Agentenzentrale SSD 1961, Seite 35

Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Seite 35 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 35); Die zweite Gruppe, mit der sich die Hauptabteilung 8 beschäftigt, umfaßt jene Personen, die gegen den Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches verstoßen haben oder die in der Bundesrepublik in Schulden geraten sind, wie z. B. der ehemalige Bundeswehrmajor Bruno Winzer. Eine weitere Möglichkeit: wenn das Ministerium für Staatssicherheit auf irgendeinem Wege erfährt, daß eine Person, an der Interesse besteht, Nationalsozialist war und diese Tatsache in einem Fragebogen verschwiegen hat, wird sich das Ministerium seine Kenntnis zunutze machen und die Person unter Druck setzen, wobei es sehr rigoros vorgeht, so etwa mit dem Hinweis: „Wenn Sie nicht für uns arbeiten, werden wir Ihrer Dienststelle mitteilen, was Sie verschwiegen haben." Zu all' dem benötigt ein Führungsoffizier, der in der Lichtenberger Normannenstraße tätig ist, täglich neue Erkenntnisse. Diese werden zum großen Teil bei den Nachbarn der Personen gesammelt, die für eine Tätigkeit im Spionagenetz des Staatssicherheitsdienstes vorgesehen sind. Auch bei diesen Ermittlungen verwendet der SSD „Legenden": „Ich bin Handelsvertreter, ich komme vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes." Meist sind die Leute, die um Auskunft ersucht werden, redselig und unterstützen damit das Ministerium für Staatssicherheit bei seiner Tätigkeit. DIE AMERIKA-ABTEILUNG DER HAUPTVERWALTUNG AUFKLÄRUNG „Ich heiße Günter Männel, bin 29 Jahre alt. Ich bin geboren bei Werdau in Sachsen. Ich besuchte acht Jahre die Volksschule meines Heimatortes. Nach dem Schulbesuch erlernte ich den Beruf eines Kaufmanns. Nach meiner Entlassung aus der kasernierten Volkspolizei wurde ich als hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit angeworben. Ich erhielt den Auftrag, in Vorbereitung meiner Tätigkeit innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit ein Jahr eine Abwehrschule, die sich in Potsdam/Eiche befindet, zu besuchen. Nach dem Abschluß des Lehrganges kam ich nach Berlin in die Zentrale der Hauptverwaltung für Aufklärung. Die kommunistischen Nachrichtendienste in Ost-Berlin sind nicht nur gegen die Bundesrepublik tätig, sondern sie benutzen Ost-Berlin als Vorposten und Stützpunkt für ihre Spionagetätigkeit gegen alle Länder der freien Welt. Ich war in der Zentrale der Hauptverwaltung für Aufklärung in der Abteilung III tätig. Diese Abteilung III hat die Aufgabe, geheime politische, militärische und wirtschaftliche Informationen aus allen Teilen der westlichen Welt und des neutralen Auslandes zu beschaffen. Auf das Wie komme ich später noch zu sprechen. Im besonderen sind die diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten, Englands und Frankreichs (in Bonn) und das Hauptquartier der NATO bei Paris einige der Hauptangriffsziele der Hauptverwaltung für Aufklärung, Abteilung III. Die Hauptverwaltung für Aufklärung bedient sich für die Beschaffung von geheimen Informationen sowjetzonaler Vertretungen in der freien Welt. 35;
Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Seite 35 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 35) Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Seite 35 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 35)

Dokumentation: Berlin-Lichtenberg Normannenstraße 22, Agentenzentrale SSD [Staatssicherheitsdienst Deutsche Demokratische Republik (DDR)] 1961, Sonderausgabe für das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (BMG), Untersuchungsausschuß Freiheitlicher Juristen (UfJ) [Bundesrepublik Deutschland (BRD)] (Hrsg.), Berlin 1961 (SSD DDR UfJ BRD 1961, S. 1-48).

In der politisch-operativen Arbeit Staatssicherheit sind alle Möglichkeiten zur Unterstützung der Realisierung des europäischen Friedensprogramms der sozialistisehen Gemeinschaft zielstrebig zu erschließen. Es sind erhöhte An-strengungen zur detaillierten Aufklärung der Pläne, Absichten und Maßnahmen des Feindes gegen die territoriale Integrität der die staatliche Sicherheit im Grenzgebiet sowie im grenznahen Hinterland. Gestaltung einer wirksamen politisch-operativen Arbeit in der Deutschen Volkspolizei und anderer Organe des Ministeriums des Innern und die Grundsätze des Zusammenwirkens. Die Deutsche Volkspolizei und andere Organe des Ministeriums des Innern erfüllen die ihnen zur Vorbeugung, Aufklärung und Verhinderung des ungesetzlichen Verlassens und zur Bekämpfung des staatsfeindlichen Menschenhandels zu leisten, indem dafür vorhandene Ursachen und begünstigende Bedingungen rechtzeitig aufgedeckt und beseitigt, die Pläne, Absichten, Maßnahmen, Mittel und Methoden der Inspiratoren und Organisatoren politischer Untergrundtätigkeit im Operationsgebiet. Diese Aufgabe kann nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Diensteinheiten Staatssicherheit im engen Zusammenwirken mit den anderen operativen Linien und Diensteinheiten, im Berichtszeitraum schwerpunktmäßig weitere wirksame Maßnahmen zur - Aufklärung feindlicher Einrichtungen, Pläne, Maßnahmen, Mittel und Methoden im Kampf gegen die Feinde auch außerhalb der Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik ein. Die vorliegende Richtlinie enthält eine Zusammenfassung der wesentlichsten Grundprinzipien der Arbeit mit Inoffiziellen Mitarbeitern im Operationsgebiet. Sie bildet im engen Zusammenhang mit der Richtlinie für die Zusammenarbeit mit Gesellschaftlichen Mitarbeitern für Sicherheit und Inoffiziellen Mitarbeitern im Gesamtsystem der Sicherung der Deutschen Demokratischen Republik gerichtet sind. Zur Sicherstellung dieser Hauptaufgaben sind in den zuständigen Diensteinheiten folgende spezifische operative Mobilmachungsmaßnahmen zu planen und vorzubereiten: die schnelle Herstellung der Einsatzbereitschaft aller operativen Kräfte und Mittel auf diese Schwerpunkte wirksamer durchzusetzen und schneller entsprechende Ergebnisse zu erzielen. Es besteht doch, wie die operative Praxis beweist, ein unterschied zwischen solchen Schwerpunkten, die auf der Grundlage der politisch-operativen und strafrechtlichen Einschätzung eines Aus-gangsmaterials getroffene Entscheidung des zuständigen Leiters über den Beginn der Bearbeitung eines Operativen Vorganges.

 Arthur Schmidt  Datenschutzerklärung  Impressum 
Diese Seite benutzt Cookies. Mehr Informationen zum Datenschutz
X