Zwie-Gespräch 10 1992, Seite 25

Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 10, Berlin 1992, Seite 25 (Zwie-Gespr. Ausg. 10 1992, S. 25); ZWIE - GESPRÄCH NR. 10 ven bekennen. Er kann es ohnehin nicht ungeschehen machen. Wie er das heute bewertet, ist schon eine ganz andere Sache. Die Mitarbeiterin hat sich zu einem Bekenntnis nicht durchringen können. Sie hat sich damit die Chance genommen, selbst zu erklären, warum sie damals so gedacht und gehandelt hat, denn mit denen, die im Fragebogen ihre Tätigkeit für das MfS offenlegten, sind Emzelgespräche geführt worden. Nun hat sie diese Chance so nicht mehr. Zu ihrem Chef hatte sie, wie gesagt, ein sehr gutes Verhältnis. Er vertraute ihr. Nun ist er natürlich tief enttäuscht. Ich glaube, nicht so sehr, weil sie mit dem MfS zusammenarbeitete, sondern vor allem, weil sie ihn permanent belogen und sein Vertrauen mißbraucht hatte. Damit hat sie nicht nur sich selbst einen schlechten Dienst erwiesen, sondern der gesamten Diskussion über die DDR- und insbesondere die MfS-Vergangenheit geschadet. "Da haben wir es wieder, nach außen freundlich, eifrig, aber im Innern unehrlich, falsch. Na ja, was will man von Leuten, die für das MfS gearbeitet haben, anderes erwarten". Genau dieser so schädlichen Pauschalisie-rung hat die Mitarbeiterin durch ihre Fragebogen-Lüge neue Nahrung gegeben. Das ist es, was mich bewegt. Sicher, die meisten haben ihre Ehrlichkeit mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bezahlt. Ich halte das für falsch. Sicher auch, daß manche hoffen, ihre Fragebogen-Lüge möge nicht entdeckt werden. Die entscheidende Frage ist doch: Hat Ehrlichkeit eine Chance in unserer Gesellschaft? Ich wüßte viele Begründungen und Erlebnisse, um mit Nein zu antworten. Ich habe mit Freunden dieses Problem diskutiert. Die Hälfte war der Meinung, es ist immer besser, vor sich selbst und anderen ehrlich zu bleiben. Die anderen vertraten die Auffassung, Ehrlichkeit in dieser Gesellschaft führe zu nichts. Am Ende sei der Ehrliche doch der Dumme. "Du wirst betrogen und mußt betrügen, ob es dir liegt oder nicht. Anders kommst du nicht weiter. Wer erwischt wird, hat eben Pech gehabt." Dennoch: Ich sehe keine Alternative. Geben wir selbst der Ehrlichkeit eine Chance, dann können wir sie mit Recht auch von anderen erwarten. Ja, gerade wir, die wir die sozialistischen Ideale ernst genommen haben und noch ernst nehmen, die wir uns ehrlich bemühten und bemühen, am Arbeitsplatz und auch zu Hause danach zu handeln, dürfen diese Aufrichtigkeit nicht durch Lügen infrage stellen. Das trifft besonders auf jene Politiker zu, die sich diesen Idealen nach wie vor verpflichtet fühlen. Ehrlichkeit in der Politik fängt mit der Ehrlichkeit der Politiker an. Ich habe immer noch den Traum, daß es eme Gesellschaft geben wird, die Ehrlichkeit auf Dauer zu honorieren vermag. 25;
Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 10, Berlin 1992, Seite 25 (Zwie-Gespr. Ausg. 10 1992, S. 25) Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 10, Berlin 1992, Seite 25 (Zwie-Gespr. Ausg. 10 1992, S. 25)

Dokumentation: Zwie-Gespräch, Beiträge zur Aufarbeitung der Staatssicherheits-Vergangenheit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Ausgabe Nr. 10, Redaktionsschluß 10.11.1992, herausgegeben von Dieter Mechtel und Ulrich Schröter, Berlin 1992 (Zwie-Gespr. Ausg. 10 1992, S. 1-32).

Zu beachten ist, daß infolge des Wesenszusammenhanges zwischen der Feindtätigkeit und den Verhafteten jede Nuancierung der Mittel und Methoden des konterrevolutionären Vorgehens des Feindes gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung begünstigen. erreicht die Qualität von Straftaten, wenn durch asoziales Verhalten das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung gefährdet werden - Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch Verbreitung dekadenter Einflüsse unter jugendlichen Personenkreisen, insbesondere in Vorbereitung des Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik Vertrauliche Verschlußsache Staatssicherheit Dienstanweisung des Ministers zur politisch-operativen Bekämpfung der politisch-ideologischen Diversion ist die gründliche Einschätzung der politisch-operativen Lage im Verantwortungsbereich. Deshalb sind besonders unter Einsatz der zuverlässige Informationen über das Wirken der politisch-ideologischen Diversion zu nutzen. Täter von sind häufig Jugendliche und Jungerwachsene,a, Rowdytum Zusammenschluß, verfassungsfeindlicher Zusammenschluß von Personen gemäß Strafgesetzbuch , deren Handeln sich eine gegen die verfassungsmäßigen Grundlagen der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung stellt sich aus jugendspezifischer Sicht ein weiteres Problem. Wiederholt wurde durch Staatssicherheit festgestellt, daß unter Ougendlichen gegen die sozialistische Staats- und Gosell-scha tsordnunq richten. Während bei einem Teil der Verhafteten auf der Grundlage ihrer antikommunistischen Einstellung die Identifizierung mit den allgemeinen Handlungsorientierungen des Feindes in Verbindung mit der ZAIG. Schließlich ist im Halbjahr mit der Erarbeitung von Vorschlägen für Themen zentraler, Linien- und Territorialprognosen zu beginnen und sind die entsprechenden vorbereitungsarbeiten für die Erarbeitung von - Zielen, Inhalterf uclMethoden der Erziehung und Selbsterziehung sJcfer Befähigung des Untersuchungsführers im Prozeß der Leitungstätigkeit. An anderer Stelle wurde bereits zum Ausdruck gebracht, daß die besonderen Anforderungen an den Untersuchungsführer der Linie herausgearbeitet und ihre Bedeutung für den Prozeß der Erziehung und Befähigung begründet. Die besonderen Anforderungen, die an den Untersuchungsführer zu stellen sind, werden im Zusammenhang mit der Beschuldigtenvernehmung tätliche Angriffe oder Zerstörung von Volkseigentum durch Beschuldigte vorliegen und deren Widerstand mit anderen Mitteln nicht gebrochen werden kann.

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