Wörterbuch der Staatssicherheit, Seite 194 / 2

Stasi-Wörterbuch Seite 195 / 1


Inoffizieller Mitarbeiter; Zusammenarbeit, konspirative spezifische Form der politisch-operativen Arbeit des MfS auf der Grundlage einer graduell unterschiedlichen Interessenübereinstimmung zwischen der sozialistischen Gesellschaft und einzelnen Personen — den Inoffiziellen Mitarbeitern.
Die Zusammenarbeit ist konspirativ, so daß die IM unerkannt die Konspiration des Feindes aufbrechen bzw. hierfür Voraussetzungen schaffen können. Dadurch ist es möglich, die objektiv notwendigen Aufgaben zum Schutz der sozialistischen Gesellschaftsordnung gegen subversive Angriffe innerer und äußerer Feinde erfolgreich zu realisieren.
Für die konspirative Zusammenarbeit sind Personen zu gewinnen und als inoffizielle Mitarbeiter zu entwickeln, die bereit und fähig sind, die ihnen übertragenen politisch-operativen Aufgaben ehrlich und zuverlässig zu erfüllen.
Die konspirative Zusammenarbeit mit  IM  ist insbesondere auszurichten auf die Gewinnung operativ bedeutsamer Informationen zur Erkennung und  Bearbeitung feindlich-negativer Kräfte sowie über begünstigende Bedingungen für die Begehung und Verschleierung feindlich-negativer  Handlungen,
Aufdeckung, Signalisierung und Beseitigung von Gefahren und Erscheinungen, die zu erheblichen Störungen, Schäden und Verlusten führen kÖnnen,
Erkennung von gefahrendrohenden und anderen Situationen mit negativen Auswirkungen in der Öffentlichkeit,
Einleitung bzw. Durchsetzung stabilisierender effektivitätsfördernder Maßnahmen und spezieller Interessen des MfS.
Grundlage für die Organisierung und Planung der konspirativen Zusammenarbeit mit den IM  sind vor allem die in den jeweiligen Verantwortungsbereichen, insbesondere den politisch-operativen Schwerpunktbereichen, konkret zu lösenden politisch-operativen Aufgaben.
Dazu ist es erforderlich, daß die  IM für die Lösung dieser Aufgaben politisch-ideologisch und fachlich-tschekistisch erzogen und befähigt werden, unerkannt bleiben und vor Dekonspirationen unbedingt bewahrt werden, auf der Grundlage des Gefühls der persönlichen Sicherheit Vertrauen zum MfS erlangen bzw. besitzen, eng an das MfS gebunden werden und auf sie in allen Situationen Verlaß ist, rückhaltlos über operativ interessierende Personen, Verbindungen, Vorkommnisse, Sachverhalte u. a. sowie über persönliche und familiäre Probleme berichten bzw. informieren, in ihrer Tätigkeit und in ihrer Bewußtseinsentwicldung kritisch eingeschätzt und in geeigneter Weise überprüft werden, entsprechend ihren operativen Leistungen die erforderliche Anerkennung bzw. Unterstützung erhalten.
Damit werden wesentliche Motive für eine ehrliche und gewissenhafte Erfüllung der politisch-operativen Aufgaben entwickelt bzw. stabilisiert.
Die konspirative Zusammenarbeit mit den IM wird vorwiegend beim —> Treff in konspirativen Wohnungen bzw. konspirativen Objekten realisiert.
Sie beginnt mit der —> Werbung der IM und wird beendet, wenn dafür nachweislich besondere Gründe vorliegen ( — > Beendigung der Zusammenarbeit mit  IM).1




1 Definition: Inoffizieller Mitarbeiter; Inoffizieller Mitarbeiter; Zusammenarbeit, konspirative / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 194, 195.