Werner Teske


Werner Teske:

Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Werner Teske war das letzte Hinrichtungsopfer der politischen Justiz in der DDR.

Werner Teske, 1942 geboren, studierte an der Humboldt-Universität Volkswirtschaft und lässt sich 1967 als überzeugter Kommunist von der Staatssicherheit als inoffizieller Mitarbeiter (IM) anwerben. Zwei Jahre später wird er von der Stasi als hauptamtlicher Mitarbeiter der HV A verpflichtet.

Ab Mitte 1970 hegt Werner Teske Zweifel am politischen System der DDR und seiner eigenen Funktion darin. Er spielte mit dem Gedanken, sich in die Bundesrepublik abzusetzen, und brachte als mögliche Mitgift für den Frontwechsel über Jahre geheime Unterlagen nach Hause. Aufgrund des Überlaufens des Stasi-Offiziers Werner Stiller in die Bundesrepublik 1979 wurden innerhalb des MfS die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöht. Auch Werner Teske wurde überprüft. Neben einem völlig chaotischen Inhalt seines Panzerschrankes, der eine Inventur der als geheim eingestuften Stasi-Dokumente praktisch unmöglich machte, kamen auch Unregelmäßigkeiten bei der Weitergabe von Stasi-Geldern an Informanten des MfS zu Tage. Unter einem Vorwand wurde Teske am Abend des 4. September 1980 in die Untersuchungshaftanstalt Magdalenenstrße von der Stasi verbracht. Man führte dort jedoch zunächst erst eine interne Ermittlung bis zum 11. September durch. Als Teskes Wohnung durchsucht wurde, fand das MfS auch die von Teske entwendeten Akten in den von ihm preisgegebenen Verstecken in einem unerwarteten Umfang. Es stellte sich heraus, das die Summe der veruntreuten Operativgelder 20.244,50 DM und 21.478,- DDR-Mark betrug. Er gestand am 11. September gegen 2:00 Uhr morgens, im Jahre 1978 über eine Flucht in die Bundesrepublik nachgedacht zu haben. Anschließend wurde Teske dann in die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR nach Berlin-Hohenschönhausen gebracht.

In einem auch innerhalb der Stasi geheimgehaltenen Prozess vor einem Berliner Militärgericht wurde Teske – selbst nach DDR-Recht rechtswidrig – wegen vollendeter Spionage in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Fahnen- und Republikflucht angeklagt und, obwohl die ihm zur Last gelegten Taten eindeutig nicht vollendet waren und das DDR-Strafrecht die Todesstrafe nur für vollendete Delikte vorsah, am 12. Juni 1981 zur Höchststrafe verurteilt. Grund für die Härte dieses Urteils war nicht zuletzt die erfolgreiche Flucht Werner Stillers. Das Todesurteil wurde schon vor dem Gerichtsprozeß von Erich Honecker schriftlich genehmigt. Nach Ablehnung seines Gnadengesuchs wurde Teske von Berlin-Hohenschönhausen in die Vollzugsanstalt Leipzig (Alfred-Kästner-Straße) überführt. In deren zur Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR umgebauten Hausmeisterwohnung wurde das Urteil vom letzten Henker der DDR, Hermann Lorenz, mittels einer Pistole mit aufgesetztem Schalldämpfer durch Kopfschuss am 26.06.1982 vollstreckt. Die Leiche wurde anschließend in das Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof gebracht und dort eingeäschert.

Die Hinrichtung Teskes wurde selbst innerhalb des MfS streng geheim gehalten. Sogar gegenüber den engsten Familienangehörigen gab man keinerlei Informationen preis. Einem Verwandten, der nach Werner Teske suchte, erklärte das MfS, dass er bei einem Unfall ums Leben gekommen sei, und verbot weitere Nachforschungen. Teskes Witwe Sabine und ihre Tochter mussten aus Berlin wegziehen, beide erhielten eine neue Identität und wurden verpflichtet, über die Umstände des Todes von Werner Teske sowie über ihre Vergangenheit zu schweigen.

Teskes Familie erfuhr erst nach dem Sturz der SED-Diktatur von der Hinrichtung.

1993 wurde das Todesurtal vom Landesgericht Berlin wegen Rechtstaatwidrigkeit aufgehoben.

Literatur: Suckut, S. / Süß, W. (Hg.): Staatspartei und Staatssicherheit. Zum Verhältnis von SED und MfS (1997).


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