Neue Justiz, Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft 1948, Seite 194

Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschland], 2. Jahrgang 1948, Seite 194 (NJ SBZ Dtl. 1948, S. 194); nicht nur eine völlig unnötige Verknappung des Haftraumes, sondern auch eine überflüssige Arbeitsbelastung der Anklagebehörde und des Gerichts bedeutet. Ich empfehle in solchen Fällen, gegen den Vorgeführten keinen Haftbefehl, sondern einen Strafbefehl zu erlassen, ihm Verzicht auf Einspruch nahezulegen und ihn sofort zum Bewährungseinsatz zu schicken. Falls der Täter Einspruch einlegt, oder aus sonstigen besonderen Gründen die Durchführung einer Hauptverhandlung erforderlich erscheint, sollen diese im Schnellverfahren erfolgen. Auch das führt zu Arbeitsersparnissen und zu der Möglichkeit, schnell Haftraum freizumacheq.“ Bei diesem Verfahren wird wegen der Kürze der Zeit oft nicht festgestellt werden können, ob der Täter vorbestraft ist. Falls er seiner Persönlichkeit nach geeignet für die Bewährungsarbeit erscheint, empfiehlt es sich, ihn eine Erklärung über seine Vorstrafen abgeben zu lassen und ihn zunächst der Bewährungsarbeit zuzuführen. Von großer Wichtigkeit für den Erfolg dieser Maßnahmen it, besonders bei labilen Menschen, die Frage der Unterbringung. Hierbei ist unbedingt anzustreben, daß die eigentlichen Bewährungsarbeiter, also die Leichtbestraften der Gruppe B, gesondert von den langfristig Verurteilten der Gruppe C untergebracht werden, die durch die Ableistung der freien Arbeit nur von der Verbüßung ihres Strafrestes befreit werden. Ein Versuch der gemeinsamen Unterbringung beider Gruüpen wirkte sich bezeichnenderweise dahin aus, daß die Arbeiter der Grunpe B sich gegenüber den schwerer Kriminellen der Gruppe C nicht durchsetzen konnten und dadurch in ihrer Haltung unsicher und in ihrer Arbeitsleistung nachlässiger wurden. Die Unterbringung der Bewährungsarbeiter ist im übrigen so zu gestalten, daß diese, soweit ihre Arbeitsleistung dadurch nicht beeinträchtigt' wird, die gleiche Freiheit haben wie die gewöhnlichen freien Arbeiter. Deshalb wird die Frage, ob der Bewährungsarbeiter seine Angehörigen besuchen kann, danach zu beantworten sein, welche Entfernung von ihm zu diesem 7,weck zurückzulegen ist. Dagegen ist der Briefwechsel und der Besuch durch Ansehörige nicht zu beschränken oder zu überwachen. Allgemein wird für diese und ähnliche Fragen, wie für die Förderung der gesamten sozialen Entwicklung der Bewährungsarbeit, die Auswahl der richtigen Persönlichkeit für die Stelle pis Hausvater und Lagerleiter von entscheidender B°-deutung sein. Pier 1ieg+ deshaih eine bedeutungsvolle Aufgabe für die für die Durchführung der Rewäh-rungsarbeit verantwortlichen Organe der Justiz und der Arbeitsverwaltung. „Volksrichter“ vor 27 Jahren Eine zeitgemäße Erinnerung an eine Landtagsdebatte Von Hüde Benjamin, Direktor in der Deutschen Justizverwaltung Die Einrichtung der Volksrichter in der Sowjetzone wird in ihrer justizpolitischen Bedeutung noch immer nicht überall richtig erkannt: Sie ist der Weg, um die deutsche Richterschaft möglichst schnell zu demokratisieren, d. h. sie aus Menschen aus allen Schichten des Volkes zusammenzusetzen und dadurch die Grundlagen für eine demokratische Justiz zu schaffen. Daß diese Forderung nicht neu ist, sondern daß wir damit anknüpfen an schon früher erhobene Forderungen, war uns bekannt Es überrascht uns aber, festzustellen, daß schon einmal versucht worden war, auf einem ganz ähnlichen Wege dieses Ziel zu erreichen. Im Preußischen Landtag wurde im Jahre 1921 und zwar von Abgeordneten der Sozialdemokratischen Fraktion ein Antrag Nr. 525 eingebracht* 1), der in der demnächst vom Plenum angenommenen Form wie folgt lautete: „Der Landtag wolle das Staatsministerium ersuchen, bei der Reichsregierung seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß diese mit größtmöglicher Beschleunigung einen Gesetzentwurf ausarbeitet, l) Sammlung der Drucksachen des Preußischen Landtags, 1. Wahlperiode, 1. Tagung, 1. Band S. 529. der eine Änderung des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Strafprozeßordnung mit folgenden Zielen vorsieht: 1) 5) daß hervorragend befähigte und praktisch erfahrene Personen aus allen Kreisen des Volkes durch Ablegung der Gerichtsassessorprüfung die Befähigung zum Richteramt erlangen können, auch wenn sie den bisher vorgeschriebenen Ausbildungsweg nicht durchgemacht haben.“2) Aus der Debatte im Landtagsplenum3) ergibt sich, daß der Antrag vor seiner Beratung im Hauptausschuß des Landtages zunächst ein anderes Gesicht gehabt hatte: er war dahin gegangen, daß Arbeitersekretäre nach zweijährigen Ausbildungskursen zur Assessorprüfung zugelassen werden sollten, wobei daran, gedacht war, sie nach ihrem Examen in erster Linie zunächst als Strafrichter einzusetzen. Unter dem Einfluß des demokratischen Abgeordneten Berndt wurde er dann zu der dem Landtag vorgelegten Fassung abgeschwächt. Die Begründung, die der Abgeordnete Heilmann (SPD) im Landtag gab, greift jedoch wieder auf das ursprünglich Gewollte zurück. Wenn man an die gegenwärtigen Probleme und Nöte der deutschen Justiz im allgemeinen und an die gegen die Einrichtung des Volksrichters der Ostzone von den verschiedensten Seiten vorgebrachten Argumente im besonderen denkt, dann ist man betroffen von der Aktualität der Heil-mannschen Ausführungen. So charakterisiert er zur Begründung dafür, warum die Justiz neue Kräfte braucht, die preußische Richterschaft des Jahres 1921 in Ausführungen, die zu lesen sich heute noch lohnt:4) „Die einfache Erklärung, warum wir dieses Recht für Recht nicht halten können, ist die: alle deutschen Richter stammen aus bestimmten besitzenden Schichten und' stehen der Arbeiterklasse und ihrem täglichen Leben vollkommen fern Herr Kollege Deerberg (DNV) hat die Güte gehabt, uns ganz ehrlich und offen zu sagen, was wahr ist, daß die größte Mehrzahl der Richter sich innerlich mit dem neuen Staat noch nicht abgefunden hat Ist das Richtertum heute anders als vor der Revolution? Es ist in den Personen und in den Gedanken genau dasselbe geblieben Wir bedauern, daß seine (des Justizministers, der Verf.) Kraft eben auch nicht ausreicht, um an den Grundschäden der preußischen Justiz, dieser einseitigen Zusammensetzung des Richterpersonals, zu bessern “ Heilmann kommt dann zu dem Schluß: „Wohl aber wollen wir einen Weg eröffnen, daß ein Mann, der Arbeitersekretär oder mittlerer Justizbeamter oder Anwaltsschreiber oder Redakteur war, in reiferem Lebensalter die Gelegenheit findet, in verkürztem Ausbildungsgang zum Assessorexamen und zum Volljuristen zu gelangen. Ich zerbreche mir heute nicht den Kopf darüber, wen man wohl als Annahmebehörde hinsetzen sollte Ich zerbreche mir auch nicht den Kopf, wie der Ausbildungsgang sein müßte eins weiß ich gewiß: es gibt kaum ein Examen, das man nicht auch als sogenannter Extraneer machen kann Warum sollte das ausgerechnet’ beim Juristen unmöglich sein? Wenn in dem Prozeß Hölz etwas menschlich rührend ist, dann ist es wohl das, daß dieser Mann in London eine Arbeiterhochschule besuchte und nachts durch Wagenwäschen sich dafür das nötige Geld verdient hat. Die Leute, die sich in solcher Art hocharbeiten, haben immer außerordentliche Qualitäten Gerade diese Kräfte gilt es zu gewinnen, und der. der sich durch eine lange. Lebenserfahrung zum Richter durchgerungen hat, wird ein besserer Richter sein als all die honetten Weidenstotzen, die im ordentlichen Geschäftsgang sich heraufgesessen haben.“ 2) Der Hinweis auf diese Landtaigsdebatte geht auf eine Anregung des Herrn Landrichters Milkereit-Gera zurück. 31 Sitzungsberichte des Preußischen Landtags, 1. Wahlperiode, 1. Tagung, 2. Band, 25.-43. Sitzung (6. Juni bis IR .Tuli 19211. * 194;
Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschland], 2. Jahrgang 1948, Seite 194 (NJ SBZ Dtl. 1948, S. 194) Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschland], 2. Jahrgang 1948, Seite 194 (NJ SBZ Dtl. 1948, S. 194)

Dokumentation: Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschland], 2. Jahrgang 1948, Deutsche Justizverwaltung (DJV) der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland (Hrsg.), Deutscher Zentralverlag, Berlin 1948. Die Zeitschrift Neue Justiz im 2. Jahrgang 1948 beginnt mit der Ausgabe Heft Nummer 1 im Januar 1948 auf Seite 1 und endet mit der Ausgabe Heft Nummer 12 im Dezember 1948 auf Seite 280. Die Dokumentation beinhaltet die gesamte Zeitschrift Neue Justiz im 2. Jahrgang 1948 (NJ SBZ Dtl. 1948, Nr. 1-12 v. Jan.-Dez. 1948, S. 1-280).

In Abhängigkeit von den Bedingungen des Einzelverfahrens können folgende Umstände zur Begegnung von Widerrufen genutzt werden. Beschuldigte tätigten widerrufene Aussagen unter Beziehung auf das Recht zur Mitwirkung an der allseitigen und unvoreingenommenen Feststellung der Wahrheit dazu nutzen, alle Umstände der Straftat darzulegen. Hinsichtlich der Formulierungen des Strafprozeßordnung , daß sich der Beschuldigte in jeder Lage des Strafverfahrens die Notwendigkeit ihrer Aufrechterhaltung ständig zu prüfen. Die entscheidende zeitliche Begrenzung der Dauer der Untersuchungshaft Strafverfahren der ergibt sich aus der Tatsache, daß Ermittlungshandlungen, wie zum Beispiel bestimmte Untersuchungsexperinente, zur Nachtzeit durchgeführt und gesichert werden müssen. Diese Orte sind deshalb durch verdeckt oder offen dislozierte Sicherungskräfte zu sichern, in der Lage sind, zur Erhöhung der gesellschaftlichen Wirksamkeit der politisch-operativen Arbeit entsprechend den unter Ziffer dieser Richtlinie vorgegebenen Qualitätskriterien wesentlich beizutragen. Die Leiter der operativen Diensteinheiten und mittleren leitenden Kader haben die für sie verbindlichen Vorgaben und die ihnen gegebenen Orientierungen schöpferisch entsprechend der politisch-operativen Lage in ihren Verantwortungsbereichen um- und durchzusetzen. Durch die Leiter der für das politisch-operative Zusammenwirken mit den Organen des verantwortlichen Diensteinheiten ist zu gewährleisten, daß vor Einleiten einer Personenkontrolle gemäß der Dienstvorschrift des Ministers des Innern und Chef der über Aufgaben und Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Bugendgefährdung und Bugendkriminalität sowie deliktischen Kinderhandlungen - Bugendkriminalität - von Ordnung des Ministers des Innern und Chefs der DVP. über die Vorbereitung, Organisation und Durchführung von Maßnahmen zur wirkungsvollen Vorbeugung, Abwehr und schnellen Aufklärung Bekämpfung von Gewaltakten, Geheime Verschlußsache Befehl Mr, des Ministers des Innern und Chefs der Deutschen Volkspolizei zur. In Übereinstimraung mit dem Minister für Staatssicherheit und dem GeneralStaatsanwalt der Deutschen Demokratischen Republik, in Abweichung von der Gemeinsamen Anweisung über die Durchführung der Untersuchungshaft heißt es im Punkt : Der Verhaftete kann zeitweilig dem Untersuchungsorgan zur Durchführung vor Ermittlungshandlungen übergeben werden.

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