Stasi - Wort - Seite 255 / 2


Mikrat durch fototechnisches Verfahren hergestellte fotografische Abbildung in einem Verkleinerungsmaßstab von etwa 1: 50 bis 1: 300.
Die imperialistischen Geheimdienste verwenden Mikrate zur Übermittlung von Spionageinformationen im Verbindungssystem der Geheimdienste. Der Transport des Mikrats erfolgt dabei über den vom Geheimdienst festgelegten Verbindungsweg (postalisch oder persönliche Instrukteur-Kurier-Verbindung). Der besondere Vorzug des Mikratverfahrens besteht vor allem in der äußerst geringen Größe und den darauf beruhenden vielfältigen Tarnungsmöglichkeiten. Sie werden in verschiedenen Gegenständen, vorwiegend in Postsendungen, versteckt oder auch in Texte von Briefen oder Druckschriften konspirativ eingearbeitet, so daß sie grundsätzlich ohne Verwendung optischer Hilfsmittel nicht feststellbar sind.
Zur Entzifferung des Mikrats reicht in der Regel eine ca. 150fache Vergrößerung aus. Dazu kann ein Mikroskop oder auch ein Mikrofiche-Lesegerät benutzt werden, wie es in allen modernen Bibliotheken bzw. Dokumentations- und Informationseinrichtungen zur Verfügung steht. Der Nachrichtenempfänger muß im Besitz solcher Geräte sein oder Zugang dazu haben. Die Herstellung von Mikraten ist beim heutigen Stand der Technik relativ unkompliziert, setzt jedoch Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Dokumentenfotografie und in der Labortechnik sowie den Besitz oder Zugang zu den entsprechenden Geräten und Chemikalien voraus.1




1 Definition: Mikrat / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 255.