Die Untersuchungshaftanstalt der Stasi befand sich inmitten eines großen Justiz- und Gefängniskomplexes gegenüber dem ehemaligen Reichsgericht zwischen Dimitroff-, Harkort- und Beethovenstraße sowie dem Petersteinweg. Die umliegenden Gebäude waren von der Bezirksstaatsanwaltschaft, der Volkspolizei, dem Bezirksgericht sowie deren nachgeordneten Behörden belegt. Lediglich in einem Gebäude befanden sich – vom MfS als Risikofaktor betrachtet – die Handelshochschule sowie eine Mensa der Karl-Marx-Universität Leipzig.

Das eigentliche Gefängnis wurde im Jahre 1880 nach einem Entwurf des Architekten Hugo Licht erbaut. 1960 entstand ein Vernehmergebäude, und 1971 wurde zugunsten der Abteilung IX das Zellenhaus aufgestockt. Es gab die Möglichkeit eines direkten Zugangs vom Volkspolizeirevier: Ahnungslose spätere Häftlinge wurden »zur Klärung eines Sachverhalts« mitunter zur VP, Zimmer 111, bestellt – und kamen so direkt in die MfS-Haftanstalt. Unmittelbar angrenzend befand sich eine Strafvollzugseinrichtung des MdI.

Bis mindestens 1955 wurden neben der Haftanstalt in der Beethovenstraße auch noch einzelne Zellen im Gelände einer vom MfS genutzten früheren Fabrikantenvilla in Leipzig Leutzsch betrieben. Aus dem Jahr 1955 ist für die Abt. XIV eine Häftlingszahl von 81 überliefert. 1988 wird eine Durchschnittsbelegung von 45 Untersuchungshäftlingen angegeben. Die Kapazität der UHA in der Beethovenstraße betrug 98 Untersuchungshäftlinge und 22 Strafgefangene. Die Strafgefangenen arbeiteten in der Tischlerei, der Schlosserei, der Wäscherei, der Küche und waren für die Reinigung der Haftanstalt zuständig.

Quelle: Johannes Beleites, Abteilung XIV: Haftvollzug (MfS-Handbuch), Herausgeber, BStU, Berlin 2009.


Die Leiter der für diese Untersuchungshaftanstalt zuständigen Bezirksverwaltung des MfS in Leipzig waren Kurt Rümmler von 1952 bis 1958. Als dessen Nachfolger von 1959 bis 1966 Hans Schneider und dann von 1966 bis 1989 Manfred Hummitzsch.


Quelle: Jens Gieseke: Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch) Anatomie der Staatssicherheit, Geschichte - Struktur - Methoden, Herausgeber, BStU, Berlin 2012.