Leo Bauer


Leo Bauer:

Leo Bauer war als KPD-Mitglied Verfolgter der Nazis und als SED-Mitglied von politischen Säuberungen der SED-Diktatur
in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) betroffen.

Leo Bauer wurde 1912 in Skalat, Ostgalizien geboren. Er war Sohn einer jüdischen Handwerksfamilie. Bereits mit 16 Jahren trat er 1928 in die SPD ein. 1931 wechselte er zur KPD. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Nationalökonomie und Rechtswissenschaft, wurde aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 vom Studium ausgeschlossen. Im gleichen Jahr wurde er für mehrere Monate verhaftet und emigrierte anschließend nach Frankreich.

1936 bis 1939 arbeitete er als beigeordneter Sekretär des Hohen Kommissars des Völkerbundes für Flüchtlingswesen. 1939 wurde er in Frankreich verhaftet und in Le Vernet interniert. Er konnte 1940 in die Schweiz flüchten. 1942 bis 1944 war er wegen "Militärspionage" in Genf inhaftiert, danach im Internierungslager Bascourt.

Im August 1945 kehrte er nach Deutschland zurück. Er wurde 1945 bis 1949 Mitglied der Landesleitung der KPD Hessen. Er wurde 1945 bis 1949 Mitglied der Landesleitung der KPD Hessen. Seine Partei benannte ihn als Mitglied des ernannten Beratenden Landesausschusses, dem er vom 26. Februar 1946 bis zum 14. Juli 1946 als Vorsitzender der KPD-Fraktion angehörte. Anschließend wurde er in die Verfassungberatende Landesversammlung (Groß-Hessen) gewählt, wo er vom 15. Juli 1946 bis zum 30. November 1946 als Fraktionsvorsitzender der KPD und Vizepräsident der Landesversammlung amtierte. Für seine Fraktion unterzeichnete er die Verfassung des Landes Hessen. 1945/1946 war er freier Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau und Herausgeber der KPD Zeitschrift "Wissen und Tat".

1949 wechselte Leo Bauer als Chefredakteur nach Ost-Berlin zum Deutschlandsender und trat in die SED ein. Dort fiel er bereits ein Jahr später der politischen Säuberung zum Opfer. Er wurde gemeinsam mit dem Mitherausgeber Paul Merker und vielen anderen wegen ihrer Kontakte zu Noel Field aus der Partei ausgeschlossen. Man warf ihm "Spionage" vor. Am 23. August 1950 wurde Leo Bauer zusammen mit seiner Ehefrau verhaftet. Zuerst wurde er in das Gefängnis in der Berliner Albrechtstraße verbracht, wo er bis zum 28. April 1951 bleiben mußte, bevor er in die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nach Berlin-Hohenschönhausen kam. Hier befand er sich in dem berüchtigtem Kellergefängnis U-Boot bis zum 8. September 1952. Dann wurde er direkt in die Zentrale der sowjetischen Geheimdienstes MGB nach Berlin-Karlshorst überstellt.

Im anschließenden Schauprozess wurde er am 28. Mai 1952 durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) als angeblicher US-Spion zum Tode verurteilt. Folgend wurde er in die UDSSR deportiert und wartete 6 Monate in einer Todeszelle auf seine Hinrichtung. Im Juni 1953 wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit und der Haft in Sibirien / Taischet begnadigt.

1955 kehrte er in die Bundesrepublik zurück. Er trat er SPD bei und arbeitete als Journalist und in den sechziger Jahren Berater von Willy Brandt. Er war politischer Redakteur des Stern und von 1968 bis 1972 Chefredakteur der SPD-Zweimonatsschrift Die Neue Gesellschaft.

Leo Bauer verstarb am 18. September 1972 in Bonn.

 

Publikationen: Bernd-Rainer Barth, Werner Schweizer, Thomas Grimm: Der Fall Noel Field. Basisdruck, Berlin 2006 / Kießling, W.: Partner im „Narrenparadies“. Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker (1994) / Brandt-Berater, Schrecklicher Akzent, Der Spiegel, 1970.


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