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Neuer Weg, Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung 1948, Heft 1/18

Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 1/18 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 1/18); den. Hier einige Beispiele dafür aus der sächsischen Praxis. Vor der Landes-Entnazifizierungskommission stand Fri. Dr. med. Have-iand aus Chemnitz. Sie trat 1932 in einem kleinen schlesischen Orte der NSDAP bei, weil sie glaubte, die Nazis würden das wahrmachen, was sie in ihrer demagogischen Propaganda versprachen, nämlich das gesamte Gesundheitswesen verstaatlichen. Als alte Pg übte sie sogar die Funktion einer Untergauärztin im BdM aus; sie legte jedoch glaubwürdig dar, daß sie sich bei dieser Arbeit immer von sozialen Gesichtspunkten leiten ließ. Vom ersten Tage des Zusammenbruchs des Hitlerregimes an widmete sie sich als Bakteriologin der Diphtherie- und Typhusbekämpfung. in unermüdlicher, zäher Forschungsarbeit bei der Zentralstelle für Hygiene in Chemnitz hat sie für die Diphtheriebekämpfung bedeutsame Entdeckungen gemacht. Die Landes-Entnazifizierungskommission hat Fri. Dr. Haveland in die Stufe der nominellen Pg. versetzt. Damit ist ihr nunmehr Gelegenheit gegeben, sich ohne jede Einschränkung und frei von jeder Beunruhigung ihrer dem Wohle des Volkes dienenden wertvollen Arbeit zu widmen. Ein anderes Beispiel: Der Postangestellte Richard Krause war Mitglied der NSDAP seit 1937 und zeitweilig Blockwalter. Da er außer der Lebensmittelkarten-verieilung keine weiteren Funktionen für die NSDAP ausgeübt hat und für seine freiwillige Arbeit bei der Bereinigung der Trümmerstätten und dem Wiederaufbau der Stadt Dresden mit einer besonderen Ehrenurkunde des Rates der Stadt Dresden ausgezeichnet wurde, entschied die Landeskommission, Krause als gleichberechtigten Bürger einzureihen. Es könnten hier Hunderte solcher Beispiele aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens und vor allem aus den Wirtschaftsbetrieben angeführt werden. Alle Entnazifizierungskommissionen sollten es sich angelegen sein lassen, diese Seite ihrer Arbeit ebenso populär zu machen wie die Entlarvung aktivistischer Nazis und die Verhängung von Zwangsmaßnahmen über sie. Das darf allerdings nicht mißverstanden und dahingehend ausgelegt werden wie das mancherorts geschah , daß sich nun jeder ehemalige Pg an die Entnazifizierungskommissionen mit der Bitte um Entnazifizierung wenden kann. Es sei hier nochmals mit allem Nachdruck festgestellt, daß nur aktive Nazis vor die Kommissionen kommen und alle übrigen automatisch als gleichberechtigt gelten. Gleichzeitig muß jedoch mit demselben Nachdruck davor gewarnt werden, in ein Extrem zu verfallen. Die Gleichberechtigung der nominellen Nazis darf in keinem Falle zu einer Renazifizierung der Behörden führen. Die Entnazifizierungsmaßnahmen der letzten zwölf Monate stehen! Revisionen sind nicht angängig und auch nicht nötig; denn alle diejenigen, die auf Grund von Beschlüssen der Entnazifizierungskommissionen noch vor Inkrafttreten des Befehls 201 aus öffentlichen Ämtern entfernt wurden und nicht als Naziverbrecher registriert werden, sind durch den Befehl 201 zu gleichberechtigten Staatsbürgern geworden. Jeder Staatsbürger kann sich natürlich um Stellungen bewerben; auch ehemalige Pg können sich also bei ihren früheren Behörden n e u um Anstellungen bewerben. Die Anerkennung der Gleichberechtigung kann aber niemandem das Recht zusprechen, nun etwa bewährte Antifaschisten aus ihren Posten zu verdrängen. Es wird die Aufgabe der Personalämter sein, dort, wo vereinzelt Neueinstellungen von Spezialisten vorgenommen werden müssen, diese individuell strengstens zu prüfen. Die Hauptaufgabe in der Durchführung des Befehls 201 ist also heute, die Entnazifizierungsarbeit so schnell wie möglich abzuschließen, damit die nominellen Pg den Schlußstrich unter ihre Vergangenheit ziehen können und ihre Unsicherheit ein Ende findet Eine wesentliche Hilfe dabei wird sein, wenn unsere Presse mehr als bisher über die Behandlung solcher Pg vor den Entnazifizierungskommissionen berichtet, die von der Kommission als nominell anerkannt werden; denn auch dadurch sehen die Mlllionenmassen der nominellen Pg, daß ihre praktische Einschaltung in das wirtschaftliche und politische Leben bereits geschieht Dann wird es der Reaktion, von der verderblichen Entnazifizierungspraxis in Westdeutschland genährt, nicht mehr so leicht falten, sich auf ehemalige Pg zu stützen; dann wird es leichter sein, auch die Millionen der nominellen Pg im Kampf für die Einheit Deutschlands und einen gerechten Frieden zu aktivieren. 2W iOaef zu Ohne ständige Leistungssteigerung der Ackerböden auf der ganzen Erde wäre es nicht möglich, die ebenso ständig zunehmende Zahl der Menschen zu ernähren. Dieser Grundsatz gilt besonders gebieterisch für unser Land, das faktisch „von vom anfangen" muß, und zwar nicht auf der bisherigen preußisch-deutsch-imperiailstischen Basis, die die volle Entfaltungsmöglichkeit unterdrückte, sondern mit anderem Kurs, dem Kurs auf die Auslösung der Voiksinitiative. Bei dem neuen Aufbau unserer Land- und Ernährungswirtschaft spielt auch der Mensch eine entscheidende Rolle der Bauer in der Landwirtschaft wie der Arbeiter in der Industrie. Von dieser klaren Erkenntnis beherrscht erwies sich die unlängst in Gießen, der alten Traditionsstadt der Beratungen hessischer Bauern, abgehaltene und überaus stark besuchte Bauern- und Arbeiterdelegiertentagung. Nach eingehenden Ausführungen des Präsidenten der Deutschen Verwaltung für Land-und Forstwirtschaft in der Ostzone, Edwin H о e r n 1 e , und des Bauern Richard Scheringer aus Köching (Bayern) nahmen die etwa 1000 Bauern- und Arbeiterdelegierten einstimmig einen umfassenden „Plan zur Rettung der Landwirtschaft und der Sicherung der Volksemährung" an, der nicht nur die in den Westzonen bestehenden landwirtschaftlichen Aufgaben sehr konkret aufzeigt sondern auch die praktischen Wege vorzeichnet, die beschritten werden müssen, um die gesamte Landwirtschaft wirklich zu retten und die Voiksernährung zu sichern. Der Plan geht davon aus, daß das Vertrauen der Bauern im Westen zu den Organen der Landwirtschaft und Ernährung total erschüttert ist. Das Frankfurter bizonale Amt für Landwirtschaft und Ernährung verhinderte bisher unter Führung von Schlange-Schöningen sowohl die demokratische Bodenreform als auch die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Es hemmte den Willen der Bauern zu Höchstleistungen durch die falsche Methode der Totalablieferung der bäuerlichen Produkte sowie der allgemeinen Bevorzugung der Großgrundbesitzer. „Wer aber auf ernsthafte Maßnahmen zur höchstmöglichen Steigerung der Nahrungsmittelproduktion im eigenen Lande verzichtet, gibt den Kampf um die nationale Einheit und Unabhängigkeit Deutschlands auf", heißt es dazu in dem politischen Vorwort des Planes, Besonders wird darauf hingewiesen, daß „durch die wirtschaftliche und politische Einheit Deutschlands die Emäh-rungslage des deutschen Volkes fühlbar erleichtert" werden könnte. „Einheitliche Anbau- und Ablieferungspläne, einheitliche Lenkung der Seuchen- und Schädlingsbekämpfung", die Erzeugung und Versorgung mit Saatgut, Düngemitteln, mit landwirt-schaftiichen Maschinen und Geräten und nicht zuletzt eine wirklich demokratische Bodenreform könnten, die Volksemährung wesentlich bessern. „Daher ist der Kampf um die Nahrungssicherung der deutschen Bevölkerung nicht zu trennen vom Kampf um die Einheit Deutschlands." ln achtzehn aktuellen Bauemforderungen bringen die Bauern ihren Willen zur politischen Umgestaltung der Organe für Landwirtschaft und Ernährung zum Ausdrudc. Verlangt wird die Beseitigung Schiange-Schöningens und ein „demokratischer Umbau der Landwirtschafts- und Emährungsverwaltung an Haupt und Gliedern". Der Behauptung Schiange-Schöningens, daß man je Kopf der Bevölkerung nicht mehr als 1000 Kalorien aus dem deutschen Boden herausholen könne, wird entgegengehalten, daß man unter den im Plan geforderten Voraussetzungen wohl in der Lage wäre, statt 1000 Kalorien über 2000, ja 3000 Kalorien aus eigenem deutschen Boden zu erzeugen. Man geht dabei von dem Gesichtspunkt aus, daß die Bizone eine Gesamtbodenfläche von 20 505 203 Hektar hat, wovon 12 278 768 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sind. Durch Vermehrung der Zwischenfrucht und erhöhten Gemüseanbau auf Kosten von Getreideanbauflächen und durch Umbruch von Wiesen und Weiden, Moor und Odiändereien sowie gleichzeitig durch bessere Pflege und Düngung der restlichen Weideflächen bis zu höchster Weideleistung und durch einen sinnvoll geplanten Feldfutteranbau kann der Ertrag wesentlich gesteigert werden. Trotz- 18;
Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 1/18 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 1/18) Neuer Weg (NW), Monatsschrift für aktuelle Fragen der Arbeiterbewegung [Parteivorstand (PV) Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)] 3. Jahrgang [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands] 1948, Heft 1/18 (NW PV SED SBZ Dtl. 1948, H. 1/18)

Dokumentation: Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) [Sowjetische Besatzungszone (SBZ) Deutschlands/Deutsche Demokratische Republik (DDR)], Beschlüsse und Erklärungen des Zentralsekretariats (ZS), des Parteivorstandes (PV) und des politischen Büros, Band Ⅱ 1948-1950, Parteivorstand der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hrsg.), 3. Auflage, Dietz Verlag, Berlin 1952 (Dok. SED SBZ Dtl. DDR 1948-1950, S. 1-486).

Die sich aus den Parteibeschlüssen soY den Befehlen und Weisungen des Ministers für Staatssicherheit ergebenden grundlegenden Aufgaben für die Linie Untersuchung zur vorbeugenden Verhinderung, Aufdeckung und Bekämpfung der Versuche des Gegners zum subversiven Mißbrauch Jugendlicher und gesellschaftsschädlicher Handlunqen Jugendlicher sowie spezifischer Verantwortungen der Linieig Untersuchung und deren Durchsetzung. Die rechtlichen Grundlagen der Tätigkeit der Linie Untersuchung ist zu gewährleisten ständig darauf hinzuwirken, daß das sozialistische Recht - von den Normen der Staatsverbrechen und der Straftaten gegen die staatliche Ordnung und Sicherheit. Die wesentlichste Angriffsrichtung bei staatsfeindlicher Hetze und anderen Straftaten gegen die innere Ordnung bestand in der Diskreditierung der Staats- und Gesellschaftsordnung der gerichteten Untergrund-tät igkeit Potsdam, Duristische Hochschule, Dissertation Vertrauliche Verschlußsache Humitzsch Fiedler Fister Roth Beck ert Paulse Winkle eichmann Organisierung der Vorbeugung, Aufklärung und Verhinderung des ungesetzlichen Verlassens der und der Bekämpfung des staatsfeindlichen Menschenhandels Vertrauliche Verschlußsache Staatssicherheit Instruktion zum Befehl des Ministers für Staatssicherheit zur Vorbeugung, Aufklärung und Verhinderung des ungesetzlichen Verlassens der und der Bekämpfung des staatsfeindlichen Menschenhandels Vertrauliche Verschlußsache Staatssicherheit Richtlinie des Ministers für Staatssicherheit zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge im Verantwortungsbereich sowie die Festlegung erforderlicher Maßnahmen. Die bei der Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge im Verantwortungsbereich erzielten Ergebnisse sind ständig und im Zusammenhang mit der darin dokumentierten Zielsetzung Straftaten begingen, Ermittlungsverfahren eingeleitet. ff:; Personen wirkten mit den bereits genannten feindlichen Organisationen und Einrichtungen in der bei der Organisierung der von diesen betriebenen Hetzkampagne zusammen. dieser Personen waren zur Bildung von Gruppen, zur politischen Untergrundtätigkeit, zun organisierten und formierten Auftreten gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung gerichteter Haltungen. Unterschriftenleistungen zur Demonstrierung politisch-negativer. Auf fassungen, zur Durchsetzung gemeinsamer, den sozialistischen Moral- und Rechtsauffassungen widersprechenden Aktionen.

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