Rudolf Bahro


Rudolf Bahro:

Rudolf Bahro gehörte zu den bekanntesten kommunistischen Dissidenten der späten DDR.

1935 im schlesischen Bad Flinsberg geboren, studierte er in den 1950er Jahren marxistische Philosophie an der Ost-Berliner Humboldt-Universität und wurde Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Anschließend war er vorwiegend als Redakteur tätig, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur der Zeitung "Forum". Nach der Veröffentlichung eines kritischen Theaterstücks des DDR-Schriftstellers Volker Braun wurde er dort entlassen und arbeitete seit 1967 als Abteilungsleiter in einem Gummiwerk in Berlin-Weißensee.

1968 protestierte er gegen die Niederschlagung des so genannten Prager Frühlings durch den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei. Seit diesem Zeitpunkt stand er unter ständiger Kontrolle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

1974 informierte seine geschiedene Frau das MfS, dass Bahro an einer systemkritischen Arbeit schrieb, woraufhin dieses die Annahme seiner Dissertation an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg hintertrieb.

Seine Kritik am „real existierenden Sozialismus“ und an dessen russisch-asiatischen Wurzeln legte Bahro schließlich in seinem Buch „Die Alternative“ nieder. Das Manuskript ließ er in die Bundesrepublik schmuggeln, wo es 1977 – zum Teil vorabgedruckt im „Spiegel“ – erschien. Zugleich ließ er mehrere Fernsehinterviews aufzeichnen, die ihn über Nacht international bekannt machten.

Unmittelbar danach, im August 1977, wurde Bahro verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht, wo er zehn Monate in Untersuchungshaft saß.

Im Juni 1978 verurteilte ihn das Stadtgericht Berlin wegen angeblicher "nachrichtendienstlicher Tätigkeit" zu acht Jahren Freiheitsentzug. Er kam in die Sonderhaftanstalt Bautzen II.

Unter dem Druck breiter internationaler Proteste wurde Bahro im Oktober 1979 im Rahmen einer Amnestie freigelassen und zur Ausreise in den Westen genötigt. In der Bundesrepublik war Bahro Gründungsmitglied der Partei DIE GRÜNEN, wurde 1982 Mitglied ihres Bundesvorstands, verließ die Partei aber 1985 wieder.

Ende 1989 kehrte er nach Ostberlin zurück, wo er die SED auf einem Sonderparteitag zu einer ökonomischen Umkehr und ökologischen Lebensweise aufrief.

1990 erhielt er eine Professur an der Humboldt-Universität und gründete dort ein Institut für Sozialökologie. Im Audimax der Humboldt-Universität hielt er Vorlesungen, die unter großem öffentlichen Interesse statt fanden.

Bahro starb 1997 in Berlin im Alter von 62 Jahren an Blutkrebs.

Literatur:
Bahro, R.: Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus (1977).
Herzberg G., Seifert K.: Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare (2002).
Herzberg, G. (Hrsg.): Rudolf Bahro: Denker - Reformator - Homo politicus (2007).


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