Die Stasi-Bezirksverwaltung im DDR-Bezirk Potsdam befand sich bis zu deren Auflösung 1990 in der Hegelallee 8 direkt im Stadtzentrum von Potsdam.

Bereits 1950 nahmen etwa 100 Mitarbeiter aus den Reihen der Verwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft ihre Arbeit in der damaligen Landesverwaltung Brandenburg auf. Zum Jahresende 1989 waren es 3926 hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi, die in der Bezirksverwaltung Potsdam ihren Dienst verrichteten, davon 41 Offiziere im besonderen Einsatz (OibE), die unter Geheimhaltung ihres Dienstverhältnisses in sicherheits-politisch relevanten Positionen außerhalb der Bezirksverwaltung eingesetzt wurden.

Die Bezirksverwaltung Potsdam war die personell am stärksten besetzte Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR. Ursache dafür war die Mitverantwortung bei der Überwachung der 119,2 km langen Außengrenze zu Westberlin. Allein in den Grenzübergangsstellen Drewitz, Staaken, Stolpe, Griebnitzsee, Mahlow, Nedlitz, Dreilinden, Kleinmachnow und der Brücke der Einheit in Potsdam (der heutigen Glienicker Brücke) hatte die Bezirksverwaltung 898 hauptamtliche Mitarbeiter in den Pass- und Kontrolleinheiten (PKE ) im Einsatz. Zu den Grenzanlagen im ehemaligen DDR-Bezirk Potsdam gehörten noch weitere 111,2 km Betonplattenmauer in Grenznähe  und 40 km im grenzentfernten Gebiet, 125,1 km Kontakt- bzw. Signalzaun, 244 Hundelaufanlagen, 43 Erdbunker, die zwei- bis dreifach gestaffelte Streckmetallzäune und zahlreiche weitere Hindernisse, die es zu sichern galt. Seit dem Mauerbau 1961 wurden allein in der BV-Potsdam bis zum November 1989 ca. 2.044 Bürger wegen "versuchter Republikflucht" von der Stasi verhaftet. Über 200 Menschen fanden nach heutigem Kenntnisstand im Bezirk Potsdam und in Berlin den Tod an diesen Grenzanlagen.


Der Stasi-Bezirksverwaltung in Potsdam waren insgesamt fünfzehn / 15 Kreisdienstellen / KD untergeortnet.

Belzig, Brandenburg, Gransee, Jüteborg, Königs-Wuster-Hausen, Kyritz, Luckenwalde, Nauen, Neuruppin, Oranienburg, Potsdam, Pritzwalk, Rathenow, Wittstock und Zossen. In diesen KD waren 753 hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi beschäftigt. Zur Überwachung der Einwohner waren im Bezirk Potsdam Ende 1989 insgesamt 9633 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitern in den Kreisen im Einsatz. Das ermöglichte es dem MfS auch in Potsdam die nahezu flächendeckende Überwachung der Bevölkerung. Die Kreisdienststellen (KD) unterschieden sich strukturell grundsätzlich von der Zentrale und den Bezirksverwaltungen, da sie nicht für Bereiche der Gesellschaft wie Wirtschaft oder Staatsapparat zuständig waren, sondern für das jeweilige in sich geschlossene Kreisgebiet, das nach staatssicherheitspolitischen Gesichtspunkten zu kontrollieren und zu sichern war. In den Kreisdienstelllen waren die operativen Referate wie die für Volkswirtschaft, Spionageabwehr oder die für Sicherheitsüberprüfungen und Ermittlungstätigkeit waren die wichtigsten Struktureinheiten. Ihre Anzahl und personelle Besetzung waren von den konkreten Gegebenheiten des jeweiligen Kreises bestimmt. Nach der unterschiedlichen Mitarbeiteranzahl waren die Kreisdienststellen in die Kategorien A, B und C eingeteilt. Die Leiter der Kreisdienststellen wurden auf persönlichem Befehl des Ministers Erich Mielke eingesetzt und waren für die staatliche Sicherheit in ihrem jeweiligen Kreisgebiet verantwortlich. Vom Minister zu den Leitern der Bezirksverwaltungen existierte ein direktes Weisungsverhältnis und von diesen zu den Leitern der in ihrem Bezirk liegenden Kreisdienststellen.


In der Zeit von 1961 bis Ende des Jahres 1989 leiteten die Mitarbeiter der Stasi im Bezirk Potsdam gegen ca 1.114 Personen Ermittlungsverfahren u. a. wegen Hetze oder Staatsverleumdung, Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeiten, Widerstand gegen staatliche Maßnahmen, ungesetzliche Verbindungsaufnahme und anderer "staatsfeindlicher Aktivitäten" ein.


Die Leiter der Stasi-Bezirksverwaltung in Potsdam waren: 1952 bis 1955 Emil Wagner; 1955 bis 1963 Rudi Mittig, späterer stv. Minister der Staatssicherheit; 1963 bis 1971 Julius Michelberger; 1971 bis 1985 Siegfried Leibholz und 1985 bis 1989 Helmut Schickart im Rang eines Generalmajors.1


1 Gieseke, Jens, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Herausgeber, BStU, Berlin, 2012.





Seit Herbst 1952 betrieb die Stasi in der Bezirksverwaltung (BV) Potsdam ihre eigene Untersuchungshaftanastalt in einem ehemaligen Gerichtsgefängnis in der Lindenstraße 54 ebenfalls mitten in Potsdam und im Gegensatz zu anderen Stasi-Bezirksverwaltungen in der DDR nicht in auf dem Gelände der BV selbst. Das 1737 erbaute Palais war bereits seit 1817 vom Potsdamer Stadtgericht als Gericht und Gefängnis genutzt worden. Von 1945 bis 1952 waren Verfolgte des sowjetischen Geheimdienstes in dem Gebäude eingesperrt und von einem Militärtribunal zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt worden. Danach wurde es von der Stasi übernommen und folgend von der Stasi als Untersuchungshaftanstalt der BV-Potsdam betrieben. In diesem auch "Lindenhotel" benannten Stasi-Gefängnis arbeiteten aus den Stasi-Linien 48 hauptamtliche Mitarbeiter (MA) der Haftabteilung XIV und 51 MA der Untersuchungsabteilung IX. Das Stasi-Gefängnis in Potsdam hatte mit 40 Zellen eine Kapazität von 90 (1989) bis 110 (1981) Untersuchungshäftlinge für die Stasi. Daneben gab es ein etwa zwanzigköpfiges Strafgefangenenarbeitskommando (SDAK) für Werterhaltungs- und Versorgungsarbeiten in der UHA. Außerdem wurden hier in einer Näherei, einer Tischlerei und einer Schlosserei von den Strafgefangenen auch Dienstleistungen für andere Abteilungen der BV Potsdam durchgeführt.1


1 Beleites, Johannes, Abteilung XIV : Haftvollzug (MfS-Handbuch), Hg. BStU, Berlin, 2009.