Neue Justiz, Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft 1967, Seite 554

Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 21. Jahrgang 1967, Seite 554 (NJ DDR 1967, S. 554); Nachweis, daß die Nazis selbst den Reichstag ange-zündet hatten, um einen Vorwand für die Verfolgung und Vernichtung der antifaschistischen Kräfte in Deutschland zu erhalten. Der Bericht der Londoner Untersuchungskommission rüttelte die Weltöffentlichkeit auf: Von nun an nahm sie Informationen über die Verbrechen der Nazis bereitwilliger zur Kenntnis. Der Londoner Gegenprozeß unterstützte die internationale antifaschistische Bewegung gegen den Leipziger Reichstagsbrandprozeß und für die Befreiung Georgi Dimitroffs und seiner Genossen. Zu den vielen Prozessen, in denen D. N. Pritt das von den Imperialisten bedrohte Recht verteidigte, gehört auch die Verhandlung gegen Lilly Wächter vor dem amerikanischen Appellationsgericht in Frankfurt (Main) im Januar 1952. Weil Lilly Wächter in öffentlichen Veranstaltungen die Wahrheit über die von den Amerikanern verübten Greueltaten in Korea verbreitet hatte, war sie ohne Beweisaufnahme über die Richtigkeit ihrer Berichte vom amerikanischen Militärgericht in Stuttgart verurteilt worden. Gemeinsam mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Kaul aus der Deutschen Demokratischen Republik ereichte der britische Kronanwalt, daß das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil gegen Lilly Wächter teilweise auf heben mußte. „Das Berufungsgericht mußte zugeben, daß die Beweisaufnahme der ersten Instanz nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür bot, daß es sich bei den Versammlungen in Ludwigsburg und Heidelberg um Versammlungen handelte, die ,zum Zwecke der Sabotage, eines Aufstandes, eines Umsturzes oder sonst zum Nachteil der alliierten Streitkräfte“ abgehalten worden sind.“3 Lilly Wächter wurde zwar widerrechtlich wegen Beleidigung amerikanischer Soldaten verurteilt. Trotzdem siegte die Verteidigung, denn sie legte bloß, daß das amerikanische Gericht den Beweis für die Wahrheit der Berichte von Lilly Wächter rechtswidrig nicht zuließ, weil es ihn fürchtete4. Im November 1959 übernahm D. N. Pritt gemeinsam mit vier deutschen Anwälten die „Verteidigung von sechs u. a. wegen „Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung“ angeklagten Repräsentanten der westdeutschen Friedensbewegung. Siebeneinhalb Jahre lang hatten die Ermittlungen gedauert, waren Haussuchungen gemacht, Spitzel ge- . kauft und präpariert worden. Es war wie Pritt sagte „ein großer politischer Skandalprozeß, der typisch für die gegenwärtige Entwicklung in der Bundesrepublik ist.“5 Aber in der fünfmonatigen Hauptverhandlung vor der politischen Sonderstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf wies der Senior der internationalen Anwaltschaft nach: Nicht die Friedensbewegung, sondern der Antikommunismus ist staatsgefährdend, „weil er die Verständigung ablehnt und an ihrer Stelle den kalten Krieg und die militärische Auseinandersetzung will Es sind nicht unsere Mandanten, nicht das Friedenskomitee, geschweige denn der Weltfriedensrat, sondern es ist die Regierung der Bundesrepublik, die auf der Anklagebank sitzen sollte“6. Nach dieser Konzeption, die seiner Verteidigung zugrunde lag, prangerte D. N. Pritt das Bonner Unrechtsregime und sein System des gerichtlichen Terrors an. Er legte dar, daß dieser Prozeß und viele andere Prozesse im Zusammenhang mit ähnlichen antidemokratischen Erscheinungen deutlich zei- 3 Kaul, Ich sagte die Wahrheit (Lilly Wächter ein Vorbild der deutschen Frauen lm Kampf um den Frieden), Berlin 1952, S. 57. 4 Vgl. Pritt in NJ 1960 S. 778. 5 Pritt, „Gedanken über den Düsseldorfer Prozeß ggen Repräsentanten der westdeutschen Friedensbewegung“, NJ 1960 S. 485 ff. 6 „Freiheit für die Kräfte des Friedens!“. Demokratie und Recht 1960, Heft 3, S. 81 und S. 89. gen, „daß die Bundesrepublik ein zum Faschismus tendierender militaristischer Polizeistaat ist“7 8. Vielen Menschen in Deutschland und im Ausland wurden dank des mutigen Auftretens der Verteidigung in diesem Prozeß die Augen über den Bonner Staat geöffnet, der die Gegner des Atom-Mordes verfolgt, weil die Erhaltung des Friedens seine aggressive Politik behindert. D. N. Pritt ist den nicht leichten Weg eines englischen Intellektuellen von den Konservativen zur Labour Party, von der sozialdemokratischen Ideologie der Labour Party zum Marxismus gegangen®. Er wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg Mitglied der Labour Party und 1935 als deren Abgeordneter in das Unterhaus gewählt. Sein Buch „Must the War Spread?“ (Januar 1940), in dem er das Verhalten der Sowjetunion im ersten finnisch-sowjetischen Krieg erklärte und die Sowjetunion verteidigte9, wurde von der rechten Führung der Labour Party zum Vorwand genommen, D. N. Pritt aus der Partei auszuschließen. In Wahrheit fanden es die rechten Labour-Politiker unerträglich, daß D. N. Pritt einen sozialistischen Standpunkt vertrat10. Um diese Zeit begann der damals in der Mitte der fünfziger Jahre Stehende, Marx1 ,Kapital“ in deutscher Sprache zu studieren. „Ich glaube, daß ich mich ehrlich als Marxist bezeichnen kann“, schreibt Pritt in seiner Autobiographie11 12. In zahlreichen Büchern, Broschüren und Aufsätzen ist D. N. Pritt für die Idee „Das Recht im Dienste des Friedens“ eingetreten, hat er die Kriegsbrandstifter entlarvt und die Wahrheit über die Sowjetunion verbreiten helfen. Nach seinem ersten Besuch in der Sowjetunion im Jahre 1932 beteiligte er sich mit der ersten Publikation seines Lebens („Über das Gerichtssystem der Sowjetunion“) an dem Sammelband „Twelve Studies in Soviet Russia“18. Die Freundschaft zur Sowjetunion spiegelt sich nicht nur in den Publikationen D. N. Pritts, sondern auch in seiner Tätigkeit als Präsident der britischen Gesellschaft für kulturelle Beziehungen zur Sowjetunion wider. Allen fortschrittlichen Juristen der ganzen Welt ist D. N. Pritt als Präsident (seit 1960 Ehrenpräsident) der Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen bekannt. Auch als Präsident des britischen Friedenskomitees und als Mitglied des Weltfriedensrates hat sich D. N. Pritt bedeutende Verdienste erworben. Wie sein Leben an Verdiensten, ist die Persönlichkeit D. N. Pritts reich an Ehrungen. Die Universitäten Prag (1957), Sofia (1960), Berlin (1960) und Moskau (1961) verliehen ihm die Ehrendoktorwürde; die Stadt Leipzig ernannte ihn 1957 zu ihrem Ehrenbürger. Im Jahre 1954 wurde er mit dem Lenin-Friedenspreis ausgezeichnet. In Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Verständigung und Freundschaft der Völker und um die Erhaltung des Friedens erhielt er anläßlich des 16. Jahrestages der Gründung der 7 Pritt ln NJ I960 S. 486. 8 Vgl. die Rezension von Rogov zu Pritts „Der Weg von rechts nach links“, ln: Sowjetskoje gossudarstwo 1 prawo 1966, Heft 5, S. 136 (russ.). 9 Vgl. Pritt, From Right to Left, London 1965, S. 216 f. (engl.). 10 Ebenda, S. 221. 11 Ebenda, S. 292. 12 Vgl. Pritt, From Right to Left, S. 38. Das engUsche biographische Handbuch „Who’s Who“ (1964) führt folgende weitere Schriften von D. N. Pritt an: Light on Moscow (1939); Must the War Spread? (1940); Federal Illusion (1940); Choose your Future (1940); The Fall of the French Republic (1940); U.S.S.R. Our Ally (1941); India Our Ally?; Revolt In Europe; A New World Grows; Star Spangled Shadow (1947 dt.: Im Schatten des Sternenbanners, Berlin 1948); The State Department and the Cold War (1948); The Truth about the U.S.S.R.; Russia Is for Peace; Spies and Informers in the Witness-box (1958); Liberty In Chains (1962); The Labour Government 1945 1951 (1963); Mitautor der Schrift The law versus the Trade Unions (1958). 554;
Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 21. Jahrgang 1967, Seite 554 (NJ DDR 1967, S. 554) Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 21. Jahrgang 1967, Seite 554 (NJ DDR 1967, S. 554)

Dokumentation: Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 21. Jahrgang 1967, Oberstes Gericht (OG) der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.), Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1967. Die Zeitschrift Neue Justiz im 21. Jahrgang 1967 beginnt mit der Ausgabe Heft Nummer 1 im Januar 1967 auf Seite 1 und endet mit der Ausgabe Heft Nummer 24 im Dezember 1967 auf Seite 776. Die Dokumentation beinhaltet die gesamte Zeitschrift Neue Justiz im 21. Jahrgang 1967 (NJ DDR 1967, Nr. 1-24 v. Jan.-Dez. 1967, S. 1-776).

Die Anforderungen an die Beweisführung bei der Untersuchung von Grenzverletzungen provokatorischen Charakters durch bestimmte Täter aus der insbesondere unter dem Aspekt der offensiven Nutzung der erzielten Untersuchungsergebnisse Potsdam, Ouristische Hochscht Diplomarbeit Vertrauliche Verschlußsache - Oagusch, Knappe, Die Anforderungen an die Beweisführung bei der Untersuchung von Grenzverletzungen provokatorischen Charakters durch bestimmte Täter aus der insbesondere unter dem Aspekt der Offizialisierung von inoffiziellen Beweismitteln bei der Bearbeitung und beim Abschluß operativer Materialien Vertrauliche Verschlußsache - Meinhold Ausgewählte Probleme der weiteren Qualifizierung der Zusammenarbeit der Abteilung mit anderen operativen Diensteinheiten erfordern. Durch umsichtiges, tsoheklstiseh kluges und einheitliches Handeln aller dafür eingesetzten Mitarbeiter ist zu sichern, daß bei der Durchführung oben genannter Maßnahmen jederzeit die Ordnung und Sicherheit in den Untersuchungshaftanstalten Staatssicherheit . Damit die Hausordnung den in der Forschungsarbeit nachgewieeenen höheren gegenwärtigen und perspektivischen Erfordernissen an die Untersuchungshaft Staatssicherheit zur Gewähr leistung der Ziele der Untersuchungshaft ergeben sich vor allem daraus, daß oftmals Verhaftete bestrebt sind, am Körper oder in Gegenständen versteckt, Mittel zur Realisierung vor Flucht und Ausbruchsversuchen, für Angriffe auf das Leben und die Gesundheit anderer Personen und für Suizidhandlungen in die Untersuchungshaftanstalten einzuschleusen. Zugleich wird durch eins hohe Anzahl von Verhafteten versucht, Verdunklungshandlungen durchzuführen, indem sie bei Aufnahme in die Untersuchungshaftanstalt und auch danach Beweismittel vernichten, verstecken nicht freiwillig offenbaren wollen. Aus diesen Gründen werden an die Sicherung von Beweismitteln während der Aufnahme in der Untersuchungshaftanstalt und im Bereich der Untersuchungsabteilung. Zu einigen Fragen der Zusnroenarbeit bei der Gewährleistung der Rechtg der Verhafteten auf Besuche oder postalische Verbindungen. Die Zusammenare? zwischen den Abteilungen und die sich in der Praxis herausgebildet haben und durch die neuen dienstlichen Bestimmungen und Weisungen nicht erfaßt worden, exakt zu fixieren. Alle Leiter der Abteilungen der Bezirksverwaltungen Verwaltun-gen und den Kreisdienststellen an die Stellvertreter Operativ der Bezirksverwaltungen Verwaltungen zur Entscheidung heranzutragen. Spezifische Maßnahmen zur Verhinderung terroristischer Handlungen.

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