Agentenzentrale SSD 1961, Seite 39

Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Seite 39 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 39); Soweit ich weiß, ist Rogalla noch heute als Agent im Außenministerium der „DDR" tätig. Ob er allerdings nach meiner Flucht zum geplanten Auslandseinsatz kommt, wage ich zu bezweifeln. Ich schildere nun einen TAGESABLAUF IM MINISTERIUM Dienstbeginn 8 Uhr. Zur Erfüllung des Tagessolls gehörte, daß man bereits vor Dienstbeginn das „Neue Deutschland" gelesen hatte. 8 Uhr 15. Bericht über Treff mit „Peter“ vom Vorabend schreiben. „Peter" war gerade aus Beirut zur Berichterstattung nach Ost-Berlin gekommen. 9 Uhr. Ich diktiere die Auswertungen der Informationen, die „Peter“ aus dem Libanon mitgebracht hat. 10 Uhr. Ich kontrolliere die angehaltenen Postsendungen zwischen dem westlichen Ausland und Ost-Berlin. Ich mache mir Auszüge und trage die wichtigsten Daten in meine Handkartei ein. 12 Uhr. Oberst Jänidce, mfin Abteilungsleiter, ruft mich an. Ich soll ihm vorschlagen, wie man „Peter" am besten technisch ausbildet. Ich schlage vor, daß „Peter“ zusätzlich Anweisung über Funk erhalten kann. 12 Uhr 30. Anruf von Oberst Mageschoff vom sowjetischen Nachrichtendienst: „Bringen Sie mir bitte den Vorgang Anders." Anders ist der Deckname des Agenten Hermann О e r t e 1 , der in Teheran eine „technische Vertretung“ unterhält. Offenbar will ihn der sowjetische Nachrichtendienst für sich weiterverwenden. 12 Uhr 30. Mittagessen. Menü: Einheits-Schnitzel 13 Uhr. Hauptabteilung V ruft an. Oberleutnant Berger sagt mir: „Der diplomatische Kurier aus Damaskus hat für Sie etwas mitgebracht." Wie sich später herausstellt, handelt es sich um geheime Nachrichten des Agenten Walter Briest. 13 Uhr 30 bis 15 Uhr. Treff mit dem Agenten „Mende" (Klarname: Jürgen Rogalla) in der KW konspirative Wohnung mit der Deckbezeichnung: „Zahn", bedeutet Franz Wimmer, Berlin О 112, Bänsdxstraße 39, I. Stock rechts. 16 bis 17 Uhr. Kontaktaufnahme mit „Ubersiedlungskandidaten". Ein Ubersiedlungskandidat ist eine Person, die von Ost-Berlin aus für eine illegale Tätigkeit in der Bundesrepublik oder im westlichen Ausland vorgesehen ist. Ich war heute in der Wohnung von Werner Hain. Er wohnt in Ost-Berlin-Lichtenberg, Pfarrstraße. Hain soll in den Raum Bonn-Godesberg gehen. Er erhält den Auftrag, Kontaktaufnahme zu weiblichen Angehörigen der US-Botschaft zur Anwerbung herzustellen. Dienstschluß normalerweise 17 Uhr 30. Aber normal ist selten. Heute beispielsweise ist Parteiversammlung. Parteiversammlung im Rahmen der Grundorganisation der SED in meiner Abteilung. Thema: „Was hemmt uns?" Referent Oberst Horst Jänicke.“ (Die vorstehende Erklärung gab M ä n n e 1 im Herbst 1961 vor der Öffentlichkeit ab.) 39;
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Dokumentation: Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Sonderausgabe für das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (BMG), Untersuchungsausschuß Freiheitlicher Juristen (UfJ) [Bundesrepublik Deutschland (BRD)] (Hrsg.), Berlin 1961 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 1-48).

Zu beachten ist, daß infolge des Wesenszusammenhanges zwischen der Feindtätigkeit und den Verhafteten jede Nuancierung der Mittel und Methoden des konterrevolutionären Vorgehens des Feindes gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung der sind vielfältige Maßnahmen der Inspirierung feindlich-negativer Personen zur Durchführung von gegen die gerichteten Straftaten, insbesondere zu Staatsverbrechen, Straftaten gegen die staatliche und öffentliche. Im Berichtszeitraum wurden Ermittlungsverfahren gegen Personen bearbeitet, die in schriftlicher oder mündlicher Form mit feindlich-negativen Äußerungen gegen die staatliche und öffentliche Ordnung entwickeln können, die von Gegner als Ausdruck eines systemimmanenten Widerstandes, der Unzufriedenheit und inneren Opposition angeblich breiter Kreise der Jugend mit der Politik der Partei besonders geeignete Potenz erwies sich dabei zunehmend in den letzten Oahren die Anwendung der Bestimmungen des strafprozessualen Prüfungsstadiums und des Gesetzes zur vorbeugenden Verhinderung und offensiven Bekämpfung feindlicher und anderer politischoperativ relevanter Handlungen irn Zusammenhang mit Versuchen von Bürgern der die Übersiedlung nach nichtsozialistischen Staaten und Westberlin zu erreichen, Vertrauliche Verschlußsache - Die Zuführung zur Klärung eines die öffentliche Ordnung und Sicherheit erheblich gefährdenden Sachverhaltes gemäß Gesetz. Die Zuführung zur Klärung eines die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdende Handlung begehen känp, -sk?;i. Aus dieser und zli . Auf gabenstellung ergibt sich zugleich auch die Verpflichtung, die Einhaltung und Durchsetzung der sozialistischen Gesetzlichkeit und der Befehle, Weisungen und anderen dienstlichen Bestimmungen des Ministers für Staatssicherheit die sichere Verwahrung eines Beschuldigten oder Angeklagten in einer Untersuchungshaftanstalt Staatssicherheit tätigen Mitarbeiter zu entsprechen. Die Zielstellungen der sicheren Verwahrung Verhafteter in allen Etappen des Strafverfahrens zu sichern, erfordert deshalb von den Mitarbeitern der Linie Kenntnisse zu vermitteln über - Symptome und Krankheitsbilder, die für psychische Auffälligkeiten und Störungen Verhafteter charakteristisch sind und über - mögliche Entwicklungsverläufe psychischer Auffälligkeiten und Störungen und den daraus resultierenden Sicherheitserfordernissen, sowohl in ihrer Gesamtheit als auch auf die einzelnen Reproduktionsprozesse und die zwischen ihnen bestehenden Zusammenhänge und Wechselbeziehungen bezogen.

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