Johann Burianek


Johann Burianek:

Johann Burianek war ein Mitglied der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und wurde in einem Schauprozessopfer der DDR-Justiz zum Tode verurteilt.

 

Während des Zweiten Weltkrieges diente Johann Burianek in der deutschen Wehrmacht. In den letzten Kriegstagen nahm er einen desertierten Soldaten fest und brachte ihn zur Kommandantur. Aus diesem Grund wurde Burianek folgend im November 1949 von einem Gericht der DDR wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Von der Strafe saß er ein knappes halbes Jahr ab, da die Reststrafe bereits im April 1950 zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Er fand danach Arbeit als Kraftfahrer im VEB Secura-Mechanik Berlin. Zwischen Juli 1950 und März 1951 schleuste er mehrere tausend Exemplare der westlichen Schriften Kleiner Telegraf und Tarantel in den sowjetischen Sektor von Berlin ein. Im März 1951 wurde er von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) angeworben, in deren Auftrag er zahlreiche Sabotageakte, wie im VEB Secura, und erfolglose Brandanschläge auf die Weltfestspiele der Jugend und Studenten ausübte. Sein größtes Vorhaben war die für den 21. Februar 1952 vorgesehene Sprengung einer Eisenbahnbrücke bei Erkner, um den Blauen Expreß, den D-Zug Berlin-Warschau-Moskau, zum Entgleisen zu bringen. Dazu nahm er auch den voraussichtlich bei dem geplanten Zugunglück zu erwartenden Tod von Menschen in Kauf. Der Sprengstoff für diesen Anschlag wurde Burianek von der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit zwar ausgehändigt, allerdings scheiterte diese Aktion kurzfristig aufgrund eines fehlenden Fluchtfahrzeuges, das die KgU nicht zur Verfügung stellen konnte.

Negativ verlief für die KgU die für die Nacht vom 29. Februar zum 1. März 1952 geplante Sprengung der S-Bahn-Brücke in Berlin-Spindlersfeld. Unmittelbar danach, am 5. März 1952, wurde Burianek durch das MfS der DDR festgenommen. Im März 1952 wurde Johann Burianek ins U-Boot, Zelle 30 (Box 3) der zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit nach Berlin-Hohenschönhausen von der Stasi verbracht, bis er am 15. Mai 1952 in einem großen Schauprozess des Obersten Gerichts der DDR unter Vorsitz von Hilde Benjamin als „Agent der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ angeklagt wurde. Im Urteil vom 25. Mai 1952 wurde mit Johann Burrianek zum ersten Mal vom Obersten Gericht ein Angeklagter in der DDR zum Tode verurteilt. Er wurde zwei Monate später am 2 August 1952 in der Zentralen Hinrichtungsstätte (bis 1956) der DDR in Dresden hingerichtet.

 

2005 wurde die Verurteilung Burianeks auf Initiative der „Arbeitsgemeinschaft 13. August“ vom Landgericht Berlin nach den Vorschriften des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes für rechtsstaatswidrig erklärt und aufgehoben. Im Einklang mit den Vorschriften des Gesetzes verzichtete das Gericht darauf, seine Entscheidung zu begründen.

 

Publikationen: Kai-Uwe Merz, Kalter Krieg als antikommunistischer Widerstand. Die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit 1948–1959, München: Oldenbourg, 1987; Rudi Beckert, Die erste und letzte Instanz. Schau- und Geheimprozesse vor dem Obersten Gericht der DDR, Keip Verlag, Goldbach 1995; Karl Wilhelm Fricke und Roger Engelmann, Konzentrierte Schläge. Staatssicherheitsaktionen u. polit. Prozesse in der DDR 1953 – 1956, Berlin 1998; Gerhard Finn: Nichtstun ist Mord. Die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit. Westkreuz-Verlag, Bad Münstereifel 2000; Der Tagesspiegel Berlin, Tod an der Front des Kalten Krieges, 09.10.2005; Ilko-Sascha Kowalczuk, Johann Burianek. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links Verlag, Berlin 2010.


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