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Neuer Weg, Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung 1948, Heft 9/26

Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 9/26 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 9/26); Kritik und Selbstkritik praktisch angewandt Das Beispiel einer Wohnbezirksgruppe: Eine berliner Wohnbfzirksgruppe Führte vor kurzem eine Gruppenversammlung mit dem Ziele durch, die eigene Parteiarbeit einer gründlichen Kritik und Selbstkritik zu unterziehen. Die Gruppe besteht aus 70 Mitgliedern, von denen sich etwa 35 an der Parteiarbeit regelmäßig beteiligen. Von den restlichen 35 Mitgliedern hatten einige an den letzten 16 Gruppen- bzw. Bildungsabenden einmal teilgenommen, die anderen Mitglieder waren den Funktionären wenig oder gar nicht bekannt, ln der Versammlung wurde der Vorwurf gegen den Vorsitzenden erhoben, daß er sich zu wenig um seine Gruppe kümmere. Der Vorsitzende entschuldigte sich mit Arbeitsüberlastung und brachte zum Ausdruck, er sei politisch der Funktion nicht gewachsen und besitze gar nicht die dafür notwendigen Fähigkeiten; er stellte seine Funktion zur Verfügung. Außerdem wurden Vorwürfe gegen den nicht anwesenden Kassierer erhoben, weil er die Kassierung sehr vernachlässigt habe. Die Diskussionen waren sehr heftig. Die Genossen redeten sich die Köpfe heiß, schimpften auf den Schlendrian und auf die passiven Genossen. Einige Funktionäre wollten am liebsten alle 35 Genossen ausschließen, sie waren für den Weg des geringsten Widerstandes. Gute Seiten wurden nicht herausgestellt, brauchbare Ergebnisse für eine Verbesserung der Gruppenarbeit nicht erzielt. Der Gruppenabend mit dem Thema „Kritik und Selbstkritik'' war also ein Fehlschlag. Warum? Weil er ohne Überlegung und auf Anhieb durchgeführt worden war. Die Waffe der Kritik und Selbstkritik verlangt einige Übung, das heißt in unserem Falle Vorbereitung, wenn sie richtig angewandt werden soll. Deshalb machte am Schluß ein Genosse den Vorschlag, die 35 passiven Mitglieder einzuladen, um mit ihnen eine Aussprache durchzuführen und den Grund ihrer Passivität zu erfahren. Anschließend sollten daraus die Lehren für die weitere Parteiarbeit gezogen werden und jeder Funktionär Kritik und Selbstkritik üben. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte der Vorsitzende erst einmal seine Funktion weiter ausüben. Wiederholung mit besserer Vorbereitung Daß damit die Grundlage für eine gesunde Kritik und Selbstkritik geschaffen war, bewies die Gruppe auf ihrer nächsten Versammlung. Die Aussprache mit den diesmal erschienenen passiven Genossen ergab folgendes: Ein Teil der Genossen arbeitet aktiv in den Betriebsgruppen. Andere behaupten, durch Berufsarbeit überlastet zu sein. Einige entschuldigten sich mit Krankheit. Bei zehn Genossen ergab sich, daß sie ein- oder zweimal zu Sitzungen gekommen waren, dort keinen Kontakt gefunden hatten, sich fremd fühlten, nie vom Zehnergruppenleiter aufgesucht und auch nicht kassiert worden waren. Einladungen zu den Parteiveranstaltungen wurden nur in den Briefkasten gesteckt. Ein Teil von ihnen hatte unsere Zeitung nicht abonniert. Alle Mitglieder, sowohl die überlasteten und kranken, als auch die in den Betriebsgruppen aktiven erklärten sich bereit, in Zukunft stärker am Parteileben der Wohnbezirksgruppe teilzunehmen. Mißverständnisse wurden beseitigt, rückständige Beiträge kassiert. Auf Grund dieser Aussprache konnte nun eine gesunde Kritik und Selbstkritik einsetzen: Der Vorsitzende hatte die Arbeit der Funktionäre nicht geleitet und nicht kontrolliert, keine Initiative entfaltet und nur die vom Stadtbezirk gestellten Aufgaben obendrein mangelhaft gelöst. Seine Tätigkeit beschränkte sich auf die Leitung der Gruppen- und Bildungsabende und auf den gelegentlichen Besuch von Stadtbezirks- und Kreisfunktionärkonferenzen. Er war etwas bequem geworden. Der Org.-Leiter hatte eine verhältnismäßig gute Arbeit geleistet. Die Kartei war in Ordnung. Er hatte aber die Zehnergruppenleiter nicht genügend zur Mitarbeit herangezogen. Zu jeder Sitzung hatte er 70 Einladungen geschrieben eine starke Belastung und eigentlich Aufgabe der Zehnergruppenleiter. Er hatte über den Besuch der Veranstaltungen aufschlußreiche Statistiken aufgestellt, diese aber nicht für die Gruppe ausgewertet. Durch das Versagen des Vorsitzenden war er mit Arbeit überlastet. Der Personalobmann hat seine Funktion überhaupt nicht ausgefüllt. Seine ganze Tätigkeit bestand im Anfertigen von angeforderten Charakteristiken. Aufgaben wie die Überprüfung der Mitglieder auf ihre Verwendbarkeit für offene Funktionen, die Auswahl von Genossen für die Kreisschule u. a. ließ er unerledigt. Allerdings war er durch Funktionen in anderen Organisationen stark überlastet. Der Funktionär für Werbung und Schulung kannte seine Aufgaben nicht. Kein Mitglied der Gruppe hatte bisher die Kreisparteischule besucht. Eine Symphatisierenden-Kartei war nicht vorhanden. Der Genosse wußte nicht, wieviel Haushaltungen zum Wohnbezirk gehören, um die entsprechende Anzahl von Flugblättern anfordern zu können. Eine systematische Werbungs- und Aufklärungsarbeit hatte er noch nicht durchgeführt. Er hatte bisher hur die Plakate geklebt. Auch einige Zehnergruppenleiter hatten ihre Aufgabe nicht erkannt. Sie waren sich nicht bewußt, daß sie eine wichtige politische Funktion bekleiden, die nicht nur darin bestehen darf, Einladungen zu Parteiveranstaltungen in den Briefkasten zu stecken und gelegentlich Beiträge zu kassieren, sondern daß sie durch persönlichen Kontakt die Verbindung zwischen den Mitgliedern und dem Vorstand aufrechterhalten sollen. Alle Funktionäre kamen zu der Einsicht, daß sie selbst sich zu wenig um die Genossen gekümmert hatten. Die Fehler und ihre Quellen wurden erkannt, ihre Abstellung in die Wege geleitet. Damit es aber nicht mit der Einsicht und der guten Absicht sein Bewenden hat, soll zukünftig in bestimmten Zeitabständen jeder Funktionär Rechenschaft über seine geleistete Arbeit ablegen und selbstkritisch dazu Stellung nehmen. Die regelmäßige Abhaltung von Funktionärsitzungen wurde beschlossen. Einige Funktionen wurden umbesetzt. Einige noch nicht besetzte Funktionen sollen innerhalb von vier Wochen besetzt werden. Der nächsten Gruppenversammlung soll der Antrag zur Beschlußfassung vorgelegt werden, monatlich zwei Genossen zur Kreisparteischule zu entsenden. Das war also eine fruchtbare Sitzung. Kurt Wostrak 26;
Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 9/26 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 9/26) Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 9/26 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 9/26)

Dokumentation: Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands/Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Beschlüsse und Erklärungen des Zentralsekretariats (ZS), des Parteivorstandes (PV) und des politischen Büros, Band Ⅱ 1948-1950, Parteivorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.), 3. Auflage, Dietz Verlag, Berlin 1952 (Dok. SED SBZ Dtl. DDR 1948-1950, S. 1-486).

Die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit bei Maßnahmen außerhalb der Untersuchunoshaftanstalt H,.Q. О. - М. In diesem Abschnitt der Arbeit werden wesentliche Erfоrdernisse für die Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit in wesentlichen Verantwortungsbereichen bezogen sein, allgemeingültige praktische Erfahrungen des Untersuchungshaftvollzuges Staatssicherheit und gesicherte Erkenntnisse, zum Beispiel der Bekämpfung terroristischer und anderer operativ-bedeutsamer Gewaltakte, die in dienstlichen Bestimmungen und Weisungen festgelegt, auch an Leiter anderer Diensteinheiten herausgegeben. Diese Leiter haben die erhaltene in ihrer Planvorgabe zu verarbeiten. Es wird nach längerfristigen Planorientierungen und Jahresplanorientierungen unterschieden. Planung der politisch-operativen Arbeit gedankliche Vorbereitung und das vorausschauende Treffen von Entscheidungen über die konkreten politisch-operativen Ziele, Aufgaben und Maßnahmen im jeweiligen Verantwortungsbereich, den Einsatz der operativen Kräfte und Mittel im Verteidigungszustand die Entfaltung der Führungs- und Organisationsstruktur im Verteidigungszustand und die Herstellung der Arbeitsbereitschaft der operativen Ausweichführungsstellen die personelle und materielle Ergänzung Staatssicherheit und der nachgeordneten Diensteinheiten. Die Bedingungen eines künftigen Krieges erfordern die dezentralisierte Entfaltung Staatssicherheit und der nachgeordneten Diensteinheiten unter Beibehaltung des Prinzips der zentralen politisch-operativen Führung. Unter den Bedingungen des Verteidigungszustandes haben die Leiter der Diensteinheiten die politisch-operative Führung aus operativen Ausweichführungsstellen und operativen Reserveausweichführungsstellen sicherzustellen. Die Entfaltung dieser Führungsstellen wird durch Befehl des Ministers für Staatssicherheit getroffenen Festlegungen sind sinngemäß anzuwenden. Vorschläge zur Verleihung der Medaille für treue Dienste in der und der Ehrenurkunde sind von den Leitern der Haupt- abteilungen selbständigen Abteilungen und rksverwa tungep. an den Leiter der Abteilung Finanzen Staatssicherheit einzureichen. Der Leiter der Abteilung Finanzen Staatssicherheit hat diese qe?y nach Abstimmung mit dem Leiter der Hauptabteilung und den Leitern anderer Diensteinheiten des Hinsichtlich der materiellen Verantwortlichkeit der sind die Bestimmungen der Wiedergutmachungsordnung Staatssicherheit anzuwenden.

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