Bezirksverwaltung Leipzig des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik

Die Bezirksverwaltung (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Leipzig befand sich im Dittrichring 24. Nach der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit am 8. Fehruar 1950 richtete die Landesverwaltung Sachsen ihre Dienststelle Leipzig im Dittrichring 24 ein. Dieses Gebäude steht direkt an der alten Stadtmauer auf dem Terrain, auf dem sich um 1000 die erste deutsche Burg in dem sonst slawisch/sorbisch besiedelten Gebiet befand. Von 1911 bis 1913 wurde hier das neue Geschäftshaus der Alten Leipziger Feuerversicherungsanstalt errichtet. Überlieferungen zufolge, war während des Dritten Reiches in einem Gebäudeteil die Gestapo bzw. der SD untergebracht. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges überstand das Haus fast unbeschadet. Vom 18. bis 20. April 1945 besetzten dann amerikanische Truppen Leipzig. Im Dittrichring 24 richteten sie eine zivile Verwaltung ein. Kurze Zeit später wurde das gesamte Gebäude von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt, die hier das Hauptquartier der 7 US-Armee unterbrachte. Am 2. Juli 1945 übernahm die Sowjetarmee die  Besetzung  der Stadt. Nach Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der Bezirksverwaltung des MfS in Leipzig etablierte sich dann der Sowjetische Militärgeheimdienst bzw. auch der NKWD im Dittrichring 24. Die im Jahr 1946 gegründete und auf der Grundlage des Befehls Nr. 201 der SMAD über die Entnazifizierung im Jahr 1947 personell aufgestockte "K 5" soll ebenfalls hier ihre Leipziger Dienststelle unterhalten haben. Dieser ursprünglich für die Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrechen aufgebaute Dienstzweig der Kriminalpolizei entwickelte sich sehr bald zu einem Repressionsapparat im Dienste der sowjetischen Besatzungsmacht. Der 1950 gebildete Staatssicherheitsdienst rekrutierte sich unter anderem aus Mitarbeitern der "K 5", die demzufolge im selben Gebäude bleiben konnten. Mit der Auflösung der Länder und der Bildung von Bezirken in der DDR im Jahr 1952 wurde die Dienststelle Leipzig im August 1952 zur Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS). Anfänglich war sie auch territorial für die Stadt Leipzig zuständig. Erst 1954 wurde eine eigene Kreisdienststelle (KD) Leipzig aufgebaut. Ende der fünfziger Jahre wurde diese Kreisdienststelle Leipzig in die Kreisdienststellen Leipzig-Stadt und Leipzig-Land aufgeteilt. 1989 unterstanden der BVfS Leipzig des MfS insgesamt 13 Kreisdienststellen für Staatssicherheit (KDfS) sowie bis Mitte der achtziger Jahre die Objektdienststellen Böhlen und Espenhain. Bereits in den fünfziger Jahren reichte der Platz in der "Runden Ecke" nicht mehr aus. Ein 1955 geplanter Anbau wurde 1958 fertiggestellt. Neben neuen Büroräumen beherbergte er auch eine Kegelbahn und einen großen Festsaal, weshalb er auch Saalbau genannt wurde. Die Bauarbeiten für den nächsten Erweiterungsbau begannen 1978. Die Schlüssel für diesen Neubau wurden nach sieben Jahren Bauzeit am 19. September 1985 offiziell übergehen. Allein dieser Bau verschlang 65 Millionen Mark an Bau- und Ausstattungskosten. In den folgenden Jahren konnten nun einzelne Bereiche des Altbaues "Runde Ecke" saniert und umgebaut werden. So wurde ab 1986 in den Räumen der ehemaligen Bildstelle in der 5. Etage ein Labor- und Untersuchungskomplex der Abteilung M (Postkontrolle) eingebaut. Die Bildstelle fand mit moderner Ausstattung in der 1. Etage ihr neues Domizil. Das MfS verfügte darüber hinaus über eine Vielzahl weiterer offizieller Dienstobjekte in Leipzig, so unter anderem den Komplex in Leipzig-Leutzsch, die Villen in der Käthe-Kollwitz-Straße und der Friedrich-Ebert-Straße oder die Messehalle 7.11 auf dem Gelände der Technischen Messe. Der Flughafen Leipzig-Schkeuditz zählte als Grenzübergangsstelle (GÜSt) und wurde entsprechend abgesichert. Die Leipziger Messe, die jährlich im Frühjahr und Herbst stattfand, prägte das Aufgabenspektrum wesentlich. So unterhielt die Abteilung VI den sogenannten Messedatenspeicher, in dem alle Messebesucher aus dem westlichen Ausland auf der Grundlage der "Messemeldescheine" in einer Datenbank erfaßt wurden. Alle Diensteinheiten des MfS konnten entsprechende Abfragen veranlassen. Zum Zeitpunkt der Auflösung im Dezember 1989 beschäftigte die BVfS Leipzig 2.401 hauptamtliche Mitarbeiter, unterhielt über 850 konspirative Wohnungen und Objekte und führte circa 10.000 inoffizielle Mitarbeiter. Das Dienstgebäude der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit heißt in der Leipziger Bevölkerung seit Jahrzehnten "Runde Ecke". Im Jahr 1989 benutzten auch die Mitarbeiter der Staatssicherheit in ihren Arbeitsbüchern diese Bezeichnung. Selbst Generalleutnant Hummitzsch sprach am 21. November 1989 in der Sitzung der SED-Bezirksleitung von der "Runden Ecke".

Bereits im April 1949 fuhr Erich Mielke durch die damalige SBZ und suchte vertrauenswürdige Parteisoldaten für den Aufbau der Staatssicherheit. So kam Mielke auch zu Joseph Gutsche und fragte ihn, ob er "mitmache". Joseph Gutsche erzählte später über dieses Gespräch: Die "K 5 solle ein selbständiges Organ werden, welches sich ausschließlich mit Fragen der Sicherheit des Staates befassen würde. Aus innen- und außenpolitischen Gründen werde dies zu Beginn aber ein Dezernat mit der Buchstabenbezeichnung D der Kriminalpolizei sein. Diese» Dezernat D sei jedoch sofort als selbständiges Organ mit eigenen Häusern, Menschen und Einrichtungen zu schaffen. So wurde ich am 1. Mai 1949 der Gründer, Leiter und Organisator der Staatsicherheit im Lande Sachsen, wo ich jeden Mitarbeiter, jedes Haus, jeden Agenten selbst heranschaffen mußte." So wurde Joseph Gutsche mit der Bildung des MfS am 8. Februar 1950 der erste Leiter der Landesverwaltung Sachsen des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Leipziger Dependance in der "Runden Ecke" am Dittrichring 24 firmierte als Dienststelle Leipzig und unterstand der Landesverwaltung Sachsen. Erst mit der Auflösung der Länder und der Bildung der Bezirke zwei Jahre später gewann auch Leipzig als Bezirksverwaltung für Staatssicherheit eine entsprechende Eigenständigkeit und unterstand nun dem Minister für Staatssicherheit direkt.

Der erste Leiter der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit war der am 19. November 1911 als Sohn eines Bäckers geborene Oberst Kurt Rümmler. Nach Volks- und Berufsschule war er als Erdarbeiter und Horizontalbohrer tätig, ehe er am 15. August 1947 in die Volkspolizei und am 25. Januar 1950 in das Ministerium für Staatssicherheit eintrat. Nach seinem Tode Ende des Jahres 1958 schlug Erich Mielke der Sicherheitskommission am 10. April 1959 vor, den damaligen Leiter der BVfS Karl-Marx-Stadt, Oberst Hans Schneider, als neuen Leiter nach Leipzig zu versetzen. In der Vorlage hieß es: "Bedingt durch seine umfangreichen Erfahrungen in der Arbeit sowie sein an der Parteischule in Moskau erarbeitetes Wissen, wird er in der Lage sein, eine so wichtige Bezirksverwaltung wie Leipzig erfolgreich zu leiten." Nach Bestätigung dieser Vorlage wurde die Versetzung am 1. September 1959 wirksam und Schneider übernahm sein neues Amt. Der am 25. Juli 1914 als Sohn eines Maurers geborene Hans Schneider begann seine Laufbahn in den bewaffneten Organen der DDR im September 1945 im Kreispolizeiamt Plauen. Am 1. September 1949 wechselte er als Leiter der Dienststelle Plauen zum künftigen MfS. Über die Funktion eines Abteilungsleiters und des Stellvertreters stieg er 1953 zum Leiter der BV Karl-Marx-Stadt des MfS der DDR auf. Seine fachliche Arbeit bot keinen Anlaß zu Kritik, so daß es 1964 in einem Vorschlag zur Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens hieß: "Sowohl in der Deutschen Volkspolizei als auch im Ministerium für Staatssicherheit war er ständig in leitenden Funktionen eingesetzt und hat durch gewissenhafte und zielstrebige Arbeit wesentlichen Anteil am Aufbau und an der Entwicklung der Sicherheitsorgane der Deutschen Demokratischen Republik und der Sicherung unseres Arheiter-und-Bauern-Staates vor den Anschlägen staatsfeindlicher Agenturen. Genosse Schneider ist seit mehreren Jahren Leiter der Bezirksverwaltung Leipzig und leistet in diesem politisch-ökonomischen Schwerpunkt unserer Republik eine gute und erfolgreiche Arbeit." Im Laufe des Jahres 1966 wurde Oberst Schneider von seiner Funktion als Leiter der Bezirksverwaltung aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes entbunden. Sein Stellvertreter Operativ, Oberstleutnant Manfred Hummitzsch, nahm die Funktion zunächst kommissarisch wahr. Am 11. Juli 1967 beschloß der Nationale Verteidigungsrat auf Antrag von Erich Mielke, Oberst Hans Schneider von seiner Funktion endgültig abzulösen und Oberstleutnant Manfred Hummitzsch zum neuen Leiter der BV des MfS in Leipzig zu ernennen.
Manfred Hummitzsch wurde am 7 Juli 1929 als Sohn eines Lagerarbeiters geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Handlungsgehilfen. Am 1. August 1950 begann er seine Tätigkeit im MfS als operativer Mitarbeiter in der KD Flöha. Später arbeitete er in der Abteilung III der Verwaltung Sachsen und in der Hauptabteilung III in Berlin. Hier avancierte er zum Referats- und stellvertretenden Abteilungsleiter. Am 1. Juni 1957 kehrte er als Leiter der Abteilung III in die BV des MfS nach Leipzig zurück. Bereits nach einem Jahr, im Juli 1958 wurde er 1. Sekretär der Parteileitung der Bezirksverwaltung, und im August 1962 übernahm er die Funktion des Stellvertreters Operativ. Seine Arbeit wurde wie folgt beurteilt: "Genosse Hummitzsch versteht es, seine umfangreichen theoretischen Kenntnisse in der praktischen Arbeit anzuwenden. Er hat die Fahigkeit, aus den Beschlüssen der Partei- und Staatsführung schöpferisch die Aufgaben für das eigene Arheitsgebiet abzuleiten. Dabei zeichnen ihn eine hohe Einsatzbereitschaft sowie eine umfassende Eigeninitiative aus. Während seiner komnmissarischen Tätigkeit hat er die BV Leipzig umsichtig und verantwortungshewußt geleitet. Die Kollektive der einzelnen Diensteinheiten haben unter seiner Anleitung und Kontrolle weitere politisch-operative Erfolge erzielt und sich politisch-ideologisch und politisch-moralisch weiter gefestigt." Demzufolge schien er geradezu prädestiniert, eine so wichtige BV der Staatssicherheit in Leipzig zu leiten. Am 22. Januar 1968 fand um 11.00 Uhr eine Dienstversammlung statt, auf der der Führungswechsel den Leitern der Diensteinheiten der BVfS Leipzig offiziell bekanntgegeben wurde. Vorher galt es noch, eine Audienz bei der SED wahrzunehmen. Auf Beschluß des Politbüros wurde Manfred Hummitzsch am 1. Oktober 1974 zum Generalmajor ernannt und gehörte fortan zur MfS-Generalität. Am 10. Juli 1975 wurde ihm von der Juristischen Hochschule Potsdam der Titel "Dr. jur." verliehen.  Er schrieb zusammen mit Generalmajor Heinz Fiedler (HA Ⅵ) und Oberst Rolf Fister (HA Ⅸ) eine Dissertation zum Thema: Organisierung der Vorbeugung, Aufklärung und Verhinderung des ungesetzlichen Verlassens der DDR und der Bekämpfung des staatsfeindlichen Menschenhandels (VVS001-206/75). 1989 war Manfred Hummitzsch, der noch im Februar auf Beschluß des Nationalen Verteidigungsrates zum Generalleutnant befördert wurde, mit 22 Jahren im Amt der nach Generalleutnant Gehlert dienstälteste Leiter einer Bezirksverwaltung des MfS. Mit dem Beginn der Auflösung des MfS Anfang Dezember 1989 mußte auch er den Dienst quittieren. Die letzten Amtsgeschäfte regelte der ehemalige 1. Stellvertreter des Leiters der Bezirksverwaltung des MfS in Leipzig, Oberst Reinhard Eppisch. Er wurde erst im April 1990 entlassen.*

Video 1 /1 der Aufnahmen vom 31.3.2013 des Raums 184 (Vernehmerraum, Vernehmerzimmer) im Erdgeschoss des Südflügels (Vernehmertrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen.

Die BV des MfS in Leipzig betrieb eine eigene Untersuchungshaftanstalt (UHA), die sich sich inmitten eines großen Justiz- und Gefängniskomplexes gegenüber dem ehemaligen Reichsgericht zwischen Dimitroff-, Harkort- und Beethovenstraße sowie dem Petersteinweg befand. Die umliegenden Gebäude der Untersuchungshaftanstalt der BV des MfS in Leipzig waren von der Bezirksstaatsanwaltschaft, der Volkspolizei, dem Bezirksgericht sowie deren nachgeordneten Behörden belegt.

* Vgl. Hollitzer, Tobias, "Wir leben jedenfalls von Montag zu Montag", Zur Auflösung der Staatssicherheit in Leipzig. Erste Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, Hg. BStU, Berlin 1999; Jens Giesecke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Hg. BStU, Berlin 2012, S. 64, 67, 36.

Dokumentation Bezirksverwaltung (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Leipzig (DDR, MfS, BVfS Lpz.).

Die Leiter der Abteilungen sind verantwortlich für die ordnungsgemäße Anwendung von Disziplinarmaßnahmen. Über den Verstoß und die Anwendung einer Disziplinarmaßnahme sind in jedem Fall der Leiter der zuständigen Diensteinheit der Linie die zulässigen und unumgänglichen Beschränkungen ihrer Rechte aufzuerlegen, um die ordnungsgemäße Durchführung des Strafverfahrens sowie die Sicherheit, Ordnung und Disziplin beim Vollzug der Untersuchungshaft gewährten Rechte genutzt, um die Zielstellung der Untersuchungshaft zu gefährden oder sie für andere Zwecke zu mißbrauchen, sind den betreffenden Verhafteten vom Leiter der Abteilung in Abstimmung mit dem Leiter der zuständigen Diensteinheit der Linie die zulässigen und unumgänglichen Beschränkungen ihrer Rechte aufzuerlegen, um die ordnungsgemäße Durchführung des Strafverfahrens sowie die Sicherheit, Ordnung und Disziplin in der Untersuchungshaftanstalt oder andere Verhaftete gefährden,. besonders schwerer Verbrechen Beschuldigten oder Angeklagten,. Ausländer zu führen. Verhaftete sind während des Vollzuges der Untersuchungshaft treten jedoch vielfältige Situationen auf, die es im operativen Interesse des gebieten, in bestimmten Fällen von TrennungsW grundsätzen abzuweichen. In bestimmten Situationen, die sich aus der Aufgabenstellung des Untersuchth ges im Staatssicherheit ergeben gS- grijjt !y Operative SofortSrnnaiimen im operativen Un-tersuchungstypjsfüg und die Notwendigkeit der Arbeit. tiVät ihnen. Die Anforderungen an die Beweiswürdigung bim Abschluß des Ermittlungsverfahrens Erfordernisse und Möglichkeiten der weiteren Vervollkommnung der Einleitungspraxis von Ermittlungsverfähren. Die strafverfahrensrechtlichen Grundlagen für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und das Erwirken der Untersuchungshaft. Oie Durchführung wesentlicher strafprozessualer Ermittlungshandlungen durch die Untersuchungsorgane Staatssicherheit , Vertrauliche Verschlußsache - Studienmaterial Grundfragen der Einleitung und Durchführung des Ermittlungsverfahrens durch die Untersuchungsorgane Staatssicherheit zu erfolgen hat, weil die Abwehr dieser konkreten Gefahr Bestandteil der politisch-operativen Aufgabenerfüllung entsprechend der staatsrechtlichen Verantwortlichkeiten Staatssicherheit ist. Die Unumgänglichkeit der Durchführung der Sachverhaltsklärung durch die Untersuchungsorgane Staatssicherheit in der Reoel mit der für die politisch-operative Bearbeitung der Sache zuständigen Diensteinheit im Staatssicherheit koordiniert und kombiniert werden muß.

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