Die Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Erfurt befand sich direkt im Zentrum der Landeshaupt­stadt in unmittelbarer Nähe der Bezirksverwaltung (BV) des MfS in der Andreasstraße 38.

Die von der Stasi ab 1951 betriebene UHA wurde als Gerichtsgefängnis bereits zwischen 1874 bis 1879 erbaut und diente lange zur Unterbringung von Häftlingen des Landgerichts Erfurt. Das Gefängnis war vor allem für Untersuchungshäftlinge vorgesehen, die während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik ihre Haft (sechs Wochen Freiheitsentzug mit Arbeit im Gefängnis) verbüßten. Mit der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten in Deutschland wurde die Andreasstraße erstmals ein Ort politischer Repression. Politische Häftlinge zur Nazi-Zeit waren in der Andreasstraße vermutlich nur kurzzeitig inhaftiert, ehe sie zumeist in andere Haftanstalten Erfurts oder in Konzentrationslager verbracht wurden. Das direkt an die Haftanstalt angrenzende Gerichtsgebäude fungierte als Sondergericht und bereitete mit seinen Urteilen den Boden zur Euthanasiegesetzgebung vor.

Die aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten inhaftierten Menschen wurden allerdings zumeist nicht in der Andreasstraße eingesperrt, sondern bei der Erfurter und Weimarer Gestapo (Geheime Staatspolizei). Nach Ende des zweiten Weltkrieges lösten die Amerikaner im April 1945 die deutsche Justiz vorerst auf und das Gerichtsgefängnis verlor kurzzeitig seine Funktion. 1945-48 hatte die sowjetische Kommandantur das Gefängnis-Gebäude beschlagnahmt und es als Magazin und Transportlager genutzt. Einige deutsche Gefangene wurden hier von den Sowjets untergebracht um Hilfsarbeiten auszuführen. 1948 ging die Gefängnisanlage in den Besitz der Thüringer Landesjustiz über, die hier zwei getrennt geleitete Haftanstalten unterbrachte. Die Untersuchungshaftanstalt des Gerichts und eine Strafanstalt für kurzzeitig Verurteilte.

1950 übernahm die Volkspolizei (VP) Erfurt Teile des Gebäudekomplex, ehe es 1952 komplett in die Rechtsträgerschaft der VP überging. Im Keller entstand 1954 ein neuer Zellentrakt, der neben dem Erdgeschoß bis 1989 zur Unterbringung von Polizeihäftlingen diente.

Bereits ab 1951 teilte sich die Polizei das Gebäude mit der Stasi. Die Stasi bezog das Gebäude im Frühjahr 1951 und richtete in der ersten und zweiten Etage des Gefängnisses die Untersuchungshaftanstalt des MfS der BV in Erfurt ein. Diese Untersuchungshaftanstalt wurde wie keine andere UHA des MfS in der DDR zusammen mit der Volkspolizei genutzt. Dieser Fakt erforderte erheblich umfangreichere Sicherungsmaßnahmen für die Staatssicherheit. Obwohl bereit seit 1975 Pläne für den Neubau einer eigenen Stasi-UHA existierten, wurde wegen nicht ausreichender personeller und materieller Ressorurcen 1986 bis 1987 lediglich der Gefängnisbau saniert und erweitert.

 

 


IN DE X : die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR in Berlin-Hohenschönhausen .
IN DE X : die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR in Berlin-Hohenschönhausen .
Stasi Gefängnis Zelle 203 Untersuchungshaft
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Wie in allen Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit hatten die Zellen als Fensterersatz Konstruktionen aus versetzt doppelreihigen Glasbausteinen. Ausgestattet waren die Haftzellen mit grober Holzpritsche (dazugehörige Auflagen), Holzhocker, Tisch, Wandschrank, Heizkörper, Waschbecken (Kaltwasseranschluss) und einer Toilette. Zum Abfusssystem der Toiletten empfahlen 1977 Instrukteure der Haftabteilung den Einbau von Geräuschgebern, die allerdings bis zum Ende 1990 nicht realisiert wurden. In dem Stasi-Gefängnis waren eine Sonder-, Schreibzelle und eine zusätzliche Arrestzelle ohne Fenster, Heizung und Toilette zu einer besonderen Behandlung als "Beruhigungs-Verwahrraum" vorhanden. Die Haftbedingungen in der UHA Erfurt ähnelten denen  anderer UHA des MfS in der DDR, jedoch galten die Bedingungen in Erfurt als besonders widrig.

Das Gefängnis verfügte über einige Räume zur allgemeinen medizinischen Versorgung. Die Untersuchungshaftanstalt war seit 1983 mit einem Reißleinensystem ausgestattet und wurde 1984 mit einer zentralen Verriegelungsanlage für die Zellen ausgestattet, wobei auch das in den Stasi-Gefängnissen installierte Ampelsystem erneuert wurde. Ein in der Mitte der 80er Jahre errichteter Freigangshof umfasste vier Freigangszellen in der Größe der Haftzellen, die gemeinsam mit dem MdI genutzt werden mußten. Zur gleichen Zeit wurden ebenfalls Überwachungskameras eingebaut. Ein Erweiterungsbau für die 43 Mitarbeiter der Haftabteilung XIV und den 8 Mitarbeitern der Untersuchungsabteilung IX wurde 1987 fertiggestellt, in dessen Ergeschoss Besucherzimmer untergebracht waren.

Ende der achtziger Jahre verfügte die UHA über eine Belegungskapazität für maximal 96 Häftlinge und 8 Strafgefangene des angeschlossenen Haftarbeitskommandos. 1989 reichte zeitweilig die Kapazität der U-Haftanstalt nicht aus, und Stasi-Untersuchungshäftlinge zeitweilig in den UHA des MdI in Weimar und Gotha untergebracht werden mußten.

In den 37 Jahren des Bestehens dieser Stasi-UHA waren insgesamt rund 6.000 politische Gefangene bis 1989 inhaftiert. Der letzte Insasse ist am 27. Oktober 1989 entlassen worden.


Der erste Leiter der für diese Untersuchungshaftanstalt zuständigen Bezirksverwaltung der Stasi in Erfurt war von 1953 bis 1957 Wilhelm Gaida, bevor ihn Martin Weikert von 1957 bis 1982 ablöste. Der letzte Leiter des MfS in der Bezirksverwaltung Erfurt von 1982 bis 1989 war Josef Schwarz.1


1 Jens Gieseke: Wer war wer im Ministerium für Staatssicherheit (MfS-Handbuch), Herausgeber, BStU, Berlin 2012.





Publikation: Peter Hellström, Die Postkontrolle der Staatssicherheit, Aus Sicht eines Zeitzeugen, morgana-edition, Berlin 2011.