Matthias Melster


Matthias Melster:

Matthias Melster wurde 1966 in Ost-Berlin geboren.

Mit 14 Jahren bekam er erstmals Schwierigkeiten in der DDR, weil er einen verbotenen Aufnäher der Evangelischen Kirche mit der Aufschrift "Schwerter zu Pflugscharen" am Ärmel trug. Er wurde auf eine Polizeiwache gebracht, wo er den Aufnäher abtrennen musste. Außerdem wurde er vor den Schuldirektor zu einem Disziplinargespräch zitiert. Obwohl er der Zweitbeste seiner Klasse war, durfte er in der DDR kein Abitur machen. Seinen Wunsch, Medizin zu studieren, konnte er deshalb nicht verwirklichen. Stattdessen machte er eine Ausbildung als Zahntechniker.

Aus pazifistischer Überzeugung lehnte er jedoch das so genannte Sportschießen ab, das Teil der obligatorischen vormilitärischen Ausbildung war, wodurch er erneut in Schwierigkeiten geriet.

Matthias Melster stellte schließlich einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik, wodurch der Druck auf ihn weiter zunahm. Mehrmals bestellte man ihn zu Gesprächen mit Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die ihn zu seinen Ausreisegründe eingehend vernahmen.

Nach drei abgelehnten Ausreiseanträgen beschloss er im Frühjahr 1987, mit seiner Freundin Susanne über die Tschechoslowakei aus der DDR zu fliehen. Die Flucht misslang und beide wurden im April 1987 verhaftet.

Nach 14-tägiger Haft in tschechischen Gefängnissen kam Melster in die zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi nach Berlin-Hohenschönhausen, wo er fünf Monate lang verhört wurde.

Ein DDR-Gericht verurteilte den 21-jährigen wegen "ungesetzlichem Grenzübertritts" zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis. Es unterstellte einen "besonders schweren Fall", da er die Flucht vorsätzlich geplant hatte.

Seine Haft verbüßte Matthias Melster u.a. im Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).

Anfang Dezember 1987 wurde er von der Bundesregierung freigekauft, doch erst im Februar 1988 konnte er die DDR verlassen.

In West-Berlin holte er das Abitur nach und studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften.

Nach einer zusätzlichen Ausbildung zum Fotografen realisierte Matthias Melster zahlreiche Ausstellungen mit seinen Arbeiten.

Bilder einer Seele

Sein Lebensweg ist Gegenstand des Dokumentarfilms Der irrationale Rest, der 2005 auf der Berlinale gezeigt wurde später im ZDF gesendet wurde.

Jahrelang führte Matthias Melster als Referent Besucher durch das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen.

Matthias Melster arbeit heute als freier Künstler und Fotograf in Berlin.

Internet

Literatur



Zurück