Die Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit des Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik in Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Frankfurt (Oder), Gera, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg, Potsdam, Rostock, Schwerin und Suhl







Von den insgesamt 91.015 hauptamtlichen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) waren in den 15 Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS) 43.168 hauptamtliche Mitarbeiter des MfS in der DDR tätig.1




Die Volkskammer der DDR wies mit dem am 23. Juli 1952 verabschiedeten Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik  eine Umstrukturierung der Verwaltungsstruktur in der DDR an, um die bis dahin bestehende föderalistische Länderstruktur aufzulösen und durch eine zentralistische Bezirksstruktur mit darunter liegenden Kreiseinheiten in 14 Bezirke und 217 Kreise zu ersetzen. Aus dem Land Thüringen entstanden die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl, aus Sachsen die Bezirke Karl-Marx-Stadt, Dresden und Leipzig, aus Sachsen-Anhalt die Bezirke Halle und Magdeburg, aus Brandenburg die Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus und aus Mecklenburg die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. Berlin wurde nicht in die Umstrukturierung mit einbezogen und wurde als Verwaltung Groß-Berlin geführt, da die Stadt unverändert der Viermächtekontrolle und den entsprechenden Komendatura unterworfen war. In der DDR gab es dennoch die 15 Räte der Bezirke (einschließlich Ost-Berlins). Später wurde Berlin schließlich offiziell der 15. Bezirk der DDR. Im gleichen Maße wurde mit den früheren Landesverwaltungen des 1950 gebildeten MfS verfahren. Aus den ursprünglich sechs Landesverwaltungen für Staatssicherheit Brandenburg, Groß-Berlin, Mecklenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bildete man 1952 insgesamt 14 Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS), in deren Verantwortung auch die Kreisdienststellen (KD) für Staatssicherheit (KDfS) fielen, während die Verwaltung Groß-Berlin (später ebenfalls eine Bezirksverwaltung) bestehen blieb. Auch die 1951 in Karl-Marx-Stadt gegründete Objektverwaltung (OV) Wismut (W) erhielt die Befugnisse einer Bezirksverwaltung, die als selbstständige Diensteinheit 1982 jedoch wieder aufgelöst wurde.2









Die Diensteinheiten des Ministeriums und der Bezirksverwaltungen waren nach einem durch das MfS organisierten Linienprinzip gegliedert. Die Hauptabteilungen (HA) und selbständig arbeitenden Abteilungen (Abt.) in der Berliner Zentrale, deren Aufgaben darin bestanden, bestimmte Objekte, Einrichtungen, gesellschaftliche Prozesse oder Personengruppen geheimdienstlich operativ zu bearbeiten, fanden in einer Linie folgend ihre Entsprechung in den Abteilungen und selbständigen Referaten der Bezirksverwaltungen. So war zum Beispiel in der Zentrale des MfS für die Spionageabwehr die HA II zuständig, in den Bezirksverwaltungen war dies dementsprechend die Abt. II. Die HA XVIII zur Sicherung der Volkswirtschaft hatte ihre Entsprechung in den Abteilungen XVIII der Bezirksverwaltungen. Jede spezifische Aufgabenstellung nahm also in den zentralen Diensteinheiten des Ministeriums für Staatssicherheit ihren Ausgang und setzte sich linienförmig in den Bezirksverwaltungen fort. Diese "Liniendiensteinheiten" waren immer für Teilbereiche zuständig, in keinem Fall jedoch für in sich geschlossene Territorien mit ihren komplexen Verflechtungen und Zusammenhängen. Grundsätzlich entsprach also die Struktur der Bezirksverwaltungen der des Ministeriums. Nur wenige territorial bedingte Ausnahmen sind zu nennen. So gab es zum Beispiel in der Bezirksverwaltung Rostock auf Grund der geographischen Situation eine Abteilung Hafen, die die "Sicherung" der Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft zur Aufgabe hatte. Umgekehrt gab es in den Bezirksverwaltungen keine Diensteinheiten, die der selbständigen Abteilung X der Zentrale (Internationale Verbindung der Geheimdienste) analog gewesen wären, selbstverständlich auch keine, die den Aufgaben der Arbeitsgruppe XVII (Besucherbüro West-Berlin) entsprochen hätten. Auch der Zentrale Operativstab hatte keine Entsprechung. Diensteinheiten für den Personenschutz existierten auf Bezirksebene nur, wenn deren 1. Sekretär dem Politbüro der SED als Mitglied oder Kandidat angehörte oder wenn ein Politbüromitglied dort ein "Ferienobjekt" besaß. Manchmal weicht auch nur die Bezeichnung von Diensteinheiten trotz gleicher Aufgabenstellung voneinander ab. So wurden jene Diensteinheiten, die mit der "Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) vergleichbar waren, in den Bezirksverwaltungen "Auswertungs- und Kontrollgruppe" (AKG) genannt. Der Hauptabteilung Aufklärung entsprach auf der Bezirksebene die Abt. XV.3




1 Gesamtanzahl hauptamtlicher Mitarbeiter des MfS und in den BV einschließlich der hauptamtlichen Mitarbeiter in den Kreisdienststellen (KD), Vgl. Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 1996, Statistischer Anhang S. 101.

2 Vgl. Hermann Weber, DDR, Grundriß der Geschichte 1945-1990, Fackelträger Verlag, Hannover 1991, S. 292; Die BV des MfS in Neubrandenburg hatte ursprünglich ihren Dienstsitz in Neustrelitz, von 1981 bis 1989 dann direkt in Neubrandenburg. Die selbstständige Objektverwaltung "Wismut" mit den Befugnissen einer BV ausgestattet wurde bis 1982 als eigene Diensteinheit des MfS betrieben und dann organisatorisch in die BV Karl-Marx-Stadt überführt.

3 Vgl. David Gill, Ulrich Schröter, Das Ministerium für Staatssicherheit, Anatomie des Mielke-Imperiums, S. 53 - 54, Rowohlt Verlag, Reinbek 1991.








Die Leiter der 15 Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit in der DDR waren dem Minister für Staatssicherheit Erich Mielke direkt unterstellt, der jedoch kaum unmittelbaren Einfluß auf die eigentliche Tätigkeit der Leiter ausübte. Wenn es um die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit in dem Territorium des Bezirkes ging, machte Mielke jedoch die Leiter der Bezirksverwaltungen voll verantwortlich. Zunehmend zwang er sie auch, ihre Zuständigkeit auszudehnen und zum Beispiel Veranstaltungen abzusichern, Versorgungsprobleme zu beseitigen sowie Havarien und Brände zu verhindern. Die Bezirksverwaltungen und Kreisdienststellen des MfS waren auf diese Weise immer weniger mit unmittelbar geheimdienstlichen Aufgaben beschäftigt, sondern hatten in erster Linie mit der Überwachung der eigenen Bevölkerung zu tun. Da die Leiter der Bezirksverwaltungen des MfS relativ selbständig waren, trugen sie für diese Entwicklung eine hohe persönliche Verantwortung, zumal sie auch die Kreisdienststellen des MfS anzuleiten hatten, die für die komplette Überwachung des jeweiligen Territoriums zuständig waren.


Die 15 Leiter der Bezirksverwaltungen des MfS in den Bezirken der DDR hatten wie Erich Mielke in der Zentrale des MfS in Berlin-Lichtenberg jeweils vier Stellvertreter. Zwei der Stellvertreter waren für Operative Einheiten zuständig, deren Aufgaben den Tätigkeitsfeldern den von Mielkes Stellvertretern Rudi Mittig und Gerhard Neiber entsprachen. Es gab einen Stellvertreter für Operativ-technische Sicherstellung, dem Aufgabenbereich von Wolfgang Schwanitz entsprechend, und einen Stellvertreter, der wie Werner Großmann (Markus Wolf) in der Zentrale für die Aufklärung zuständig war und damit die Abteilung XV zu leiten hatte. Während dagegen die Hauptabteilung II Mielke selbst unterstand, wurde die Spionageabwehr in den Bezirken von einem der Stellvertreter für Operative Bereiche geleitet.4




Berlin Straße der Befreiung 60 Generalmajor Siegfried Hähnel 2.775 Mitarbeiter 7.779 IM
Cottbus Am Nordrand Generalmajor Horst Fitzner 2.268 Mitarbeiter 10.546 IM
Dresden Bautzener Straße 111-116 Generalmajor Horst Böhm 3.591 Mitarbeiter 13.564 IM
Erfurt Andreasstraße 38 Generalmajor Josef Schwarz 2.988 Mitarbeiter 8.351 IM
Frankfurt (Oder) Otto-Grotewohl-Straße 53 Generalmajor Heinz Engelhardt 2.362 Mitarbeiter 6.527 IM
Gera Rudolf-Diener-Straße 4 Oberst Julius Michelberger 2.383 Mitarbeiter 5.932 IM
Halle Gimritzer Damm Generalmajor Heinz Schmidt 3.152 Mitarbeiter 10.569 IM
Karl-Marx-Stadt Richard-Sorge-Straße 35 Generalleutnant Siegfried Gehlert 3.821 Mitarbeiter 11.986 IM
Leipzig Dittrich-Ring 24 Generalleutnant Manfred Hummitsch 2.440 Mitarbeiter 9.979 IM
Magdeburg Kroatenweg 56-57 Generalmajor Wilfried Müller 3.684 Mitarbeiter 12.684 IM
Neubrandenburg Leninstraße 120 Generalmajor Peter Koch 1.926 Mitarbeiter 5.321 IM
Potsdam Hegelalle 8 Generalmajor Helmut Schickart 3.926 Mitarbeiter 9.287 IM
Rostock August-Bebel-Straße 15 Generalleutnant Rudolf Mittag 3.827 Mitarbeiter 8.217 IM
Schwerin Demmlerplatz 1-2 Generalmajor Werner Korth 2.268 Mitarbeiter 6.512 IM
Suhl Hölderlinstraße 1 Generalmajor Gerhard Lange 1.739 Mitarbeiter 5.293 IM



Angaben zur Anzahl hauptamtlicher Mitarbeiter in den 15 Bezirksverwaltungen (BV) der DDR einschließlich der hauptamtlichen Mitarbeiter in den Kreisdienststellen (KD), Vgl. Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin 1996, Statistischer Anhang S. 101; Angaben zur Anzahl Inoffizieller Mitarbeiter unter Führung der BV des MfS in den Bezirken einschließlich IMS, IMB, IME, FIM, IMK/KW/KO, IMK/DA/DT/ S und GMS, Vgl. Helmut Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Teil 3, Statistiken, Berlin 2008, BV Bln. Stichtag 31.12.1988 S. 371, BV Cbs. 31.12.1988 S. 383, BV Ddn. 31.12.1988 S. 387, BV Eft. 31.12.1988 S. 405, BV FfO 30.10.1989 S. 413, BV Gra. 30.09.1989 S. 519, BV Hle. 30.11.1989 S. 539, BV Kms. 30.10.1989 S. 575, BV Lpz. 30.11.1989 S. 605, BV Mdg. 31.12.1988 S. 711, BV Nbg. 01.11.1989 S. 721, BV Pdm. 31.12.1988 S. 775, BVRst. 30.11.1989 S. 801, BV Swn. 31.12.1988 S. 835 und BV Shl. 30.06.1989 S. 843.

Von den insgesamt dem MfS verpflichtenen 173.081 Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) wurden 37.694 IM durch die 36.421 hauptamtlichen Mitarbeiter der Hauptabteilungen und 135.432 IM durch die 43.168 Mitarbeiter der Linien in den 15 Bezirksverwaltungen des MfS der DDR geführt.


4 Vgl. David Gill, Ulrich Schröter, Das Ministerium für Staatssicherheit, Anatomie des Mielke-Imperiums, Rowohlt Verlag, Reinbek 1991, S. 55.







Sequenz; 11.07.2013; 02:58
Stasi; Gefängnis; Zelle; 101








Das MfS betrieb in den 15 Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit jeweils eine eigene Untersuchungshaftanstalt (UHA) in Berlin, Cottbus, Dresden, Erfurt, Frankfurt-Oder, Gera, Halle, Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg, Potsdam, Rostock, Schwerin und Suhl.

 

Zusätzlich gab es noch die Zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatsicherheit (UHA I) im Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen und eine zweite (UHA II) in der Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg. Diese zwei zentralen UHA I und II wurden direkt auf Ministeriumsebene gesondert betrieben. Die UHA I in Berlin-Hohenschönhausen war gleichzeitig zentraler Dienstsitz der selbstständigen Abteilung XIV (Untersuchungshaft- und Strafvollzug) sowie der Hauptabteilung (HA) IX (Untersuchungs- und Ermittlungsorgan), die von hier aus die ihnen untergeortneten Abteilungen und Referate in den BVfS steuerten und kontrollierten. In den BVfS waren die den BVfS angeschlossenen UHA entsprechend wie auf Ministeriumsebene betrieben ebenfalls Dienstsitz der Abt. XIV und der HA IX im Territorium der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit.

 

 

 

 

 

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5 Vgl. Rahmendienstanweisung zur politisch-operativen Dienstdurchführung in den Abteilungen XIV der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit (Rahmendienstanweisung der Abt. XIV der BVfS) des MfS, Abteilung XIV vom Januar 1982, und der Rahmenstruktur- und Stellenplan der Abteilung XIV der Bezirksverwaltung vom 24.3.1988; Vgl. Johannes Beleites, Die Rolle des MfS im Bereich des Untersuchungshaft- und Strafvollzugs der DDR, Horch und Guck, Heft 24, 1998, S. 46-55.