Jürgen Fuchs


Jürgen Fuchs:

Der Schriftsteller und Psychologe Jürgen Fuchs war einer der bedeutendsten Kritiker der SED-Diktatur in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

1950 in Reichenbach im Vogtland geboren, begann er nach seinem Grundwehrdienst 1971 ein Studium der Sozialpsychologie an der Universität Jena.

1973 trat er der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bei, um die DDR von Innen zu verändern.

Ab 1971 veröffentlichte er in Zeitschriften und Anthologien gesellschaftskritische Lyrik und Prosa in der DDR. Wegen seiner kritischen Auffassungen wurde er vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) seit seinem zwanzigsten Lebensjahr “operativ” bearbeitet. Nach einem Auftritt mit dem Liedermacher Gerulf Pannach wurde er 1975 aus der SED ausgeschlossen. Zugleich wurde gegen ihn ein Exmatrikulationsverfahren eingeleitet. Fuchs zog deshalb mit seiner Frau und seiner gerade geborenen Tochter in das Gartenhaus des Regimekritikers Robert Havemann.

Nach der Zwangsausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 wurde Fuchs auf der Fahrt zum Ostberliner Büro des “Spiegels” verhaftet und in die zentrale Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen eingeliefert. Jürgen Fuchs war im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen in den Zellen 111, 117, 306 und 332 inhaftiert.

Die monatelangen Verhöre beschrieb er später auf eindrückliche Weise in seinem Buch “Vernehmungsprotokolle”.

Im August 1977 wurde er schließlich nach West-Berlin ausgebürgert, wo er bis zum Zusammenbruch der SED-Diktatur die aufkeimende Opposition in der DDR unterstützte. Auch im Westteil Berlins wurde er deshalb von der Stasi jahrelang ausgeforscht und mit “Zersetzungsmaßnahmen” überzogen.

Jürgen Fuchs verstarb 1999 an den Folgen einer Blutkrebserkrankung, von der er selbst vermutete, dass sie von der Stasi durch Zufügung radioaktiver Substanzen verursacht worden sein könnte.

Jürgen Fuchs, Gedächtnisprotokolle (1977).
Jürgen Fuchs, Vernehmungsprotokolle (1978).
Jürgen Fuchs, Fassonschnitt (1984).
Jürgen Fuchs, Magdalena (1999).
Udo Scheer, Ein literarischer Weg in die Opposition (2007)


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