Von 1953 bis 1981 hatte die Bezirksverwaltung (BV) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) für den Bezirk Neubrandenburg ihren Sitz in der Innenstadt von Neustrelitz an der Töpfergasse, wo auch die Untersuchungshaftanstalt (UHA) der Abteilung Haftvollzug XIV des MfS betrieben wurde. 1981 wechselte zunächst nur die BV in einen Neubau des MfS in die Bezirksstadt Neubrandenburg, an welche Stelle dann auch 1986 die noch in Neustrelitz verbliebene Untersuchungshaftanstalt in eine neu errichtete UHA in den Geländekomplex der BV nach Neubrandenburg umgelagert wurde. In Neubrandenburg wurde die UHA von der Staatssicherheit dann bis 1989 durch die Abteilung Haftvollung XIV des MfS betrieben.

Die von 1953 bis 1981 in Neustrelitz von der BV Neubrandenburg betriebene UHA war eine kleine, um die Jahrhundertwende als Gerichtsgefängnis erbaute Haftanstalt mit einfachsten sanitären sowie räumlich sehr beengten Verhältnissen. Die zuständige Abteilung XIV für den Haftvollzug des MfS hatte 1965 lediglich 21 hauptamtliche Mitarbeiter und Anfang der achtziger Jahre 32 Mitarbeiter im Einsatz. Spätestens seit 1966, im Rahmen der Planung zur Verlagerung der BV von Neustrelitz nach Neubrandenburg wurde auch über einen Gefängnisneubau am neuen Sitz der BV nachgedacht und dringend erforderliche Reperatur- und Modernisierungsarbeiten immer wieder aufgeschoben wurden. Erst Ende 1972 erhielten die Zellen auf Grund der katastrophalen Haftbedingungen zumindest Waschbecken und Toiletten. Im Jahr 1966 waren die Zellen der Haftanstalt gleichzeitig mit etwa 20 Häftlingen belegt, deren Anzahl in den siebziger Jahren weiter anstieg. Das Gefängnis war darauf ausgelegt im Normalfall bis zu 45 Häftlinge gleichzeitig aufnehmen zu können. 1987 wurde das Gefängnisgebäude dann nach der Verlegung von der Volkspolizei übernommen.






Der Neubau der UHA der BV des MfS in Neubrandenburg wurde schon Mitte der sechziger Jahre vor der Verlegung der BV von Neustrelitz nach Neubrandenburg vom MfS geplant. Allerdings erst 1983 wurde mit der Errichtung einer neuen UHA begonnen, die sich dann in unmittelbarer Nähe der schon 1981 bezogenen, neu errichteten Hauptdienststelle der BV in Neubrandenburg befand. Erstmals wurde eine UHA als Plattenbau durch das MfS errichtet. Diese UHA war der dritte Neubau einer Untersuchungshaftanstalt durch das MfS in der DDR nach den UHA in Berlin-Hohenschönhausen und Rostock. Der Gefängnisneubau gliederte sich in einen Zellenbau mit einer Kapazität für 134 Untersuchungsgefangene (2 Etagen mit je 33 Zellen) und 60 Strafgefangene (1 Etage), einen Verwaltungstrakt für die Abteilung des Untersungsorgans IX und der Abteilung Haftvollzug XIV sowie Besucherräume. Zusätzlich gab es ein gesondertes Gebäude für die Beschäftigung eines besonderen Strafgefangenenarbeitskommandos, in welchem zentral für die gesamte DDR verurteilte MfS-Mitarbeiter, besonders zu isolierende verurteilte Angehörige von NVA, des MdI, der VP, der Zoll und Staatsanwaltschaft, "operativ bedeutsame Strafgefangene aus den zentralen Staatsorganen und der Volkswirtschaft" sowie verurteilte Familienmitglieder der genannten Gruppen konzentriert werden sollten. 1987 wurden hier durchschnittlich 45 U-Häftlinge und 29 Strafgefangene durch die Stasi untergebracht. Die hier tätige Abteilung XIV, zuständig für den Haftvollzug des MfS war 1988/89 vor allem wegen des gesondert betriebenen Strafgefangenenarbeitskommandos (SGAK) mit mehr als 60 Mitarbeitern nach den Vollzugseinrichtungen in Halle und Karl-Marx-Stadt die drittgrößte Abteilung der Linie XIV auf der Bezirksebene des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR.1


1 Vgl. Johannes Beleites, Abteilung XIV : Haftvollzug (MfS-Handbuch), Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, (BStU (Hrsg.), Berlin 2009, S. 59, 60.





Die Leiter der Bezirksverwaltung des MfS in Neubrandenburg, die auch die Aufsicht über die UHA hatten, waren Richard Horn von 1952 bis 1953 als erster Leiter der BV, danach Oberstleutnant Gustav Schkopik von 1953 bis 1957, abgelöst durch Gustav Szinda von 1957 bis 1965. Alfred Böhm im Rang eines Generalmajors war von 1965 bis 1977 folgend dann in dieser Funktion tätig. Im Rang eines Generalmajors war Peter Koch von 1977 bis 1989 der letzte Leiter dieser Bezirksverwaltung in Neubrandenburg.2


2 Jens Gieseke, Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, BStU (Hrsg.), Berlin 2012.