Oswin Quast


Oswin Quast:

Oswin Quast wurde 1938 in Neustrelitz geboren. Hier absolvierte er die Schule und anschließend eine Lehre als Bankkaufmann. Doch eigentlich wollte er Musiker werden. Er hatte von Kindheit auf das Klavierspiel erlernt. 1959 gelang es ihm, einen Ausbildungsplatz an der Musikhochschule in Berlin zu bekommen. Parallel dazu holte er an der Abendschule 1960-1962 das Abitur nach und schloss wenig später die Hochschule als Kontrabassist ab. Nach einjähriger Musikertätigkeit in Frankfurt/ Oder wechselte er in das Orchester am Neustrelitzer Theater.

Oswin Quast stand den Verhältnissen in der DDR kritisch gegenüber und hegte den Wunsch, in der Bundesrepublik Deutschland zu leben. Nach einigen Berufsjahren als Musiker wechselte er in den Schuldienst und wurde Musiklehrer. An der Pädagogischen Hochschule Zwickau schloss er nebenberuflich seine Lehrerausbildung ab und arbeitete an einer Neustrelitzer Schule.

1972 entschloss er sich zur Flucht über die tschechoslowakisch-bundesdeutsche Grenze. Nach einer Kur in der DDR fuhr er mit dem Zug in die Tschechoslowakei und übernachtete in Cheb. Dort wurde er bereits beim Versuch, sich der Grenze zu nähern, festgenommen und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR übergeben. Über verschiedene Gefängnisse gelangte er in die MfS-Untersuchungshaftanstalt Neustrelitz. Ende Mai 1972 verurteilte man ihn wegen versuchter Republikflucht zu drei Jahren Freiheitsentzug. Einen großen Teil der Strafe verbüßte er im Gefängnis Cottbus. Nach zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei und er konnte ausreisen.1

 

 

1 Quelle: Jörg Herrmann, Einen Namen hast du da nicht gehabt, Die Stasi-Untersuchungshaftanstalt Neustrelitz in der späten DDR, Gefördert durch: Politische Memoriale e. V. Mecklenburg-Vorpommern, Stadt Neustrelitz, Die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Deutschland 2007.


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