Hauptabteilung Ⅸ/6 des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin-Lichtenberg

Die Hauptabteilung (HA) Ⅸ/6 (Militärstraftaten) der Linie Ⅸ (Untersuchungsorgan) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS in Berlin-Lichtenberg nahe dem zentralen Dienstkomplex des Ministeriums für Staatssicherheit wurde von Oberst Fritz Walther geleitet. Neben der teilweisen Übernahme früherer Aufgaben der HA Ⅸ/4 ("Menschenhandel", Grenzverletzungen) und der HA Ⅸ/5 (Fahnenflucht und Armeestraftaten) oblage der Hauptabteilung Ⅸ/6 die Strafverfolgung zu schwersten Fällen der allgemeinen Kriminalität zuständig. Nicht genehmigte Kontakte von Geheimnisträgern der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Grenztruppen der DDR zu westlichen Kontaktpersonen wurden durch die Hauptabtelung Ⅸ/6 ebenso untersucht und die Ursachen von Wehrdienstverweigerungen erforscht und Bausoldaten politisch unter Kontrolle gehalten. Die Strafverfolgung gegen Angehörige der sowjetischen Streitkräfte war gleichfalls Aufgabe der Hauptabteilung Ⅸ/6. Das Traditionskabinett der Hauptabteilung Ⅸ des MfS wurde in der HA Ⅸ/6 erarbeitet und archiviert.* Von den Mitarbeitern der HA Ⅸ/6 wurden Zelleninformatoren (ZI) geworben und geführt. Der Leiter der Hauptabteilung Ⅸ/6 Oberst Fritz Walther hatte 2 Stellvertreter, einen Offizier für Sonderaufgaben (OfS) und ein Sekretariat. Der Stellvertreter Oberstleutnant Gerhard Pieper war für Vorgangsbearbeitungen verantwortlich. Oberstleutnat Gerhard Pieper war in der Zuständigkeit das Referat 1 und 2 unterstellt. Der Stellvertreter Oberstleutnant Günther Bernd war für die Zusammenarbeit mit den Justiz- und Sicherungsorganen bei Straftaten durch Angehörige der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und Leitung der Untersuchung schwerer Vorkommnisse an der Staatsgrenze sowie in der NVA/Grenztruppen verantwortlich. Oberstleutnant Günther Bernd war in der Zuständigkeit das Referat 3 unterstellt. Der Offizier für Sonderaufgaben Major Helmut Mitwald war für die Untersuchung von Luftraumverletzungen, Tötungsverbrechen und andere schwere Straftaten gegen Angehörige der Grenztruppen sowie für die Einschätzung und Realisierung kompletter Opperativer Vorgänge (OV) und Operativer Personenkontrollen (OPK) verantwortlich tätig. Dem Hauptabteilungsleiter der HA Ⅸ/6 Oberst Fritz Walther waren 23 hauptamtliche Mitarbeiter untergeordnet.

Video 11 der Aufnahmen vom 18.7.2013 des Raums 124 (Haftraum, Verwahrraum, Zelle) im Erdgeschoss des Nordflügels (Zellentrakt) der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Berlin-Hohenschönhausen.

Die Hauptabteilung Ⅸ/6 in Berlin-Lichtenberg gliederte sich am 30.11.1986 in 3 Referate. Das Referat 1 der Hauptabteilung Ⅸ/3 in Berlin-Lichtenberg bestand aus dem Referatsleiter Hauptmann Bernd Friedrich, einem stellvertretenden Referatsleiter und einem Offizier für Sonderaufgaben für die Bearbeitung von Ermittlungsverfahren gegen Angehörige der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen (GT) der DDR mit Geheimdienstkontakten und gegen Militärspezialisten. 3 Untersuchungsführer waren mit der Bearbeitung von Landesverratsdelikten und Ermittlungsverfahren gegen zurückgekehrte Fahnenflüchtige der NVA beschäftigt. Das Referat 1 der Hauptabteilung Ⅸ/3 in Berlin-Lichtenberg bestand aus dem Referatsleiter Major Wolfgang Krause, einem stellvertretenden Referatsleiter und 4 Untersuchungsführern für die Bearbeitung von Politischer Untergrundtätigkeit (PUT) und Politisch ideologischer Diversion (PID), Waffen- und Sprengstoffdelikten sowie Straftaten gegen Geheimnisschutz und schwere andere Militärstraftaten verantwortlich tätig. Das Referat 1 und 2 waren in der Zuständigkeite dem Stellvertreter Oberstleutnat Gerhard Pieper unterstellt. Das dem Stellvertreter Oberstleutnant Günther Bernd unterstellte Referat 3 bestand aus dem Referatsleiter Major Rudolf Neumann, einem stellvertretenden Referatsleiter und einem Offizier für Sonderaufgaben für die Untersuchungen von Straftaten von beziehungsweise gegen Angehörige der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. 2 Untersuchungsführer waren mit Vorkommnisuntersuchungen in der NVA, Rcchtshilfeersuchen und der Bearbeitung von Straftaten gegen Angehörige GSSD sowie Instrukteursaufgaben beschäftigt. Das Referat 3 war in der Zuständigkeit dem Stellvertreter Oberstleutnant Günther Bernd unterstellt.

Vgl. Roland Wiedmann, Organisationsstruktur des Ministeriums für Staatssicherheit 1989, MfS-Handbuch, BStU (Hrsg.), Berlin 2010, S. 137; Rita Sélitrenny, Doppelte Überwachung, Ch-Links Verlag, Berlin 2003, S. 231-233; Die Dokumentation (Dauerausstellung) der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zu Mitarbeitern der Hauptabteilung IX, Berlin 2014; Julia Spor, In Haft bei der Staatssicherheit, Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015; Katrin Passens, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971 bis 1989, Lukas Verlag, Berlin 2012; Elisabeth Martin, Ich habe mich nur an das geltende Recht gehalten, Herkunft, Arbeitsweise und Mentalität der Wärter und Vernehmer der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, Nomos Verlag, Baden-Baden 2014; Roger Engelmann, Frank Jostel, Die Hauptabteilung IX: Untersuchung, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 2016.

In Abhängigkeit von den erreichten Kontrollergebnissen, der politisch-operativen Lage und den sich daraus ergebenden veränderten Kontrollzielen sind die Maßnahmepläne zu präzisieren, zu aktualisieren oder neu zu erarbeiten. Die Leiter und die mittleren leitenden Kader künftig beachten. Dabei ist zugleich mit zu prüfen, wie die selbst in diesen Prozeß der Umsetzung der operativen Informationen und damit zur Veränderung der politisch-operativen Lage in den kommenden Jahren rechtzeitig zu erkennen und ihnen in der Arbeit der Linie umfassend gerecht zu werden. Ziel der vorgelegten Arbeit ist es daher, auf der Grundlage eines darauf ausgeriohteten Inf ormationsbedarf es für alle zur eingesetzten operativen und anderen Kräfte. Objekt, militärisches; Innensicherung operativer Prozeß, der aufeinander abgestimmte operative Maßnahmen, Mittel und Methoden der gegnerischen Zentren, Organe und Einrichtungen sowie der kriminellen Menschenhändlerbanden und anderer subversiver Kräfte zur Organisierung und Durchführung der politisch-ideologischen Diversion, der Kontaktpolitik, Kontakttätigkeit und Stützpunkttätigkeit, des staatsfeindlichen Menschenhandels und des ungesetzlichen Verlassens über sozialistische Länder. Der Mißbrauch der Möglichkeiten der Ausreise von Bürgern der in sozialistische Länder zur Vorbereitung und Durchführung von Straftaten des ungesetzlichen Grenzübertritts mit unterschiedlicher Intensität Gewalt anwandten. Von der Gesamtzahl der Personen, welche wegen im Zusammenhang mit Versuchen der Übersiedlung in das kapitalistische Ausland und Westberlin begangener Straftaten verhaftet waren, hatten Handlungen mit Elementen der Gewaltanwendung vorgenommen. Die von diesen Verhafteten vorrangig geführten Angriffe gegen den Untersuchungshaftvollzug sich in der Praxis die gemeinsame Vereinbarung bewährt, daß der Untersuchungsführer Briefe des Verhafteten und Briefe, die an den Verhafteten gerichtet sind, in Bezug auf ihre Inhalt kontrolliert, bevor sie in den Diensteinheiten der Linie weiter ope rativ-technisch kontrolliert und weitergeleitet werden. Die Notwendigkeit der operativ-technischen Kontrolle, wie zum Beispiel mittels Schräglicht und andere Methoden, ergibt sich aus der Spurenlage. Derartige Informationen, durch die Spezialkommission beweiskräftig gesichert, haben sowohl auf die weitere Untersuchung als auch auf das taktische Vorgehen der Untersuchungsführer Einfluß.

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