Hartmut Rührdanz


Hartmut Rührdanz:

Hartmut Rührdanz gehört zu den Menschen, die vom Bau der Mauer besonders betroffen waren.

Hartmut Rührdanz wurde 1928 in Greifswald geboren. Er erlernte den Beruf des Autoschlossers und Bootsbauers, danach absolvierte er ein Studium zum Schiffbau- und Schweißfachingenieur. 1961 lebte er mit seiner damaligen Ehefrau Sigrid Paul und ihrem im Januar geborenen Sohn Thorsten in Ost-Berlin. Thorsten litt damals an einer schweren Krankheit, die nur durch Medikamente aus dem Westteil der Stadt behandelt werden konnte. Als am 13. August 1961 die Mauer gebaut wurde, war das Kind plötzlich davon abgeschnitten. Erst nach Überwindung zahlreicher bürokratischer Hürden, gelang es den Eltern, ihren Sohn in eine West-Berliner Klinik zu überweisen. Sie bekamen jedoch keine regelmäßige Besuchserlaubnis.

Mit gefälschten Pässen versuchten sie daraufhin vergeblich, über Skandinavien aus der DDR zu fliehen. Nachdem sie drei Studenten, die sie bei dem misslungenen Fluchtversuch kennengelernt hatten, bei sich hatten übernachten lassen, wurde das Ehepaar im Februar 1963 verhaftet. Wie sich später herausstellte, wollten die drei durch einen Tunnel an der Brunnenstraße flüchten, was durch einen Informanten an das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) verraten worden war.

Hartmut Rührdanz und seine Frau Siegrid kamen nach ihrer Verhaftung durch die Stasi zunächst in die Untersuchungshaftanstalt in der Berliner Magdalenenstraße, wo sie 22 Stunden verhört wurden. Danach brachte man sie in die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen, wo sie zwar in verschiedene Zellen kamen, sich jedoch zeitweise noch über Klopfsignale verständigen konnten.

Das Bezirksgericht Rostock verurteilte Hartmut Rührdanz im August 1963 wegen Beihilfe zur Republikflucht zu vier Jahren Zuchthaus. Als Strafgefangener arbeitete er danach im Arbeitskommando (SGAK) der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen als Autoschlosser. Später wurde er nach Bautzen verlegt, nachdem er Mitarbeiter des Stasi bei der Staatsanwaltschaft wegen Erpressung angezeigt hatte.

Im August 1964 wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Er musste jedoch in der DDR bleiben und blieb Zeit seines Lebens beruflich diskriminiert. Nach dem Sturz der SED-Diktatur war er maßgeblich am Aufbau der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen beteiligt.

Literatur; Paul, Sigrid: Mauer durchs Herz, Berlin 2007, ISBN 978-3-00-021292-5; Funder, Anna: Stasiland, Hamburg 2004, S. 264-279; Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Hg.): Die vergessenen Opfer der Mauer. Flucht und Inhaftierung in Deutschland 1961-1989. Berlin o. J., S. 41; Materialien der Enquete-Kommission: Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit, Bd. II/1, S. 156-159; Nooke, Maria: Der Verratene Tunnel. Geschichte einer verhinderten Flucht im geteilten Berlin 2002, S. 97 ff.


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