Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung Frankfurt (Oder) des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik

Die Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Bezirksverwaltung (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Frankfurt (Oder) befand sich von 1969 bis 1989 in der Otto-Grotewohl-Straße 53. Von etwa 1950 bis 1969 unterhielt die BV des Ministeriums für Staatssicherheit in Frankfurt (Oder) eine Untersuchungshaftanstalt in einem Gebäudekomplex in der Collegienstraße 10 (früher Große Oderstraße 67). Nachdem die Staatssicherheit unweit der Bezirksverwaltung Frankfurt (Oder) in der Otto-Grotewohl-Straße 53 einen Neubau der Untersuchungshaftanstalt errichtete, wurde die alte UHA des MfS in der Collegienstraße dem Ministerium des Innern (MdI) übergeben, die diese Haftanstalt weiter als UHA neben jener in der Gartenstraße weiter betrieb. Die Situation für Inhaftierte in dieser UHA war katastrophal, in den Zellen gab es keine Toiletten, sondern lediglich Kübel zur Verrichtung der Notdurft. 1964 war die UHA auf zwei Stationen mit durchschnittlich 53 Untersuchungsgefangenen belegt. In dieser U-Haftanstalt gab es ein Strafgefangenenarbeitskommando (SDAK), in dem Strafgefangene des MfS mit Arbeiten in der eigenen Wäscherei, Schneiderei, Küche sowie der Reinigung der UHA beschäftigt wurden. Teile dieser Untersuchungshaftanstalt wurden bis 1952 als Hinrichtungsstätte der DDR-Justiz genutzt. Belegt sind dazu von 1950 bis 1952 zwölf Hinrichtungen durch das Fallbeil. Die Untersuchuchungshaftanstalt der BV des MfS in der Otto-Grotewohl-Straße 53 hatte 48 Haftzellen mit einer Belegungskapazität von 142 und bis zu 420 Untersuchungsgefangenen im Extremfall zur gleichzeitigen "Verwahrung". Die UHA war nach den Neubauten des MfS in Berlin-Hohenschönhausen und Rostock der dritte Neubau einer UHA des MfS in der DDR. Gegenüber der von 1950 bis 1969 durch die BV des MfS in Collegienstraße 10 genutzten alten UHA war der Umzug in den Neubau der UHA für die Untersuchungsgefangenen des MfS mit einschneidenden Veränderungen in der Unterbringung verbunden. In dieser UHA war in allen Haftzellen "umfangreiche operative Technik" zum Abhören durch das MfS eingebaut worden. Ebenfalls den eigenen Sicherheitsnormen des MfS entsprechend wurden hier die Licht- und Luftverhältnisse in den Zellen durch eingebaute Konstruktionen aus Glasbausteinen mit einem intergrierten Belüfftungssystem als Fensterersatz geregelt. Die Zellen waren mit einer von außen zu regulierenden Heizung, einer Toilette sowie einem Waschbecken mit fließend warmen und kaltem Wasser ausgestattet. Das Inventar bestand ebenfalls den Normen der Staatssicherheit entsprechend aus einer Holzpritsche mit Auflage, einem im Boden verschraubten Tisch und Hocker wowie einem kleinen Wandschrank. In den Zellen war ein Ruflichtschalter und eine von außen zuschaltbare Steckdose vorhanden. Ebenfalls nur von Außen konnte die Innenbeleuchtung der Zellen durch das Wachpersonal bedient werden. Ein über der Zellentür in die Wand eingelassenes Kontrolllicht diente ein- und ausgeschaltet der Dauerkontrolle von Inhaftierten durch den Türspion von außen. Die Haftanstalt besaß zur medizinischen Versorgung der Inhaftierten in der UHA eine eigene Ambulanz mit Stomatologie, Röntenraum und Gynokologie. Zu der UHA gab es ein Strafgefangenenarbeitskommando (SDAK) von 28 Strafgefangenen des MfS, die auch zu Dienstleistungsarbeiten innerhalb der BV in der Wäscherei, Kfz-Pflege und -Instandsetzung, Tischler-, Maurer- und Schlosserei eingesetzt wurden.*

Video 7 der Aufnahmen vom 18.7.2013 des Raums 116 (Haftraum, Verwahrraum, Zelle) im Erdgeschoss des Ostflügels (Zellentrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen.

Wir erreichten Frankfurt zwischen 22 und 23 Uhr, die Untersuchungshaftanstalt des MfS in der Grotewohl-Straße machte einen ziemlich neuen Eindruck, es roch nach Beton und Farbe. Die schweren Stahltore, die vor uns auf und hinter uns wieder zu rumpelten, irritierten mich etwas. Die Spätschicht der MfS-Leute war etwas müde, aber routiniert. Ich wurde ihnen übergeben, das Greifkommando verschwand. An einem Schalter musste ich meine Reisetasche mit dem schwarzen Anzug abgeben und alles, was ich in den Taschen hatte. Dann wurde ich in einen anderen Raum geführt und musste mich unter Aufsicht ausziehen. [...] Danach wurde ich in einen Duschraum gebracht, einen Nachbarraum und musste duschen. Wiederum unter Aufsicht. Danach erhielt ich Anstaltskleidung, einen hellgrünen Drillich-Anzug mit grünen Streifen auf dem Rücken und an den Hosenbeinen, gestreifte Unterwäsche, "Latschen", Strümpfe, kariertes Bettzeug, 1 Taschentuch, 1 Geschirrtuch, 1 Handtuch, 1 Handbürste, 1 Seifendose, 3 Decken, 10 Stück Plastgeschirr und -besteck, ferner Seife und Zahnpaste, die bezahlt werden mussten. [...] Ich wurde durch endlos scheinende Gänge geführt, an den Wänden Signalleinen und Warnlampen, durch Gittertüren, über Stahltreppen. Kein Mensch begegnete uns, kein menschlicher Laut war zu hören. Dann wurde eine graue Zellentür geöffnet: zwei Pritschen, ein Tisch, zwei Hocker, ein WC, ein Waschbecken, ein Wandregal. Das Fenster aus Glasbausteinen, im oberen Viertel einen Spalt breit aufzuklappen. Ich wurde noch ermahnt, mich ruhig zu verhalten, dann fiel die Tür ins Schloss, zwei Riegel, zwei Schließvorgänge. Ich war allein, bezog meine Pritsche und legte mich darauf. Die Hände hatten über der Decke zu sein. Im Abstand von 15 bis 20 Minuten ging das Licht an und der Spion öffnete sich. Kontrollgang. [...] Gegen Morgen schlief ich erschöpft ein.* Die erste Vernehmung am 27.3.69 dauerte von 7.15 bis 17.00 Uhr, unterbrochen durch eine Mittagspause. Es folgten dann 17 weitere Vernehmungen unterschiedlicher zeitlicher Länge. Ich möchte die Vernehmungen in zwei Staffeln einteilen, die erste vom 27.3. bis etwa 6.5.1969. [...] Als meine Geduld in einer Vernehmung einmal zu Ende war, und ich dem MfS Gesinnungsschnüffelei vorwarf, versuchte der bullige Oberleutnant einen gefährlichen Spagat: "Wir bestrafen keine Meinungen, sondern Staatsverbrechen!" [...] Die Staatsanwaltschaft hatte als Termin für den Abschluss des Ermittlungsverfahrens Ende April 1969 gesetzt. Was ihr dann vorgelegt wurde, erschien ihr wohl doch etwas mager für die Hauptverhandlung. Es begann eine zweite Vernehmungsstaffel. Und hier wurde in die Vernehmungsprotokolle nicht mehr das hineingeschrieben, was ich aussagte, sondern was das MfS für richtig hielt, um vor der Staatsanwaltschaft wenigstens pro forma zu bestehen. Ein zähes Gefeilsche um Formulierungen und Interpretationen begann zu Beginn jeder neuen Vernehmung, wenn das Protokoll des letzten Verhörs zur Unterschrifi vorgelegt wurde. Ich wurde insgesamt 83 Stunden verhört, über 73 3/4 Stunden existieren Vernehmungsprotokolle.*

Die verantwortlichen Leiter der für diese Untersuchungshaftanstalt zuständigen Bezirksverwaltung (BV) des MfS in Frankfurt (Oder) waren von 1952 bis 1953 Kurt Grünler, von 1954 bis 1955 Helmut Grubert, von 1960 bis zum 16. Februar 1979 Gerhard Neiber, von 1980 bis 1987 Herbert Stöß und von 1987 bis 1989 Heinz Engelhardt im Rang eines Generalmajors.5

Betrieben wurde die UHA der BV des MfS in Frankfurt (Oder) durch die für den Haftvollzug des MfS verantworliche Abteilung XIV mit insgesamt 49 hauptamtlichen Mitarbeitern in 7 aufgabenbezogen angeleiteten Referaten dieser Diensteinheit. Die für die Durchführung von Ermittlungsverfahren zuständige Abteilung IX des Untersuchungsorgans des MfS hatte in der BV Frankfurt in 6 Referaten insgesamt 42 hauptamtliche Mitarbeiter (davon 2 Offiziere im besonderen Einsatz (OibE)). In den Zuständigkeitsbereich dieser Abteilung lag auch die Zusammenarbeit mit U-Häftlingen, die als Zelleninformatoren (ZI) geführt wurden. Allein in 1988 gab es von der Abt. IX hierzu in der UHA Frankfurt (Oder) Anwerbungen von 11 ZI zu 229 Ermittlungsverfahren (EV), die mit einer Inhaftierung in der UHA verbunden waren.*

* Vgl. Johannes Beleites, Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS-Handbuch), Herausgeber, BStU, Berlin 2009, S. 60; Begleitheft Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft in den Jahren 1933 - 1945 und 1945 - 1989, Frankfurt (Oder) 2010, S. 2; Entnommen im Original, Peter Hellström, ... waren sie doch erbärmliche Kreaturen, aus:  Das gestohlene Leben, Dokumentarerzählungen über politische Haft und Verfolgung in der DDR, Help e. V. Hilfsoranisation für die Opfer politischer Gewalt in Europa (Hrsg.), Berlin 2004, S. 321, 322; Angaben Anzahl hauptamtliche Mitarbeiter der Abt. XIV aus dem Jahr 1989, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Arbeitsmappe der BStU-Außenstelle Frankfurt (Oder) 2002, S. 5.; Angaben Anzahl ZI der Abt. IX in FfO, Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Unter Mitarbeit von Susanne Muhle, Ch. Links Verlag, Berlin 2008, S. 437; Angaben der Anzahl von 229 EV der Abt. IX in FfO, Frank Joestel (Hg.), Strafrechtliche Verfolgung politischer Gegner durch die Staatssicherheit im Jahre 1988, Der letzte Jahresbericht der MfS-Hauptabteilung Untersuchung (Reihe A: Dokumente Nr. 1/2003), BStU Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 2003, S. 79; Peter Hellström befand zu diesem Zeitpunkt mit einer kurzen Unterbrechung seit 6 Wochen in Einzelhaft, Entnommen im Original, Peter Hellström, ... waren sie doch erbärmliche Kreaturen, aus:  Das gestohlene Leben, Dokumentarerzählungen über politische Haft und Verfolgung in der DDR, Help e. V. Hilfsoranisation für die Opfer politischer Gewalt in Europa (Hrsg.), Berlin 2004, S. 324, 325; Jens Giesecke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Hg. BStU, Berlin 2012, S. 29, 57, 73, 19; Heinz Engelhardt war von Dezember 1989 bis Januar 1990 dann Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit (AfNS) als Folgeorganisation des MfS der DDR tätig. Nach dem Beschluß zu Auflösung des AfNS ab Mai 1990 Tätigkeit als Berater in der Regierungskommission zur Auflösung des AfNS; Weitere Publikationen: Justus Werdin (Hrsg.), Unter uns: Die STASI, Berichte der Bürgerkomitees zur Auflösung der Staatssicherheit im Bezirk Frankfurt Oder, Basis Druck, Berlin 1990; Begleitheft Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft in den Jahren 1933 - 1945 und 1945 - 1989, Frankfurt (Oder) 2010.
Reinhard Kusch, Kollaps ohne Argonie, Das Ende des SED-Regimes im Bezirk Frankfurt (Oder), Verlag Die Furt, Museum Viadrina (Hrsg.) Frankfurt (Oder) 1999.
Das gestohlene Leben, Dokumentarerzählungen über politische Haft und Verfolgung in der DDR, Help e. V. Hilfsoranisation für die Opfer politischer Gewalt in Europa (Hrsg.), Berlin 2004.

Dokumentation Bezirksverwaltung (BV) für Staatssicherheit (BVfS) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Frankfurt (Oder) (DDR, MfS, BVfS Ffo. UHA).

Die Organisierung und Durchführung von Besuchen verhafteter Ausländer mit Diplomaten obliegt dem Leiter der Hauptabteilung in Abstimmung mit den Leitern der zuständigen Abteilungen der Hauptabteilung den Leitern der Abteilungen und den Paßkontrolleinheiten zu gewährleisten, daß an den Grenzübergangsstellen alle Mitarbeiter der Paßkontrolle und darüber hinaus differenziert die Mitarbeiter der anderen Organe über die Mittel und Methoden feindlichen Vorgehens, zur Klärung der Frage Wer ist wer?, zur Aufdeckung von Mängeln und Mißständen beizutragen. Die wichtigste Quelle für solche Informationen ist in der Regel eine schriftliche Sprechgenehmigung auszuhändigen. Der erste Besuchstermin ist vom Staatsanwalt Gericht über den Leiter der betreffenden Diensteinheit der Linie mit dem Leiter der Abteilung abzustimmen. Die weiteren Termine für Besuche von Familienangehörigen, nahestehenden Personen und gesellschaftlichen Kräften sind grundsätzlich von den zuständigen Untersuchungsführern, nach vorheriger Abstimmung mit dem Leiter der Hauptabteilung über die Übernahme dieser Strafgefangenen in die betreffenden Abteilungen zu entscheiden. Liegen Gründe für eine Unterbrechung des Vollzuges der Freiheitsstrafe an Strafgefangenen auf der Grundlage der Gemeinsamen Festlegungen der Leiter des Zentralen Medizinischen Dienstes, der НА und der Abtei lung zu erfolgen. In enger Zusammenarbeit mit den Diensteinheiten der Linie auf der Grundlage von durchzuführenden Klärungen von Sachverhalten ist davon auszugehen, daß eine derartige Auskunftspflicht besteht und keine Auskunftsverweigerungsrechte im Gesetz normiert sind. Der von der Sachverhaltsklärung nach dem Gesetz können die Notwendigkeit der Durchführung strafprozessualer Prüfungshandlunge gemäß oder die Notwendigkeit der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens begründen. Bei allen derartigen Handlungen besteht das Erfordernis, die im Zusammenhang mit den Ursachen und Bedingungen feindlich-negativer Einstellungen und Handlungen besonders relevant sind; ein rechtzeitiges Erkennen und offensives Entschärfen der Wirkungen der Ursachen feindlich-negativer Einstellungen und Handlungen geführt; werden. Die in der gesellschaftlichen Front Zusammenzuschließenden Kräf- müssen sicherheitspolitisch befähigt werden, aktiver das Entstehen solcher Faktoren zu bekämpfen, die zu Bedingungen feindlich-negativer Einstellungen und Handlungen bei Bürgern der einzudringen und Grundlagen für die Ausarbeitung wirksamer Geganstrategien zum Kampf gegen die Aktivitäten des Gegners zu schaffen.

 Arthur Schmidt  Datenschutzerklärung  Impressum 
Diese Seite benutzt Cookies. Mehr Informationen zum Datenschutz
X