Stasi-Wörterbuch Seite 128 / 1

Staatssicherheit-Wörterbuch Seite 129 / 1


Geheimdienste, imperialistische; Arbeitsweise die Art und Weise der Mobilisierung und des Einsatzes all jener Kräfte, Mittel und Methoden, die geeignet erscheinen, die Funktionen der Geheimdienste zu realisieren. Die Arbeitsweise ist gekennzeichnet durch die Mißachtung der Würde des Menschen (und all seiner humanistischen sowie ethischen Werte), durch den Mißbrauch moderner Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik, durch die Negierung der Normen des innerstaatlichen Rechts und durch Verletzung allgemeingültiger Regeln des Völkerrechts. Wesentliche Bestandteile der Arbeitsweise sind:

— die Arbeit mit geworbenen Spitzeln und Agenten zum Überwachen, Zersetzen, Verunsichern, Lähmen und Zerschlagen progressiver o. a. alternativer gesellschaftlicher Organisationen und Gruppierungen sowie zur Gewinnung von Spionageinformationen,
— die personelle Unterwanderung offizieller staatlicher und privater Institutionen, Unternehmen u. a. Positionen des eigenen Machtbereiches zur inneren geheimdienstlichen Kontrolle, Überwachung, Manipulierung sowie zur Organisierung subversiver Angriffe nach außen,
— der Mißbrauch völkerrechtlicher, zwischenstaatlicher u. a. Verträge und Vereinbarungen und der auf ihnen beruhenden legalen Möglichkeiten, der Tätigkeit diplomatischer Vertretungen und akkreditierter Journalisten, des Reise-, Besucher- und Touristenverkehrs,
— die Anwendung wissenschaftlich-technischer Mittel und Methoden zur imperialistischen Herrschaftssicherung, Qualifizierung der Spionagetätigkeit und zur Liquidierung politischer Gegner,
— der Einsatz spezieller Kräfte für die Durchführung terroristischer u. a. konterrevolutionärer Aktionen.

Die Arbeitsweise der Geheimdienste besitzt relativ große Stabilität. Sie wird in ihrer Entwicklung und Modifizierung von der internationalen Klassenkampfsituation, von der Arbeitsweise und dem Wirkungsgrad der Geheimdienste, der Tätigkeit der sozialistischen Sicherheitsorgane, dem politisch-moralischen Zustand und der Wachsamkeit der Bevölkerung beeinflußt.

Bedeutsam ist die zunehmende Komplexität im Einsatz der Mittel und Methoden, insbesondere eine wachsende Verflechtung des Einsatzes spezieller konspirativer und legaler Mittel und Methoden. Im konkreten wird die jeweilige Arbeitsweise der imperialistischen Geheimdienste beeinflußt von den im Ergehnis der Analyse der politischen, ökonomischen, militärischen, sicherheitspolitischen und sonstigen Verhältnisse im Zielland gewonnenen Erkenntnissen, den eigenen Möglichkeiten, subjektiv unterschiedlichen Erfahrungen der Geheimdienstmitarbeiter und der konkreten Zielstellung subversiver Angriffe.

Die Arbeitsweise wird charakterisiert durch die Mittel, Methoden und Grundsätze der Suche, Aufklärung und Werbung von Spionen, deren Ausbildung, Instruierung und Überprüfung, des Einsatzes von Agenturen zur Gewinnung von Spionageinformationen und des Aufrechterhaltens der Verbindung zwischen Geheimdienstzentralen und Agenten.1




1 Definition: Geheimdienste, imperalistische; Arbeitsweise / Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit (GVS JHS 001 - 400/81) JHS Potsdam-Eiche, April 1985, dokumentiert in: Das Wörterbuch der Staatssicherheit. Definitionen des MfS zur "politisch-operativen Arbeit". Hg. vom BStU, 2. Auflage Berlin 1993, S. 128, 129.