Heinz Brandt


Heinz Brandt:

Der ehemalige SED-Funktionär Heinz Brandt war eines der prominentesten Entführungsopfer des DDR-Staatssicherheitsdienstes.

1909 in Posen (heute: Poznan/Polen) geboren, begann er in den 1920er Jahren ein Volkswirtschaftsstudium an der Berliner Universität. Er konnte es jedoch nicht beenden, da er 1930 aus politischen Gründen relegiert wurde.

Ein Jahr später trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein. Wegen seiner illegalen Aktivitäten gegen das Hitler-Regime wurde er vom Berliner Kammergericht 1935 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach so genannter Sicherheitsverwahrung in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Auschwitz erlebte er das Ende der NS-Diktatur im Konzentrationslager Buchenwald.

Im Anschluss an seine Rückkehr nach Berlin arbeitete er als Parteifunktionär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). 1952 stieg er als Sekretär in die Berliner Landesleitung der SED auf.

Nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin (5. März 1953) unterstützte Brandt den im Juni 1953 verkündeten „Neuen Kurs“, der eine Rücknahme verschiedener repressiver Maßnahmen gegen die Bevölkerung vorsah. Auf seine Initiative hin nahm das Politbüro der SED die Normenerhöhung zurück, gegen die am 16. und 17. Juni DDR-weit Hunderttausende Arbeiter demonstrierten.

Nach der Niederschlagung des Volksaufstandes verlor Heinz Brandt im Zuge parteiinterner Säuberungen seine Leitungsfunktion in der SED. Die Enthüllungen über die Verbrechen Stalins auf dem XX. Parteitag in Moskau (Februar 1956) und das Schicksal seiner in die Sowjetunion emigrierten und den dortigen Säuberungen zum Opfer gefallenen Geschwister Lilly und Richard beschleunigten seine Abkehr vom Kommunismus.

1958 flüchtete er schließlich mit seiner Familie in den Westen und wurde Redakteur der Gewerkschaftszeitung "Metall". In der Bundesrepublik unterhielt er auch Kontakte zum "Ostbüro der SPD".

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das ihn bereits seit längerer Zeit überwacht hatte, lockte ihn im Sommer 1961 nach West-Berlin. Dort ließ die Stasi ihm durch eine junge Frau ein Betäubungsmittel zuführen und entführte ihn anschließend in den Ostteil der Stadt.

Nach mehrmonatigen Verhören im Stasi Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR 1962 wegen angeblicher "schwerer Spionage in Tateinheit mit staatsgefährdender Propaganda und Hetze im schweren Fall" in einem Geheimprozess zu 13 Jahren Zuchthaus.

Fast zwei Jahre lang saß er in der Sonderhaftanstalt Bautzen II, bis eine internationale Solidaritätskampagne, an der sich auch die gerade gegründete Hilfsorganisation für politische Gefangene "Amnesty International" beteiligte, seine Begnadigung erwirkte.

Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik arbeitete er erneut für die Gewerkschaftszeitung „Metall“ und engagierte sich bis zu seinem Tod 1986 in Frankfurt am Main für verfolgte Kritiker in der DDR.

Literatur:
Brandt, H.: Ein Traum, der nicht entführbar ist (1967).


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