Helmut Brandt


Helmut Brandt:

Helmut Brandt wurde 1911 in Berlin geboren. Studium der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft und promovierte anschließend in beiden Fächern.

Ab 1929 engagierte er sich in der Deutschen Volkspartei (DVP), als deren Sekretär er bis 1933 im Reichstag tätig war. Anschließend arbeitete er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Völkerrecht und als Rechtsanwalt. Während des 2 Weltkrieges war er an der Front und im Rüstungsministerium eingesetzt.

Im Juni 1945 kehrte er nach Berlin zurück, wo er sich eine Rechtsanwaltpraxis aufbaute. In der Christlich-Demokratischen Union (CDU), zu deren Mitbegründern er gehörte, profilierte er sich als Fachmann für Rechtsfragen.

Bei der Spaltung der Berliner Parteiorganisation 1948 gehörte er zu denen, die im Ostteil der Stadt einen prosowjetischen Landesverband etablierten. Wegen seiner bürgerlichen Grundhaltung wurde er allerdings bald aus der CDU-Führung verdrängt und 1949 auf den Posten eines Staatssekretärs im DDR-Justizministerium abgeschoben.

Im Mai 1950 protestierte er bei DDR-Justizminister Max Fechner und CDU-Chef Otto Nuschke gegen die so genannten Waldheimer Prozesse, bei denen über 3000 sowjetische Lagerhäftlinge von Sondergerichten der DDR in Schnellverfahren abgeurteilt wurden.

Am 6.9.1950 wurde er deshalb vom Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) verhaftet und ein Jahr später in das U-Boot der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Staatssicherheit nach Berlin-Hohenschönhausen verbracht.

Nach fast vierjähriger Untersuchungshaft verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR in einem Geheimprozess wegen Vorbereitung des "faschistischen Putsches" vom 17. Juni 1953 im Juni 1954 zu zehn Jahren Zuchthaus. Willkürlich wurde er der "Verschwörergruppe" um den 1953 verhafteten DDR-Außenminister Georg Dertinger (CDU) zugeordnet.

Aufgrund eines Gnadengesuches von Nuschke wurde er im September 1958 "vorfristig" aus der Sonderhaftanstalt Bautzen II entlassen. Da die Staatssicherheit einen Auftritt Brandts vor der westlichen Presse verhindern wollte, nahm sie ihn 36 Stunden später erneut fest, als Helmut Brandter versuchte, nach West-Berlin zu flüchten.

Brandt kam wieder in das Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen und wurde im März 1959 vom Bezirksgericht Frankfurt/Oder wegen angeblicher Spionage, Verleitung zur Republikflucht sowie staatsgefährdende Propaganda und Hetze zu weiteren zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Nach 5095 Hafttagen wurde er im August 1964 als einer der ersten Häftlinge von der Bundesregierung freigekauft, so dass er ins Rheinland übersiedeln konnte. Anschließend arbeitete er an der Universität und als Gutachter beim Bundestag. Da ihm bei der CDU in der Bundesrepublik eine erneute politische Karriere verwehrt blieb, trat er 1977 zur CSU über. Nach der Wiedervereinigung 1990 beteiligte er sich aktiv an der Aufarbeitung der Waldheimer Prozesse.

Helmut Brandt starb 1998 in Königswinter bei Bonn.

Vgl. Hermann Wentker, Ein deutsch-deutsches Schicksal, Der CDU-Politiker Helmut Brandt zwischen Anpassung und Widerstand, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 3/2001, S. 465-506;
Bundesministerium der Justiz (Hrsg.), Im Namen des Volkes? Über die Justiz im Staat der SED, Katalog, Forum Verlag Leipzig, 1994, S. 278.


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