Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit

Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Die Kurzbiographien der hauptamtlichen Mitarbeiter, die als Leitungspersonal von 1950 bis 1989 für das MfS tätig waren. Diese Publikation enthält 267 Kurzbiographien von Generalen und Obristen der obersten Leitungsebene des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in den vierzig Jahren seiner Existenz. Die Minister und ihre Stellvertreter, die Leiter der Länder- bzw. Bezirksverwaltungen des MfS sowie die Leiter der selbständigen Diensteinheiten (Hauptverwaltungen, Hauptabteilungen, selbständige Abteilungen und gleichgestellte Diensteinheiten) des MfS Berlin. Außerdem sind die Abteilungsleiter der Hauptverwaltung Aufklärung und die 1. Sekretäre der SED-Parteiorganisation im MfS Berlin aufgenommen. Es handelt sich somit zugleich um die obersten Nomenklaturkader der Staatssicherheit. Sie wurden vom Politbüro, von der Sicherheitskommission bzw. dem Nationalen Verteidigungsrat, vom Sekretariat oder der Abteilung für Sicherheitsfragen des SED-Zentralkomitees ausgewählt bzw. bestätigt.

Die leitenden Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gehörten zu den am meisten geheimnisumwitterten Führungskadern der DDR. Dann und wann rühmten Zeitschriften oder Bücher einige "Heldentaten" langgedienter Sicherheitsfunktionäre aus der Zeit des antifaschistischen Kampfes, oder das Neue Deutschland gedachte eines verstorbenen "leitenden Angehörigen der bewaffneten Organe", der sich um den Schutz der Republik verdient gemacht habe. Im Westen trugen ausdauernde Chronisten aus entlegenen Quellen Daten zusammen, die z. B. in Karl Wilhelm Frickes Standardwerken oder Günter Buchs fast schon legendären "Namen und Daten wichtiger Personen der DDR" dem interessierten Publikum zur Verfügung standen. Doch die strikte Geheimhaltung forderte ihren Preis: Karrieren führender "Kämpfer an der unsichtbaren Front" ließen sich — wenn überhaupt — nur lückenhaft und mit erheblicher Verspätung registrieren. Abgesehen vom Minister und seinen Stellvertretern blieben die Lebenswege der meisten Spitzenfunktionäre der Staatssicherheit weitgehend im dunkeln.
Nach 1989 erschienen mehrere biographische Nachschlagewerke zur DDR-Geschichte, die allerdings nur zum Teil auf die nun zugänglichen Archivquellen zurückgriffen. Die darin enthaltenen Lebensläufe von Angehörigen der MfS-Führungselite konnten noch nicht alle Erwartungen erfüllen, vor allem blieb die eigentliche Karriere im MfS-Apparat meist recht schemenhaft. Und die Auswahl der berücksichtigten Funktionäre folgte kaum nachvollziehbaren Kriterien. Im Vergleich zu den Führungsetagen anderer Zweige des politischen Systems klaffte weiterhin eine empfindliche Lücke, die um so spürbarer wurde, je mehr Informationen über die Taten des MfS ans Tageslicht befördert werden konnten.
Die vorliegende Sammlung sollte diese Lücke schließen und der interessierten Öffentlichkeit sowie dem wissenschaftlichen Fachpublikum als Handreichung dienen, um sich über die Lebenswege, die Karriereverläufe und die Führungsfunktionen der leitenden Offiziere des Ministeriums für Staatssicherheit zu orientieren.


Jens Gieseke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, BStU (Hrsg.), Abteilung Bildung und Forschung, Berlin 1998.