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Stasi-Wörterbuch Seite 293 / 1



Operativer  Vorgang; Einführung von IM operative Methode des MfS zur Herstellung vertraulicher Beziehungen zwischen dem Verdächtigen und einem qualifizierten, überprüften, für die jeweilige Aufgabe in Operativen Vorgängen geeigneten IM mit dem Ziel, durch die vertraulichen Beziehungen operativ bedeutsame Informationen und Beweise über geplante, vorbereitete oder bereits durchgeführte feindlich-negative Handlungen, die ihnen zugrunde liegenden Motive sowie Mittel und Methoden des Vorgehens der Verdächtigen und ihrer Hintermänner rechtzeitig zu erarbeiten und damit Voraussetzungen für die Vorbeugung, Verhinderung bzw. Einschränkung der feindlich-negativen Handlungen zu schaffen. Die Einführung erfordert das Heranführen eines IM an den Verdächtigen sowie den Ausbau der damit erreichten Kontakte bis zur Herstellung vertraulicher Beziehungen des Verdächtigen zum IM. Sie wird angewandt, wenn keine geeigneten IM am Verdächtigen arbeiten bzw. wenn trotz bereits vorhandener IM weitere IM direkt am Verdächtigen arbeiten müssen. Entsprechend dem Stand, den Umständen und Bedingungen der Bearbeitung eines Operativen Vorganges und der bereits eingesetzten IM sind folgende Grundsätze der Einführung zu beachten:
— die Einführung ist bereits zu Beginn der Bearbeitung Operativer Vorgänge sorg fältig vorzubereiten,
— die Anzahl der einzuführenden IM ist stets in Abhängigkeit von den konkreten politisch-operativen Erfordernissen und Bedingungen der Bearbeitung des Operativen Vorganges festzulegen,
— die Einführung ist so zu gestalten, daß die Initiative zur Herstellung, Aufrechterhaltung und Vertiefung der Beziehungen zum IM vom Verdächtigen ausgeht,
— die Einführung ist erst dann erfolgreich, wenn konkrete Ergebnisse zur Realisierung der Ziele des Operativen Vorganges erarbeitet werden konnten.
Zur Vorbereitung und Durchführung der Einführung ist erforderlich:
— genaue Festlegung der vom einzuführenden IM zu lösenden politisch-operativen Aufgaben entsprechend dem Ziel des Operativen Vorganges,
— Erarbeitung eines Anforderungsbildes für den einzuführenden IM auf der Grundlage der festgelegten politisch-operativen Aufgabe, der Analyse der Persönlichkeit des Verdächtigen sowie der Umstände und  Bedingungen  der Bearbeitung des Operativen Vorganges,
— Auswahl eines geeigneten und befähigten IM, der weitestgehend dem erarbeiteten Anforderungsbild gerecht wird,
— Erarbeitung geeigneter operativer — > Legenden und operativer — > Kombinationen, um den IM ins Blickfeld des Verdächtigen zu bringen sowie den Verdächtigen zur Kontaktherstellung und -vertiefung anzuregen,
— Vorbereitung des IM auf seinen Einsatz,
— verantwortungsbewußte Auftragserteilung und Instruierung entsprechend dem festgelegten operativ-taktischen Vorgehen zur Einführung sowie die sorgfältige Berichterstattung durch den einzuführenden  IM.
Im Verlaufe der gesamten Einführung ist gewissenhaft einzuschätzen, welcher Stand erreicht und inwieweit bereits das Ziel der Einführung erreicht wurde. Ebenso ist ständig das — > Herauslösen des einzuführenden IM zu gewährleisten. Bei der Bearbeitung feindlicher Gruppen in Operativen Vorgängen ist bei der Entscheidungsfindung über die Einführung gleichzeitig die Notwendigkeit und Möglichkeit des — > Herausbrechens von Personen aus feindlichen  Gruppen zu prufen.1




1 Definition: Operativer Vorgang; Einführung von IM / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 292, 293.