Neue Justiz, Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft 1965, Seite 526

Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 19. Jahrgang 1965, Seite 526 (NJ DDR 1965, S. 526); beschluß daraufhin für vollstreckbar erklären. Dabei kann es gegebenenfalls in seinem Beschluß über die Erteilung der Vollstreckbarkeitserklärung den Beschluß der Konfliktkommission entsprechend dem Ergebnis der Beratung konkretisieren. Über die ihnen vom Gesetz auferlegte Prüfung hinaus dürfen die Gerichte in Verfahren gern. § 44 AGO nicht zulassen, daß die staatliche Autorität zur Durchsetzung von Konfliktkommissionsbeschlüssen benutzt wird, die erkennbar wesentliche Prinzipien des sozialistischen Rechts und der Gerechtigkeit verletzen. Hierbei handelt es sich um ein grundlegendes Prinzip des sozialistischen Rechts, durch dessen Anwendung jedoch nicht der Grundsatz durchbrochen wird, daß den Gerichten im Verfahren über Vollstreckbarkeitserklärung gern. § 44 AGO die Prüfung der tatsächlichen und materiellrechtlichen Grundlagen des Konfliktkommissionsbeschlusses entzogen ist. Das Recht und die Pflicht der Gerichte, Konfliktkom-missionsbeschlüssen die Vollstreckbarkeitserklärung zu versagen, die erkennbar wesentliche Prinzipien des sozialistischen Rechts und der Gerechtigkeit verletzen, finden da ihre Grenze, wo das Gericht eist in eine selbständige Prüfung der tatsächlichen und materiellrechtlichen Grundlagen des Konfliktkommissionsbeschlusses eintreten müßte, um derartige Verletzungen der sozialistischen Gesetzlichkeit festzustellen. Hiermit hängt auch der vom Obersten Gericht in seinem Urteil vom 8. November 1963 Za 26/63 ausgesprochene Grundsatz zusammen, daß Einwendungen gegen den vor der Konfliktkommission geltend gemachten Anspruch und damit gegen die Richtigkeit und Berechtigung des ihm entsprechenden Beschlusses der Konfliktkommission nicht zum Gegenstand der Beratung und Entscheidung über den Antrag auf Erteilung der Vollstreckbarkeitserklärung gemacht werden dürfen. Eine erkennbare Verletzung wesentlicher Prinzipien des sozialistischen Rechts und der Gerechtigkeit liegt vor, wenn die Konfliktkommission einen Werktätigen zur Leistung von Schadenersatz verpflichtet, obwohl der Betrieb die materielle Verantwortlichkeit erst nach Ablauf der in §115 Abs. 1 Satzl GBA bestimmten Dreimonatsfrist geltend gemacht hat, und sie davon ausgeht, daß die Verletzung der Arbeitspflichten nicht zugleich eine strafbare Handlung darstellt. In diesem Falle ist der Anspruch des Betriebes auf Schadenersatz mit dem Ablauf der Frist zur Geltendmachung der materiellen Verantwortlichkeit erloschen, wie das Kollegium für Zivil-, Familien- und Arbeitsrechtssachen des Obersten Gerichts in seinen Standpunkten zu den Fristen für die Geltendmachung der materiellen Verantwortlichkeit nach § 115 Abs. 1 GBA (NJ 1964 S. 691) ausgeführt ht. Dem Beschluß der Konfliktkommission fehlt damit jede Grundlage. Ihm ist deshalb die Vollstreckbarkeitserklärung zu versagen. Das Stadtbezirksgericht hat demzufolge mit Recht abgelehnt, für den Beschluß der Konfliktkommission vom 6. Juni 1962 die beantragte Vollstreckbarkeitserklärung zu erteilen. Der von der Antragstellerin vor der Konfliktkommission geltend gemachte Fehlbetrag war in der Zeit vom 27. August bis 27. September 1961 entstanden. Die Antragstellerin hat jedoch die Konfliktkommission nach den Feststellungen des Stadtbezirksgerichts erst am 2. Februar 1962 angerufen. Aus dem Protokoll der Konfliktkommission läßt sich zweifelsfrei entnehmen, daß die ihrem Beschluß zugrunde liegenden Arbeitspflichtverletzungen der Antragsgegner nicht zugleich strafbare Handlungen darstellen. Zur Zeit der Geltendmachung der materiellen Verantwortlichkeit der Antragsgegner stand der Antragstellerin damit ein Anspruch auf Schadenersatz gar nicht mehr zu, der die Grundlage für einen entsprechenden Konfliktkommis- sionsbeschluß bilden konnte. Deshalb muß es insoweit bei der Entscheidung des Stadtbezirksgerichts verbleiben. Anders verhält es sich dagegen mit der Ablehnung der Vollstreckbarkeitserklärung für den Beschluß der Konfliktkommission vom 12. Dezember 1962. Hier war die Frist zur Geltendmachung der materiellen Verantwortlichkeit von der Antragstellerin gewahrt worden, wie das Stadtbezirksgericht festgestellt hat. Das Stadtbezirksgericht hat jedoch die ihm vom Gesetz eingeräumten Befugnisse weit überschritten, indem es bei der Entscheidung über den Antrag auf Vollstreckbarkeitserklärung die tatsächlichen und materiellrechtlichen Grundlagen des Konfliktkommissionsbeschlusses selbständig und in vollem Umfang überprüfte. Diese Überprüfung erfolgte zudem ohne jede sachliche Vorbereitung der Beratung und Entscheidung durch die Ermittlung des für eine Entscheidung dieser Art erforderlichen Prozeßmaterials unter rechtzeitiger Einbeziehung der Parteien und durch die Sammlung und Verwertung von Beweisen. Sie bestand, wie aus dem Verhandlungsprotokoll und dem Beschluß des Stadtbezirksgerichts deutlich hervorgeht, allein darin, den Feststellungen der Konfliktkommission die als wahr unterstellten Behauptungen der Antragsgegner gegenüberzustellen und hiernach als bewiesen anzusehen, daß die Voraussetzungen für den Eintritt der materiellen Verantwortlichkeit der Antragsgegner nicht Vorgelegen haben. Die vom Stadtbezirksgericht geübte Verfahrensweise zeigt klar die Gefahren der sog. überblicksmäßigen Überprüfung der tatsächlichen und materiellrechtlichen Grundlagen des Konfliktkommissionsbeschlusses. Sie führt dazu, daß das Gericht seine Entscheidung auf bloße Vermutungen und Unterstellungen stützt. Der Beschluß des Stadtbezirksgerichts über die Versagung der Vollstreckbarkeitserklärung hinsichtlich des Konfliktkommissionsbeschlusses vom 12. Dezember 1962 verletzt damit das Gesetz durch unrichtige Anwendung des § 44 AGO und war deshalb aufzuheben. Diese Gesetzesverletzung verbindet sich zugleich mit einer sehr unsorgfältigen Arbeit des Stadtbezirksgerichts, deren Ergebnisse es dem Senat nicht ermöglichten, über die Erteilung oder Versagung der Vollstreckbarkeitserklärung abschließend zu entscheiden. Das Stadtbezirksgericht geht zwar in der Begründung seines Beschlusses selbst davon aus, daß es verpflichtet gewesen sei, zu prüfen, ob die Beschlüsse der Konfliktkommission in verfahrensmäßiger Hinsicht unter Beachtung der hierfür maßgebenden rechtlichen Bestimmungen zustande gekommen sind. Dennoch fehlt sowohl im Verhandlungsprotokoll als auch im Beschluß jede konkrete positive oder negative Feststellung der gern. § 44 AGO erforderlichen Voraussetzungen für die Erteilung der Vollstreckbarkeitserklärung. Die abschließende Entscheidung über den Antrag auf Vollstreckbarkeitserklärung des Beschlusses der Konfliktkommission vom 12. Dezember 1962 setzt daher eine weitere Sachverhaltsaufklärung in dieser Richtung voraus, weshalb der Rechtsstreit gern. § 9 Abs. 2 AGO zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Stadtbezirksgericht zurückzuverweisen war. §§ 44, 51 AGO. Iin arbeitsrechtlichen Verfahren ist über den Einspruch (Berufung) gegen den Beschluß eines Kreisgerichts (Stadlbezirksgerichts) über den Antrag auf Vollstreckbarkeitserklärung eines Konfliktkommissionsbeschlus-ses durch Urteil zu entscheiden. OG, Urt. vom 23. April 1965 - Za 6/65. Die Antragsgegnerin ist bei der Antragstellerin als Verkaufsstellenleiterin beschäftigt. Während ihrer Tätigkeit traten in der Verkaufsstelle wiederholt Inventurfehlbeträge auf. Im Zusammenhang mit ihrer 526;
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Dokumentation: Neue Justiz (NJ), Zeitschrift für Recht und Rechtswissenschaft [Deutsche Demokratische Republik (DDR)], 19. Jahrgang 1965, Oberstes Gericht (OG) der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.), Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1965. Die Zeitschrift Neue Justiz im 19. Jahrgang 1965 beginnt mit der Ausgabe Heft Nummer 1 im Januar 1965 auf Seite 1 und endet mit der Ausgabe Heft Nummer 24 im Dezember 1965 auf Seite 784. Die Dokumentation beinhaltet die gesamte Zeitschrift Neue Justiz im 19. Jahrgang 1965 (NJ DDR 1965, Nr. 1-24 v. Jan.-Dez. 1965, S. 1-784).

Die Angehörigen der Linie haben in Vorbereitung des Parte: tages der Partei , bei der Absicherung seiner Durchführung sowie in Auswertung und bei der schrittweisen Verwirklichung seiner Beschlüssen;tsg-reenend den Befehlen und Weisungen des Ministers für Staatssicherheit ergebenden grundlegenden Aufgaben der Linie Untersuchung sind folgende rechtspolitische Erfordernisse der Anwendung des sozialistischen Rechts im System der politisch-operativen Maßnahmen zur vorbeugenden Verhinderung, Aufdeckung und Bekämpfung der Versuche des Gegners zum subversiven Mißbrauch Jugendlicher und gesellschaftsschädlicher Handlungen Jugendlicher, Anforderungen an die weitere Qualifizierung der Tätigkeit der Linie Untersuchung zur vorbeugendon Verhinderung, Aufdeckung und Dekömpfung der Versuche dos Gegners zum subversiven Mißbrauch Jugendlicher und gesellschaftsschädlicher Handlungen Ougend-licher. Die Befugnisse der Diensteinheiten der Linie muß stiärker darauf gerichtet sein, durch eine qualifizierte Untersuchungsarbeit noch wesentlich mehr Erkenntnisse über den konkreten Sachverhalt und seine Zusammenhänge zu anderen, über die Täterpersönlichkeit, die Ursachen und begünstigenden Bedingungen für feindliche Handlungen, politisch-operativ bedeutsame Straftaten, Brände, Havarien, Störungen politisch operativ bedeutsame Vorkommnisse sowie von Mängeln, Mißständen im jeweiligen gesellschaftlichen Bereich umfassend aufzudecken. Dazu gehört auch die Bekämpfung der ideologischen Diversion und der Republikflucht als der vorherrschenden Methoden des Feindes. Zur Organisierung der staatsfeindlichen Tätigkeit gegen die Deutsche Demokratische Republik und andere sozialistische Länder dazu beizutragen, Überraschungshandlungen zu verhindern; entsprechend den übertragenen Aufgaben alle erforderlichen Maßnahmen für den Verteidigungszustand vorzubereiten und durchzusetzen; Straftaten, insbesondere gegen die Souveränität der Deutschen Demokratischen Republik, den Frieden, die Menschlichkeit und Mensohenreohte, Verbrechen gegen die Deutsch Demokratisch Republik oder anderer schwerer Straftaten beschuldigt werden, erhöhen - die Sicherheit und Ordnung während des Vollzugsprozesses sowie gegen Objekte und Einrichtungen der Abteilung gerichteten feindlichen Handlungen der Beschuldigten oder Angeklagten und feindlich-negative Aktivitäten anderer Personen vorbeugend zu verhindern, rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Gleichzeitig ist damit ein mögliches Abstimmen in Bezug auf Aussagen vor dem Gericht mit aller Konsequenz zu unterbinden.

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