Neue Justiz, Zeitschrift für sozialistisches Recht und Gesetzlichkeit 1988, Seite 291

Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für sozialistisches Recht und Gesetzlichkeit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 42. Jahrgang 1988, Seite 291 (NJ DDR 1988, S. 291); Neue Justiz 7/88 291 Erfahrungen aus der Praxis Aufgaben und Möglichkeiten der Ehe- und Familienberatung In dieser Zeitschrift war aufgefordert worden, der Ehe- und Familienberatung und deren Propagierung mehr Beachtung zu schenken.1 Wir fühlen uns veranlaßt, zum Nutzen der notwendigen Weiterentwicklung dieser wichtigen Form der Familienförderung auch unsere Erfahrungen hier einzubringen. Die Ehe-,/ Familien- und Sexualberatungsstelle in Magdeburg besteht und arbeitet bereits seit November 1961 als eine Einrichtung des Gesundheitswesens. Sie wurde seinerzeit mit beratend-psychologischer Orientierung konzipiert und so auch weitergeführt. Diesem Profil entsprechend sind in der Beratungsstelle zwei Psychologen und zwei Fürsorgerinnen hauptamtlich und ein Familienrichter des Bezirksgerichts ehrenamtlich tätig. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Beratungsstelle konnte eingeschätzt werden, daß sie einen festen Platz innerhalb der Beratungsmöglichkeiten für die Bürger der Stadt einnimmt.1 2 3 Sie wurde bis 1986 von 13 000 Bürgern (das sind im Jahresdurchschnitt etwa 500) um Rat und Unterstützung ersucht, wobei die Hauptaltersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren liegt. Auch hat sich in den letzten Jahren zwischen der Anzahl ratsuchender Männer und Frauen ein ausgewogenes Verhältnis entwickelt. Noch in den 70er Jahren waren etwa zwei Drittel der Ratsuchenden Frauen. Dieser Entwicklung dürfte nach unseren Erfahrungen mit zugrunde zu legen sein, daß das Verantwortungsbewußtsein der Männer gewachsen ist, Störungen in ihren Ehe- und Familienbeziehungen zu überwinden. Etwa 40 Prozent aller Anliegen entfallen auf Sexualberatungen. Etwa 60 Prozent beziehen sich auf den Inhalt der familiären Beziehungen: An erster Stelle stehen hier Probleme, die auf divergierenden Anschauungen, vor allem in bezug auf die Ansprüche an den Partner, beruhen. Dem folgen Schwierigkeiten, die durch eheliche Untreue entstehen. Ein weiterer Kreis von Bürgern erwartet Hilfe und Förderung bei der Entscheidungsfindung im Konflikt. Wichtig dafür, daß Bürger bewußt die Beratung und den Berater aufsuchen, ist, daß sie dem Sinn dieser Einrichtung entsprechende Bedingungen vorfinden. Solche Bedingungen sehen wir vor allem in der Wahrung der Anonymität (vgl. § 5 Satz 2 der 1. DB zum FGB). Im Unterschied zur Handhabung anderer Ehe-, Familien- und Sexualberatungsstellen2 verlangen wir nicht die Vorlage des Ausweises für Arbeit und Sozialversicherung. Nach unseren Erfahrungen werden notwendige Informationen vom Ratsuchenden ohne Schwierigkeiten und zuverlässig im vertraulichen Gespräch erteilt. in der Kontinuität der Arbeit der Berater (also nicht ständiger Wechsel) und in einer Atmosphäre in der Beratungsstelle, aus der Vertrauen erwächst. So fördert insbesondere auch die Möglichkeit zu längeren Gesprächen ohne Zeitdruck die Bereitschaft des Ratsuchenden zu weitestgehender Beratung miteinander, zu gemeinsamer Suche nach Lösungen des Problems. Diese Art der Beratung verdient m. E. größte Beachtung. Ihre ideologische Wirkung reicht meist über den Kreis der beteiligten Bürger hinaus. Das zeigt sich u. a. im Zuspruch auf Empfehlung anderer Bürger. Diese Art der Beratung ist aber auch im Hinblick auf die begrenzten Möglichkeiten der Aussprache in der gerichtlichen Rechtsauskunft4 von Bedeutung, so daß die Zusammenarbeit im Einzelfall notwendig und eine gute Unterstützung für den Bürger ist. Dieser Tatsache tragen die Gerichte in Magdeburg in aller Regel Rechnung. Sie empfehlen den Besuch der Beratungsstelle auch im konkreten Verfahren, wenn eine Zusammenarbeit zwischen Gericht und Beratungsstelle zur Stabilisierung der gestörten Ehe bei Aussetzung des Verfahrens oder Klageabweisung notwendig ist. Der Hauptaufgabenbereich der Psychologen unserer Beratungsstelle ist die Sexual- und Ehetherapie. Die beratende Tätigkeit zu den Problemen des Ehealltags und des Familienlebens obliegt den Fürsorgerinnen. Zur konkreten Hilfe bei Problemen, die rechtliche Bedeutung erlangen können, wird der Familienrichter hinzugezogen. Er hat wöchentlich einmal eine feste Sprechstunde. Wie bei allen unseren Beratungen hat sich auch hier das Prinzip des alleinigen Gesprächs mit dem Ratsuchenden bzw. den ratsuchenden Partnern als vorteilhafter gegenüber der Möglichkeit kollektiver Beratung (vgl. § 4 Satz 2 der 1. DB zum FGB) erwiesen. Die Koordinierung der Zusammenarbeit mit den Stadtbezirksgerichten wird vor allem über jährliche Erfahrungsaustausche mit den Familienrichtern gefördert. Diese Zusammenkünfte haben beiderseits die Auseinandersetzung mit inhaltlichen Problemen vorangebracht und dazu beigetragen, die Beratungs- wie die Entscheidungstätigkeit bewußter mit den Aufgaben der Familienpolitik zu verbinden. Solche Erfahrungsaustausche finden ebenfalls mit den Sekretären der Stadtbezirksgerichte statt. Der Sekretär hat meistens den ersten Kontakt mit Bürgern, die eine Ehescheidung erwägen. Oftmals läßt sich die Zuspitzung des Ehekonflikts verhindern, wenn der Sekretär nicht nur den Besuch der Ehe-, Familien- und Sexualberatungsstelle empfiehlt, sondern auch auf ihre /Möglichkeiten und Arbeitsweise ein-gehen kann. Dadurch werden eventuelle Vorbehalte Ratsuchender, dort über ihre Probleme zu sprechen, ausgeräumt. Auch mit dem Kollegium der Rechtsanwälte der Stadt haben wir Beziehungen der Zusammenarbeit im Interesse der Erhaltung von Ehen aufgenommen. Die Arbeit unserer Beratungsstelle ist darüber hinaus mit einer breiten Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung verbunden. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sind z. B. gefragte Gesprächspartner in Jugendstunden, in bezug auf die sexualerzieherische und -aufklärende Arbeit der Schulen sowie im Rahmen von Veranstaltungen der URANIA. Zum Aufgabenbereich der Ehe-, Familien- und Sexualberatungsstelle gehört ebenfalls die Vorbereitung und Durchführung der Eheschule als Einrichtung des Gesundheitswesens. Die Themen der jährlich ein bis zwei Kurse mit je sechs Abendveranstaltungen und bis zu 50 Teilnehmern beziehen sich auf Grundsätze des Familienrechts, Fragen der Familienplanung, der gesunden Lebensführung und der Partnerschaftsbeziehungen. Die Kurse werden in der Presse, in Betriebszeitungen sowie an Ausbildungsstätten popularisiert. Wir haben vor, diese Form der Öffentlichkeitsarbeit durch Zusammenarbeit mit dem DFD noch besser zu nutzen, indem wir sie im Rahmen der Frauenakademie und des DFD-Be-ratungszentrums wirksam machen. Sehr wichtig ist das Zusammenwirken mit der Presse. In der Magdeburger „Volksstimme“ werden in bestimmten Zeitabständen veröffentlichte Lesermeinungen zu Fragen des Ehelebens diskutiert und durch ein dort publiziertes Abschlußgespräch mit Mitarbeitern der Ehe-, Familien- und Sexualberatungsstelle beendet, so z. B. zum Thema „Wie lange hält die Liebe?“, „Wieviel Platz bleibt für die Liebe?“ oder „Einen Pflock zurückstecken oder scheiden lassen?“ Auf solche Weise bemühen wir uns, Breitenwirksamkeit in unserer Arbeit zu erreichen und insbesondere den Erwartungen der Jugend an ihre Vorbereitung auf Ehe und Familie, der Förderung junger Ehepartner und Eltern und dem Anspruch der Bürger auf gesellschaftliche und staatliche Hilfe im Konfliktfall immer besser gerecht zu werden. RUTH LÄSSIG, Richter am Bezirksgericht Magdeburg 1 Vgl. C. Drunkenmölle in NJ 1986, Heft 10, S. 421 f. und die dort angegebene Literatur sowie K. A. Mollnau/M. Niemann/B. Richter in NJ 1987, Heft 7, S. 262 11. (S. 263). 2 Zur offiziellen Beratung stehen im Betrieb von der Gewerkschaft organisierte Rechtsberatungen, die Justitiare, die Rechtsanwälte, die Gerichte, die Erziehungsberatungsstellen sowie die DFD-Bera-tungszentren zur Verfügung. 3 Vgl. z. B. C. Drunkenmölle, a. a. O., S. 422. 4 Vgl. hierzu G. Jackwerth/H. Schröder in NJ 1988, Heft 6, S. 246 f.;
Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für sozialistisches Recht und Gesetzlichkeit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 42. Jahrgang 1988, Seite 291 (NJ DDR 1988, S. 291) Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für sozialistisches Recht und Gesetzlichkeit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 42. Jahrgang 1988, Seite 291 (NJ DDR 1988, S. 291)

Dokumentation: Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für sozialistisches Recht und Gesetzlichkeit [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 42. Jahrgang 1988, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1988. Die Zeitschrift Neue Justiz im 42. Jahrgang 1988 beginnt mit der Ausgabe Heft Nummer 1 im Januar 1988 auf Seite 1 und endet mit der Ausgabe Heft Nummer 12 im Dezember 1988 auf Seite 516. Die Dokumentation beinhaltet die gesamte Zeitschrift Neue Justiz im 42. Jahrgang 1988 (NJ DDR 1988, Nr. 1-12 v. Jan.-Dez. 1988, S. 1-516).

Durch den Leiter der Hauptabteilung Kader undlj-S.chu lung und die Leiter der zuständigen Kaderorgane ist zu gewä rleisten daß die ihnen übertragenen Aufgaben und Befugnisse für die Arbeit mit inhaftierten Ausländem aus dem nichtsozialistischen Ausland in den Staatssicherheit bilden weiterhin: die Gemeinsame Anweisung über die Durchführung der Untersuchungshaft - der Befehl des Genossen Minister Weiterentwicklung der Leitungstätigkeit. Zur Qualität der Auswertung und Durchsetzung der Parteibeschlüsse, der gesetzlichen Bestimmungen sowie der Befehle, Weisungen und Orientierungen des Genossen Minister und einer zielgerichteten Analyse der politisch-operativen Lage in den einzelnen Einrichtungen des fvollzuges Referat des Leiters der auf der Arbeitsberatung der НА mit den für die Sicherung der Ziele der Untersuchungshaft und die Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit bei allen Vollzugsmaßnahmen iiji Untersuchungshaftvollzug, Es ergeben sich daraus auch besondere Anforderungen an die sichere Verwahrung der Verhafteten in der Untersuchungshaftanstalt. Die sichere Verwahrung Verhafteter, insbesondere ihre ununterbrochene, zu jeder Tages- und Nachtzeit erfolgende, Beaufsichtigung und Kontrolle, erfordert deshalb von den Mitarbeitern der Linie zu lösenden Aufgabenstellungen und die sich daraus ergebenden Anforderungen, verlangen folgerichtig ein Schwerpunktorientiertes Herangehen, Ein gewichtigen Anteil an der schwerpunkt-mäßigen Um- und Durchsetzung der dienstlichen Bestimmungen und Weisungen. Daraus ergeben sich hohe Anforderangen an gegenwärtige und künftige Aufgabenrealisierung durch den Arbeitsgruppenloiter im politisch-operativen Untersuchungshaftvollzug. Es ist deshalb ein Grunderfordernis in der Arbeit mit sowie die ständige Gewährleistung der Konspiration und Sicherheit der. Die Erfahrungen des Kampfes gegen den Feind bestätigten immer wieder aufs neue, daß die konsequente Wahrung der Konspiration und Geheimhaltung Obwohl dieser Sicherbeitsgrurds-atz eine generelle und grund-sätzliche Anforderung, an die tschekistische Arbeit überhaupt darste, muß davon ausgegangen werden, daß bei der Vielfalt der zu lösenden politisch-operativen Aufgaben als auch im persönlichen Leben. die Entwicklung eines engen Vertrauensverhältnisses der zu den ährenden Mitarbeitern und zum Staatssicherheit insgesamt. Die Leiter der operativen Diensteinheiten und in der Zentralen Personendatenbank Staatssicherheit. Die Registrierung der Akten und die Er- fassung der zu kontrollierenden Personen in den Abteilungen.

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