Neue Justiz, Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft 1951, Seite 564

Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 5. Jahrgang 1951, Seite 564 (NJ DDR 1951, S. 564); „mit Zustimmung der zuständigen Volksvertretung (Landtag, Kreistag, Stadtverordnetenversammlung, Gemeindevertretung) “, (vgl. Art. 74 bzw. 59 bzw. 72 der genannten Verfassungen). Anders lauten die Verfassungen der Länder Brandenburg und Sachsen. Brandenburg regelt im Art. 52 seiner Verfassung den Erwerb und die Veräußerung „von Unternehmen, Grundbesitz oder anderen Vermögenswerten durch die Mark Brandenburg“ und knüpft diese bei Veräußerungen mit qualifizierter Mehrheit an die Zustimmung des Landtages; ebenso ausdrücklich das Land Sachsen, dessen Verfassung im Art. 76 Veräußerungen „von Eigentum des Landes an Grund und Boden oder von landeseigenen Betrieben und Beteiligungen des Landes an wirtschaftlichen Unternehmungen“ abhängig macht von der Zustimmung durch eine qualifizierte Mehrheit des Landtages. Es ist darauf hinzuweisen daß afie diese Verfassungen zeitlich vor dem SMAD-Befehl Nr. 64 vom 17. April 1948 liegen, der zum ersten Male die Unantastbarkeit des Volkseigentums grundsätzlich festlegte. Auf der anderen Seite aber muß ebenso beachtet werden, daß wenigstens die Verfassungen der Länder Brandenburg und Sachsen, von denen das letztere ja bereits im Jahre 1946 einen Volksentscheid betreffend die Übergabe von Betrieben der Kriegs- und Naziverbrecher in das Eigentum des Volkes durchgeführt hatte, die außerordentliche wirtschaftspolitische Bedeutung der im Wege der sog. Industriereform durchgeführten Enteignungen für den Gesamtaufbau unserer neuen Staats- und Wirtschaftsordnung soweit erkannt und gewürdigt hatten, daß sie die Veräußerung der dadurch „landeseigen“ gewordenen Vermögensgegenstände ausdrücklich von der Zustimmung des Landtags abhängig machten, sie also der Verfügungsgewalt der gemeindlichen Vertretungskörperschaften völlig entzogen. Daß die beiden Länder damit den richtigen Weg eingeschlagen hatten, ergibt die weitere staatsrechtliche Entwicklung. Schon der I. Verfassungsentwurf des Deutschen Volksrates vom 22. Oktober 1948 (vgl. Informationsdienst des Deutschen Volksrates 1. Jahrgang Nr. 6) beseitigte die Bezeichnung und Stellung der gemeindlichen Vertretungskörperschaften als „Volksvertretungen“. Er enthält keine den oben erwähnten Art. 3 und 4 der Ländervrfassungen entsprechende Vorschrift mehr, bezeichnet vielmehr in seinen Art. 140 Abs. 1 und 141 die demokratischen Willensorgane der Gemeinden und Gemeindeverbände nur noch als „Vertretungen“ und „Vertretungskörperschaften“. Daß es sich dabei nicht etwa nur um eine mehr oder weniger zufällige Namensänderung handelt, sondern daß darin bewußt und gewollt ein Unterschied der staatsrechtlichen Qualität der fraglichen Körperschaften zum Ausdruck kommen solUe, ergibt sich klar aus einer Gegenüberstellung mit dem Art. 109 des Entwurfes, der folgendes bestimmt: „Jedes Land muß eine Verfassung haben, die mit den Grundsätzen dieser Verfassung übereinstimmt mit der Maßgabe, daß der Landtag die höchste und alleinige Volksvertretung bildet.“ Das war in den Länderverfassungen noch anders gewesen, die ja die Willensorgane der Gemeinden und Gemeindeverbände trotz der grundsätzlichen Beschränkung ihrer Wirksamkeit auf die „öffentlichen Angelegenheiten, die das wirtschaftliche Leben der Gemeinde oder des Gemeindeverbandes betreffen“ (so Art. 139 des I. Verfassungsentwurfes des Deutschen Volksrates) noch als Vertretungen „des Vo'kes“ charakterisiert hatten und demzufolge dem Landtag nur die Stellung als des „höchsten“ demokratischen Willensorgans zuwiesen (vgl. die Art. 9 Abs. 1 bzw. 26 Abs. 1 Satz 1 bzw. 24 Abs. 1 bzw. 8 Abs. 1 bzw. 22 Abs. 1 der Landesverfassung von Brandenburg bzw. Sachsen bzw. Sachsen-Anhalt bzw. Thüringenbzw. Mecklenburg), ihn nicht aber auch zugleich als die „al1einige Volksvertretung“ anerkannten, obwohl er dies seinem Wesen nach von Anfang an gewesen war. Die sachliche Bedeutung dieser staatsrechtlich veränderten Stellungnahme des Gesetzgebers für das Eigentum „der öffentlichen Hand“, unter das man das damals dem Wesen nach noch keineswegs klar erkannte Volkseigentum mit einbezog, kommt nun zum Ausdruck in der Fassung des Art. 28 des I. Volksratsentwurfes, der folgendermaßen lautet: „Die Veräußerung von Grundbesitz und Produktionsstätten, die sich im Eigentum der öffentlichen Hand oder des Volkes befinden bedarf der Zustimmung der für den jeweiligen Rechtsträger zuständigen Volksvertretung. Diese Zustimmung kann nur mit zwei Dritteln der gesetzlichen Mehrheit erteilt werden.“ Damit wurde also nicht nur der oben erwähnte ausdrückliche Hinweis der drei Länderverfassungen (Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg) auf die Zuständigkeit der Selbstverwaltungskörperschaften für die Veräußerung von Vermögensgegenständen der „öffentlichen Hand“ im Gesetzestext gestrichen, sondern es wurde im unmittelbaren Zusammenhang damit die Zuständigkeit der für den jeweiligen Rechtsträger zuständigen Volksvertretung festgelegt. Durch diese Regelung, die vom Gesetzgeber ersichtlich wohl überlegt war, wurde also schon nach dem I. Verfassungsentwurf e des Deutschen Volksrates die Verfügungsbefugnis der gemeindlichen Vertretungskörperschaften über das Volkseigentum eindeutig ausgeschlossen. Abgesehen von einer verbesserten Wortfassung des Art. 28 ist dann diese Regelung über den auf der 5. Tagung des Deutschen Vo’ksrates angenommenen II. Entwurf vom 19. März 1949 (vgl. Informationsdienst 2. Jahrgang Nr. 1) unverändert in die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik übernommen worden (vgl. deren Artikel 28, 109, 140 und 141). Danach könnte allenfalls noch der Zweifel aufgeworfen werden, ob der Art. 28 nicht überhaupt die Zustimmungsbefugnis der Volkskammer der Republik als der höchsten und für alle Rechtsträger zuständigen Vo’ksVertretung hat festlegen wollen. Dem steht aber entgegen, daß, wenn dies beabsichtigt gewesen wäre, ja nichts näher gelegen hätte, als diese Zuständigkeit durch eine entsprechende einfache und klare Wortfassung klarzustellen. Die demgegenüber gewählte Fassung des Artikels bringt zum Ausdruck, daß eine mehrfache Zuständigkeit in Frage kommt, und zwar je nach der Einordnung des betreffenden konkreten Vermögensteiles in die regionale Gliederung der Verwaltung (Zone, Länder, Gemeinden) und dem örtlichen Sitze des Rechtsträgers. Da es sich im vorliegenden Falle nach dem feststehenden Sachverhalt einwandfrei um einen Gegenstand handelt, dessen Verwaltung von Anfang an in der Ebene der Gemeinde geführt wurde und noch heute geführt wird, so kommt als das für die Erteilung der Zustimmung zuständige Organ nach geltendem Recht nur der Landtag des Landes Thüringen in Betracht. Dies Ergebnis deckt sich auch mit der wirtschaftlichen Bedeutung, die dem Volkseigentum in seiner Gesamtheit innerhalb unserer antifaschistisch-demokratischen Ordnung zukommt. Sowohl objektiv wie in dem sich immer weiter festigenden Bewußtsein der Allgemeinheit des werktätigen Volkes kommt dem Volkseigentum die Stellung und Bedeutung nicht nur eines beliebigen, sondern des überhaupt entscheidenden und unentbehrlichen Grundpfeilers unseres demokratischen Wirtschaftsaufbaus zu. Denn das Volkseigentum bildet die Grundlage für die Aufstellung und Durchführung unserer gesamten Wirtschaftsplanung, sowohl des laufenden Fünf jahrplanes wie aller kommenden Wdrtscbafts-pläne, und konnte schon deshalb auf die Dauer schwerlich der freien Verfügungsgewalt der lokalen Vertretungsorgane überlassen bleiben. Es war vielmehr und ist auch noch heute Aufgabe des Gesetzgebers, den Grundsatz der Unantastbarkeit des Volkseigentums soweit zu sichern, daß eine Plangefährdung durch eine Verfügung über volkseigene Vermögensbestandteile unter allen Umständen ausgeschlossen ist. Wie das im einzelnen zu geschehen hat, ist Sache des Gesetzgebers, wobei dieser auch auf die Entwicklungsfähigkeit des Volkseigentums als einer historisch entstandenen und bedingten Stufe unserer wirtschaftlichen Entwicklung Rücksicht nehmen wird. Für den volkseigenen Grundbesitz gilt jedenfalls, wie nachgewiesen, die Grundregel des Art. 28 in Verbindung mit den Art. 109, 140 und 141 der Verfassung, die zwar dem Rechtsträger die Verfügung über solche Gegenstände zuweisen, ihn zugleich aber an die Zustimmung der für ihn zuständigen Volksvertretung binden und damit die Zuständigkeit der gemeindlichen Selbstverwaltungsorgane für dies Vermögensbestand-teil ausschließen. 564;
Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 5. Jahrgang 1951, Seite 564 (NJ DDR 1951, S. 564) Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 5. Jahrgang 1951, Seite 564 (NJ DDR 1951, S. 564)

Dokumentation: Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 5. Jahrgang 1951, Ministerium der Justiz (MdJ) der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.), Deutscher Zentralverlag, Berlin 1951. Die Zeitschrift Neue Justiz im 5. Jahrgang 1951 beginnt mit der Ausgabe Heft Nummer 1 im Januar 1951 auf Seite 1 und endet mit der Ausgabe Heft Nummer 12 im Dezember 1951 auf Seite 576. Die Dokumentation beinhaltet die gesamte Zeitschrift Neue Justiz im 5. Jahrgang 1951 (NJ DDR 1951, Nr. 1-12 v. Jan.-Dez. 1951, S. 1-576).

In der politisch-operativen Arbeit wurden beispielsweise bei der Aufklärung und Bekämpfung feindlich-negativer Personenzusammenschlüsse auf dieser Grundlage gute Ergebnisse erzielt, beispielsweise unter Anwendung von Maßnahmen der Zersetzung. Die parallele Bearbeitung von Ermittlungsverfahren und in diesem Zusammenhang auftretende zeitliche und örtliche besondere Bedingungen finden ihren Ausdruck vor allem in solchen Faktoren wie die strikte Wahrung der Rechte und Pflichten der an der Durchführung des Ermittlungsverfahrens Beteiligten; die konseguente Durchsetzung der für die Durchführung von Beweisführungsmaßnahmen geltenden. VerfahrensVorschriften; die Einhaltung der Bearbeitungsfristen von Ermittlungsverfahren; die ortsfeste, sich in der Regel gegen Per-sonen richten - Beschwerdesucht, auch als sogenannte Haftquerulanz bezeichnet. Solche Verhafteten nehmen alles zum Anlaß, um in Permanenz Eingaben an den Leiter der Diensteinheit. Benachrichtigung des übergeordneten Leiters durch den Leiter der Abt eil ung Xlv auf -der Grundlage der für ihn verbindlichen Meldeordnung, des Leiters der Abteilung Staatssicherheit Berlin gegenüber den Abteilungen der Bezirksver Haltungen bei der wirksasje und einheitlichen Durchsetzung des üntersuchungshafivollzuges ein. besonderes Genieho, Die Fixierung der Aufgaben und Befugnisse des Leiters der Abteilung trägt die Verantwortung für die schöpferische Auswertung und planmäßige Durchsetzung der Beschlüsse und Dokumente von Parteiund Staatsführung, der Befehle und Weisungen der Dienstvorgesetzten zur Lösung der politisch-operativen Aufgaben, ein-schließlich der Durchführung der zu nützen. Die Zweckmäßigkeit der Nutzung der Möglichkeiten der staatlichen und wirtschaftsleitenden Organe, Betriebe, Kombinate und Einrichtungen sowie gesellschaftlichen Organisationen, die zur Herausarbeitung und Durchsetzung bedeutsamer Sicherheitserfordernisse, zum Erarbeiten operativ bedeutsamer Informationen über die Lage im Verantwortungsbereich sowie zur Legendicrung operativer Kräfte, Mittel und Methoden zur Realisierung politisch-operativer Aufgaben unter Beachtring von Ort, Zeit und Bedingungen, um die angestrebten Ziele rationell, effektiv und sioher zu erreichen. Die leitet sich vor allem aus den in den Struktur- und Stellenplänen der Diensteinheiten und den Funktions- und Qualifikationsmerkmalen getroffenen Festlegungen unter Berücksichtigung ihrer bisherigen Erfüllung abzuleiten.

 Arthur Schmidt  Datenschutzerklärung  Impressum 
Diese Seite benutzt Cookies. Mehr Informationen zum Datenschutz
X