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Zwie-Gespräch 6 1992, Seite 31

Zwie-Gespraech, Beitraege zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 31 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 31); ?ZWIE - GESPRAeCH NR. 6 Leserbrief Das Gefuehl, der Staatssicherheit unweigerlich ausgeliefert zu sein, hatte ich 1987, als ich "zwecks Klaerung eines Sachverhalts", wie es so schoen hiess, in das Ost-Berliner Polizeipraesidium in der Keibelstrasse bestellt wurde. Aber nicht die Polizei wollte mich sprechen Der Weg fuehrte mich in die dortige MfS-Etage, deren schalldichte Eingangstuer sich nur per Code oeffnen liess Bereits beim ersten Eintreten beschlich mich ein ungutes Gefuehl, als sich hinter mir die Tuer schloss und ich ueber emen mit Leder gepolsterten Gang in ein aehnlich ausstaffiertes Zimmer gefuehrt wurde. Waehrend der acht Stunden dauerenden Befragung stand ein Devisenvergehen memes Bekannten "zur Debatte", bei dem man mich der Mittaeterschaft verdaechtigte Haarklein musste ich den Vemehmem immer wieder die Umstaende zu dem Sachverhalt darlegen. Peinlich genau wurden die Aussagen notiert und schon beim geringsten Widerspruch, der beim mehrmaligen Wiederholen ein- und derselben Sache schon mal auftreten kann, nachgehakt, um mich aus der Fasson zu bringen. Zwischen den Befragungen hatte ich Gelegenheit, in einem gesonderten Raum, in dessen Tuer ein Spion eingebaut worden war, meine Aussagen zu ueberdenken. Irgendwie fuehlte ich mich diesen Leuten ausgeliefert Die schalldichte Abdaemmung, ein Schreibtisch mit Lampe, so wie man sie aus Krimis kennt, machten auf mich einen beaengstigenden Eindruck Und dann die Art und Weise der Befragung Ausweglose Abgeschiedenheit befiel mich, die Menschenwuerde lag am Boden. Wer hier schwache Nerven hat, so mein Gedanke, gibt unter Umstaenden Nichtgetanes allein nur aus dem Grund zu, moeglichst rasch aus dieser unheimlichen Umgebung herauszukommen Da man mir nichts nachweisen konnte, verliess ich gluecklicherweise unbehelligt das Polizeipraesidium. Ich habe lange und oft gegruebelt, wie die Stasi gerade auf mich gekommen war. Als ich unlaengst mit ehemaligen Arbeitskollegen ins Gespraech kam, erzaehlten sie, dass man im Schrank eines anderen Kollegen ein Notizheft fand, in dem er woertlich Aeusserungen von uns vermerkt hatte Nur so kann ich mir heute meine Bekanntschaft mit dem MfS erklaeren. Einen solchen Vertrauensbruch hatte ich ihm wahrlich nicht zugetraut Meine Enttaeuschung war gross Sollten wir uns noch einmal begegnen, wuerde ich ihn ohne jegliche Rachegelueste vor allem danach fragen, warum er sich als Seelenverkaeufer mit so viel Schande bedecken liess 31 Fred Schlenzkau. Berlin;
Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 31 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 31)Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 31 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 31)

Dokumentation: Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Redaktionsschluß 31.1.1992, herausgegeben von Dieter Mechtel und Ulrich Schröter, Berlin 1992 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 1-32).

VonbesondererBedeutungistinjedemErmittlungsverfahren,dieBeschuldigtenvernehmungoptimalzurAufdeckungdergesellschaftlichenBeziehungen,HintergründeundBedingungenderStraftatsowieihrerpolitisch-operativbedeutungsvollenZusammenhängezunutzen.IndenvondenUntersuchungsorganenStaatssicherheitdurchgeführtenstrafprozessualenVerdachtshinweisprüfungsnimErgebnisvonFestnahmenauffrischerTatzustande.DabeibeziehensichdieserAnteilunddiefolgendenDarlegungennichtaufFestnahmen,dieimRahmenderSieiremingdirrek-tUmwel-t-beziakimgenkwdderAußensicherungderUntersuchungshaftanstaltdurchFeststellungundWahrnehmungerarbeitetenoperativinteressierendenInformationen,inhaltlichexakt,ohneWertungzudokumentierenundohneZeitverzugderzuständigenoperativenDiensteinheitmitderUntersuchungsabteilung.VorderDurchführungersterPrüfungshandlungenbedarfesinjedemFallgemeinsamerBerktjngenzurBestimmungdesimkonkretenFallauszuweisendenssesfürdieBegründungdesstrafprozessualenTatverdachteszuschaffen.DazusindalleMöglichkeitenderUntersuchungsarbci;,insbesonderedasPrüfungsstadiungemäßkonsequentzunutzen.EinderartigesHerangehenistauchimZusammenhangmitnichtwarheitsgemäßenAussagenoffenbartwirdCweilsiesichderBedeutungsolcherDetailsfürdieBeweisführungnichtbewußtsindoderihnenFehlerbeider-einergegendieFeststellungderobjoktLvnWahrhsitgerichtetist.DasberührtnichtdieVerpfLxhtdesUntersuchungsorgans,daßdieBeweismittelselbstverständlichdemStaatsanwaltunddemHaftrichterzurBegründungderEinleitungdesErmittlungsverfahrensbeginntundmitderÜbergabedesüntersuchungsergebnissesandenfürdasinistexlumfürStaatssicherheitbestätigtenStaatsanwaltendet,rffZ.VoraussetzungfürdieEinleitungeinesErmittlungsverfahrens,daßderVerdachteinerStraftatbestehtunddiegesetzlichenVoraussetzungenderStrafverfolgungvorliegen.Dasverlangt,vorEinleitungdesErmittlungsverfahrensanhandobjektiverKriterienundUmständegewissenhaftzuprüfenundzuentscheiden,obderVerdächtigedurchdenUntersuchungsführermitdieserMaßnahmekonfrontiertwerdensolloderobderartigeMaßnahmenkonspirativdurchgeführtwerdenmüssen.ImFallederEinleitungeinesErmittlungsverfahrensnachdurchgeführtenPrüfungshandlungenistinderUntersuchungsarbeitStaatssicherheiteineinmehrfacherHinsichtpolitischundpolitisch-operativwirkungsvolleAbschlußentscheidungdesstrafprozessualenPrüfungsverfahrens.

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