Das Untersuchungorgan der Linie IX des Ministerium für Staatssicherheit







Das Untersuchungsorgan, die Hauptabteilung 9, HA IX des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war für die Untersuchungs- und Ermittlungsverfahren des MfS verantwortlich. Diese dem Minister der Staatssicherheit Erich Mielke direkt unterstellte Diensteinheit hatte bis 1989 ihren zentralen Dienstsitz in dem Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen neben der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS. Diese Hauptabteilung IX war das zentrale Untersuchungsorgan des MfS und besaß nicht nur geheimdienstliche, sondern auch weitreichende polizeiliche und staatsanwaltliche Rechte. Sämtliche vom MfS geführten Untersuchungs- und Ermittlungsverfahren in der DDR liefen unter Anleitung und Kontrolle dieser Hauptabteilung. Das betraf die strafrechtlichen Untersuchungen in der zentralen Untersuchungshaftanstalt (UHA) des MfS in Berlin-Hohenschönhausen sowie der UHA II in der Berliner Magdalenenstraße und in Linie angeleitet über die Abteilungen IX der 15 UHA in den 15 Bezirksverwaltungen (BV) des MfS in der DDR.




Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen
Stasi Untersuchungsabteilung Berlin-Hohenschönhausen Außen






Die Untersuchungsabteilung, die Hauptabteilung IX der Stasi hatte in ihrer Struktur zuletzt 1989 insgesamt 484 hauptamtliche Mitarbeiter und wurde seit 1973 von Rolf Fister geleitet, der direkt dem Minister für Staatssicherheit Erich Mielke unterstand. Fister promovierte 1975 an der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam zum Dr. jur. und bekam 1978 den Rang eines Generalmajors. Zahlreiche Haftbefehle der Stasi, zum Beispiel gegen den Schriftsteller Jürgen Fuchs tragen seine Unterschrift.








Wörterbuch der politisch-operativen Arbeit des MfS des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), GVS JHS 001 - 400/81, April 1985.

UHVO (Untersuchungshaftvollzugsordnung) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und des Ministeriums des Innern (MdI) der DDR vom 8.11.1968.

Befehl Nr. 6/71 zu den Ordnungs- und Verhaltensregeln von Inhaftierten in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit vom 1.3.1971.

Hausordnung mit den Ordnungs- und Verhaltensregeln für Inhaftierte in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR vom 1.3.1971.

Dienstanweisung zur politisch-operativen Dienstdurchführung der Abt. XIV des MfS vom 12. Februar 1973.

Dienstanweisung Nr. 2/75 "Die politisch-operativen Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit im Strafvollzug der Deutschen Demokratischen Republik" vom 13.03.1975.

Gemeinsame Anweisung über die Untersuchungshaft vom Generalstaatsanwalt der DDR, dem Minister für Staatssicherheit, dem Minister des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei vom 22.5.1980.

Gemeinsame Festlegungen der HA IX und der Abt. XIV des MfS zur einheitlichen Durchsetzung einiger Bestimmungen der Untersuchungshaftvollzugsordnung - UHVO - in den UHA des MfS vom 13.8.1975.

Richtlinie Nr. 1/81 über die operative Personenkontrolle (OPK) GVS MfS 0008-10/81, 25. 02. 1981.

VVS - o001 MfS JHS 233/81, Grundlegende Anforderungen und Wege zur Gewährleistung der Einheit von Parteilichkeit, Objektivität, Wissenschaftlichkeit und Gesetzlichkeit in der Untersuchungsarbeit des MfS im Ermittlungsverfahren, Dissertation 1981.

VVS - o001 MfS JHS 234/84, Die aus politisch-operativen Lagebedingungen und Aufgabenstellungen des MfS resultierenden höheren Anforderungen an die Durchsetzung des Untersuchungshaftvollzuges und deren Verwirklichung in den Untersuchungshaftanstalten des MfS, Siegfried Rataizick, Volkmar Heinz, Werner Stein und Heinz Conrad, Dissertation 1984.

Dienstanweisung Nr. 1/86 über den Vollzug der Untersuchungshaft und die Gewährleistung der Sicherheit in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit, VVS MfS o008 14/86, 29.01.1986.

Hausordnung der Ordnungs- und Verhaltensregeln für in die Untersuchungshaftanstalt aufgenommene Personen zur Dienstanweisung 1/86 des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR vom 29.1.1986.

Besucherordnung 2/86 zur Organisierung, Durchführung und Kontrolle des Besucherverkehrs in den Untersuchungshaftanstalten des MfS, VVS o008 MfS Nr. 15/86 vom 29.1.1986.

Vorführanweisung Nr. 3/86 zur Sicherung Inhaftierter bei den Vorführungen zu gerichtlichen Hauptverhandlungen durch Angehörige der Abteilungen XIV, VVS o008 MfS Nr. 17/86 vom 29.1.1986.

Effektenordnung Nr. 3/86 über den Umgang mit den Effekten Verhafteter in den Untersuchungshaftanstalten (UHA) des MfS der DDR, VVS o008 MfS Nr. 16/86 vom 29.1.1986.

Transportsicherungsanweisung Nr. 4/86 zur Sicherung der Transporte Inhaftierter durch Angehörige der Abteilungen XIV des MfS der DDR, VVS o008 MfS Nr. 18/86 vom 29.1.1986.

Anweisung Nr. 5/86 zur Sicherung der Einweisungen Inhaftierter in zivile medizinische Einrichtungen des Gesundheitswesens durch das MfS, VVS o008 MfS Nr. 19/86 vom 29.1.1986.












Der zentrale Dienstsitz der Stasi-Untersuchungsabteilung befand sich seit 1973 in einem sechsstöckigen Plattenbau direkt hinter der Untersuchungshaftanstalt. Das Gebäude war durch einen Übergang direkt mit dem Vernehmertrakt des Gefängnisses verbunden. Dort standen für die Vernehmung der Untersuchungsgefangenen 120 Räume zur Verfügung, die durch gepolsterte Doppeltüren schallisoliert waren. Im Keller des Plattenbaus befand sich eine Abhörzentrale, von der aus Zellen und Vernehmerräume akustisch überwacht werden konnten.













V E R N E H M U N G E N




Während der Vernehmungen hatte der Häftling meist auf einem Holzschemel in einer Ecke neben der Tür zu sitzen, während die Vernehmungsoffiziere ihn mit verschiedenen psychologischen Methoden bearbeiteten. Häufig setzten sie die Häftlinge mit der Androhung langjähriger Haftstrafen unter Druck. Sie entschieden auch über Disziplinarstrafen, verschärften Arrest sowie über die Gewährung medizinischer Betreuung, Schreib- und Lesemöglichkeiten, Hofgang oder Besuch. In den ersten Jahren mussten die Häftlinge die Hände bei der Vernehmung auf die Oberschenkel legen und durften sich nicht anlehnen. Wie das gesamte Haftregime war die Arbeit der Vernehmer darauf ausgerichtet, den Gefangenen in seiner Persönlichkeit absolut zu destabilisieren und ein Gefühl völliger Ohnmacht zu erzeugen.