Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik







Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit des Ministeriums für Staatssicherheit

Kreisdienststellen der Bezirksverwaltungen

 

Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit

 

Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit

Untersuchungsorgan des Ministeriums für Staatssicherheit

Untersuchungshaftvollzugsorgan des Ministeriums für Staatssicherheit

Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit

Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit

Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit

 

Entwicklungsgeschichte des Ministeriums für Staatssicherheit







Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit der Zentrale in Berlin wurde von 1957 bis 1989 durch Erich Mielke als Minister für Staatssicherheit der DDR geleitet.

Armeegeneral Erich Mielke hatte 1989 in seiner Funktion als Minister vier Stellvertretende Minister für Staatssicherheit in Berlin. Generaloberst Rudi Mittig, Generalleutnant Wolfgang Schwanitz, Generalleutnant Gerhard Neiber und Generaloberst Werner Großmann. Sie bildeten die Zentrale Leitung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin.

Unter ihrer Leitung gliederte sich die Zentrale des MfS in 13 Hauptabteilungen und 20 selbständige Abteilungen, ferner in mehrere zentrale Arbeitsgruppen, Stäbe und Verwaltungen sowie nicht zuletzt in die Hauptverwaltung Aufklärung. Ein Kollegium des Ministeriums für Staatssicherheit, in dem Grundsatzentscheidungen beraten wurden, trat mehrmals im Jahr zusammen. Außer dem Minister und seinen Stellvertretern gehörten ihm der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED im MfS an, eine Reihe von Hauptabteilungsleitem und die Leiter wichtiger Bezirksverwaltungen. Allerdings haben sich Bedeutung und Einfluß des Kollegiums in den achtziger Jahren deutlich verringert. Mielke neigte mehr und mehr zu einem autoritären Führungsstil.

Räumlich verteilte sich die Zentrale der Staatssicherheit auf mehrere große Gebäudekomplexe im Osten Berlins und eine Reihe von Außenobjekten. Die ursprüngliche, bis zuletzt gebräuchliche Dienstanschrift Normannenstraße 22 in Berlin-Lichtenberg war schon in den frühen sechziger Jahren mit dem Sitz des MfS nicht mehr identisch gewesen. Im 40. Jahr seiner Existenz okkupierte das Ministerium für Staatssicherheit mit seinen Bürohochhäusern und umfunktionierten Wohnblocks ein Areal in Berlin-Lichtenberg, das sich über mehrere Quadratkilometer von der Frankfurter Allee bis zur Gotlindestraße erstreckte, flankiert von der Magdalenenstraße und der Ruschestraße. Etwa zwei Dutzend triste, zum Teil in Großbauplattenweise errichtete Verwaltungsgebäude, die schon durch ihre abstoßende Architektur den menschenfeindlichen Charakter der sie beherbergenden Institution vor Augen führten, optisch überwacht durch schwenkbare Fernsehkameras, bildeten nun den Hauptsitz des MfS. Der Minister und seine Stellvertreter hatten hier ihre Büros. Insgesamt umfaßte allein dieser Komplex rund 3000 Verwaltungsräume und Versorgungseinrichtungen. Weitere Gebäudekomplexe unterhielt das MfS in Berlin-Hohenschönhausen, so in der Freienwalder Straße, in der Roedernstraße und in der Großen Leegestraße, wo sich das Zentrale Untersuchungsgefängnis des MfS befand, ferner in Berlin Niederschöneweide und in Berlin-Johannistal. Großobjekte existierten ferner in Gosen, in Potsdam-Eiche und der Wuhlheide. Alles in allem verfügte das MfS im Raum Berlin über etwa 650 Dienstobjekte unterschiedlicher Zweckbestimmung, in denen rund 33 000 hauptamtliche Mitarbeiter zentraler Struktureinheiten ihren Dienst taten.

Von der Zuständigkeit her waren im Apparat des MfS dem Minister und seinen vier Stellvertretern jeweils bestimmte Hauptabteilungen, selbständige Abteilungen, Arbeitsgruppen, Stäbe und Verwaltungen verantwortlich zugeordnet.







Aus der ungewöhnlichen Breite und Tiefe der Aufgaben, die sich das Ministerium für Staatssicherheit nach und nach aneignete, und der Tiefe des Eindringens in weite Bereiche der Gesellschaft, resultierte die außerordentlich starke Stellung und Bedeutung als Teil der SED-Diktatur in der DDR. Das MfS, innerhalb des Macht- und Herrschaftssystems der SED-Diktatur hat sich in den verschiedenen Phasen der Innen- und Außenpolitisch sowie ökonomisch stattgefundenen Veränderungen in ihrer Entwicklungsgeschichte zu einer der zentral tragenden Säulen im Parteiapparat der SED zunehmend zum Repressionsinstrument der Machtsicherung und Unterdrückung in der DDR entwickelt.


Die dazu erforderlichen Strukturen und der Umfang wurde im Laufe der Jahre von der Stasi immer weiter ausgebaut. So verfügte die Stasi Ende 1989 über 91.000 Mitarbeiter und etwa 189.000 geführte IM in einem durch die Zentrale militärisch organisiertem Liniensystem, über das eine nahezu lückenlose Kontrolle und der Zugriff auf alle wichtigen staatlichen Institutionen mit dem gleichzeitigem Durchdringen der Bereiche des Lebens in der DDR erreicht wurde. Die Staatssicherheit hatte dazu gleichzeitig die faktischen Befugnisse von Polizei und Justiz, so dass jederzeit eigene Kontrollen, Ermittlungsverfahren, Verhaftungen und Inhaftierungen vorgenommen werden konnten. Die ebenfalls zentral durch die SED geführte Justiz der DDR folgte im Regelbetrieb wiederum den Vorgaben der Stasi. Eine parlamentarische Kontrolle oder andere forderbare Rechte gegenüber dem Wirken der Stasi außerhalb des SED-Machtapparates gab es nicht.


Bereiche wie Recht, Wirtschaft, Wissenschaft oder auch der polizeilichen Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, die ohnehin durch den Primat der SED-Politik ihrer Unabhängigkeit verloren hatten, durchsetzte die Staatssicherheit mit ihrer Suche nach allgegenwärtigen Sicherheitsrisiken durch angenommene Feindeinflüsse von Innen und Außen. Die Zentrale der Stasi in Berlin brachte es alleine am Ende 1989 auf 60 Diensteinheiten, die als Linien direkt dem Minister Erich Mielke oder von einem seiner 4 stellvertretenden Minister als Hauptabteilung (HA), Abteilung (Abt.) oder Gruppe unterstanden. Die meisten dieser Linien waren entsprechend in den 15 Bezirksverwaltungen (BV) für Staatssicherheit (BVfS) und 209 Kreisdienststellen (KD) mit Abteilungen, Referaten oder einzelnen Mitarbeitern vertreten.

Für geheimdienstliche Kernaufgaben standen die Linien der Auslandsspionage (HV A), die Militärspionageabwehr (HA I) , die zivile Spionageabwehr (HA II) und die Funkaufklärung/abwehr (HA III) zu Verfügung. Diese Linien und Dienstzweige waren nicht als "reine" Nachrichtendienste ausgelegt, sondern nahmen gleichzeitig auch innere Überwachungsfunktionen wahr. Dazu kamen Linien für Routineaufgaben zum Geheimnisschutz. Die Zentrale Arbeitsgruppe Geheimnisschutz (ZAGG), der Chiffrierdienst (HA XI) und die Abteilung für die Regierungsnachrichtenverbindungen (Abt. N). Von besonderer Bedeutung war die Arbeitsgruppe Bereich Kommerzielle Koordinierung (BKK / KOKO) für den Waffen- und Embargowarenhandel sowie den Devisengeschäften der DDR.

Der geheimpolizeilich betriebene Staatsschutz war von absolut zentraler Bedeutung. Da es keine wirkliche Trennung zwischen Nachrichtendienst und Polizei gab, führte das Ministerium für Staatssicherheit in Selbstregie Verhaftungen und Observationen (HA VIII), strafprozessuale Untersuchungen (HA IX) durch und verfügte zum Untersuchungshaft- und Strafvollzug (Abt. XIV) über eigene sowie beaufsichtigte Untersuchungs- und Haftanstalten. Die "operative" Hauptlast der inneren Überwachung lag bei den zuständigen Hauptabteilungen für die Volkswirtschaft (HA XVIII), Verkehr / Post / Infrastruktur (HA XIX) und zur Überwachung Staatsapparat / Kirchen / Kunst / Kultur / politischer Untergrund die(HA XX). Hinzu kam die Zentrale Koordinierungsgruppe für Flucht und Übersiedlung (ZKG). Zu diesen Überwachungsdienststellen gehörte auch die Hauptabteilung (HA VII) die den gesamten Bereich des Innenministeriums einschließlich der Volkspolizei selbst kontrollierte. Gerade diese Linien verfügten in ihrer nach innen ausgerichteten Überwachungsfunktion über eine starke Präsenz in den Bezirken und Kreisen der DDR.

Mehrere Linien waren auf Formen des bewaffneten Kampfes spezialisiert, vorwiegend für den Kriegs und inneren Spannungsfall. Hierzu zählt das (Wachregiment) Feliks E. Dzierzysnki mit über 11.000 Soldaten. Zur Terrorabwehr mit eigenen paramilitärischen Spezialeinheiten für Sabotageakte und Terroranschläge im Hinterland möglicher Kriegsgegner war die (HA XXII) zuständig. Eine eigene Arbeitsgruppe des Ministers sorgte für Schutzraumbau und Mobilmachungsvorbereitungen (AGM).

Ursprünglich klassische Polizeiaufgaben übernahmen die Hauptabteilungen Personenschutz (HA PS), die (HA VI) für die Paßkontrollen und der Kontrolle des Tourismus und die (Abt. XVII) mit den Besucherbüros für Einreiseanträge in Westberlin. Als technische Hilfsdienste für alle Diensteinheiten fungierten die Telefonüberwachung, die Postkontrolle, der Operativ-technische Sektor und die Abteilung Bewaffnung/Chemischer Dienst (BCD). Stabsaufgaben hatten vor allem die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) sowie eine Vielzahl weiterer Einheiten (Sekretariate des Ministers und seiner Stellvertreter, Büro der Leitung, Abteilung Internationale Beziehungen, Zentraler Speicher, Rechenzentrum, Rechtsstelle, Zentraler Operativstab). Dahinter hatte sich eine gewaltige "rückwärtige" Bürokratie aus Diensteinheiten für allgemeine Verwaltung, Finanzen, Kader und Schulung (einschließlich Medizinischem Dienst und hauseigener Hochschule ) und SED-Parteiorganisation entwickelt.







Vgl. Karl Wilhelm Fricke, MfS intern, Macht, Strukturen, Auflösung der DDR-Staatssicherheit, Analyse und Dokumentation, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1991. S. 22-27.



das schaubild