Die Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Bezirk Suhl.










Die UHA der BV des MfS im DDR-Bezirk Suhl befand sich nahe dem Stadtzentrum in der Neundorfer Straße 12. Die sich im Stadtgebiet von Suhl unweit der Bezirksverwaltung (BV) des MfS befindliche UHA wurde durch die für den Untersuchungshaft- und Haftvollzug verantwortliche Abteilung XIV unter der Leitung von Oberstleutnant (OSL) Manfred Schleicher mit 54 hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS betrieben. Gleichzeitig befand sich in der UHA unter der Leitung von OSL Peter Thiele der Dienstsitz der Untersuchungs- und Ermittlungsabteilung IX der BV des MfS in Suhl mit weiteren 35 Mitarbeitern. In den 26 Zellen der UHA konnten 54 Untersuchungshäftlinge sowie 20 Strafgefangene aus dem Strafgefangenenarbeitskommando (SDAK) vom MfS inhaftiert werden.



Die von 1953 bis 1989 durch das MfS betriebene Untersuchungshaftanstalt befand sich in einem Gefängnis, das bereits 1860 nach einer Bauzeit von drei Jahren als preußisches Amtsgerichtsgefängnis für die Inhaftierung von 20 bis 40 Gefangenen errichtet worden war. Während der Zeit des Nationalsozialismus saßen in Suhl vorwiegend Gestapo-Häftlinge ein, die aufgrund der „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat“ von 1933 wegen kommunistischer Tätigkeit inhaftiert wurden. Ab 1933 kann eine ständige Zunahme von Häftlingszahlen vermerkt werden. Mit Ende der nationalsozialistischen Diktatur übernahmen zunächst die amerikanischen Truppen das Gelände und befreiten damit alle noch inhaftierten Personen. Die Urteile, die noch unter der Diktatur gefällt worden waren, wurden ausgesetzt und nicht vollzogen. Am 3. Juli 1945 übernahm die Rote Armee den Gebäudekomplex und errichtete dort ein Sammellager für zirka jeweils 80-100 Personen, die nach ihrer Verurteilung durch das SMT, das sich im Keller des Gebäudes befand, nach Buchenwald 2 ins Speziallager abtransportiert wurden.

1947 stand das Gebäude in der Krämerstaße 38 zeitweise leer, da die Räumlichkeiten der Haftanstalt nicht zur weiteren Nutzung geeignet waren. Nach der Übertragung der Haftanstalt auf die thüringische Justiz wurden im selben Jahr dann doch noch Häftlinge in Suhl eingesperrt. Ab 1952 nutzte zunächst das MdI die Haftanstalt, übertrug die Befehligung dann aber im Jahr 1953 dem MfS.

21 Zellen standen in Benutzung. Fünf Freigangzellen wurden bei Umbaumaßnahmen im Jahr 60er Jahren mit einer Größe von zirka 16-20 Quadratmetern.

Heute befindet sich im ehemaligen Gefängnis das Stadtarchiv von Suhl.




Das im Jahr 1859 fertig gestellte Gerichtsgefängnis wurde ein Jahr später eingeweiht und mit zu Beginn nur wenigen Gefangenen belegt. Zirka 20 bis 40 Gefangene fanden zunächst Platz im Gebäude. Ziemlich sicher ist heute, dass ein Teil der Gefangenen im Gefängnis selbst beschäftigt waren, allerdings kann heute nicht mehr gesagt werden, welchen Tätigkeiten genau sie folgten.1 Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 unterlag das Amtsgericht Suhl fortan dem Landgericht Meiningen, weshalb ab 1879 auch Sträflinge aus den umliegenden Kreisen nach Suhl verbracht wurden.

Die Gründung des Deutschen Reichs brachte aber noch weitere Veränderungen für die Haftanstalt Suhl mit sich. Waren in den vorigen Jahren vor allem Gemeinschaftszellen im Gefängnis vorhanden, sollten die Häftlinge nun in Einzelzellen untergebracht werden, was zur Folge hatte, dass bauliche Veränderungen an der Haftanstalt vorgenommen werden mussten.

Bis 1933 war das Gefängnis vorwiegend für Strafgefangene verwendet worden, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten jedoch saßen überwiegend politisch missliebige Personen, vor allem Kommunisten in Suhl ein. Die „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat“, die 1933 von Hindenburg verabschiedet wurde, ermögliche nun, politische Gegner der Nationalsozialisten zu inhaftieren. Seit März des Jahres 1933 stieg die Zahl der Inhaftierten deutlich an. Damit einher gehend sollte das Gefängnis weiter ausgebaut werden, um der enormen Anzahl an Häftlingen gerecht zu werden. 21 Maßnahmen sollten umgesetzt werden, um das Gefängnis zu modernisieren.2 1936 wurden umfangreiche Baumaßnahmen am Gebäude durchgeführt. Die normale Belegungsfähigkeit dieser Zeit lag bei 84 Personen, wovon 82 Männer und zwei Frauen gezählt werden können.3 Ab 1938 kann eine rückläufige Häftlingsbelegung festgehalten werden. Ab 1940 wurden wieder steigende Häftlingszahlen registriert.

1945 übernahm zunächst die amerikanische Armee für wenige Monate den Komplex, ehe sie ihn im Zuge der Umsetzung der Potsdamer Konferenz Kriterien an die Rote Armee abtreten musste. Fortan saßen hier Gefangene der russischen Geheimpolizei (GPU) ein. Zirka 80-100 Personen, so Schätzungen zu folge, saßen in dieser Zeit in der Haftanstalt ein. Allerdings diente Suhl in jener Zeit vor allem als Sammellager, denn die Häftlinge wurden zumeist nach ihrer Verurteilung durch das SMT, das sich im Keller des Gebäudes befand, nach Buchenwald in das Speziallager 2 verbracht. 1947 verzichtete die sowjetische Polizei auf die weitere Nutzung des Gefängnisses, sodass dieses im selben Jahr an die thüringische Justiz übergeben wurde. Zunächst wurden aber Umbaumaßnahmen durchgeführt, sodass im November 1947 das Gebäude wieder in Betrieb genommen werden konnte und mit 15 Gefangenen belegt wurde. Mit der Auflösung der Länder und der Einführung der Bezirke wurde das Suhler Gefängnis dem MdI übergeben, ab 1953 war das MfS Rechtsträger der Haftanstalt. Bis 1989 saßen hier vor allem politische Gegner der DDR ein, allerdings kann auch ein Strafgefangegenarbeitskommando nachgewiesen werden.


1 Vgl. Das Suhler Stadtgefängnis 1860-1989, in: Kleine Suhler Reihe, 20, 2007, S. 16.
2 Vgl. ebd. S. 32.
3 Vgl. ebd. S. 36.





Über die Haftbedingungen der Insassen der 40er und 50er Jahre kann heute keine verlässliche Aussage getroffen werden. Zahlreiche Unterlagen der damaligen Zeit wurden vernichtet oder existieren aus anderen Gründen heute nicht mehr. Es können allerdings detaillierte Aussagen getroffen werden, wie viele Personen in der UHA des MfS einsaßen, die Gründe ihrer Haft sowie ihre soziale Stellung. Ab 1968 konnte die Anzahl der Häftlinge korrekt erfasst werden. Daraus ergibt sich, dass zwischen 1968 und 1989 1218 Personen in Suhl inhaftiert waren. In 1195 Fällen konnte man die Häftlinge identifizieren. 960 Männer und 235 Frauen saßen ein, davon betrug die Untersuchungshaftzeit der Männer zirka sechs Monate, die Haftzeit der Frauen lag bei zwischen sechs und acht Monaten. Die größte Gruppe der inhaftierten Personen stellten junge Männer, im Alter zwischen 19 und 22 Jahren. Durchschnittlich war jeder Häftling bei seiner Verhaftung 28,6 Jahre alt, was ebenfalls darauf hindeutet, dass ein Großteil der UHA-Häftlinge in jungen Jahren inhaftiert wurden.1 Das durchschnittliche Alter der Frauen lag bei 30,6 Jahren. Die Haftzeit der 32-44-jährigen Häftlinge in der UHA war durchschnittlich am längsten (sieben bis14 Monate), wohin gegen jugendliche Untersuchungshäftlinge zirka drei Monate in der Suhler UHA verbrachten.

Die größte Gruppe der Inhaftierten stellten Personen, die wegen illegalen Grenzübertritts (Republikflucht) verhaftet wurden. Zwischen 1968 und 1989 waren das 452 Personen. 168 Personen wurden der „staatsfeindlichen Hetze“, gemäß § 106 des Strafgesetzbuches der DDR inhaftiert. Ein ebenfalls großer Anteil der Inhaftierten, insgesamt 160 Personen, waren wegen Untreue oder Betrug zum Nachteil sozialistischen Eigentums inhaftiert. Die Gründe für Inhaftierungen gingen jedoch weit über politisch motivierte Gesetzesübertretungen hinaus.2

Der Haftalltag ähnelte sich dem in anderen UHA. Ehemalige Insassen der 80er Jahre der UHA Suhl schildern ihre Erlebnisse unterschiedlich. Lediglich kann man bei allen Internierten gleichermaßen nachvollziehen, dass Vernehmungen durch Mitarbeiter des MfS vor allem in der Nacht zu erfolgen hatten. Ebenfalls berichteten alle ehemaligen Häftlinge, dass die Behandlung durch den Vernehmer und auch die sonstigen Umstände ihrer Haft einzig dazu dienten, die Identität des Häftlings zu brechen, das Selbstbewusstsein zu zerstören und ihn vollkommen zu isolieren. Für Suhl war letzteres jedoch im Vergleich zu anderen UHA besonders problematisch. Die Haftanstalt war vergleichsweise klein, häufige Umbaumaßnahmen zwangen die Abteilung IX und XIV dazu, in ihrer Arbeit zu improvisieren. Hierfür ein Beispiel: „Die Anstalt hat 19 Verwahrräume, von denen 13 lediglich mit zwei Personen belegt werden können. Die übrigen 6 Zellen sind für die Belegung mit maximal 4-5 Häftlingen geeignet. Infolge dieser geringen Zellenkapazität, die auch durch Baumaßnahmen nicht zu vergrößern ist, ist die Anstalt selbst bei geringstem Arbeitsanfall ständig ausgelastet bzw. überbelegt. Eine vollständige Trennung zwischen den Räumen des Arbeitskommandos der UHA und den Zellen der Inhaftierten ist aus Raummangel nicht möglich, was zur Folge hat, dass die im Arbeitskommando tätigen Strafgefangenen sehr leicht Verbindung zu einsitzenden U-Häftlingen aufnehmen können. Die geringe Zellenkapazität lässt überdies nicht nur schwer zu, dass größere Gruppenvorgänge, wie sie in den letzten 5 Jahren ständig anfielen, zielstrebig bearbeitet werden können, da nicht zu verhindern ist, dass bei den wenigen Zellen Beschuldigte eines Vorgangs unmittelbar nebeneinander untergebracht werden müssen und dadurch ständige Klopfverbindungen, die sich negativ auf die Aussagebereitschaft auswirken, hergestellt werden.“3

Die Methode, wie sie in anderen UHA stattgefunden hatte, den Häftling glauben zu lassen, er sei in dem großen Gefängnis weitestgehend auf sich alleine gestellt, konnte in Suhl folglich nicht umgesetzt werden. Zudem bestand hier noch ein weiteres Problem für das MfS, dass sich aus der geringen Größe der UHA speiste: „Es muss darüber hinaus festgestellt werden, dass die Arbeitsmöglichkeiten (…) für die Mitarbeiter (…) sehr beschränkt und infolge fehlender Möglichkeiten auch nicht erweiterungsfähig sind. (…) Das hat zur Folge, dass nur immer ein Teil der Untersuchungsführer Vernehmerarbeit leisten können, die Zimmer ständig gewechselt werden müssen und die zu bearbeitenden Beschuldigten innerhalb kürzester Zeit die gesamte Anstalt kennen lernen.“4

Der Alltag der Häftlinge sah, geht man davon aus, dass sich der Alltag in Suhl dem anderer UHA ähnlich war, wie folgt aus:

Um 5.30 Uhr wurde der Insasse geweckt, musste sofort die Fenster öffnen und im Anschluss die Zelle reinigen. Zwischen 5.50 Uhr – 6.45 Uhr wurde die Morgentoilette verrichtet, sowie der Notdurftkübel geleert. Direkt im Anschluss hatte der Häftling die Möglichkeit, sich krank zu melden oder gegebenenfalls Beschwerden vorzutragen. Zwischen 7.00 Uhr – 7.30 Uhr gab es Frühstück. Ab 8 Uhr begannen die Vernehmungen. Erfolgte keine Vernehmung, hatten die Häftlinge sogenannte „Freistunden“, die allerdings in strengster Isolation stattfanden. Ab 12.45 Uhr gab es Mittagessen. Dies wurde durch die an der Tür angebrachte große Klappe gereicht. Zwischen 16.45 Uhr – 17.15 Uhr wurde das Abendbrot gereicht, ab 21 Uhr war Bettruhe. Der Freigang für die Untersuchungshäftlinge fand regelmäßig in den dafür errichteten Freigangzellen statt, die eine Größe von zirka 16-20 Quadratmetern hatten.5

Wie in anderen UHA war auch in Suhl eine Rot-Grün-Regelung vorhanden, die den Zweck hatte, zu verhindern, dass sich Häftlinge auf dem Weg zum Verhör in den Gängen des Gefängnisses begegneten. Kam dies dennoch vor, waren auf dem Boden weiße Striche markiert, auf die sich der Häftling mit dem Gesicht zur Wand zu stellen hatte. Erst wenn der andere Häftling mit seinem Wärter den Gang passiert hatte, durfte sich der Häftling wieder rühren und seinen Weg zum Vernehmerzimmer fortsetzen. Die Ausstattung der Zellen war spartanisch. Lediglich eine Holzpritsche pro Häftling, sowie eine ein Stuhl, Tisch und ein Hängeregal, ab den 60er Jahren noch sanitäre Anlagen, hatte der Häftling zur Verfügung. Die Beleuchtung der Zellen wurde von außen gesteuert. Die in den Zellen angebrachten Neonröhren konnten vom Schließer jederzeit an und aus gemacht werden, auchin der Nacht. Dies hatte zum einen den Zweck, den Häftling in seiner Nachtruhe zu stören und ihn so zu zermürben, zum anderen sollten dadurch mögliche Suizide verhindert werden. In der Nacht fanden in 15-minütigen Abständen Zellenkontrollen durch die Türspione statt. Vernehmungen fanden zumeist in der Nacht statt, tagsüber war es dem Häftling dann aber streng verboten, zu schlafen oder sich auch nur auf dem Bett auszustrecken. Der Schlafentzug, der in allen UHA als Maßnahme gegen politische Häftlinge eingesetzt wurde, kann als „Zersetzungsmaßnahme“ des MfS gewertet werden. Als weite Maßnahme, den Häftling psychisch unter Druck zu setzen, war die Verlegung in eine sogenannte „Isolierzelle“. Zwar sind für Suhl bislang keine Fälle von Häftlingen bekannt, die in der Zelle einsaßen, dennoch kann die Existenz eines solchen Raumes nicht bestritten werden.5 Das Anstaltsessen wurde in der haftanstaltseigenen Küche von weiblichen Strafgefangenen zubereitet. Die Strafgefangenen wurden zumeist aus anderen Haftanstalten nach Suhl verbracht und blieben in der Regel für ein halbes Jahr, ehe sie in andere Haftanstalten weiter verlegt wurden.


1 Vgl. Das Suhler Stadtgefängnis 1860-1989, in: Kleine Suhler Reihe 20, 2007, S. 56.
Vgl. ebd. S. 57 f.
3 Ebd. S. 54 f.
4 Ebd. S. 55.
5 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), Berlin, 2001. 
6 Vgl. Das Suhler Stadtgefängnis, S. 64.

 

 





Im Jahr 1857 begannen die ersten Baumaßnahmen für die Errichtung der Haftanstalt. Bis Ende 1859 war der Bau der Haftanstalt soweit fertig, dass eine Schlüsselübergabe stattfinden konnte. Ein Jahr später wurde die Haftanstalt, wenngleich auch noch nicht ganz in feritgem Zustand, eröffnet und die ersten Häftlinge dort untergebracht.

Bis 1945 war das Gebäude häufigen Umabumaßnahmen ausgesetzt. So wurde beispielsweise Ende des 19. Jahrhunderts eine Kanalisation eingebaut, während des Nationalsozialismus wurden Gebäudeerweiterungen zunächst angeregt und dann auch durchgeführt. Gegen Ende der 40er Jahre wurden die in Suhl inhaftierten Personen, vorrangig wegen Wirtschaftsvergehen inhaftiert, zu Arbeitseinsätzen am Gebäude abkommandiert. Nach Abschluss der dringlichsten Baumaßnahmen wurde das Gefängnis wieder seiner eigentlichen Aufgabe, nämlich der eines Gerichtsgefängnisses, übergeben.

Die Belegungsfähigkeit 1949 lag bei 86 Personen, wovon allerdings lediglich 27 Personen inhaftiert waren (14 U-Haft, 13 Verurteilt). 1953 erfolgten erneut Umbaumaßnahmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch hier wieder das Strafgefangenenarbeitskommando an den Bauarbeiten beteiligt war. Beim Umbau wurde streng darauf geachtet, dass die Abteilung IX, ebenso die Abteilung XIV in dem Gebäude untergebracht werden konnte. Somit wurde nicht nur das eigentliche Haftgebäude Renovierungs- und Umbaumaßnahmen unterzogen, sondern auch das benachbarte Verwaltungsgebäude. Mitte der 50er Jahre wurde zudem eine Heizungsanlage installiert, die 1985 wiederum saniert wurde. Ab den 60er Jahren konnten die Häftlinge in ihren Zellen fließendes Wasser nutzen. Bis dato wurde dem Insassen zur Körperpflege lediglich eine Schüssel kalten Wassers in die Zelle gereicht. Mitte der 60er Jahre musste die Anstaltsmauer um 15 Meter versetzt werden, da eine Veränderung der Straßenführung in Richtung Schleußingen geplant war. Damit verkleinerte sich der Gefängnishof um ein Vielfaches. Zugleich sollte eine Erweiterung der Haftanstalt umgesetzt werden. Das Gebäude sollte zwei zusätzliche Stockwerke erhalten. Die Umsetzung dieses Vorhabens übernahm ein inhaftierter Bauingenieur.1

In den 70er Jahren wurde das nördliche Gebäude der UHA abgerissen. Im Zuge dieser Maßnahme fand man auf dem Hof der UHA zwei weibliche Skelette, nur drei Jahre später, wiederum bei Umbaumaßnahmen, wurden erneut Skelette auf dem Gelände der UHA gefunden. Es stellte sich dabei heraus, dass die Personen durch Kopfschüsse ums Leben kamen und zwischen 1940 und 1945 ihr Leben in der Haftanstalt verloren.

Trotz einer Vielzahl an Umbauten in der UHA war die Haftanstalt nicht mehr den Sicherheits- und Geheimhaltungskriterien gewappnet. In einem Bericht des Leiters der UHA heißt es: „Über die viel befahrene F 247 wickelt sich u.a. ein großer Teil des Westverkehrs zur GÜST Eisfeld ab. Die Entfernung zwischen UHA-Gebäude bis zur Außenmauer, die an die F 247 grenzt, beträgt nur noch ca. 6 Meter. Infolge der Geländestruktur um die UHA liegt ein Teil der an die Anstalt angrenzenden Wohnhäuser höher als die Anstalt, so dass trotz erhöhter Außenmauer die Bewohner der Häuser n auf den Hof der Anstalt haben und alle sich dort abspielenden Bewegungen beobachten können.“2 Aus diesem Grund gab es bereits in den 60er und 70er Jahren Pläne, eine geeignetere Stelle für den Erbau einer neuen UHA zu suchen. Das Bauvorhaben war ursprünglich für die Jahre 1976 bis 1980 vorgesehen, wurde aber tatsächlich erst Mitte der 80er Jahre begonnen. Die neu erbaute UHA Suhl kam nicht mehr zum Einsatz. Der Fall der Mauer und die Wende kamen einer Nutzung zuvor.


1 Vgl. Das Suhler Stadtgefängnis 1860-1989, in: Kleine Suhler Reihe 20, 2007. S. 53.
2 Ebd S. 54.





Ab 1972 kann die Dichte der Mitarbeiterstruktur der Abteilung XIV des MfS in Suhl abgebildet werden. Zwischen 1972 und 1989 waren insgesamt mindestens 33 Personen (1972) angestellt. Ab den 80er Jahren nahm die Anzahl der Mitarbeiter der Abteilung deutlich zu. So waren zwischen 1980 und 1989 mindestens 47 Personen beschäftigt.1 Für die weiblichen Straf- und Untersuchungsgefangenen wurden Frauen als Wachpersonal abkommandiert. Die Anzahl der in Suhl tätigen Frauen beschränkt sich jedoch auf zwischen zwei und sechs Mitarbeiterinnen.2 Es erscheint noch erwähnenswert, dass nach 1989, bei einer Begehung des Bürgerkommitees Suhl in der Haftanstalt eine Sauna entdeckt wurde, die wohl den Mitarbeitern der UHA zur Nutzung freistand.3


1 Vgl. Beleites, Johannes, Abteilung XIV, Handbuch des MfS, Hrsg. BstU, Berlin, 2009, S. 56.
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. Passens, Katrin, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971-1989, Berlin, 2012, S. 78.





Die Leiter, der für diese UHA der Stasi zuständigen Bezirksverwaltung in Suhl waren: von 1952 bis 1954 der Oberstleutnant Ludwig Roscher  als erster Leiter der BV des MfS in Suhl. Sein Nachfolger war der Oberstleutnant Kurt Grünler von 1955 bis 1960 in dieser Funktion. 1960 bis 1968 gefolgt von dem Genossen Kurt Richter. Danach Heinz Pommer von 1975 bis 1981. Der letzte Leiter in dieser BV der Stasi in Suhl war Gerhard Lange von 1981 bis 1989 im Rang eines Generalmajors, der 1990 nach seiner Entlassung Selbstmord beging. Diese Leiter führten die BV der Stasi im Bezirk nach dem Prinzip der "militärischen Einzelleitung" auf Grundlage der Befehle des Ministers für Staatssicherheit. Sie waren alle Mitglied der SED-Bezirksleitung in Suhl und der Bezirkseinsatzleitung für den Spannungs- oder Mobilmachungsfall. Sie waren für die staatliche Sicherheit im gesamten Bezirk verantwortlich.1


1 Jens Gieseke: Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch) Anatomie der Staatssicherheit, Geschichte - Struktur - Methoden, Herausgeber, BStU, Berlin 2012.







Publikation            Dokumentation des Aktivs Staatssicherheit der zeitweiligen Kommission des Bezirkstages für Amtsmißbrauch und Korruption, Genossen! Glaubt's mich doch! Ich liebe Euch alle!, Suhl 1990.
Andrea Herz, Bürger im Visier, Das MfS in Thüringen, Der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Erfurt 1996.
Ehrhart Neubert , Thomas Auerbach, Es kann anders werden, Opposition und Widerstand in Thüringen 1945-1989, Schriften der Stiftung Ettersberg, Böhlau Verlag, Köln 2005.
Andrea Herz, Stasi-Kreisdienststellen in Thüringen, Der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Erfurt 1998.
Daniel Weißbrodt, Die Wende in Suhl, Das Umbruchjahr 1989/90 in der Bezirkshauptstadt Suhl, Bürgerkomitee des Landes Thüringen, 2002.
Peter Wurschi, ... und sie wachten auf in Nordrhein-Westfalen!, Die Entwicklung der Opposition in Suhl und ihr Wirken im Herbst 1989, Bürgerkomitee des Landes Thüringen, 2002.
Katrin Blacha, Norbert Moczarski, Das Suhler Stadtgefängnis, 1860-1989, Kleine Suhler Reihe, Heft 20, Schriften des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen, Band 4, Meiningen 2007.
Daniel Weißbrodt, Die friedliche Revolution 1989/90 in Suhl, Bürger! reihet Euch ein! Wir wollen freie Menschen sein! Kleine Suhler Reihe, Heft 27, Meinigen 2009.