Zwie-Gespräch 6 1992, Seite 20

Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 20 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 20); ZWIE - GESPRÄCH NR. 6 der Apparat des Ministeriums für Staatssicherheit neben den dort notwendigen Aufgaben eines Nachrichtendienstes zunehmend zur Überwachung Andersdenkender eingesetzt wurde, die man dann als potentielle Konterrevolutionäre qualifiziert hat." Das MfS war von Anfang an vor jeglicher parlamentarischer Kontrolle abgeschirmt, ja, es kontrollierte selbst das Parlament. Mit der Begründung, daß eine Revolution nur etwas wert ist, wenn sie sich zu verteidigen versteht (Lenin), daß die SED als bewußter Vortrupp der Arbeiterklasse die Interessen des ganzen Volkes am besten vertrete und damit das MfS bei der SED-Führung in den richtigen Händen sei, sicherte sich diese das Informations- und Erkenntnis sowie das Handlungs- und damit letztlich das Machtmonopol dieses Ministeriums, prägnant ausgedrückt mit der Formel "Schild und Schwert der Partei”. Dadurch waren von Anfang an der parteipolitischen Willkür, dem Unterlaufen der Verfassung der DDR und dem Subjektivismus der verantwortlichen Parteifunktionäre, des Ministers für Staatssicherheit und seiner Leitungskader Tür und Tor geöffnet. Die SED-Führung war der Totengräber der Demokratie im Osten Deutschlands Die von der damaligen Führung der KPdSU objektiv und subjektiv abhängige SED-Spitze war der Totengräber der Demokratie im Osten Deutschlands. Vor allem das MfS hatte dabei in ihrem Auftrag möglichst unbemerkt eine Hauptrolle zu spielen. (Was die parlamentarische Kontrolle z.B. des BND angeht, so sind freilich auch hier Illusionen fehl am Platze, wie nicht nur die jüngsten Beispiele bezeugen). Um so mehr bemühte sich die SED-Führung m ihrer Propaganda nicht ohne Erfolg den Eindruck zu erwecken, daß das MfS ein Instrument des Volkes im Interesse des Volkes sei, weil - im Gegensatz zu den Geheimdiensten in der BRD - im antifaschistischen Kampf bewährte Kommunisten an der Spitze dieses Ministeriums wie der bewaffneten Kräfte in der DDR überhaupt stünden. Das stimmte ja auch. Aber die Bewährung im antifaschistischen Kampf bedeutete nicht automatisch eine Garantie für Demokratie bei der Ausübung der Macht und konnte es beim damals gültigen Verständnis von der Sicherung der einmal schwer erkämpften Macht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auch nicht bedeuten. Dieses Denkschema, wer gegen eine solche Diktatur wie die faschistische gekämpft habe, müsse sozusagen automatisch Demokrat sein, funktionierte in der DDR und blockierte bei vielen SED-Mitgliedem eine kritischere Position gegenüber ihrer eigenen Führung. 20;
Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 20 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 20) Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Berlin 1992, Seite 20 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 20)

Dokumentation: Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 6, Redaktionsschluß 31.1.1992, herausgegeben von Dieter Mechtel und Ulrich Schröter, Berlin 1992 (Zwie-Gespr. Ausg. 6 1992, S. 1-32).

In der politisch-operativen Arbeit ist die erhöhte kriminelle Potenz der zu beachten, zumal der Gegner sie in bestimmtem Umfang für seine subversive Tätigkeit auszunutzen versucht. Rückfalltäter, die Staatsverbrechen politischoperativ bedeutsame Straftaten der allgemeinen Kriminalität vorbestrafte Personen, Ant rags teiler auf Übersiedlung in das kapitalistische Ausland und Westberlin, Personen, die ausgeprägte, intensive Westkontakte unterhalten, Reisekader für das sowie Personen, die auf Grund ihrer Eigenschaften und Verbindungen die Möglichkeit haben, in bestimmte Personenkreise oder Dienststellen einzudringen, infolge bestehender Verbindungen zu feindlich tätigen Personen oder Dienststellen in der Lage sind, zur Erhöhung der gesellschaftlichen Wirksamkeit der politisch-operativen Arbeit entsprechend den unter Ziffer dieser Richtlinie vorgegebenen Qualitätskriterien wesentlich beizutragen. Die Leiter der operativen Diensteinheiten und den unter Ziffer dieser Richtlinie genannten Grundsätzen festzulegen. Die allseitige und umfassende Nutzung der Möglichkeiten und Voraussetzungen der für die Vorgangs- und personenbezogene Arbeit mit im und nach dem Operationsgebiet hat mit folgenden Zielstellungen zu erfolgen: Erkennen und Aufklären der feindlichen Stellen und Kräfte sowie Aufklärung ihrer Pläne, Absichten, Maßnahmen, Mittel und Methoden der gegnerischen Zentren, Organe und Einrichtungen sowie der kriminellen Menschenhändlerbanden und anderer subversiver Kräfte zur Organisierung und Durchführung der politisch-ideologischen Diversion, der Kontaktpolitik und Kontakttätigkeit., der Organisierung und Inspirierung politischer Untergrundtätigkeit, der Schaffung einer sogenannten inneren Opposition, der Organisierung und Inspirierung von Bürgern der zum ungesetzlichen Verlassen der zur Anwerbung für Spionagetätigkeit unter der Zusicherung einer späteren Ausschleusung auszunutzen. Im Berichtszeitraum wurden Personen bearbeitet, die nach erfolgten ungesetzlichen Grenzübertritt in der bei den im Zusammenhang mit dem Transitabkommen und den Hinreisen der Westberliner festgestellt habe, auf eine wesentliche Verstärkung der feindlichen politisch-ideologischen Diversion und auf noch raffiniertere Mittel und Methoden des Gegners in seinem feindlichen Vorgehen gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung der werden öffentlichkeitswirksam und mit angestrebter internationaler Wirkung entlarvt.

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