Die Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Bezirksverwaltung (BV) Schwerin des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am Demmlerplatz.

Das Gerichtsgebäude am heutigen Demmlerplatz in Schwerin wurde 1916 zusammen mit einer Untersuchungshaftanstalt unter dem Großherzog Friedrich Franz IV erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte zwei Jahre zuvor. Amtsgericht, Schwurgericht und Landgericht kamen fortan unter einem Dach zusammen. Das angrenzende Gefängnis erfüllte die damaligen hygienischen, humanen und sicherheitstechnischen Standards.  Da es ursprünglich als Gerichtsgefängnis gebaut wurde, bestand ein direkter Zugang auch zum Gerichtsgebäude. Ab 1954 war dort der Sitz der Bezirksverwaltung des MfS. Das Gefängnis befand sich, von hohen Mauern umgeben, zwischen Demmlerplatz und Obotirtenring.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden im Gefängnis vor allem politisch missliebige Personen festgehalten. Das Gericht wurde als Sondergericht eingesetzt, ab 1934 war ein „Anerben- und Gesundheitsgericht“ im Gebäude untergebracht, das den Boden für die Euthanasiegesetzgebung der Nazis bereitete. 1942 wurde das Oberlandesgericht Rostock nach Berlin verlegt. Grund hierfür waren die schweren Bombardierungen, denen Rostock ausgesetzt war. Nach der Befreiung Deutschlands übernahmen zunächst die Amerikaner das Gebäude, übergaben es dann aber im Zuge der Umsetzung der Potsdamer Vereinbarungen Anfang Juli der sowjetischen Besatzungsmacht. Auch in den folgenden Jahren war das Gerichtsgebäude und die UHA für politische Willkür und Schauprozesse gegen politisch unliebsame Personen in Mecklenburg die zentrale Schaltstelle. Das Gebäude diente nun als Sitz des NKWD und des SMT. 1954 übernahm die Rechtsträgerschaft des Gebäudes die Staatssicherheit. Bis 1989 wurden hier Oppositionelle, „Republikflüchtlinge“ und Strafgefangene inhaftiert. Insgesamt können in der ehemaligen UHA des MfS heute 50 Zellen nachgewiesen werden, die eine maximale Belegungskapazität von 160 Personen umfassten. 

Seit 2001 ist in der ehemaligen UHA ein Dokumentationszentrum für die Opfer der deutschen Diktaturen eingerichtet.




Das Justizgebäude am Demmlerplatz wurde 1916 fertiggestellt, nachdem zweieinhalb Jahre zuvor die Grundsteinlegung erfolgt war. Architekt des Gebäudes war der Ministerialbaurat Paul Ehmig, der nach Fertigstellung des Gebäudes vom Großherzog Friedrich Franz IV eine Auszeichnung erhielt. Fortan waren Landgericht, Amtsgericht und Schwurgericht unter einem Dach vereint. Am Eingang des Gebäudes prangte ein Vers aus Psalm 94: „Recht muss doch Recht bleiben“. Dass ausgerechnet dieser Bibelvers an den Toren des Gerichtsgebäudes angebracht wurde, ist für die spätere Geschichte des Gerichts an Zynismus nicht zu überbieten. Bis 1932 wurden in Schwerin ausnahmslos Strafgefangene inhaftiert. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden hier zunehmend auch politische Gefangene inhaftiert. Der Platz vor dem Gerichtsgebäude, der heutige Demmlerplatz, wurde 1933 in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Zuvor hieß er Königsbreite. Ende der 1930er Jahre wurde der Platz erneut umbenannt, diesmal in Blücherplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg erst wurde dem Platz sein heutiger Name, Demmlerplatz, gegeben. Mit der „Reichstagsbrandverordnung“ und der „Heimtückeverordnung“ von 1934 wurden zahlreiche neue Gesetze erlassen, die vor allem auf politisch missliebige Personen angewendet werden konnten.1 Das „Heimtückegesetz“ konnte auf alle Personen übertragen werden, die sich kritisch zur nationalsozialistischen Führung, zur NSDAP oder dem Reich äußerten. Gleichzeitig regelte das Gesetz den „Missbrauch von Parteiabzeichen“. Dementsprechend war es strafbar, Abzeichen oder Uniformen der NSDAP zu tragen, ohne selbst Mitglied zu sein. Allerdings blieb die Anzahl dieser Straftat sehr gering, weshalb vor allem die Verfolgung von politischen Gegnern unter dem „Heimtückegesetz“ eine hervorgehobene Rolle spielte. Das Sondergericht, dass im Justizgebäude seinen Sitz hatte, war zeitgleich mit dem „Heimtückegesetz“ etabliert worden und hatte die Funktion, vor allem Todesurteile gegen politische Gegner zu verhängen, wahlweise auch Zuchthausstrafen. Unter den Sondergerichten wurden die vermeintlichen Straftaten, die unter das „Heimtückegesetz“ fielen, „verhandelt“. Besonders an den Sondergerichten ist, dass sie nicht an die bestehende Prozessordnung gebunden waren.2 Urteile, die in den Sondergerichten gefällt wurden, fanden ohne Zeugenaussagen statt, Rechtsmittel gegen die Urteile waren unzulässig. Damit erfüllten diese Gerichte einen politischen Zweck, nämlich die Verfolgung von politisch missliebigen Personen. Ab 1934 existierte zudem ein „Anerben- und Erbgesundheitsgericht“. Zwangssterilisationen von Personen, die aus Sicht der Nazis als „erbkrank“ galten, wurden hier verordnet. In derartigen Gerichten wurde der Boden für die Euthanasiegesetzgebung 1939 bereitet.3 1942, im Zuge der Bombardierung Rostocks, zog das Oberlandesgericht Rostock in das Gebäude am heutigen Demmlerplatz.


1 Vgl. Drescher, Anne, Herbstritt, Georg, Mothes, Jörn, Recht muss doch Recht bleiben, Das Justizgebäude am Schweriner Demmlerplatz in sechs Epochen deutscher Geschichte, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2001, S. 7. 2 Vgl. ebd. S. 8
3 Vgl. ebd. S. 9.     





Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen zunächst die Amerikaner, dann die Briten das Gebäude, übergaben es aber im Juli 1945 den Sowjets. Fortan hatte hier der NKWD seinen Sitz, zugleich diente das Gefängnis als Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Geheimdienstes. Im Gerichtsgebäude saß seit 1947 auch das SMT, das für ganz Mecklenburg-Vorpommern zuständig war. Im Zuge der Entnazifizierung fanden unzählige Verhaftungen statt, die zumeist auf Willkür basierten. Nicht nur Personen, die sich während der NS-Zeit etwas zu Schulden kommen ließen, sondern auch Menschen, die willkürlich einer Straftat beschuldigt wurden, saßen in der UHA ein.1 Die Verhaftungen fanden häufig mit Unterstützung deutscher Dienststellen, beispielsweise den K5-Einheiten, statt. Rechtliche Grundlage der Verhaftungen war die Kontrollratsdirektive Nr. 38 und das Kontrollratsgesetz Nr. 10, die zur Anwendung kamen, wenn jemand in den Augen des NKWD sich eines Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Frieden schuldig gemacht hatte.2 In Abschnitt I der Kontrollratsdirektive 38 wird die Internierung von Deutschen, welche, ohne bestimmter Verbrechen schuldig zu sein, als für die Ziele der Alliierten gefährlich zu betrachten sind, sowie die Kontrolle und Überwachung von Deutschen, die möglicherweise gefährlich werden können.“ legitimiert.3 Erst 1955 wurde diese Direktive außer Kraft gesetzt. Wie viele Menschen bis zu diesem Zeitpunkt vom NKWD verhaftet und in Arbeitslager in die Sowjetunion verbracht wurden, ist bis heute unklar. Auch kamen zahlreiche Menschen nach ihrer Verurteilung vom SMT in Arbeitslager oder Speziallager in Deutschland, unter anderem nach Sachsenhausen. Trotz des SMT wurden auch viele Personen ohne Urteil in Arbeitslager deportiert, zahlreiche Menschen überlebten dies nicht. Zirka 40.000 Deutsche wurden zwischen 1945 und 1955 durch SMT verurteilt.4 Nach 1991 nahmen sowjetische und russische Gerichte Rehabilitierunsverfahren gegen die ehemals inhaftierten Personen auf. Zirka 94 Prozent der in den 1950er Jahren verurteilten Personen wurde dabei rehabilitiert.5 Die Verfahren vor dem SMT waren keinen rechtsstaatlichen Prinzipien unterworfen und können als Schauprozesse bezeichnet werden. Die durch brutale Misshandlungen in der UHA zustande gekommenen Geständnisse wurden vor Gericht gewertet, unter dem Paragraph 58 des Strafgesetzbuchs der Sowjetunion wurden unzählige Menschen zu bis zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Viele wurden direkt zum Tode verurteilt. Bis heute ist unklar, wie viele derartige Urteile gefällt und umgesetzt wurden.6  


1 Drescher, Anne,  Herbstritt, Georg, Mothes, Jörn, Gedenken, Erinnern, Lernen, Der Demmlerplatz in Schwerin 1914-1997,  Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 1997, S. 6.
2 Vgl. Drescher, Anne, Haft am Demmlerplatz, Gespräche mit Betroffenen, Sowjetische Militärtribunale Schwerin, 1945-1953, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2004, 17.
3 Kontrollratsdirektive Nr. 38, Verhaftung und Bestrafung von Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten und Militaristen und Internierung, Kontrolle und Überwachung von möglicherweise gefährlichen Deutschen. *
4 Drescher, Anne, Haft am Demmlerplatz, S. 21.
5 Vgl. Drescher Anne, Recht muss doch Recht bleiben, Das Justizgebäude am Schweriner Demmlerplatz in sechs Epochen deutscher Geschichte, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2001, S. 7.
6 Vgl. Drescher, Anne, Haft am Demmlerplatz, S. 17 f.   





Todesurteile, die in Schwerin gefällt wurden, wurden allerdings nicht dort vollstreckt. Die Verurteilten wurden nach Alt-Strelitz, Berlin, Güstrow, Halle, Potsdam, Torgau oder direkt in die Sowjetunion verbracht.1 Auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren (ab diesem Alter war man im sowjetischen Strafrecht straffähig) wurden in Schwerin inhaftiert und vor Gericht gestellt und wegen vermeintlicher Werwolftätigkeiten verurteilt.2 Häftlinge, die zu weniger als 15 Jahren verurteilt wurden, kamen in das Speziallager Sachsenhausen, die zu höheren Strafen verurteilten Personen wurden nach Bautzen ins Arbeitslager gebracht. Gleichzeitig wurden aber auch zahlreiche Verurteilten in Arbeitslager der SU deportiert, häufig in das Lager Workuta. Das Lager lag im Nordosten der Sowjetunion und wurde seit Mitte der 30er Jahre von Stalin als Arbeitslager genutzt. Bei Minus 60 Grad mussten die Gefangenen im Kohlebergwerk oder in der Ziegelei arbeiten. Bis 1951 waren schätzungsweise 73.000 bis 150.000 Gefangene interniert.3 Als 1955 Konrad Adenauer nach Moskau reiste, erreichte er die Freilassung aller deutschen Kriegsgefangenen und vom SMT Verurteilten, die in der SU interniert waren. 1956 kehrten die letzten Häftlinge zurück nach Deutschland. Als sich Mitte der 50er Jahre die staatlichen Strukturen der DDR festigten, übergaben die Sowjets die Verwaltung der UHA Schwerin an die DDR ab. Fortan war die Staatssicherheit Träger der Einrichtung. Das Untersuchungsgefängis blieb weiter bestehen, vor allem wurden, wie in den vorigen Jahren, politisch unliebsame Bürger eingesperrt. Bis 1968 berief sich die Staatssicherheit auf alliierte Bestimmungen der Sowjets, auf Artikel 6 der DDR-Verfassung oder auf das Strafrechtsergänzungsgesetz von 1957, das die „Gesellschaftsgefährlichkeit“ einer Tat festlegte.4 Dazu gehörten unter anderem der Wille zur Ausreise, aber auch Regimekritik oder „Westkontakte“. Ab 1968, mit Inkafttreten des neuen Strafgesetzbuches, wurden vor allem „Verbrechen gegen die DDR“ geahndet. Im heutigen Mecklenburg-Vorpommern wurden zwischen 1949 und 1989 17.000 politische Urteile gegen Regimekritiker, Ausreisewillige und andere „Verbrecher gegen die DDR“ verhängt.5 Seit 1989 befindet sich im Schweriner Demmlerplatz keine Haftanstalt mehr. Vielmehr wurde 2001 ein Dokumentationszentrum für die Opfer deutscher Diktaturen eröffnet. 


 1 Vgl. Drescher, Anne, Haft am Demmlerplatz, Gespräche mit Betroffenen, Sowjetische Militärtribunale Schwerin, 1945-1953, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2004, S. 19.
2 ebd. S. 17.
3 ebd. S. 20.
4 Gesetz zur Ergänzung des Strafgesetzbuches - Strafrechtsergänzungsgesetz -vom 11. Dezember 1957.
5 Vgl. Drescher, Anne, Herbstritt, Georg, Mothes, Jörn, Recht muss doch Recht bleiben, Das Justizgebäude am Schweriner Demmlerplatz in sechs Epochen deutscher Geschichte, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2001, S. 14.  





Über die Haftbedingungen in den 40er und 50er Jahren gibt es heute kaum aussagekräfiges Quellenmaterial. Daher sind Zeitzeugenaussagen von besonderer Bedeutung bei dem Versuch der Rekonstruktion der Haftbedingungen. Vor allem waren diese Jahre gekennzeichnet von hoher Brutalität gegenüber den Häftlingen. Auch waren in Schwerin zeitweise so viele Häftlinge interniert, dass eine Einzelzelle mit bis zu zehn Personen und mehr belegt wurde.1 Die Häftlinge wurden gefoltert, um so zu Geständnissen zu gelangen, die später vor dem SMT zu einer Verurteilung führten. Schlafentzug, Folter und Mangelernährung sollte die Häftlinge mürbe machen.Der ehemalige Häftling, Ulrich Falck erinnert sich, dass in einer Zelle, die zirka 16 Quadratmeter groß war, 20 Häftlinge lebten. Ein Notdurftkübel war neben den Matratzen das einzige Inventar im Raum.2 Das ehemalige LDP-Mitglied Günter Albrecht berichtete 1997, wie NKWD Offiziere in in Schwerin zu seinen „verbrecherischen Tätigkeiten“ befragten. Gemeint war sein Engagement in der neu gegründeten LDP. Albrecht wurde beschuldigt, Pläne zu verfolgen, die den Umsturz der Sowjetunion verfolgten. Während der Verhöre wurde er angeschrien, von der Dolmetscherin verprügelt und zu einem Geständnis erpresst. Auch vom Untersuchungsrichter wurde Albrecht regelmäßig geschlagen. Im Keller befand sich eine sogenannte Isolationszelle. Auch hier wurde er gefoltert. Er musste sich nackt ausziehen, während die Wärter ihn mit kaltem Wasser abspritzten. Albrecht gestand bis zum Schluss nicht, wurde aber dennoch vom SMT zu 25 Jahren verurteilt, kam danach zunächst nach Berlin-Hohenschönhausen und von dort in die Sowjetunion, in das Lager Workuta.3

Mit der Übernahme der Haftanstalt durch das MfS veränderten sich die Haftbedingungen, wenn auch zunächst nur geringfügig. Immerhin wurde ab den 60er Jahren meistens auf physische Folter verzichtet.4 Die Vernehmer der Abteilung IX (Untersuchung) und die Mitarbeiter der Abteilung XIV (Untersuchungshaft) waren in der Regel von der Schuld der Insassen überzeugt. In Schwerin saßen, nach ihrer Ansicht, ausschließlich Personen, die als „Verbrecher und Feinde des Friedens und des Fortschritts“ „überführt“ wurden. Das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung galt hier nicht. Es war daher auch nicht relevant, tatsächliche Tatumstände zu ermitteln. Das Abschöpfen von Informationen und ein Geständnis waren von übergeordneter Priorität. Bereits mit der Festnahme begann der „Zersetzungsprozess“ des MfS gegenüber dem Häftling. Zumeist wurden die Beschuldigten entweder mitten in der Nacht „abgeholt“ oder direkt in einen Wagen gezerrt. Es kam aber auch häufiger vor, dass der Beschuldigte gebeten wurde, „zur Klärung eines Sachverhalts“ auf die nächste Polizeidienststelle mitzukommen.5 Der Häftling wurde dann in einem eigens dafür angefertigten Gefangenentransportwagen (GTW) der Abteilung XIV zur UHA Schwerin gebracht. Der Wagen hatte mehrere kleine Einzelzellen ohne Fenster, sodass der Häftling keinerlei Orientierung hatte, wohin er fuhr.6 Dies war der erste Schritt zur später nahezu vollendeten Desinformation des Häftlings. Der Häftling wurde in der Regel in den Innenhof der UHA gefahren, der mit hohen Mauern umgeben war. Auch hier war es dem Häftling nicht möglich, zu erkennen, wo er war. Zu erst wurde der Häftling in die Aufnahmezelle gebracht wo er sich zu entkleiden hatte. Hier fand eine Leibesvisitation statt, bei der auch alle Körperöffnungen des Häftlings inspiziert wurde. Im Anschluss wurde dem Häftling Anstaltskleidung ausgehändigt, obwohl rechtlich gesehen ein Anspruch auf eigene Kleidung bestand.7 Dies kann als ein Schritt in Richtung Entindividualisierung des Häftlings gewertet werden, die im Laufe der Haft weiter „perfektioniert“ wurde. Im Laufe der Untersuchungshaft wurde der Häftling von den Wärtern häufig nur noch mit seiner Zellennummer angesprochen. Das totale Isolationsgefühl verstärkte sich dadurch enorm. Der Vernehmer sollte so zur einzigen Person im Umfeld des Häftlings werden, der in normaler, gewohnter Weise mit ihm sprach. Dadurch wurde das Widerstandsgefühl des Häftlings in vielen Fällen gebrochen.8

1984 wurde diese Praxis von der UNO als psychische Folter eingestuft.9 Die Isolationshaft wurde weiter dadurch perfektioniert, dass die Mauern der Freigangzellen erhöht wurden, die Zellentüren dauerhaft verschlossen waren, Sichtblenden vor den Fenstern angebracht waren und die Lichtanlage zur Verhinderung von Häftlingsbegegnungen auf den Fluren in Funktion war.


1 Vgl. Drescher, Anne, Herbstritt, Georg, Mothes, Jörn, Recht muss doch Recht bleiben, Das Justizgebäude am Schweriner Demmlerplatz in sechs Epochen deutscher Geschichte, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), 2001. S. 9.
2 Vgl. Drescher, Anne, Haft am Demmlerplatz, S. 41.
3 Vgl. ebd. S. 65-82.
4 Vgl. Drescher, Anne, Recht muss doch Recht bleiben, S. 15.
Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin,Demmlerplatz, Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), Berlin, 2001, S. 108.
Vgl. ebd.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd. S. 118.
9 Vgl. Denis, Doris, Posttraumatische Störungen nach politischer Inhaftierung in der DDR, in: Müller, Stephan (Hrsg.), Die Vergangenheit lässt uns nicht los, Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren gesundheitliche Folgen, Hamburg, 1997, S. 190. 





Nach der Inhaftierung wurden dem Häftling alle persönlichen Gegenstände abgenommen und als Effekten gelagert, häufig wurden später darauf Beweismittel konstruiert.1 Eine erkennungsdienstliche Behandlung folgte. Zudem sollte der Häftling medizinisch untersucht werden, was aber aus Mangel an Personal, zumindest in Schwerin, häufig erst mehrere Tage nach Haftantritt durchgeführt wurde.2 Die häufig von Häftlingen als demütigend beschriebene Aufnahme in die UHA hatte den Zweck, durch die sogenannte „Erstvernehmung“ schnell an Informationen zu gelangen.3

Hans-Eberhard Zahn macht insgesamt zwölf Methoden aus, die zu einem schnellen Geständnis des Häftlings führen können. An dieser Stelle werden nur einzelne Beispiele genannt. Dem Häftling, so Zahn, müssten möglichst viele „Reizquellen“ entzogen werden, also Bücher, keine Erkennung ob Tag oder Nacht ist, keine Gesprächspartner. Dies führt dazu, dass binnen weniger Wochen der Häftling zu halluzinieren beginnt und keinen Widerstand gegen den Vernehmer mehr ausüben kann.4 Als weitere Methode kann die Unregelmäßigkeit von Verhören genannt werden. Damit schafft es der Häftling nicht, eine Art systematischen Rhythmus im Tagesablauf zu erkenne. Weiterhin kann noch die systematische Deprivation des Häftlings verstärkt werden, indem der Vernehmer gezielt auf sein eigenes Privatleben hindeutet. „Ich gehe nun nach Hause zu meinen Kindern“ beispielsweise.5 Die Methoden, mit denen Häftlinge psychisch gequält wurden, erlernten die Vernehmer an der Juristischen Hochschule in Potsdam, der MfS eigenen Hochschule. Die „operative Psychologie“ wurde 1976 erstmals konkret ausgearbeitet und kam im Folgenden zur Anwendung. Die Haftzellen waren nur wenige Quadratmeter groß, mit einer durchgehenden Holzpritsche versehen. Erst in den 70er Jahren wurden zwei Einzelpritschen in die Zellen eingebaut. Ein Notdurftkübel und zwei Hocker waren die einzigen „Möbel“ in der Zelle. Auch hier wurden erst in den 70er Jahren Toiletten und Waschbecken in die Zellen eingebaut. Damit war Schwerin eines der letzten UHA, die sanitäre Anlagen in die Zellen bauen ließ.6 Ab den 80er Jahren waren die Zellen dann mit Hocker, Pritsche, Toilette, Wandschrank, Waschbecken, Heizung und Spiegeln ausgestattet.7Das Fenster konnte in Schwerin, im Vergleich zu den meisten anderen UHA zwar geöffnet werden, war aber von außen mit einer Blende versehen, sodass der Häftling nicht nach draußen blicken konnte.8 An der Tür war ein Spion angebracht, der die vollständige, rund um die Uhr Überwachung des Häftlings garantierte. Tagsüber wurde alle fünf Minuten, nachts alle 15 Minuten kontrolliert, ob der Häftling sich in der richtigen Sitz- beziehungsweise Schlafposition befand. Zugleich sollten so Suizide verhindert werden.


1 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatsschierheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), Berlin, 2001, S. 109.
2 Vgl. ebd. S. 110.
3 Vgl. ebd.
4 Vgl. Zahn, Hans-Eberhard, Haftbedingungen und Geständnisproduktion in den Untersuchungshaftanstalten des MfS, Psychologische Aspekte und biographische Veranschaulichung, Berlin, 1999, S. 22.
5 Vgl. ebd. S. 22 ff
6 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, S.115.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd. S. 111.





Der Tagesplan der UHA Schwerin zeigt den komplett durchstrukturierten Häftlingsalltag auf: Um 5.30 Uhr wurde der Insasse geweckt, musste sofort die Fenster öffnen und im Anschluss die Zelle reinigen. Zwischen 5.50 Uhr – 6.45 Uhr wurde die Morgentoilette verrichtet, sowie der Notdurftkübel geleert. Direkt im Anschluss hatte der Häftling die Möglichkeit, sich krank zu melden oder gegebenenfalls Beschwerden vorzutragen. Zwischen 7.00 Uhr – 7.30 Uhr gab es Frühstück. Ab 8 Uhr begannen die Vernehmungen. Erfolgte keine Vernehmung, hatten die Häftlinge sogenannte „Freistunden“, die allerdings in strengster Isolation stattfanden. Ab 12.45 Uhr gab es Mittagessen. Dies wurde durch die an der Tür angebrachte große Klappe gereicht. Zwischen 16.45 Uhr – 17.15 Uhr wurde das Abendbrot gereicht, ab 21 Uhr war Bettruhe.1 Selbst die Möglichkeit, sich zu rasieren, sowie zu duschen wurden von der Abteilung XIV vorgegeben. So konnte jeder Häftling sich alle drei Tage rasieren, einmal wöchentlich war es erlaubt, sich zu duschen. Seit 1955 bestand zudem eine Haftraumordnung, die festlegte, wie sich der Häftling in der Zelle zu verhalten hatte. Demnach war es unter anderem streng verboten, zu singen, zu pfeifen oder durch Klopfen Kontakt zu anderen Mitgefangenen aufzunehmen. Außerdem wurde eine, bis 1989 gültige Schlafposition für den Häftling vorgeschrieben.2 Die Vernehmungen fanden im Turm des Gefängnisses statt. Hier waren die Vernehmerräume der Abteilung IX untergebracht. Da wie erwähnt, seit den 60er Jahren kaum noch körperliche Folter angewendet wurde, wurde nun neben psychischer „Zersetzungsmaßnahmen“ auch sogenannte ZI (Zelleninformatoren) eingesetzt. Das Ziel des Einsatzes der ZI war, dem Häftling möglichst schnell Informationen zu entlocken oder auch weitere Straftaten gegen die DDR aufzudecken. Eingesetzt wurden die ZI von der Abteilung IX, die Abteilung XIV ahnte nur selten, welcher der Häftlinge als Informant für das MfS arbeitete. Allerdings war das Führen von ZI so konspirativ angelegt, dass selbst die Vernehmer der Abteilung IX keine ZI führen durften und auch nicht wussten, wer ein Informant war. Den Einsatz koordinierte die Hauptabteilung IX/AKG. Die Anzahl der ZI liegt im Verhältnis zwischen 1:3 und 1:10. In Hohenschönhausen kam ein Informant auf zwei Häftlinge.Angeworben wurden die Häftlinge durch das Versprechen von persönlichen Vergünstigungen und Zugeständnissen.4 Den Häftlingen war wohl bewusst, dass es Zelleninformatoren gab, was bisweilen zu regelrechten „Zellenkriegen“ führte.5 Erstmals wurden 1955 Grundlagen zum Untersuchungshaftvollzug geregelt, die in den Jahren 1968 und 1980 zu gemeinsamen Vorgaben für die Generalstaatsanwaltschaft, das MfS und dem MdI mündeten. Die von Mielke 1986 erlassene Dienstanordnung 1/86 regelte den Vollzug in der Untersuchungshaft und die Gewährleistung der Sicherheit der Häftlinge. Deutlich werden in der Anordnung Maßnahmen beschrieben, die gegenüber Häftlingen anzuwenden seien, wenn diese sich Anweisungen etc. widersetzten. Mögliche Sanktionen gegenüber dem Häftling, wie beispielsweise Isolationshaft, Prügel oder Besuchsverbot wurden in der Direktive festgelegt.Die Anzahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren der Abteilung IX in Schwerin beträgt zwischen den Jahren 1971 und 1988 insgesamt 1425. Davon wurden zwischen 1975 und 1988 1030 Verfahren zum Abschluss gebracht.6


1 Vgl. Zahn, Hans-Eberhard, Haftbedingungen und Geständnisproduktion in den Untersuchungshaftanstalten des MfS, Psychologische Aspekte und biographische Veranschaulichung, Berlin, 1999, S. 112 f.
2 Vgl. ebd. S. 116.
3 Vgl. ebd. S. 132.
4 Vgl. ebd. S. 181.
5 Vgl. ebd. S. 132.
6 Vgl. Passens, Karin, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971-1989, Berlin, 2012, S. 293 f.   





Beleites fasst zusammen, dass die Bausubstanz des Gebäudes prinzipiell als gut bezeichnet werden konnte, allerdings einige bauliche Veränderungen bis 1966 umgesetzt werden sollten.1 1964 begannen Umbaumaßnamen in den für die Strafgefangenen vorhandenen Werkstätten. Schwerin besaß neben den Werkstätten auch eine Wäscherei und eine Küche, in der zumeist die weiblichen Strafgefangenen kochten.2 Allerdings wurden die Umbaumaßnamen nicht vom MfS genehmigt, was zur Folge hatte, dass keinerlei Finanzierungsmittel hierfür zur Verfügung standen.3 Ziel der Umbaumaßnamen war eine erhöhte Sicherheit des Gefängnisses. 1967 wurde die Erweiterung des Reißleinensystems geplant. Die Korridore der UHA waren mit Drähten an der Wand versehen, die im Abstand weniger Meter mit Bananensteckern verbunden waren. Wehrte sich ein Häftling gegenüber seinem Wärter oder es kam zu anderen teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen, riss der Wärter an der Leine und war damit direkt mit dem Dienstzimmer der Abteilung XIV verbunden. In Schwerin wurde allerdings die Erneuerung der Anlage erst fünf Jahre nach der Planung umgesetzt, allerdings war sie störanfällig.4 1977 wurden des weiteren die Vernehmerzimmer der Abteilung IX vom Strafgefangenenkommando der UHA saniert.5 Außerdem wurden, wie in anderen Untersuchungshaftanstalten Lichtanlagen eingebaut. Die Lichtanlage sorgte dafür, dass Gefängniswärter sie sobald sie einen Häftling von A nach B transportierten, einschalten und damit durch Lichtsignale anderen Wärtern erkenntlich machen konnten, dass bereits jemand auf dem Flur war. Damit war es ausgeschlossen, dass sich Häftlinge, auch in Begleitung ihrer Wärter, in den Fluren begegneten. So hatte der Häftling teilweise das Gefühl, er sei, außer mit seinen Wärtern, allein in diesem riesig großen Gefängniskomplex. Zugleich wurde damit einer möglichen Kommunikation zwischen Häftlingen vorgebeugt.1972 wurden sanitäre Anlagen in die Zellen eingebaut, was in den meisten UHA bereits in den 60er Jahren geschehen war. Aus dem ehemaligen „Kübelraum“ wurde 1977 ein Aufenthaltsraum für die Schließer sowie der Speißesaal.6 Von oberster Priorität bei den Umbaumaßnamen war die Perfektionierung der Isolation der Häftlinge. Die Außenmauern waren weniger stark gesichert als bei heutigen Gefängnissen. Daher kann angenommen werden, dass nicht unbedingt die Verhinderung von Flucht, sondern die Isolation primären Stellenwert hatte.7 Der Versuch, 1978 die Außenfassaden zu sanieren, scheiterte, ebenfalls wie ein Jahr später die Schallisolierung der Isolationszelle, wegen zu geringer finanzieller Kapazitäten.8 Mitte 1979 wurden die Mauern zwischen den Freigangzellen nochmals erhöht, um Kassiberwürfe von Zelle zu Zelle zu verhindern. Gleichzeitig wurden die Zellen mit Maschendraht abgedeckt. Zudem sollte im selben Jahr die Isolationszelle schallisoliert werden, was jedoch aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht mehr umgesetzt wurde.9 Anfang der 80er Jahre wurden wie in allen UHA Kameras und automatische Türöffner installiert. Zugleich wurden neue Räumlichkeiten für Besucher geschaffen.10 Ab Mitte der 60er Jahre können zudem noch Duschräumlichkeiten nachgewiesen werden. Die meisten baulichen Veränderungen wurden vom Strafgefangenenarbeitskommando, bestehend aus (meistens) zehn Frauen und fünf Männern, durchgeführt. Dies sparte der Abteilung XIV Geld und Zeit. Lediglich die Bewachung der Häftlinge musste organisiert werden.11 Insgesamt war das vierstöckige Haftanstaltsgebäude für 150 Personen ausgelegt, ab den 60er Jahren waren hier jedoch deutlich weniger Menschen inhaftiert, weshalb meist nur zwei Etagen genutzt wurden.12 Insgesamt 50 Zellen können nachgewiesen werden.13 Im Januar 1976 saßen 24 U-Häftlinge in Schwerin ein, 1987 waren es insgesamt 80. 14


1 Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), Berlin, 2001, S. 77.
2 Vgl. Beleites, Johannes, Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin, 2009, S. 57. 
3 Vgl. ebd. S. 78.
4 Vgl. ebd. S. 79.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd. S. 81.
7 Vgl. ebd. S. 83.
8 Vgl. Passens, Karin, MfS-Untersuchungshaft, Funktionen und Entwicklung von 1971-1989, Berlin, 2012, S. 76.
9 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, S. 83. Sowie: Passens, Karin, S. 76.
10 Vgl. ebd. S. 85.
11 Vgl. ebd. S. 79.
12 Vgl. Beleites, Johannes, Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS Handbuch), S.59.
13 Vgl. ebd.
14 Vgl. Passens, Karin, MfS-Untersuchungshaft, S. 76.





Im folgenden werden die Leiter der Abteilung XIV in Schwerin vorgestellt. Dabei ist zu erkennen, dass die ersten beiden Leiter, Georg Zelosko und Rudolf Würfel, vor allem wegen ihrer Linientreue den Posten erhalten hatten und nicht, wie ihre Nachfolger, wegen besonderer Kompetenzen im Bereich der Haftvollzugsverwaltung. Georg Zelosko war zwischen 1952 und 1957 Leiter der Abteilung XIV in Schwerin. Zelosko machte eine Ausbildung als Zimmermann und trat 1930 in die KPD ein. Nachdem er nach Kriegsende aus der sowjetischen Gefangenschaft frei kam, trat er 1948 in die SED ein. Ab 1950 arbeitet er für das neu gegründete MfS. Zunächst arbeite er als Wachmann in der UHA am Demmlerplatz, schaffte es aber, binnen kurzer Zeit Wachleiter einer Wachschicht zu werden. 1952 war Zelosko zunächst kommissarischer Leiter der Abteilung XIV, ab dem 13. Februar 1953 dann ordentlicher Leiter.1 Zunächst fiel er besonders durch seinen pedantischen Kontrollpflicht bei seinen Untergeben auf, die aber in den folgenden Jahren kaum noch wahrgenommen wurde. Dass er seine Kontrollpflicht vernachlässigte, kostete ihn letztendlich seinen Posten. Wärtern und Schließern der Haftanstalt konnten schwere Verstöße gegen die Dienstordnung nachgewiesen werden. Unter anderem pflegten Schließer intime Beziehungen zu weiblichen Gefangenen und gewährten weiblichen Häftlingen Vergünstigungen in Form von Alkohol.2 1957 wurde Zelosko deshalb vom Oberleutnant zum Leutnant degradiert und wurde in die BV Schwerin versetzt. 1969 ging er in Rente. Zeloskos Nachfolger, Rudolf Würfel, war zwischen 1957 und 1967 im Amt. Nach seinem Schulabschluss machte Würfel eine Ausbildung zum Fleischer. Er trat 1934 in die tschechische KP ein und wurde 1945 im Zuge der Benes-Dekrete aus Tschechien vertrieben. 1946 trat Würfel der SED bei. Noch vor Gründung des MfS war er in der Dienststelle in Weningerode als Wachmann tätig. Ab 1950 arbeite er für das MfS, Abteilung XIV in Berlin. Er hatte eine leitende Rolle im sogenannten U-Boot in Berlin-Hohenschönhausen inne, ehe er ab 1957 in Schwerin als Abteilungsleiter tätig war.Würfel galt als unangenehmer Chef. Zwei Planstellen in der Schweriner Abteilung XIV blieben unter ihm unbesetzt und es wurden ab 1965 Stimmen laut, Würfel solle von seinem Amt abgelöst und zum stellvertretenden Leiter der Abteilung degradiert werden.4 Die Forderungen wurden allerdings vom MfS in den Wind geschlagen. Beleites geht davon aus, dass das MfS Skrupel hatte, den extra aus Berlin gekommenen Würfel zu degradieren, obwohl dieser dem MfS doch in der Notsituation, einen neuen Leiter für die Abteilung zu finden, geholfen hatte.5 1967 wurde ihm der Status eines Verfolgten des Nationalsozialismus zuerkannt, was bedeutete, dass er bereits mit 60 in Rente gehen konnte. Zudem wurde er zum Major befördert. 1967 wurde Würfel von Walter Wiechert in seinem Amt ersetzt. Walter Wiechert war bisher als Würfels Stellverteter eingesetzt. Er machte eine Ausbildung zum Fleischer, ehe er zur Wehrmacht einberufen wurde. Nach dem Krieg geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1952 trat er in den Dienst der Volkspolizei und wechselte 1953 zum MfS. 1967 wurde er zum stellvertretenden Leiter der Abteilung XIV ernannt. Die Ernennung zum Abteilungsleiter bleib aber aus. Grund hierfür war, dass Wiechert der ersten MfS Generation angehörte, die nun langsam abgelöst werden sollte. Noch im selben Jahr beerbte ihn Karl Paschiller.6 Von 1967 bis 1982 war Karl Paschiller der führende Kopf der Abteilung XIV in Schwerin. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre, ehe er 1942 in die Wehrmacht eingezogen wurde. Er wurde schwer verwundet und lag bis zum Ende des Krieges in Lüneburg im Lazarett. Dass er in Lüneburg im Lazarett war, wurde später als kaderpolitischer Makel angesehen.7 1955 kam er zum MfS und war fortan in der Abteilung III „Absicherung der Volkswirtschaft“ tätig. Paschiller absolvierte mehrere Lehrgänge an der Kreisparteischule und empfahl sich dadurch auch künftig für höhere Posten im MfS. Vor seinem Antritt als Abteilungsleiter XIV absolvierte er zudem einen Qualifizierungslehrgang für leitende Kader. Er wurde während seiner Amtszeit mehrmals vom MfS ausgezeichnet, ehe er 1982 aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten aufgeben musste.8 Während seiner Amtszeit kam es zu einem schweren Finanzunterschlagungsskandal. Zudem trat das bisher eher unterschwellig bekannte Thema Alkohol bei Wachmannschaften nun offen zu Tage. Der Wirtschaftsleiter Oberstleutnat Schmidt unterschlug mehrere tausend Mark von Häftlingen. Dies fiel erst im Jahr 1976 auf, nachdem die Sekretärin des Wirtschaftsleiters feststellte, dass entgegen der Angaben, kein Lohn an die Häftlinge ausgezahlt wurde. Oberstleutnant Schmidt nahm sich daraufhin das Leben. Insgesamt unterschulg er 8100 Mark. Paschillers Nachfolger war Heinz Schröder. Er blieb bis 1989 Leiter der Abteilung XIV. Er absolvierte ein Studium an der JHS Potsdam als Jurist. Ursprünglich erlernte er Kraftfahrzeugschlosser. 1952 trat er in die SED ein. Im selben Jahr wurde er zudem „operativer Mitarbeiter“ in der Kreisdienststelle Lübiz, deren Leitung er später übernahm. Schröder, der vom MfS wegen seiner Ehefrau, einer gläubigen Katholikin, stark unter Druck gesetzt wurde, war gezwungen, wiedrum seine Ehefrau unter Druck zu setzen, sollte er weiter politische Karriere im MfS machen wollen. Sie sollte ihren Glauben aufgeben und sich zu ihrem Mann bekennen. 1957 wurde er in die Abteilung VII nach Schwerin versetzt. 1961 wurde er Leiter des Referats VII/3.9 1964 begann er sein Studium an der JHS in Potsdam. Insgesamt durchlief Schröder zahlreiche Stationen der Kaderschmide des MfS. Mit Amtsantritt in der UHA versuchte er, den Arbeitsplan der Wachmannschaften zu optimieren. Zugleich sorgte er für eine „Erarbeitung neuer Ordnungen und Weisungen zur Gewährleistung der inneren und äußeren Sicherheit des Dienstobjektes“.10 Ab 1989 wurde die Tätigkeit Schröders in der UHA eingestellt. Zwischen 1972 und 1989 arbeiteten mindestens zwischen 32 (1973) und 52 (1987) Personen.11 Dennoch zeichnete sich die UHA Schwerin in all den Jahren durchgehend durch Personalmangel aus. Insbesondere fehlten weibliche Bedienstete.12 1968 waren insgesamt sechs Frauen in Schwerin beschäftigt, in den Jahren zuvor waren es zwischen drei und fünf.13 Bis 1967 gab es in der UHA Schwerin ein Dreischichtsystem, dass allerdings dann um eine vierte ergänzt wurde. Somit verkürzte sich die Dienstzeit der Wachmannschaften von 12 Stunden auf lediglich acht. Insgesamt waren immer fünf Personen in einer Wacheinheit eingeteilt. Es gab den Wachschichtleiter, zwei Stationsposten, einen Schließer und einen Freihofposten.14 1968 wurde, aus Mangel an Arbeitskräften wieder das Dreischichtsystem eingeführt, ehe es Paschiller 1970 schaffte, wieder ein Vierschichtsystem durchzusetzen.15 Wie in allen UHA war aber ein grundlegendes Problem die Eintönigkeit der Arbeit in der UHA, was viele Diensthabende veranlasste, sich zeitnah nach neuen Arbeitsalternativen umzusehen. Insgesamt kann abschließend gesagt werden, dass die UHA Schwerin durch einen dauerhaften Personalmangel gekennzeichnet war, selbst in den jeweiligen Referaten konnten die Planstellen häufig nicht erfüllt werden. Häufig mussten männliche Wachhabende weibliche Häftlinge nach ihrer Inhaftierung körperlich Inspizieren, was allerdings weniger als Schikane der Häftlinge zu verstehen ist, als als Mangel an weiblichen Mitarbeiterinnen.


1 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz,  Die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Schwerin, Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (Hrsg.), Berlin, 2001, S. 47.
2 Vgl. ebd. S. 48.
3 Vgl. ebd. S 51.
Vgl. ebd. S. 53.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd. S. 56.
7 Vgl. ebd.
Vgl. ebd. S. 58.
9 Vgl. ebd. S. 73.
10 Vgl. ebd. S. 75.
11 Vgl. Beleites, Johannes, Abteilung XIV, Haftvollzug (MfS Handbuch), BStU (Hrsg.), Berlin, 2009 S. 56.
12 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, S. 63, 75.
13 Vgl. Beleites, Johannes, Abteilung XIV, S. 56.
14 Vgl. Beleites, Johannes, Schwerin, Demmlerplatz, S. 63.
15
Vgl. ebd. S. 64.





Für diese Untersuchungshaftanstalt der Stasi war Heinrich Folk von 1952 bis 1954 der erste verantwortiche Leiter der zuständigen Bezirksverwaltung (BV) in Schwerin. Sein Nachfolger war der Oberst Wilhelm Müller von 1954 bis 1955 in dieser Funktion. Gefolgt von Oberst Rudolf Vödisch von 1955 bis 1968. Der letzte Leiter in dieser BV der Stasi in Schwerin war Werner Korth von 1968 bis 1989 im Rang eines Generalmajors. Die Leiter führten die BV nach dem Prinzip der "militärischen Einzelleitung" entsprechend den Befehlen des Ministers für Staatssicherheit. Sie waren Mitglied der SED-Bezirksleitung und der Bezirkseinsatzleitung für den Spannungs- oder Mobilmachungsfall. Sie waren verantwortlich für die staatliche Sicherheit im gesamten Bezirk.