Herbert Pfaff


Herbert Pfaff:

Herbert Pfaff wurde 1934 in Berlin geboren und lernte den Beruf eines Maschinenschlossers.

Obwohl er sich für Politik nicht interessierte, fuhr er im Alter von 20 Jahren mit Freunden in den Ostteil Berlins zu einem Treffen der kommunistischen Freien Deutschen Jugend (FDJ). Am S-Bahnhof Pankow fand er dabei einen Ausweis, der einem Bewohner Ost-Berlins gehörte. Als dieser bei ihm gefunden wurde, verhaftete man ihn unter Spionageverdacht.

Er kam in die zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nach Berlin-Hohenschönhausen. Im so genannten "U-Boot" musste er sieben Monate lang in einer fensterlosen Kellerzelle einsitzen. Da sich der Verdacht nicht bestätigte, wurde er jedoch wieder freigelassen. Zuvor musste er sich aber dazu verpflichten, niemandem etwas über seine Haftzeit zu berichten.

Nach seiner Entlassung trat er in West-Berlin in die CDU ein. Er arbeitete dort beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dieses war damals mit der Ausstellung von Passierscheinen betraut, die es nach dem Mauerbau West-Berlinern erstmals wieder erlaubten, in den Ostteil der Stadt zu fahren. Herbert Pfaff nutzte dies, um DDR-Bürgern heimlich in den Westen zu verhelfen.

Bis November 1964 ermöglichte er 46 Menschen die Flucht mit gefälschten Papieren über den Grenzübergang Berlin-Friedrichstraße.

Im November 1964 wurde er dort festgenommen und erneut in das Stasi-Gefängnis nach Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Acht Monate saß er dort in Einzelhaft und wurde verhört. Am 17. Juni 1965 verurteilte ihn das Stadtgericht Groß-Berlin zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus.

Die Haftstrafe musste er in Cottbus und Waldheim verbüßen. Im Mai 1967 wurde er entlassen und konnte zurück nach West-Berlin.

Erst 1992 erfuhr er aus Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), dass ihn ein DRK-Kollege an die Stasi verraten hatte.


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