Wörterbuch des MfS, Seite 140 / 1


Gesellschaftswidrigkeit unterhalb der Schwelle der — > Gesellschaftsgefährlichkeit liegende materielle Eigenschaft der als Vergehen in § 1 Abs. 2 StGB gekennzeichneten Straftat, die ihre objektive Schädlichkeit für die Gesellschaft oder einzelne ihrer Bürger näher charakterisiert.

Die Gesellschaftswidrigkeit widerspiegelt das Verhältnis der Straftat zu den Rechten und Interessen der sozialistischen Gesellschaft oder ihrer Bürger und die Art und Tiefe des Widerspruchs zu den sozialen Grundanforderungen der sozialistischen Gesellschaft. Sie kennzeichnet damit die Schwere des Angriffs auf die sozialistische Gesellschaft oder ihre Bürger und bringt den spezifischen antisozialen Charakter der Vergehen zum Ausdruck.

Die exakte Prüfung und Bestimmung des Grades der Gesellschaftswidrigkeit von politisch-operativ bedeutsamen Straftaten der allgemeinen Kriminalität in der politisch-operativen und Untersuchungsarbeit ist wesentliche Voraussetzung für die Realisierung der individuellen strafrechtlichen Verantwortlichkeit.

Bei der Bestimmung der Gesellschaftswidrigkeit ist von der konkreten Beschaffenheit der einzelnen Elemente der — > Tatbegehung der Straftat einschließlich der — > Täterpersönlichkeit auszugehen. Zur Gesellschaftswidrigkeit gehören nur Umstände, die tatbezogen sind und tatsächlich Einfluß auf den antisozialen Charakter der Vergehen haben.1




1 Definition: Gesellschaftswidrigkeit / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 140.