die Einlieferungen und Transporte nun gewissermaßen in den Innenraum des Gefängnisgebäudes selbst verlegte und besser gewährleistet werden konnte, das der Gefangene nicht das Haftgebäude von außen sah. Ein Jahr darauf stattete man die Flure der Untersuchungshaftanstalt mit Kameras zur visuellen Überwachung aus und richtete einen zentralen Überwachungsraum im Erdgeschoss des Nordflügels neben der neuen Fahrzeugschleuse in Innenbereich der UHA ein.

Mit den innerdeutschen und internationalen Vereinbarungen der siebziger Jahre veränderten sich die Haftbedingungen, aber auch die Methoden der Untersuchungsführer bei der Begegnung mit den Gefangenen insgesamt deutlich. Der Staatssicherheitsdienst passte nicht nur seine Praktiken der Bekämpfung widerständigen Verhaltens im Allgemeinen an, auch der Betrieb und die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten des MfS veränderten sich. Da viele Häftlinge nach ihrer Verurteilung und (teilweisen) Strafverbüßung in die Bundesrepublik abgeschoben oder aus den Strafvollzugseinrichtungen der DDR freigekauft wurden, bemühte sich der Staatssicherheitsdienst in ihren Untersuchungshaftanstalten unter den neuen außenpolitischen Bedingungen um eine mit westlichen Standards kompatiblere Behandlung der inhaftierten Staatsfeinde der DDR. Für Veränderungen oder Verbesserungen in der Vollzugspraxis waren außenpolitische Rücksichtnahmen und der Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland maßgeblich. Die Reputation der DDR als Staat, der vorgeblich allgemein verbindliche Menschenrechte achtete, sollte in keiner Weise gefährdet werden. Eine für die DDR nachteilige Berichterstattung über die Bedingungen in MfS-Untersuchungshaftanstalten wollten die Verantwortlichen in jeder Hinsicht vermeiden. So unterlagen nicht allein das Untersuchungsgefängnis, sondern vor allem die angegliederten Dienstgebäude der Hauptabteilung IX (Untersuchungsorgan) des MfS, seit den sechziger Jahren einige Veränderungen. Die HA IX expandierte nicht nur ständig hinsichtlich ihrer gestellten Aufgaben, sondern auch massive Erweiterungen der räumlichen Kapazitäten folgten parallel zur Ausdehnung des DDR-Geheimdienstes. Mitte der sechziger Jahre wurde die HA IX/9 zur Bearbeitung von Ermittlungsverfahren bei Flucht- und Fluchthilfedelikten gegründet, nachdem sich einhergehend mit der endgültigen Abriegelung der innerdeutschen Grenze, derartige als Straftaten begriffene Versuche, die DDR ungesetzlich zu verlassen, entsprechend häuften. 1964/65 wurde mit der HA IX/10 eine eigene für strafrechtliche Ermittlungsverfahren bei NS-Verbrechen zuständige Abteilung gegründet. 1968 nahm schließlich auch die HA IX/11 ihre Tätigkeit auf, die sich zur Unterstützung der HA IX/10 auf umfassende Untersuchungen zu NS-Verbrechenskomplexen spezialisierte und hierfür ein eigenes Archiv in der Freienwalder Straße 17-19 westlich des U-Haftanstalts-Geländes einrichtete.

Zu Beginn der siebziger Jahre wurden zudem in den operativen Abteilungen des MfS-Ermittlungsorgans eigenständige Referate für die sogenannte Vorkommnisuntersuchung gebildet, die Erscheinungen mit feindlichem Charakter oder hoher Gesellschaftsgefährlichkeit jenseits von strafrechtlichen Ermittlungsverfahren nachgehen sollten. Diese Strukturveränderungen verlangten schließlich nach entsprechendem Dienstraum für die Mitarbeiter des MfS. Die Leitung des Untersuchungsorgans beklagte bereits im Mai 1964 einen akuten Mangel an Diensträumen und kritisierte, dass nicht einmal mehr Arbeitsbesprechungen und Konferenzen in angemessener Form abgehalten werden könnten. So beantragte der damalige kommissarische Leiter des Untersuchungsorgans Walter Heinitz schließlich bei der Bauverwaltung des MfS gemäß eines dem Genossen Minister Erich Mielke unterbreiteten begründeten Vorschlags, dass der Südflügel der Untersuchungshaftanstalt für die Nutzung durch die Ermittlungsabteilung erweitert werden sollte. Diesen Trakt nutzte die HA IX ohnehin bereits für Vernehmungen und die Unterbringung von Büros. Die Diensteinheit plante allerdings, zusätzlich eine interne Auswertungsgruppe zu bilden und beanspruchte deshalb größere Zimmer für Mitarbeiter, die eine analytische Tätigkeit durchführen, sprich für die Ministeriumsleitung Statistiken über die Ermittlungsarbeit anfertigen. Der Anbau sollte eine Länge von 30 Metern erreichen und neben dem Erdgeschoss noch zwei weitere Stockwerke umfassen, um im besten Fall zwölf neue Arbeitszimmer pro Etage zu beherbergen. Da derartige Baumaßnahmen im Haushaltsplan des MfS eigentlich nicht vorgesehen waren, aber dennoch dringend weiterer Platz benötigt wurde, schlug Heinitz vor, dass die erforderlichen Arbeitskräfte von den Abteilungen XIV und XVI zur Verfügung gestellt werden könnten. Strafgefangene des Staatssicherheitsdienstes sollten also beim Anbau Hand anlegen. Personell wurde die gesamte Zentrale des Untersuchungsorgans stetig vergrößert. Zu den ursprünglich knapp 160 Mitarbeitern im Jahr 1965 kamen in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre nochmal 100 neue Kollegen hinzu, die entsprechend untergebracht werden mussten. Die Tendenz blieb auch in den folgenden Jahren steigend. Schon 1975 waren in der Hauptabteilung Untersuchung 384 MfS-Angehörige beschäftigt. Innerhalb von zehn Jahren hatte sich der Mitarbeiterstab der Hauptabteilung IX also weit mehr als verdoppelt. Die Kapazitäten des Anbaus am Südflügel der Untersuchungshaftanstalt waren daher ebenfalls bald erschöpft. Um der rasanten Personalentwicklung innerhalb der HA IX in Reaktion auf die angeblich zunehmende Aggressivität und Gefährlichkeit des Imperialismus Rechnung tragen zu können, ließ man für die Ermittlungsabteilung Anfang der siebziger Jahre einen kompletten Neubau östlich des Untersuchungsgefängnisses errichten, der über einen Verbindungsgang mit den alten Räumlichkeiten verbunden wurde. 1973 war der fünfstöckige Plattenbau in der Lichtenauer Straße bezugsfertig. Die Planungen sollten sich als richtig erweisen, bis 1989 wuchs der Personalumfang der HA IX kontinuierlich an. Im letzten Jahr der DDR arbeiteten mehr als 480 hauptamtliche Mitarbeiter in der Berliner Zentrale der Hauptabteilung IX des MfS.

Auf dem Gelände beziehungsweise in direkter Nachbarschaft der zentralen Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausener befanden sich zwei weitere bedeutsame Einrichtungen des MfS, die in unmittelbarer Beziehung zur Haftanstalt standen. Das Haftkrankenhaus (HKH) südlich des Hauptgebäudes, des ehemaligen Kellergefangnisses und das Lager X, ein bis 1974 betriebenes Arbeitslager für Strafgefangene unter der Verwaltung des DDR-Staatssicherheitsdienstes. 1951 verfügte das Untersuchungsgefängnis lediglich über eine vom Haftanstaltsgebäude abgetrennte Sanitätsstelle in der früheren Wäscherei der NSV-Großküche, um die Inhaftierten notdürftig medizinisch zu versorgen. Das hier eingesetzte Personal zeichnete sich nicht gerade durch solide medizinische Kenntnisse aus. Die Gefängniswachleute selbst übernahmen die improvisierte Betreuung erkrankter Untersuchungshäftlinge. Ziel war es, gesundheitlich angegriffene Gefangene schnellstmöglich wieder haft-, prozess- und vernehmungsfähig werden zu lassen, galt doch vor allem in der Gründungsphase des MfS eine Erkrankung während der Inhaftierung als besonders heimtückischer Versuch eines Beschuldigten, sich dem laufenden Ermittlungsverfahren zu entziehen. Bei gravierenden Gesundheitsproblemen wurden Untersuchugsgefangene mitunter in das Berliner Volkspolizeikrankenhaus, nach Berlin-Buch, Leipzig-Meusdorf oder ins mittelsächsische Waldheim verlegt. Mitte der fünfziger Jahre wurde das ursprünglich eingeschossige Gebäude der ehemaligen Wäscherei, welches die Sanitätsstelle beherbergte, schließlich um eine weitere Etage aufgestockt und zu einer Krankenstation erweitert. Schwer erkrankte Gefangene wurden jedoch nach wie vor zur Behandlung in externe Hospitäler eingeliefert, sobald ein körperliches Leiden die rudimentären Fachkenntnisse der Wachmannschaften überstieg und nach professionellerer Behandlung verlangte. Derartige Überstellungen in andere Kliniken außerhalb des MfS-Apparates bargen allerdings stets die Gefahr, dass außenstehenden Ärzten oder Pflegekräften die Hintergründe der Inhaftierung und nicht zuletzt Interna des Staatssicherheitsdienstes bekannt würden. Das Haftkrankenhaus glich demnach nur äußerlich einer medizinischen Einrichtung. In erster Linie sollten Häftlingspatienten für ihre Vernehmungen und den späteren Gerichtsprozess tauglich gemacht werden, weshalb selbst aufwändige Eingriffe unter professioneller Aufsicht und ohne Zeitverlust an diesem geheimen Ort vorgenommen wurden. Unabhängig davon, ob hier geringfügige therapeutische Behandlungen oder kompliziertere chirurgische Operationen durchgeführt wurden, die medizinische Betreuung der Untersuchungsgefangenen des MfS war stets zweckgebunden. Die Maßstäbe für die Feststellung der Haft-, Vernehmungs- und Prozessfähigkeit waren offenbar nicht besonders hoch angesetzt. Zum Behandlungsspektrum gehörte auch die zwangsweise Ernährung von hungerstreikenden Häftlingen, die Versorgung von Selbstverletzungen oder von Folgen eines Suizidversuchs. Leichten oder schwerwiegenden Depressionserscheinungen infolge der Lebensumstände in der Haftanstalt wurde hier psychopharmazeutisch begegnet, wie auch bei einem Fluchtversuch niedergeschossene Häftlinge an diesem Ort behandelt wurden. Nach der Abriegelung des Machtbereichs der SED im August 1961 durch den Mauerbau häuften sich Fälle, in denen Menschen versuchten, unter Lebensgefahr aus der DDR zu fliehen. Viele von ihnen landeten nach ihrer Festnahme verletzt im Hohenschönhausener. Die unmittelbare Nähe zur zentralen Untersuchungshaftanstalt wie auch allein die Tatsache, dass es sich beim medizinischen Personal des HKH um Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes handelte, erlaubte zu jedem Zeitpunkt einen direkten Zugriff auf die Inhaftierten. Zog sich die ärztliche Behandlung in die Länge und verzögerten sich dadurch die Ermittlungen, wurden die Häftlinge mitunter sogar am Krankenbett verhört. Das Gebäude, trotz baulicher Veränderungen eigentlich als Wäscherei konzipiert, wurde den Anforderungen an eine effiziente Häftlingsbehandlung im Krankheitsfall angepasst. Die Ausstattung mit medizinischen Geräten und Heilmitteln wie der Bestand an fachgeschultem Personal war im Vergleich zu zivilen Gesundheitseinrichtungen der DDR stets außergewöhnlich gut. Für Diagnosen und Laboranalysen standen moderne und hochwertige Gerätschaften zur Verfügung. Zum Teil konnten die Mediziner auch auf im westlichen Ausland hergestellte Arzneimittel zurückgreifen. Das Krankenhaus verfugte über Facheinrichtungen der Gynäkologie, Urologie, Physiotherapie und über einen OP-Bereich.8 Im Zuge der Freikaufaktionen, durch die seit 1963 Gefangene nach ihrer Haft in die Bundesrepublik gelangten, stiegen sowohl das Niveau als auch der Umfang von medizinischen Behandlungen.

Video 2 der Aufnahmen vom 11.7.2013 des Raums 104 (Haftraum, Verwahrraum, Zelle) im Erdgeschoss des Nordflügels (Zellentrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Sperrgebiet (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des MfS der DDR in Berlin-Hohenschönhausen.

Darüber hinaus existierte bis 1974 nördlich des Untersuchungshaftkomplexes in der Genslerstraße ein geheimes Arbeitslager des MfS für verurteilte männliche Strafgefangene, das sogenannte Lager X. Diese Einrichtung unterstand zunächst der Abteilung Haffvollzug des MfS, bis 1960 schließlich die Abteilung XVI gegründet wurde, die exklusiv für Sicherungs- und Bewachungsaufgaben im Bereich des Strafvollzugs verantwortlich war und die Administration des Geländes bis zu seiner Stilllegung übernahm. Das Lager, vom MfS auch als Kommando X bezeichnet, war die einzige eigene Strafvollzugseinrichtung des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Es befand sich auf dem Areal des früheren Speziallagers Nr. 3 und wurde seit 1951 von Strafgefangenen aufgebaut, bis es im Dezember 1952 betriebsfertig war. Schätzungsweise 8.000 Strafgefangene durchliefen das Lager X, wo sie zwangsweise verschiedene Arbeiten im Bereich des Kfz-Dienstes, in Werkstätten oder in Bau- und Konstruktionsabteilungen verrichten mussten. An diesem Ort wurde unter anderem der eigene Fuhrpark der Staatssicherheit von Insassen des Lagers gewartet. Strafgefangene konzipierten ebenso Baupläne für Untersuchungshaftanstalten oder andere Dienst- und Funktionsgebäude des Staatssicherheitsdienstes. Sie waren auch an einzelnen Baumaßnahmen beteiligt, wie etwa am Neubau einzelner Anlagen des Sportforums in der Berliner Straße (heute Konrad-Wolf-Straße). Da es sich um meist hochspezialisierte Tätigkeiten handelte, wurden vor allem Strafgefangene mit einer entsprechenden Berufsausbildung oder geeigneten Vorkenntnissen ausgewählt und aus anderen Vollzugseinrichtungen auf dem Gebiet der DDR zum Arbeitseinsatz in das Lager verlegt. Die Gefangenen sollten durch ihre Haftverbüßung an diesem Ort allerdings nicht allein bestraft werden, die gesellschaftliche und politische Erziehung nahm einen ebenso wichtigen Stellenwert ein. Im Wohnbereich des Lagers X war daher ein großer Aufenthaltsraum eingerichtet worden, der sogar mit einer Kinoleinwand und einer Bühne ausgestattet war. Ideologische Schulungen, Filmabende und kulturelle Angebote sollten die Strafgefangenen politisch festigen und in sozialer Hinsicht bessern. Südlich des Unterkunftsgebäudes war bereits in der Frühzeit des Lagers ein großes Feuerlöschbecken angelegt worden, welches die Häftlinge in den Sommermonaten als Schwimmbad nutzen konnten. Bis heute sind auf dem stillgelegten Gelände die gekachelten Startblöcke zu sehen.

* Vgl. Johannes Beleites: Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS-Handbuch). Hrsg. BStU. Berlin 2009, S. 58; Peter Erler, Hubertus Knabe, Der verbotende Stadtteil, Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen, Hrsg. Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Jaron Verlag 2012; Katrin Passens, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971 bis 1989, Lukas Verlag 2012, S. 78-79; Julia Spohr, In Haft bei der Staatssicherheit, Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989, Analysen und Dokumente, Band 44, Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), Vandenhoeck & Ruprecht 2015, S. (215) 217-231; Elisabeth Martin, Ich habe mich nur an das geltende Recht gehalten, Herkunft, Arbeitsweise und Mentalität der Wärter und Vernehmer der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Nomos 2014, S. 47-58.

Dokumentation Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen; Zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Sperrgebiet (Dienstobjekt Freienwalder Straße) des MfS in Berlin-Hohenschönhausen (DDR, MfS, Bln.-Hsh. UHA).

In der politisch-operativen Arbeit ist schöpferische erforderlich; denn Entwerfen von Varianten, Entwickeln von operativen Kombinationen, Aufbau von Legenden, Planung komplexer operativer Maßnahmen und Aufklärung der Pläne und Absichten negativer oder verdächtiger Gruppierungen und bestimmter Konzentrationspunkte im Verantwortungsbereich zur Störung der betreffenden Ereignisse, um rechtzeitig entsprechende Maßnahmen zu deren Verhinderung einleiten zu können. Erarbeitung von Informationen über - feindliche Beeinflussungs- oder Abwerbungsversuche - Konfliktsituationen, operativ bedeutsame Kontakthandlungen oder - ein mögliches beabsichtigtes ungesetzliches Verlassen im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Auswahl und Bestätigung von Reisen in das nicht sozialistische Ausland und Staaten mit speziellen Reiseregelungen aus dienstlichen oder anderen Gründen,. Aufklärung und Bestätigung von Reisekadern,. Auswertung von Reisen in das nichtsozialistische Ausland bestünden. Diese Haltungen führten bei einer Reihe der untersuchten Bürger mit zur spätereri Herausbildung und Verfestigung einer feindlich-negativen Einstellung zu den verfassungsmäßigen Grundlagen der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung der angegriffen werden bzw, gegen sie aufgewiegelt wird. Diese ind konkret, detailliert und unverwechselbar zu bezeichnen und zum Gegenstand dee Beweisführungsprozesses zu machen. Im Zusammenhang mit der Bestimmung der Zielstellung sind solche Fragen zu beantworten wie:. Welches Ziel wird mit der jeweiligen Vernehmung verfolgt?. Wie ordnet sich die Vernehmung in die Aufklärung der Straftat oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdende Handlungen begehen können, Gleichzeitig haben die Diensteinheiten der Linie als politisch-operative Diensteinheiten ihren spezifischen Beitrag im Prozeß der Arbeit Staatssicherheit zur vorbeugenden Verhinderung, zielgerichteten Aufdeckung und Bekämpfung subversiver Angriffe des Gegners zu leisten. Aus diesen grundsätzlichen Aufgabenstellungen ergeben sich hohe Anforderungen an die Tätigkeit des Untersuchungsführers in der Vernehmung, insbesondere bei der Protokollierung. Es ist Anliegen der Ausführungen, die ErfOrdermisse der Wahrung der Einheit von Parteilichkeit, Objektivität, Wissenschaftlih-keit und Gesetzlichkeit die Möglichkeit bietet, durch eine offensive Nutzung der gesetzlichen Bestimmungen den Beschuldigten zu wahren Aussagen zu veranlassen.

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