Peter Hellström


Peter Hellström:

Peter Hellström wurde 1943 in Berlin-Hermsdorf geboren. und wuchs in einem christlich-humanistischen orientierten Elternhaus auf.

Nach dem Mauerbau 1961 wurde er als FDJ-Sekretär der Oberschulklasse abgelöst, da keine Bereitschaft vorlag, Berufsoffizier zu werden. 1962 machte er sein Abitur. 1963 bis 1970 studierte Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Dresden.

Im September 1968 schrieb Peter Hellström an einen Freund aus West-Berlin unter Verwendung eines falschen Absenders einen Brief, in dem er den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei kritisierte. Der Brief wurde durch die Postkontrolle (Abteilung M) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) abgefangen.

Nachdem das MfS den unrechtmäßig geöffneten Brief sichergestellt hatte, legendierte sie den Verfassungsbruch und die geheimdienstliche Tätigkeit der Abteilung M (zuständig für die Postkontrolle des MfS). Dazu wurden Maßnahmen inszeniert, durch die "das vorhandene Material offiziell gemacht werden konnte". Der im Postamt vom MfS plazierte Inoffizielle Mitarbeiter (IM) "Klaus" inszenierte im Postamt das offizielle Auffinden des Briefes. Dazu war es notwendig, den Brief so zu präparieren, dass eine Weiterleitung durch den Briefzusteller an den Adressaten nicht mehr möglich war. Der Leiter des Postamtes öffnete den Brief und übergab ihn wegen des "staatsfeindlichen“ Inhaltes offiziell an die Staatssicherheit. das MfS eröffnete daraufhin am 5.12.1968 den Operativen Vorgang "Schreiber".

Peter Hellström wurde daraufhin am 26.3.1969 von der Staatssicherheit in Dresden verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Bezirksverwaltung (BV) des MfS in Frankfurt (Oder) eingeliefert. Nach monatelangen Verhören durch die Mitarbeiter der Abteilung IX (verantwortlich für die Ermittlungsverfahren des MfS) und wurde Peter Hellström schließlich in der Verhandlung vor dem 1. Strafsenat des Bezirksgerichtes Frankfurt (Oder) am 10.7.1969 nach den §§ 106 und 108 (Staatsfeindliche Hetze und Staatsverbrechen) zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Haftstrafe musste Peter Hellström im Lager X des MfS in Berlin-Hohenschönhausen durch Arbeit im Strafgefangenenarbeitskommando (SDAK) verbüßen. Im Juli 1970 wurde Peter Hellström an das MfS in Cottbus überstellt, zwischenzeitlich von der Bundesrepublik freigekauft und dann auf sein eigenes Verlangen in die DDR entlassen.

1971 Erhalt des Diploms nach der "Bewährung in sozialistischer Produktion". Ab Oktober 1989 Mitglied beim Demokratischen Aufbruch und Teilnehmer am Runden Tisch Erfurt und Neudietendorf.1

 

1 Das gestohlene Leben, Dokumentarerzählungen über politische Haft und Verfolgung in der DDR, Help e. V. Hilfsoranisation für die Opfer politischer Gewalt in Europa (Hrsg.), Berlin 2004, S. 440, 441; Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Arbeitsmappe BStU-Außenstelle Frankfurt (Oder) 2002, S. 44 bis 52.

Publikation: Christa Wolf, Angepasst oder mündig? Briefe an Christa Wolf, Verlag Volk und Wissen, Herbst 1989; Peter Hellström, Die Postkontrolle der Staatssicherheit,  Aus der Sicht eines Zeitzeugen, morgana-edition 2011. 


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