Gerulf Pannach


Gerulf Pannach:

Der Musiker und Liedermacher Gerulf Pannach war einer der bekanntesten DDR-Künstler, der nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 in Stasihaft kam.

Gerulf Pannach wurde 1948 in Arnsdorf bei Dresden geboren. Er begann er in der DDR zunächst ein Jurastudium. Nach dessen Abbruch war er unter anderem für die so genannte Singebewegung und verschiedene Musikgruppen tätig. Als Keyboarder der in der DDR außerordentlich populären "Klaus Renft Combo" schrieb er ab Anfang der siebziger Jahre zahlreiche SED-kritische Liedtexte. Sie führten 1975 schließlich zu einem Auftrittsverbot der Gruppe, das vom Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, persönlich gebilligt worden war.

Mit den Renft-Musikern Christian Kunert und Thomas Schoppe sowie dem Lyriker Jürgen Fuchs nahm Pannach jedoch heimlich weiter Musikstücke auf.

Am 21. November 1976 wurde Gerulf Pannach zusammen mit Jürgen Fuchs und Christian Kuhnert von der Stasi auf offener Straße verhaftet, erst in die Magdalenenstraße und dann in die zentrale Untersuchungshaftanstalt (UHA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nach Berlin-Hohenschönhausen verbracht. Dort wurde er über mehrere Monate hinweg verhört und bedrängt, die DDR statt einer ihm angedrohten langjährigen Haftstrafe durch das Einwilligen in eine vorzeitige Ausreise in den Westen zu entkommen. Während der Untersuchungshaft in Hohenschönhausen befindet sich Gerulf vom 05.08. bis 26.08.1977 wegen auftretender gesundheitlicher Probleme in den ebenfalls auf dem Gelände der Untersuchungshaftanstalt liegendem zentralen Stasi-Haftkrankenhaus. Auch während dieser Zeit gehen die Veröre und die Zerstzung von Gerulf weiter.

Nach achtmonatiger Untersuchungshaft in Hohenschönhausen wird Gerulf Pannach am 26 August 1977 zusammen mit Jürgen Fuchs und Christian Kunert in den Westen abgeschoben. Dort traten Pannach und Kunert als Duo auf und spielten insgesamt fünf Schallplatten ein. Nach dem Mauerfall im November 1989 trat Gerulf Pannach wieder mit der neu gegründeten Renft Combo auf. Als Texter arbeitete er auch für die Puhdys und für Veronika Fischer.

Gerulf Pannach verstarb 1998 in Berlin an Nierenkrebs.

Am bekanntesten waren wohl seine für Renft geschriebenen Lieder Apfeltraum und Als ich wie ein Vogel war. Charakteristisch für Pannach sind etwa folgende Liedzeilen aus "Überholen ohne einzuholen" /

Mensch, wir werden fett gefüttert.
Mit Kampagnen immer neu.
Und ich krieg das große Kotzen.
Mensch, ich fraß schon massig Heu.


Gerulf Pannach ist mit seinem Arbeiten, den Texten und Liedern ein Beispiel für jene Künstler und Oppositionellen, die im Krieg der Ideologen zwischen die Fronten gerieten, als Grenzgänger in Ost und West wenig Freunde fanden und unter einem seltsamen deutsch-deutschen Exil litten. Dafür stehen seine kurz nach der Zwangsausbürgerung entstandenen Zeilen:

Ob im Osten oder Westen
wo man ist, ist's nie am besten
suche, Seele suche
fluche, Seele, fluche.


nach einem Gedicht des von den Nationalsozialisten ermordeten Dichters Erich Mühsam, Weiter immer weiter.


Literatur / Als ich wie ein Vogel war. Gerulf Pannach: Die Texte. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Hrsg. Salli Sallmann, Berlin 1999.

Platten / Fuchs, Pannach, Kunert: Für uns, die wir noch hoffen, CBS, 1977 / Pannach und Kunert live in Schweden: Sänger mot Rädslan, 1978
Pannach und Kunert, CBS, 1979 / Pannach und Kunert: Fluche Seele, fluche, MOOD Records 1982 / als CD bei Nebelhorn/Buschfunk, 1996 / Pannach und Kunert live: Pretty Woman guck nicht so!, Bluesong, 1991 /

CD / Gerulf Pannach: Yorck 17, BMG Ariola, 1996 / Pannach und Kunert: Gib mir 'ne Hand voll Glück. Live 1977–1993, Buschfunk, 2000 / Für uns, die wir noch hoffen. Lieder von Gerulf Pannach & Christian Kunert. Prosa von Jürgen Fuchs. Leipzig 1976, West-Berlin 1977. Herausgegeben von Doris Liebermann und Bodo Strecke. Hörbuch, 3 CDs, Marktkram, 2013.


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