Stasi Wörterbuch Seite 186 / 2

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 187 / 1


Inoffizieller Mitarbeiter; Gewinnung 1. planmäßige, schwerpunktorientierte, qualitative Ergänzung und Erweiterung des IM-Bestandes, die als wesentlicher Bestandteil der politisch-operativen Arbeit aktuell und perspektivisch entsprechend der politisch-operativen Lage im Verartwortungsbereich durchzuführen ist. 2. Im einzelnen umfaßt die Gewinnung alle Maßnahmen der Auswahl und Entwicklung von IM-Kandidaten, ihre Werbung und Bewährung als IM in der ersten Phase der Zusammenarbeit.

Sie ist erforderlich zur weiteren Verstärkung der Arbeit am Feind und der vorbeugenden, schadensverhütenden Arbeit, die sich auf den zuverlässigen Schutz der gesellschaftlichen Entwicklung, die allseitige Gewährleistung der inneren Sicherheit der DDR und die Stärkung der sozialistischen Staatengemeinschaft konzentrieren.

Grundlegendes Ziel der Gewinnung ist es, solche Personen als IM zu werben, die ausgehend von den konkret zu lösenden Ziel- und Aufgabenstellungen objektiv und subjektiv in der Lage sind, zur Erhöhung der gesellschaftlichen Wirksamkeit der politisch-operativen Arbeit entsprechend den vorgegebenen Qualitätskriterien wesentlich beizutragen.

Die Gewinnung hat damit zu sichern, daß Menschen mit geeigneten Voraussetzungen zur Erfüllung dieser Aufgaben vor allem operativ bedeutsame Informationen gewinnen, gesellschaftlich und politisch-operativ nützliche Veränderungen herbeiführen, daß der Zusammenhang zwischen aktuell zu lösenden politisch-operativen Aufgaben und perspektivischen Sicherheitserfordernissen gewahrt und die innere Sicherheit des IM-Bestandes erhalten und erhöht wird.

Das erfordert die ständige Erhöhung der Verantwortung der Leiter, mittleren leitenden Kader und aller IM-führenden Mitarbeiter für geplante, konspirative und effektive Realisierung aller Einzelmaßnahmen, Menschen zu finden, sie anforderungsgemäß einzuschätzen, zu mobilisieren und psychologisch richtig in die politisch-operative Arbeit einzubeziehen.

Konkrete Teilaufgaben der Gewinnung bestehen in der Planung der Gewinnungsmaßnahmen auf der Grundlage der Einschätzung der politisch-operativen Lage und der Bestimmung der Anforderungen, d. h. der Erarbeitung des konkreten Anforderungsbildes, in der Entwicklung von Ausgangsmaterialien aus allen operativen Prozessen und Ergebnissen und der Auswahl von Kandidaten, in seiner Werbung als IM (verschiedentlich auch Überwerbung) und in der Entwicklung des neu geworbenen zu einem voll einsatzfähigen IM.

Die mit dem Ziel der Nachweisführung der Eignung, der Zuverlässigkeit und Bereitschaft des IM-Kandidaten erfolgende systematische Bearbeitung des IM-Vorlaufs beinhaltet die konspirative Aufklärung und Überprüfung des Kandidaten sowie die konspirative Kontaktaufnahme und die Erarbeitung des Werbungsvorschlages.

Durch die Werbung sind die Bereitschaft des Kandidaten zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit dem MfS zu schaffen bzw. auszubauen und seine Entscheidung dazu herbeizuführen, feste Bindungen des Kandidaten an das MfS zu entwickeln und seine Überprüfung unter den spezifischen Bedingungen der Werbungssituation fortzusetzen.

Der IM ist so zu verpflichten, daß die prinzipiellen Forderungen an das künftige inoffizielle Handeln und die damit verbundenen Pflichten, die Verbindlichkeit der getroffenen Vereinbarungen und die Übernahme und Realisierung erster Aufträge ihren Ausdruck finden und wirksam werden.

Ausgehend von der im Bericht über die durchgeführte Werbung enthaltenen Einschätzung erfolgt der Übergang der inoffiziellen Zusammenarbeit in die erste Phase, mit der die Gewinnung abschließt.1




1 Definition: Inoffizieller Mitarbeiter; Gewinnung / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 186, 187.