Manfred Eschberger


Manfred Eschberger:

Manfred Eschberger wurde 1989 stellvertretender Leiter der Untersuchungsabteilung IX im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Seit 1960 war er für die Bekämpfung der politischen Untergrundtätigkeit (PUT) zuständig und verhörte als Vernehmer unter anderem auch den Schriftsteller Jürgen Fuchs.

Manfred Eschberger wurde 1940 in Dessau geboren und besaß schon als Schüler einen „festen Klassenstandpunkt“. Laut seiner Kaderakte trat er in den Tagen des Volksaufstands am 17. Juni 1953 „Provokateuren, die ihm sein blaues Halstuch entreißen wollten, entschlossen gegenüber und verteidigte dieses.“

Nach seinem Abitur ging er mit 19 Jahren zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und war zunächst als Wachposten in der Bezirksverwaltung Cottbus tätig.

1960 wurde er in die Untersuchungsabteilung (HA IX) nach Berlin-Hohenschönhausen versetzt und eignete sich in der Unterabteilung HA IX/2 „umfangreiche Erfahrungen hinsichtlich der Liquidierung negativer Gruppierungen Jugendlicher an“.

1969 bescheinigte man ihm „ausgezeichnete Resultate bei der Aufklärung von verschiedenartigsten Straftaten auf dem Gebiete der feindlichen Untergrundtätigkeit“ und beförderte ihn zum Referatsleiter.

Manfred Eschberger war unter anderem der Vernehmer des Schriftstellers Jürgen Fuchs, der nach Protesten gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 verhaftet wurde und für neun Monate in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit nach Berlin-Hohenschönhausen kam.

Nach einem Fernstudium der Rechtswissenschaften wurde der Diplom-Jurist 1979 zum stellvertretenden Abteilungsleiter ernannt. Vier Jahre später ließ er sich an der Hochschule des MfS (JHS) zum Dr. jur. promovieren. Im selben Jahr wurde er zum Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG) und 1989 schließlich zum stellvertretenden Leiter der Untersuchungsabteilung HA IX ernannt.
Auch Eschbergers Frau war Angehörige der Stasi und arbeitete in der für Beobachtungen und Ermittlungen zuständigen Hauptabteilung VIII.

Im Zuge der Auflösung des MfS wurde Manfred Eschberger 1990 entlassen.


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