Die Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Bezirk Suhl hatte ihren Dienstsitz 1989 in einem Gebäudekomplex im Stadtgebiet von Suhl in der Hölderlinstraße 1.


1989 befand sich die BV in einem sechsgeschossigen Gebäude, das Mitte der 70er Jahre auf dem Areal einer bis dahin als Dienstsitz genutzten ehemaligen Fliegerschule durch das MfS neu errichtet worden war. Die durch den Neubau der BV frei gewordenen ehemaligen Gebäudeteile wurden von der für den Stadtkreis Suhl zuständigen Kreisdienststelle des MfS übernommen. Das gesamte abgeschirmte Areal befand sich oberhalb der Stadt Suhl auf einer Anhöhe und wurde aus diesem Grund in der Bevölkerung die "Stasi-Burg" genannt.





Für die BV des MfS in dem mit 549.400 Einwohnern kleinsten Bezirk der DDR Suhl waren insgesamt 1.739 hauptamtliche Mitarbeiter und 5.293 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Stasi tätig. In der Bezirksverwaltung arbeiteten 1.397 Mitarbeiter des MfS, die über 2.234 IM im Bezirk verfügten. In den 8 eingerichteten Kreisdienststellen (KD) des MfS im Bezirk waren 332 Mitarbeiter des MfS beschäftigt, die 3.059 eigene IM führten.1




1 Gesamtanzahl Hauptamtlicher Mitarbeiter der BV, Vgl. Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 1996, Statistischer Anhang S. 101; Gesamtanzahl 332 Hauptamtlicher Mitarbeiter in den KD des MfS in Suhl im Jahr 1989, Roger Engelmann, Bernd Florath, Helge Heidemmeyer, Daniela Münkel, Arno Polzin, Walter Süß, Das MfS-Lexikon, Begriffe, Personen und Strukturen der Staatssicherheit der DDR, Berlin 2012, Dokumentenanhang S. 399;

Die Angaben Inoffizielle Mitarbeiter der BV des MfS in Suhl zur Gesamtanzahl 5.293 IM bestehend aus 3.041 IMS, 83 IMB, 174 IME, 143 FIM, 543 IMK/KW/KO, 110 IMK/DA/DT/ S und 1.199 GMS mit Stichtag 12.12.1988, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, S. 843; Die Angaben der Inoffiziellen Mitarbeiter in den 8 KD (Suhl Stadtkreis, Bad Salzungen, Hildburghausen, Ilmenau, Meiningen, Neuhaus, Schmalkalden, Sonneberg) zur Anzahl 3.059 IM sind bestehend aus 1.763 IMS, 26 IMB, 72 IME, 93 FIM, 203 IMK/KW/KO, 25 IMK/DA/DT/ S und 877 GMS mit Stichtag 31.12.1988, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, S. 853.


In Suhl befand sich die Bezirksleitung des MfS hoch über der Stadt auf einer Anhöhe in einer alten Fliegerschule. Wegen der Lage der BV, der Machtverhältnisse und der Abschottung des Geländes nannten die Einwohner von Suhl dieses Areal die "Burg".





Oberstleutnant Ludwig Roscher war von 1952 bis 1954 der erste Leiter der BV des MfS in Suhl. Diese Tätigkeit überhahm dann Oberstleutnant Kurt Grünler von 1955 bis 1960. Von 1960 bis 1968 hatte die Funktion des Leiters der BV Kurt Richter. Ihm folgte Heinz Pommer von 1975 bis 1981. Der letzte Leiter dieser BV der Stasi in Suhl war Gerhard Lange von 1981 bis 1989 im Rang eines Generalmajors (1990 Suizit).2


Die Leiter des MfS führten die BV im Bezirk Suhl nach dem Prinzip der militärischen Einzelleitung und waren Erich Mielke, dem Minister für Staatssicherheit direkt unterstellt, der jedoch keinen unmittelbaren Einfluß auf die eigentliche Tätigkeit in der Leitung der BV ausübte, zur Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit in Suhl den Leiter allerdings voll verantwortlich machte. Der Leiter hatte wie Erich Mielke in der Zentrale des MfS in Berlin-Lichtenberg jeweils vier Stellvertreter, dem jeweils eine Gruppe von Abteilungen zugeordnet war. Zwei der Stellvertreter waren für Operative Einheiten zuständig, deren Aufgaben den Tätigkeitsfeldern den von Mielkes Stellvertretern Rudi Mittig und Gerhard Neiber entsprachen. Es gab einen Stellvertreter für Operativ-technische Sicherstellung, dem Aufgabenbereich von Wolfgang Schwanitz entsprechend, und einen Stellvertreter, der wie Werner Großmann in der Zentrale für die Aufklärung zuständig war und damit die Abteilung XV zu leiten hatte. Während dagegen die Hauptabteilung II Mielke selbst unterstand, wurde die Spionageabwehr in den Bezirken von einem der Stellvertreter für Operative Bereiche geleitet.



Generalmajor Gerhard Lange unterstanden 1989 in seiner Tätigkeit als Leiter der BV neben der Arbeitsgruppe des Leiters, Offiziere für Sonderaufgaben, persönlichen Referenten direkt eine Vielzahl von Abteilungen der Linien des MfS im Bezirk. Die Abt. IX, die Abt. Kader und Schulung mit dem medizinischen Dienst, die Auswertungs- und Kontrollgruppe, die Abt. XII, die Wach- und Sicherungseinheit, die Abt. XIV, die Abt. 26, die Abt. Finanzen und die acht Kreisdienststellen (KD) des MfS im Bezirk Suhl.


Die AGL (Arbeitsgruppe des Leiters, OSL Helmut Simon, 31 MA), Abteilung (Abt.) KuSch (Kader und Schulung, Oberst Lothar Arndt, 36 Mitarbeiter (MA), 2 OibE), die AKG (Auswertungs- und Kontrollgruppe, Oberst Hans Höfer, 39 MA), die Abt. XII (Auswertung, Speicher und Archiv, OSL Georg Hoske, 17 MA), der Med. Dienst (OSL Ernst Laube, 17 MA), die Abt. Finanzen (Hptm. Wilfried Peter, 12 MA), die Abt. XIV (Untersuchungshaft und Haftvollzug, OSL Manfred Schleicher, 54 MA), die Abt. 26 (Telefonüberwachung, OSL Karl Kühn, 38 MA), WSE (Wach- und Sicherungseinheit, OSL Gerhard Heumann, 30 MA, 113 Unt.), die Abt. IX (Untersuchungs- und Ermittlungsabteilung, OSL Peter Thiele 35 MA, 1 OibE). Der Offizier für Sonderaufgaben (OSL Dieter Herrmann, 1 MA). Die ihm unterstellte ZPL (Zentrale Parteileitung (OSL Manfred Hammerbacher, 8 MA) wurde von der Abt. Sicherheitsfragen der BL der SED angeleitet.
Die acht Kreisdienststellen (KD) des MfS im Stadtkreis Suhl (OSL Manfred Siebelist, 41 MA, 2 HIM), Bad Salzungen (OSL Hans-Joachim Ebert, 48 MA, 1 HIM), Hildburghausen (OSL Bernd Cudok, 38 MA, 1 HIM), Ilmenau (OSL Christian Göhler, 37 MA, 1 HIM), Meiningen (OSL Rudi Lang, 49 MA, 2 HIM), Neuhaus (OSL Oswald Prosch, 31 MA, 1 HIM), Schmalkalden (OSL Roland Lehmann, 38 MA), Sonneberg (OSL Dieter Hartung, 50 MA, 2 HIM) sowie zwei Operativgruppen an der TH Ilmenau und im Kalibergbau Merkers. Als Leiter der BV war Gehard Lange genauso wie seine Vorgänger gleichzeitig Mitglied der Bezirksleitung der SED in Suhl und Mitglied der Bezirkseinsatzleitung für den Spannungs- oder Mobilmachungsfall im Bezirk Suhl.3



Der Bericht zur Anhörung von Generalmajor Gerhard Lange vor der Arbeitsgruppe Staatssicherheit der zeitweiligen Kommission "Amtsmißbrauch und Korruption" des Bezirkstages Suhl zur Auflösung der BV des MfS in Suhl im originalen Wortlaut von Gerhard Lange im Dezember 1989.





KD Bad Salzungen, Hans-Joachim Ebert
KD Hildburghausen, OSL Bernd Cudok
KD Ilmenau, OSL Christian Göhler
KD Meiningen, OSL Rudi Lang
KD Neuhaus, OSL Oswald Prosch
KD Schmalkalden, OSL Roland Lehmann
KD Sonneberg, OSL Dieter Hartung
KD Suhl, OSL Manfred Siebelist







Wie das MfS mit der SED in Suhl zusammenarbeitete, wird aus den hinterlassenen Akten, den Parteiinformationen und den Anweisungen deutlich sichtbar. Die Parteiinformationen wurden durch die Leitung der BV des MfS aus unterschiedlichen Akten zu einem Vorgang durch die AKG zusammengestellt und dem 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED zugeleitet. Dieser Informationsfluss fand mehrmals wöchentlich, zeitweilig auch täglich statt. 1989 war der 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED Hans Albrecht, der in dieser Funktion von 1968 bis 1989 tätig war.




Der Stellvertreter Operativ der BV war 1989 Oberst Bruno Mangold. Ihm unterstanden die Abt. XVIII, XIX, XX und AG G. Der 1. Stellvertreter des Leiters der BV war Oberst Storch für die Abt. II, VI, VII, VIII, M, BKG, SR AWK, AG XXII, SR PS und SR Grenzsicherung.


Der Stellvertreter Operativ Oberst Bruno Mangold war verantwortlich für die Abt. XVIII (Absicherung der Volkswirtschaft, Leitung Oberst Lothar Wilhelm, 36 MA, 3 OibE), Abt. XIX (Absicherung Verkehr, Post und Nachrichtenwesen, Leitung OSL Hartmut Malsch, 16 MA, 1 Zivil), Abt. XX (Absicherung Staatsapparat, staatliche Institutionen, Kirchen und Kultur, Leiter OSL Klaus Stritzel, 42 MA, 2 HIM), AG G (Arbeitsgruppe Geheimnisschutz, Leitung OSL Horst Heinz, 3 MA).

Der 1. Stellvertreter des Leiters Oberst Lothar Storch war verantwortlich für die Abt. II (Spionageabwehr, Leiter OSL Horst Liborius, 39 MA, 1 HIM), Abt. VI (Paßkontrolleinheiten-PKE, grenzüberschreitender Verkehr, Tourismus, 190 MA), Abt. VII (Absicherung Volkspolizei, Ministerium des Innern, Leiter OSL Gerhard Neupert, 19 MA, 3 OibE), Abt. VIII (Observation, Festnahme, Leuter OSL Friedrich Wilhelm Forner, 73 MA, 6 HIM, 2 OibE), Abt. M (Postüberwachung, 76 MA, 2 OibE), BKG (Bezirkskoordinierungsgruppe, Leiter OSL Rolf Rudloff, 9 MA), SR AWK (Selbstständiges Referat Abwehr Wehrkreiskommando, Leiter Hauptmann Eberhard Scheerschmidt, 4 MA), AG XXII (Arbeitsgruppe terrorabwehr, Leiter Major Ingolf Heidebrunn, 4 MA), SR PS (Selbstständiges Referat Personenschutz, Leiter Major Peter Schneider, 1 MA) und SR Grenzsicherung (Leiter OSL Günther Traut, 5 MA).





Der Stellvertreter operative Technik und Sicherstellung (OT/S) war Oberst Josef Schaffer. Ihm unterstanden die Abteilungen III, XI, SR BCD, BdL, N, OT und RD. Dem Stellvertreter der Aufklärung OSL Werner Despang unterstand die Abt. XV.


Der Stellvertreter operative Technik und Sicherstellung Oberst Josef Schäfer war verantwortlich für die Abt. III (Funkaufklärung, Leieter OSL Albert Müller, 42 MA), Abt. XI (Chiffrierwesen, Leiter OSL Dieter Rübner, 9 MA), SR BCD (Selbstständiges Referat Bewaffnung und Chemischer Dienst, Leiter OSL Hein Wackes, 7 MA), BdL (Büro der Leitung, Leitung Manfred Münch, 28 MA), Abt. N (Nachrichtenwesen, Leiter OSL Gerhard Wendel, 50 MA), Abt. OT (Operative Technik, Leiter Hptm. Klaus Alperstedt, 9 MA) und die Abt. RD (Rückwärtige Dienste, Leiter OSL Klaus Weisheit, 216 MA, 4 Zivilbeschäftigte).

Der Stellvertreter Aufklärung war OSL Werner Despang. Er war verantwortlich für die Abt. XV (34 MA, 3 HIM).4





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Die BV des MfS betrieb in Suhl eine eigene Untersuchungshaftanstalt, ein Gefängnis, das zwischen 1856 und 1859 bereits als preußisches Amtsgerichtsgefängnis erbaut wurde, und dessen Geschichte politischer Haft spätestens 1937 begann. Bis 1945 nutzte die Gestapo in Suhl das Gefängnis als Haftanstalt für politische Gefangene. Nach dem Einmarsch der Roten Armee übernahm der sowjetische Geheimdienst das Gefängnis bis 1948 als Haftanstalt für politische Gegner. 1953 übernahm das MfS übernahm das Gefängnis und beschloss Mitte der achtziger Jahre aus Kapazitätsgründen den Neubau einer UHA in Suhl-Goldlauter. In sozialistischer Plattenbauweise wurde dieser Neubau auch durch das MfS errichtet, ging jedoch nicht mehr in Betrieb, da das Ende des MfS einer Inbetriebnahme zuvor kam.5


2 Angaben zu den Leitern der BV in Suhl, vgl. Jens Gieseke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch) Anatomie der Staatssicherheit, Geschichte - Struktur - Methoden, BStU (Hrsg.), Berlin 2012.
3 Die Angaben zu den Leitern und der Anzahl hauptamtlicher Mitarbeiter, Offizieren im besonderen Einsatz und den KD des MfS in Suhl ist Dokumenten und Übersichten der BStU-Außenstelle in Suhl entnommen; Die Anzahl MA der XIV vgl. Johannes Beleites, Abteilung XIV : Haftvollzug (MfS-Handbuch) BStU (Hg.), Berlin 2009, S. 62.
4 Zu den Funktionen und Namen der leitenden hauptamtlichen Mitarbeiter, der Anzahl der MA in den Abt. der BV nach Recherche in Dokumenten und Angaben der BStU-Außenstelle in Suhl, August 2014.
5
Die UHA der BV war gleichzeitig auch der Dienstsitz der Abt. IX und XIV des MfS in Suhl.





Publikation Dokumentation des Aktivs Staatssicherheit der zeitweiligen Kommission des Bezirkstages für Amtsmißbrauch und Korruption, Genossen! Glaubt's mich doch! Ich liebe Euch alle!, Suhl 1990.
Andrea Herz, Bürger im Visier, Das MfS in Thüringen, Der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Erfurt 1996.
Ehrhart Neubert , Thomas Auerbach, Es kann anders werden, Opposition und Widerstand in Thüringen 1945-1989, Schriften der Stiftung Ettersberg, Böhlau Verlag, Köln 2005.
Andrea Herz, Stasi-Kreisdienststellen in Thüringen, Der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Erfurt 1998.
Daniel Weißbrodt, Die Wende in Suhl, Das Umbruchjahr 1989/90 in der Bezirkshauptstadt Suhl, Bürgerkomitee des Landes Thüringen, 2002.
Peter Wurschi, ... und sie wachten auf in Nordrhein-Westfalen!, Die Entwicklung der Opposition in Suhl und ihr Wirken im Herbst 1989, Bürgerkomitee des Landes Thüringen, 2002.
Katrin Blacha, Norbert Moczarski, Das Suhler Stadtgefängnis, 1860-1989, Kleine Suhler Reihe, Heft 20, Schriften des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen, Band 4, Meiningen 2007.
Daniel Weißbrodt, Die friedliche Revolution 1989/90 in Suhl, Bürger! reihet Euch ein! Wir wollen freie Menschen sein! Kleine Suhler Reihe, Heft 27, Meinigen 2009.