Kurt Wünsche


Kurt Wünsche:

Kurt Wünsche, ehemaliger Justizminister der DDR, war Täter und Opfer zugleich.

Geboren 1929 in Obernigk/Polen, wuchs er in Dresden auf und trat bereits als Schüler der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) bei. Nach dem Abitur war er im LDPD-Kreisverband Dresden und im Landesverband Sachsen tätig. Ab 1951 arbeitete er als Hauptabteilungsleiter für den Parteivorstand.

Aufgrund einer Denunziation wurde er im Dezember 1953 vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verhaftet und kam in die zentrale Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Das MfS unterstellte ihm Kontakte zur Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und zum Ostbüro der SPD. Nach vier Monaten Untersuchungshaft wurde er jedoch wieder entlassen, da die Beschuldigungen widerrufen wurden und sich keinerlei Beweise für sie fanden. Vom MfS erhielt er deshalb – ein seltener Fall – eine Haftentschädigung von 2000 DDR-Mark.

Anschließend absolvierte er ein Jura-Studium und promovierte 1964 an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam. Von 1954 bis 1972 war er Volkskammerabgeordneter der LDPD, seit 1967 Minister der Justiz. In dieser Eigenschaft war er maßgeblich an der Verschärfung des politischen Strafrechts in der DDR beteiligt.

Aufgrund von Differenzen über die Verstaatlichung von privaten und halbstaatlichen Betrieben trat er 1972 zurück. Danach arbeitete er als Professor für Gerichtsverfassungsrecht an der Berliner Humboldt-Universität.

Im Zuge der friedlichen Revolution war er von Januar bis August 1990 erneut Minister für Justiz, zunächst im Kabinett von Hans Modrow (SED-PDS), dann unter Lothar de Maizière (CDU). Opferverbände protestierten 2008 dagegen, dass ihm wegen dieser Tätigkeit rückwirkend ab dem 55. Lebensjahr eine "Ehrenpension" in Höhe von 650 Euro pro Monat wegen „Verdiensten um die Deutsche Einheit“ bewilligt wurde.


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